{"id":1000,"date":"2019-07-02T21:59:37","date_gmt":"2019-07-02T19:59:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orbi.or.at\/?p=1000"},"modified":"2019-07-02T21:59:47","modified_gmt":"2019-07-02T19:59:47","slug":"118-artikel-herbst-1987-stallmist-oder-stallmistkompost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2019\/07\/02\/118-artikel-herbst-1987-stallmist-oder-stallmistkompost\/","title":{"rendered":"118. Artikel Herbst 1987 \u2013 \u201eStallmist oder Stallmistkompost?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im biologischen Landbau gilt es als ausgemacht, dass dem kompostierten, mehr oder weniger vollkommen verrotteten Mist unbedingt den Vorzug geb\u00fchre gegen\u00fcber dem sonst \u00fcblichen Verfahren, den Stallmist ungeachtet seines Zustandes auszubringen und m\u00f6glichst auch unterzupfl\u00fcgen. Die W\u00fcchsigkeit, Gesundheit, Keimfreudigkeit und Sch\u00e4dlingsfreiheit k\u00f6nnen bedeutend gesteigert werden, wenn der Mist vorbehandelt wurde und nicht stallfrisch aufs Feld kommt.<br \/>\nZahlreiche Boden- und Komposttestierungen, Topf- und Freilandversuche haben \u00fcberzeugt, dass der Unterschied zwischen dem frischen und dem vorbehandelten Stallmist nicht im unterschiedlichen N\u00e4hrstoffgehalt, nicht im Verhalten des Stickstoffs, nicht in der Bindung neuer, zugef\u00fchrter Energien, sondern ganz allein in dem Ablauf und der Entwicklung der mikrobiologischen Umsetzungsvorg\u00e4nge liegt. Der bedeutungsvolle Unterschied besteht darin, dass die Phase der F\u00e4ulnis beim Frischmist noch nicht beendet ist, w\u00e4hrend sie beim guten, brauchbaren und f\u00fcr die Pflanze uneingeschr\u00e4nkt vertr\u00e4glichen Mistkompost abgeschlossen ist. Jede andere Ver\u00e4nderung, die sonst noch beobachtet wird, ist unwesentlich.<br \/>\nDer chemisch nachweisbare N\u00e4hrstoffgehalt ist, mit Ausnahme des Stickstoffgehaltes, bei richtigem Verfahren vor und nach der Kompostierung praktisch gleich. Der Stickstoffgehalt sinkt, teilweise sehr bedeutend, w\u00e4hrend der Kompostierung ab, weshalb man in der Agrikulturchemie veranlasst war zu lehren, den Mist sobald wie m\u00f6glich, dh. so frisch wie m\u00f6glich, aufs Feld zu bringen, weil man sonst hohe Verluste an Stickstoff in Kauf nehme. Die chemische Analyse zeigt nicht, dass der Kompost auch bez\u00fcglich des Stickstoffs besser ist als der bedeutend stickstoff-haltigere Frischmist; erst durch das endg\u00fcltige Resultat ergibt sich: Die Pflanze hat nach beendetem Wachstum aus dem kompostierten Stallmist tats\u00e4chlich mehr Stickstoff gewonnen als aus dem Frischmist. Diese Beobachtung weist darauf hin, dass es nicht auf den Stickstoffgehalt an sich ankommt, sondern auf den Ablauf der Vorg\u00e4nge, die der Pflanze den Stickstoff vermitteln; sie laufen offenbar besser ab, wenn der Mist vorbehandelt ist.<br \/>\nWir wollen in Erinnerung rufen, dass der biologische Landbau nicht denkbar ist ohne die richtige Behandlung der lebendigen D\u00fcnger. Es ist und bleibt eine unumst\u00f6\u00dfliche Tatsache, dass der Unterschied zwischen Frischmist und Mistkompost einen ganz entscheidenden Raum einnimmt im Denken des biologischen Bauern. Der biologische Landbau will Leben erzeugen, Lebensvorg\u00e4nge in Gang halten und Nahrung wachsen lassen nach den Gesetzen des Lebendigen. Das ist undenkbar ohne eine richtige F\u00fchrung der entscheidenden Lebensvorg\u00e4nge in den organischen D\u00fcngern.<br \/>\nIn der Natur gehen die Abbauvorg\u00e4nge in der Oberfl\u00e4che vor sich, die Aufbau- und Humusbildungs-Vorg\u00e4nge in der tieferen Schicht der lebendigen Krume, also streng getrennt. Beide, die Abbau- wie die Aufbauphase der Humusbildung gehen bei der \u00fcblichen Frischmist-D\u00fcngung durcheinander, w\u00e4hrend sich in der kompost-versorgten Erde nur die letzte Phase der Humusbildung vorfindet.<br \/>\nDer Wurzel-Organismus der Pflanze meidet streng alle Schichten, in denen Abbau und F\u00e4ulnis vor sich gehen. In der Natur ist das nur die oberste Schicht. Bei der F\u00e4ulnismistd\u00fcngung aber besteht keine Schichtbildung, hier laufen zwangsweise Abbauvorg\u00e4nge, wenn auch bedeutend langsamer, in der Tiefe der lebendigen Schichten ab, wo sie nicht hingeh\u00f6ren. Die Pflanzenwurzel findet keine Ordnung vor, an die sie sich halten kann, sondern ist gezwungen, sich mit den F\u00e4ulnisvorg\u00e4ngen abzufinden und schlecht und recht durchzuhalten, bis sie abgelaufen sind. Das erkl\u00e4rt die beobachtete Verz\u00f6gerung im Wachstum und in der Keimung der Samen.