{"id":267,"date":"2017-10-10T19:35:48","date_gmt":"2017-10-10T17:35:48","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=267"},"modified":"2017-10-10T19:35:48","modified_gmt":"2017-10-10T17:35:48","slug":"6-artikel-sommer-und-herbst-1954","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/6-artikel-sommer-und-herbst-1954\/","title":{"rendered":"6. Artikel, Sommer und Herbst 1954"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Fragen zur Umstellung auf die biologische\u00a0<\/b><b>Wirtschaftsweise&#8220;\u00a0<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Wenn ein Bauer oder G\u00e4rtner seinen Betrieb auf eine biologische Bewirtschaftung umstellen\u00a0will, so muss er sich zuerst dar\u00fcber im Klaren sein, dass die Umstellung nicht mit einigen\u00a0Rezepten durchgef\u00fchrt werden kann, dass es nicht gen\u00fcgt, wenn man einfach auf den\u00a0Kunstd\u00fcnger verzichtet und stattdessen seinen Stallmist schlecht und recht kompostiert. Der\u00a0biologische Landbau ist eine Lebensaufgabe und erfordert ganze M\u00e4nner und Frauen, er\u00a0muss weniger erlernt werden, als vielmehr erlebt und erarbeitet.&#8220;<\/p>\n<p>Die Kunstd\u00fcngerwirtschaft nimmt den Bauern die M\u00fche des Denkens ab: Saatgut wird<br \/>\ngeliefert, alle Jahre neu, Kunstd\u00fcnger (wasserl\u00f6sliche Mineralien), nach Hektar errechnet<br \/>\nwird geliefert, gleichzeitig die n\u00f6tigen Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmittel.<\/p>\n<p>Der Boden wird als Pflanzenstandort betrachtet um dessen Innenleben man sich nicht zu<br \/>\nk\u00fcmmern braucht, die Losl\u00f6sung vom Boden ist vollzogen.<\/p>\n<p>Die Mineralstoffleere gibt es seit rund 100 Jahren; als man entdeckt hatte, das man der<br \/>\nKulturpflanze wasserl\u00f6sliche Salze anbieten kann, ergriff die Industrie die Chance und<br \/>\nentwickelte ein Wissenschafts- und Vertriebssystem von beherrschendem Ausma\u00df. Die 4<br \/>\nHaupt- oder Kernn\u00e4hrstoffe N, P, K, Ca wurden in wasserl\u00f6slicher Form verabreicht, gefolgt<br \/>\nvon den ebenfalls in wasserl\u00f6sliche Form gebrachten Spurenelemente Cu, Fe, Mn, Al, Si,<br \/>\nZn, Ni, Co, B.<\/p>\n<p>In der Kunstd\u00fcngerwirtschaft besteht die einzige Br\u00fccke zwischen der Pflanze und der<br \/>\nUmwelt in dem Vorgang der Mineralstoffaufnahme in wassergel\u00f6ster Form von der<br \/>\nbehauptet wird, sie sei die einzige Form der N\u00e4hrstoffaufnahme f\u00fcr die Pflanze \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Angesichts dieser alles beherrschenden Kunstd\u00fcngerwissenschaft muss auch der<br \/>\nbiologische Landbau eine Wissenschaft werden, denn anders l\u00e4sst sich nun einmal in der<br \/>\nmodernen Zivilisation nicht wirtschaften.<\/p>\n<p>In der biologischen Landwirtschaft wird die Pflanze nicht gef\u00fcttert, das Ziel ist eine Pflanze<br \/>\ndie von selbst w\u00e4chst, das geht aber nur auf einem lebendigen Boden und deshalb steht im\u00a0Mittelpunkt eines solchen Betriebes der Boden und immer wieder nur der Boden. Man muss\u00a0ihn genau kennen, muss ihn riechen und anf\u00fchlen lernen, man muss wissen was ihm fehlt\u00a0und was er haben muss um gesund zu sein, man muss sein Leben sp\u00fcren lernen und<br \/>\nwissen, das aus ihm alles Lebendige kommt und in ihm alles Lebendige endet. Erst dann<br \/>\nkann man biologisch denken, f\u00fchlen und arbeiten, erst dann verw\u00e4chst die ganze Familie mit\u00a0der fruchtbaren Erde und erst dann wird aus einem &#8222;Betrieb&#8220;, aus einer Pflanzenfabrik, ein\u00a0Bauernhof.