{"id":258,"date":"2017-10-10T19:19:51","date_gmt":"2017-10-10T17:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=258"},"modified":"2017-10-10T19:44:32","modified_gmt":"2017-10-10T17:44:32","slug":"4-artikel-winter-1953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/4-artikel-winter-1953\/","title":{"rendered":"4. Artikel, Winter 1953"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Bodenwissenschaft und Kunstd\u00fcnger&#8220;\u00a0<\/b><\/p>\n<p>1. Liebing entdeckt vor ca. 150 Jahren die F\u00e4higkeit der Pflanze wassergel\u00f6ste\u00a0Salzverbindungen von Elementen aus dem stets vorhandenen Bodenwasser\u00a0aufzunehmen und als N\u00e4hrstoff zu verwenden. Diese Erkenntnis wurde zur\u00a0Grundlage aller Kunstd\u00fcngerentwicklung, die zu einem fast ausschlie\u00dflich\u00a0angewandten Verfahren wurde. Gest\u00fctzt auf Liebigs Erkenntnis entwickelte \u00a0die\u00a0Kunstd\u00fcngerindustrie und ihre wissenschaftlichen St\u00fctzen den Grundsatz, dass die\u00a0Pflanze nur wassergel\u00f6ste Mineralverbindungen aufnehmen k\u00f6nne und dass diese\u00a0das einzig richtige Futter f\u00fcr sie seien.<\/p>\n<p>2. Kluge Bodenkundler aus aller Welt erhoben Bedenken:<\/p>\n<p>a)Gegen eine schrankenlose Verwendung von Mineralsalzen als\u00a0Hauptbestandteil einer nicht nat\u00fcrlichen D\u00fcndung und damit die\u00a0Gefahr der \u00dcberd\u00fcngung<\/p>\n<p>b) Es wurde beobachtet: Der Verfall der Kr\u00fcmelstruktur, eine\u00a0vermehrte Bildung ungebundener mineralischer Feinsubstanz mit\u00a0Verkrustung, Vorschl\u00e4mmung und Verdichtung der B\u00f6den, Verschwinden der Regenw\u00fcrmer, Abh\u00e4ngigkeit von regelm\u00e4\u00dfigen Niederschl\u00e4gen steigt, Kunstd\u00fcngerb\u00f6den verarmen an Mikroorganismen, Sch\u00e4dlinge und Pflanzenkrankheiten wurden\u00a0allm\u00e4hlich zu einer allj\u00e4hrlich und \u00fcberall drohenden Gefahr, gegen\u00a0die man mit teils schweren Giften zu Felde ziehen musste, ohne ihrer\u00a0Herr zu werden. Dies allein sollte zu denken geben, das im\u00a0D\u00fcngesystem schwere Fehler zu suchen sind.<br \/>\n3. Ein solcher ist die zwangsweise Verabreichung von oft sto\u00dfweise zugef\u00fchrten\u00a0Salzen, die die Pflanze zum Geilwuchs treiben. Ein solcher ist die totale\u00a0Vernachl\u00e4ssigung des Bodens und seines Lebens, seine Herabsetzung zum\u00a0Pflanzenstandort. Jede Bodenwissenschaft wird \u00fcberfl\u00fcssig gemacht und mit ihr das\u00a0tausendf\u00e4ltig wechselnde organisch produktive Leben des Erdbodens.<\/p>\n<p>4. Es gibt im nat\u00fcrlichen lebendigen Boden von selbst kaum nennenswerte Mengen\u00a0wasserl\u00f6slicher Mineralien. Was die Pflanze f\u00fcr den Aufbau ihres Organismus und\u00a0zur Bindung ihrer Wirkstoffe braucht, holt sie sich durch einen echten\u00a0Verdauungsvorgang selbst aus dem Boden und seinen unl\u00f6slichen Mineralien\u00a0heraus. Der Kunstd\u00fcnger vermag niemals die aktive Arbeit des Organismus Pflanze\u00a0nur ann\u00e4hernd zu imitieren und die Mineralaufnahme so fein zu regulieren, wie es die\u00a0gesunde Pflanze auf dem gesunden Boden von selbst tut.