<br \/>\nDas Pflanzenwachstum ist erst dann wirklich nat\u00fcrlich, wenn die Pflanze ihren Stickstoffbedarf aus der Lebenst\u00e4tigkeit des Bodens vollkommen zu decken vermag.<br \/>\nDas praktische Vorgehen kann aus folgenden Formeln abgeleitet werden:<br \/>\n1. Die ideale Form der organischen D\u00fcngung ist diejenige, die eine nat\u00fcrliche Schichtbildung auf dem Feld bewirkt. Dazu geh\u00f6rt die nat\u00fcrliche Trennung von Abbauvorg\u00e4ngen in der obersten und Aufbauvorg\u00e4ngen in der darunterliegenden Bodenschicht.<br \/>\n2. Diese Trennung ist nur m\u00f6glich, wenn organische D\u00fcnger, soweit sie nicht vollkommen vererdet sind, ausschlie\u00dflich als Bodenbedeckung benutzt werden.<br \/>\n3. Die D\u00fcngewirkung organischer D\u00fcnger ist dann am gr\u00f6\u00dften, wenn die Oberfl\u00e4chendecke aus Material besteht, das sich in der Phase der Faulung\/G\u00e4rung befindet.<br \/>\n4. Muss der organische D\u00fcnger aus praktischen Gr\u00fcnden untergearbeitet werden, so darf kein Material verwendet werden, das sich noch in der Faulphase befindet, insbesondere kein frisches.<br \/>\nDie Mistkompostierung beh\u00e4lt also einstweilen ihre Berechtigung, sie ist vorl\u00e4ufig unentbehrlich. Es ist ein Grundgesetz des biologischen Landbaues, dass von der Wurzel der Kulturpflanzen alle Stoffe ferngehalten werden, die dort nat\u00fcrlicherweise nicht hingeh\u00f6ren. Anders gibt es keinen nat\u00fcrlichen Pflanzenwuchs, keine echte Pflanzen-Gesundheit und keinen biologischen Vollwert. Mit dme Unterpfl\u00fcgen von frischem oder faulendem Mist verst\u00f6\u00dft man gegen dieses fundamentale Gesetz. Wer das nicht einsieht, sollte sich nicht wertig ansehen. Ein Boden, in dessen Tiefe sich F\u00e4ulnis- und G\u00e4rungsvorg\u00e4nge abspielen m\u00fcssen, weil wir ihn dazu zwingen, kann nicht als nat\u00fcrlich, gesund, mit anderen Worten: als biologisch angesehen werden. Daran ist nicht zu r\u00fctteln.<br \/>\nEs ist nicht umsonst, wenn man sich nach wie vor mit der Kunst der Kompostbereitung besch\u00e4ftigt und sich darin soweit wie m\u00f6glich vervollkommnet. Es wird n\u00e4mlich immer Materialien im organischen Landbau geben, die man kompostieren muss, weil man sie anders nicht gut verwenden kann, und es wird auch immer Kulturpflanzen geben, denen man \u2013 mindestens zu Anfang ihres Wachstums \u2013 lieber Komposte geben soll als eine frische Oberfl\u00e4chend\u00fcngung. Au\u00dferdem wird der allererste Teil der Kompostierung, die Anfaulung des Materials, niemals ganz entbehrlich werden, einfach deshalb, weil das Material sonst praktisch schlecht verwertbar ist. Die Kunst des Kompostierens wird also, trotz neuer Erkenntnisse, immer ein Kernst\u00fcck und Pr\u00fcfstein f\u00fcr den organischen Landbau bleiben. M\u00f6gen sich das diejenigen zu Herzen nehmen, die immer wieder nach Gr\u00fcnden suchen, um sich die M\u00fche \u2013 mehr die M\u00fche des Nachdenkens als die M\u00fche der Arbeit! \u2013 zu sparen. Was n\u00fctzt alle wissenschaftliche Arbeit, wenn sie keine praktischen Fr\u00fcchte tr\u00e4gt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im biologischen Landbau gilt es als ausgemacht, dass dem kompostierten, mehr oder weniger vollkommen verrotteten Mist unbedingt den Vorzug geb\u00fchre gegen\u00fcber dem sonst \u00fcblichen Verfahren, den Stallmist ungeachtet seines Zustandes auszubringen und m\u00f6glichst auch unterzupfl\u00fcgen. Die W\u00fcchsigkeit, Gesundheit, Keimfreudigkeit und Sch\u00e4dlingsfreiheit k\u00f6nnen bedeutend gesteigert werden, wenn der Mist vorbehandelt wurde und nicht stallfrisch aufs Feld &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2019\/07\/02\/118-artikel-herbst-1987-stallmist-oder-stallmistkompost\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">118. Artikel Herbst 1987 \u2013 \u201eStallmist oder Stallmistkompost?\u201c<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1000"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1000"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1000\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1133,"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1000\/revisions\/1133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1000"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1000"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1000"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}