<\/p>\n<p>Worin liegt der Unterschied zwischen k\u00fcnstlicher und nat\u00fcrlicher Bodenwirtschaft? Der<br \/>\nUnterschied liegt in der Betrachtungsweise des Stoffwechsels der Pflanze:<\/p>\n<p>Der Chemiker h\u00e4lt das D\u00fcngesalz f\u00fcr die einfachste, billigste, bequemste und nat\u00fcrlichste Art\u00a0der D\u00fcngung, denn er glaubt, dass er mit dem Mineralstoff der Pflanze alles gibt, was sie\u00a0zum nat\u00fcrlichen Wachstum braucht. F\u00fcr den Chemiker besteht die einzige Br\u00fccke zwischen\u00a0der Pflanze und der Umwelt in dem Vorgang der Mineralstoffaufnahme.<br \/>\nDer Biologe erkennt die enge Bindung zwischen Pflanze und Boden und erkennt diesen als<br \/>\nden N\u00e4hrstofflieferanten f\u00fcr alle Bed\u00fcrfnisse der Pflanze. Alles was sie braucht sch\u00f6pft sie<br \/>\naus dem Kreislauf des Bodens und seiner lebendigen Substanz, auch die Mineralstoffe.<br \/>\nDaher ist der Boden durch die Bewirtschaftung in den Zustand zu versetzen, dass er dies<br \/>\nbewerkstelligen kann.<\/p>\n<p>Die Hauptma\u00dfnahme den Bodenzustand in ein Optimum zu bringen, ist jedwede Art von<br \/>\nKompostierung, die ein Vorverdauen organischer Abf\u00e4lle in Richtung Humus darstellt.<br \/>\nGesunde und reichhaltige Komposte bringen au\u00dferdem Ersatz an lebendiger Substanz auch\u00a0eine biologisch genau und richtig dosierte Menge von Mineralien mit, eingebaut in die\u00a0Gebilde der lebendigen Substanz \u00ad also nicht isoliert.<\/p>\n<p>Auf diese Weise wird dem Boden an Mineralsubstanz genau das wiedergegeben, was ihm<br \/>\ndie Pflanze entzieht, ein Mangel kann nicht auftreten. Ein direktes Aufbessern des<br \/>\nMineralhaushaltes des Bodens geschieht im biologischen Landbau durch den Einsatz von<br \/>\nUrgesteinsmehlen, die nicht direkt wirken, sondern von den Lebewesen des Bodens<br \/>\naufgeschlossen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Welche Folgeerscheinungen treten bei der Kunstd\u00fcngung auf?<br \/>\nAbbauerscheinungen: Das Saatgut verliert seine immerw\u00e4hrende Keimkraft, man braucht<br \/>\nimmer wieder frisches. Die Pflanze verliert die F\u00e4higkeit Abwehr- und Schutzstoffe zu bilden,\u00a0die Krankheitsanf\u00e4lligkeit nimmt zu und zwingt zum Einsatz von Gift. Die Pflanze verliert die\u00a0Fortpflanzungsf\u00e4higkeit (Samenbildung).<\/p>\n<p>Die richtige pflanzen- und bodenerw\u00fcnschte Dosierung der Minerald\u00fcnger (Hauptn\u00e4hrstoffe\u00a0und Spurenelemente) ist nahezu unm\u00f6glich. Der Mineralhaushalt des Bodens kommt in\u00a0Unordnung, chronische Bodensch\u00e4den treten auf.<\/p>\n<p>Man kann eine Kulturpflanze also nur richtig ern\u00e4hren wenn man nicht in den<br \/>\nStoffwechselprozess zwischen Boden und Pflanze eingreift. Die Kunstd\u00fcngung ist in keinem\u00a0Fall eine normale Ern\u00e4hrung des Bodens, erst recht nicht eine normale Ern\u00e4hrung der\u00a0Pflanze. Es gibt keinen Kompromiss zwischen Kunstd\u00fcngung und biologischem Landbau \u00ad\u00a0man kann nur das eine oder das andere tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Fragen zur Umstellung auf die biologische\u00a0Wirtschaftsweise&#8220;\u00a0 &#8222;Wenn ein Bauer oder G\u00e4rtner seinen Betrieb auf eine biologische Bewirtschaftung umstellen\u00a0will, so muss er sich zuerst dar\u00fcber im Klaren sein, dass die Umstellung nicht mit einigen\u00a0Rezepten durchgef\u00fchrt werden kann, dass es nicht gen\u00fcgt, wenn man einfach auf den\u00a0Kunstd\u00fcnger verzichtet und stattdessen seinen Stallmist schlecht und recht kompostiert. Der\u00a0biologische &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/6-artikel-sommer-und-herbst-1954\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">6. 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