<\/p>\n<p>5. Der Organismus Pflanze ist auf den Organismus Boden angewiesen, aus ihm holt sie\u00a0ihre Nahrung, der Organismus Boden ist aber genauso auf den Organismus Pflanze\u00a0angewiesen, die Wurzelhaare der Pflanze sind das Futter der Bodenmikroorganismen, \u00a0ohne Wurzelt\u00e4tigkeit der Pflanze stirbt der Boden, es tritt\u00a0Inkohlung (Vertorfung) ein. Der Kunstd\u00fcnger zerst\u00f6rt dieses grundlegende\u00a0Kr\u00e4ftespiel zwischen den Organismen.<\/p>\n<p>6. Man muss der Pflanze die Auswahl der Mineralstoffe selbst \u00fcberlassen, soll sie\u00a0gesund bleiben. Jede \u00dcberdosierung f\u00fchrt zu Sch\u00e4digungen, Versuche mit\u00a0wasserl\u00f6slichen Spurenelementen haben das deutlich gezeigt. Es ist daher schwer,\u00a0wenn nicht unm\u00f6glich, die Salzd\u00fcnger so zu dosieren, dass die Dosis den nat\u00fcrlichen<\/p>\n<p>Wachstumsgesetzen und Anspr\u00fcchen der Pflanze entspricht. Gibt man aber der\u00a0Pflanze Gesteinsmehle, die die Spurenelemente in ihrer urspr\u00fcnglichen ungel\u00f6sten\u00a0Form enthalten, so l\u00f6st sie sich das heraus was sie braucht und nicht mehr, alles\u00a0zuviel bleibt in ungel\u00f6ster Form im Boden.<\/p>\n<p>7. Versuche auch in USA haben ergeben, dass Pflanzenwurzeln imstande sind,\u00a0Mineralien auch ohne Vermittlung des Wassers aufnehmen zu k\u00f6nnen. &#8222;Wenn der\u00a0Humus keine wassergel\u00f6sten Mineralsalze enth\u00e4lt, wenn eine zu gro\u00dfe Gabe von\u00a0Salzen zu \u00dcberdosierung und Schaden der Pflanze f\u00fchren kann, wenn die nicht-l\u00f6slichen Mineralien aber niemals zur \u00dcberdosierung in der Pflanze f\u00fchren und wenn\u00a0schlie\u00dflich nachzuweisen ist, das die Pflanze Mineralien sogar ohne Wasser in ihre\u00a0S\u00e4fte \u00fcberf\u00fchren kann, dann muss die Meinung der Kunstd\u00fcngerwirtschaft &#8222;Die\u00a0Pflanze bed\u00fcrfe zum Leben wassergel\u00f6ste Mineralien&#8220; falsch sein. Folglich ist die\u00a0Kunstd\u00fcngung ein nicht-nat\u00fcrliches D\u00fcngeverfahren und widerspricht den\u00a0Wachstumsgesetzen.<\/p>\n<p>8. Eine weitere Behauptung der chemisch anorganischen D\u00fcngelehre: Die Pflanze kann\u00a0keine organische Substanz aus dem Boden aufnehmen. Diese Behauptung ist von\u00a0einer ganzen Reihe von Forschern in Europa und USA, beginnend bei Virtaanen\u00a0mehrfach widerlegt worden. Die Versuche haben ergeben, dass die Pflanze alle\u00a0organischen Riesenmolek\u00fcle bis zu den gr\u00f6\u00dften unver\u00e4ndert als Nahrung verwertet.<br \/>\nAlle Lebewesen k\u00f6nnen organische Substanz von anderen Lebewesen empfangen\u00a0und verwerten. Diese organische Nahrung wird der Pflanze vom Boden vorbereitet,\u00a0sie gedeiht daher umso vollkommener je mehr sie sich auf die Vorarbeit des\u00a0lebendigen Bodens verlassen kann, der ihr die Nahrung reicht. Aufgabe der D\u00fcngung\u00a0ist also Bodenpflege: D\u00fcngen hei\u00dft nicht die Pflanze f\u00fcttern, sondern den Boden\u00a0lebendig machen (Dr. Caspari). Toter Salzd\u00fcnger kann nur Mineralstoffe vermitteln,\u00a0nicht aber organische Substanz. Die Zeit ist nicht mehr fern wie es scheint, da wir zu\u00a0Humuswirtschaft in einer modernisierten Form zur\u00fcckkehren werden.<\/p>\n<p>9. Was man Humus nennt, ist die St\u00e4tte an der die Pflanzennahrung bereitet wird. Das\u00a0ist der Organismus, der die letzte Vorarbeit leistet f\u00fcr die vollkommenere Ern\u00e4hrung<br \/>\nder Pflanze besser als es die beste chemische Fabrik jemals k\u00f6nnen wird.<br \/>\nWas aber ist Humus?<\/p>\n<p>Bildung der Kr\u00fcmelstruktur und Bildung der Gare sind identisch mit einer echten\u00a0Humusbildung. Kr\u00fcmel ist eine Ehe zwischen Mineral und lebendiger Substanz.<br \/>\nHumus ist ein lebendiges Gewebe, das Unterste im Mineralreich, identisch mit den\u00a0h\u00f6heren im Pflanzen- und Tierreich. Der Humus hat eine Art von Gef\u00e4\u00dfsystem in\u00a0Form von Hohl- und Kapillarr\u00e4umen, in denen Wasser, Kohlens\u00e4ure, Sauerstoff,\u00a0Stickstoff und Mikroben bewegt werden und das die Atmung des Humus sichert. Zu\u00a0seinem Wachstum braucht das Humusgewebe bestimmte Mineralien, die wichtigsten\u00a0sind Ton und Kalk sowie ein Angebot lebendiger Substanz, die aus dem Zerfall\u00a0niederer und h\u00f6herer Organismen hervorgeht. Der Humus bildet sich nur in\u00a0Gegenwart der Elemente Silizium und Kohlenstoff, ein offensichtlicher Hinweis das\u00a0die Bildung des Gewebes Humus bereits in einem Zeitalter erfolgte, in der das\u00a0Silizium noch eine gr\u00f6\u00dfere Rolle gespielt hat als der Kohlenstoff. Heute ist es in der\u00a0lebendigen Welt umgekehrt. Die lebendige Substanz gebildet aus dem Zerfall von\u00a0organischer Masse muss jedoch einen Reifungsprozess durchmachen, durch\u00a0Bakterien und Pilze, ehe sie die F\u00e4higkeit zur Kr\u00fcmelbildung erlangt. Voraussetzung\u00a0f\u00fcr die Humusbildung ist also neben den mineralischen Baumaterialien die Reifung\u00a0der lebendigen Substanz bis zur Kr\u00fcmelf\u00e4higkeit und damit zur Vollwertigkeit als\u00a0biologische Pflanzennahrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>10. Wird der Lebensprozess der Humusbildung durch Mineralsalze gest\u00f6rt?<\/p>\n<p>Wasserl\u00f6sliche Mineralien verschieben unmittelbar das elektrische Potential des\u00a0Bodens und damit die Lebensbedingungen f\u00fcr die Bodenkolloide. Wer kunstd\u00fcngt\u00a0vernachl\u00e4ssigt den Boden weil er ihn nicht mehr braucht, er f\u00fcttert ihn nicht mehr \u00a0mit\u00a0organischer, mit lebender Substanz, ohne sie aber gibt es keine Humusbildung. Die\u00a0Humusbildung wird durch die Kunstd\u00fcngung zwar nicht sofort, im Verlauf mehrerer\u00a0Jahre aber mit Sicherheit verhindert, weil Letztere ebenso brutal in das Wachstum\u00a0des Gewebes Humus eingreift wie in das Wachstum des pflanzlichen Gewebes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bodenwissenschaft und Kunstd\u00fcnger&#8220;\u00a0 1. Liebing entdeckt vor ca. 150 Jahren die F\u00e4higkeit der Pflanze wassergel\u00f6ste\u00a0Salzverbindungen von Elementen aus dem stets vorhandenen Bodenwasser\u00a0aufzunehmen und als N\u00e4hrstoff zu verwenden. Diese Erkenntnis wurde zur\u00a0Grundlage aller Kunstd\u00fcngerentwicklung, die zu einem fast ausschlie\u00dflich\u00a0angewandten Verfahren wurde. 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