{"id":282,"date":"2017-10-10T19:49:49","date_gmt":"2017-10-10T17:49:49","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=282"},"modified":"2017-10-10T19:49:49","modified_gmt":"2017-10-10T17:49:49","slug":"13-artikel-herbst-1956","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/13-artikel-herbst-1956\/","title":{"rendered":"13. Artikel, Herbst 1956"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Stallmist oder Stallmistkompost\u00a0<\/b><b>(Wissenschaft und Praxis im biologischen\u00a0<\/b><b>Landbau&#8220;\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Der biologische Landbau ist nicht denkbar ohne die richtige Behandlung der lebendigen<br \/>\nD\u00fcnger.<\/p>\n<p>Es ist und bleibt eine unumst\u00f6\u00dfliche Tatsache, dass der Unterschied zwischen Frischmist<br \/>\nund Mistkompost einen ganz entscheidenden Raum einnimmt im Denken des biologischen\u00a0Bauern, dass sich hier wirklich entscheidet ob man die Methode ernst nimmt oder nicht.<\/p>\n<p>Es gilt im biologischen Landbau als ausgemacht, dass dem kompostierten, mehr oder<br \/>\nweniger vollkommen verrottetem Mist unbedingt der Vorzug geb\u00fchre gegen\u00fcber dem sonst\u00a0\u00fcblichen Verfahren, den Stallmist ungeachtet seines Zustandes auszubringen und<br \/>\nunterzupfl\u00fcgen. Man hat zweifelsfrei beobachtet, dass die Gew\u00fcchsigkeit und Gesundheit,<br \/>\ndie Keimfreundlichkeit und Sch\u00e4dlingsfreiheit bedeutend gesteigert werden, wenn der Mist\u00a0nicht stallfrisch aufs Feld kommt, sondern vorbehandelt wird.<\/p>\n<p>Eigene zahlreiche Versuche haben ergeben, dass der Unterschied zwischen dem frischen<br \/>\nund dem vorbehandelten Stallmist ganz allein in dem Ablauf und der Entwicklung der<br \/>\nmikrobiologischen Umsetzungsvorg\u00e4nge zu finden ist. Die Abbauphase ist im Frischmist<br \/>\nnoch nicht vollzogen, w\u00e4hrend sie im Mistkompost bereits abgeschlossen ist. Auch die<br \/>\nStickstoffversorgung durch den Mistkompost ist eine bessere, was im Ablauf der Vorg\u00e4nge<br \/>\nzu suchen ist.<\/p>\n<p>Der biologische Landbau will nicht Pflanzen &#8222;f\u00fcttern&#8220;, einzig und allein um &#8222;Ertr\u00e4ge&#8220;<br \/>\neinzuheimsen, sondern will Leben erzeugen, Lebensvorg\u00e4nge in Gang halten und Nahrung<br \/>\nwachsen lassen nach den Gesetzen des Lebendigen. Das ist undenkbar ohne eine richtige<br \/>\nF\u00fchrung der entscheidenden Lebensvorg\u00e4nge in den organischen D\u00fcngern; erst wenn wir<br \/>\nerkennen, wie wichtig diese Lebensvorg\u00e4nge f\u00fcr das nat\u00fcrliche Pflanzenwachstum sind,<br \/>\nwerden wir wirklich biologischen Landbau betreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei Frischmistd\u00fcngung laufen die mikrobiologischen Vorg\u00e4nge ungeordnet ab, eine solche<br \/>\nErde ist unruhig, w\u00e4hrend die kompostversorgte ein einheitliches, ruhiges, mikrobiologisches\u00a0Bild zeigt. In der Natur gehen die Abbauvorg\u00e4nge an der Oberfl\u00e4che von sich, die Aufbau-\u00a0und Humusbildungsvorg\u00e4nge in der tieferen Schicht der lebendigen Grume, also getrennt.<br \/>\nDie\u00a0Pflanzenwurzel meidet streng alle Abbauschichten. Beim Einackern von frischen,<br \/>\norganischen Substanzen (Frischmistgr\u00fcnd\u00fcngung) geraten Abbauvorg\u00e4nge in tiefere<br \/>\nSchichten und erzeugen dort Unordnung, unter Luftabschluss entsteht F\u00e4ulnis und damit<br \/>\nGift, das Pflanzenwachstum antwortet darauf z\u00f6gerlich; daher ist diese Art von D\u00fcngung<br \/>\nfalsch.<\/p>\n<p>Reifkomposte k\u00f6nnen jederzeit eingearbeitet werden, da ihre abgeschlossene Reifung in der\u00a0tieferen Schicht ihre Entsprechung findet. Nun hat aber die Haufenkompostierung bis zur\u00a0v\u00f6lligen Vererdung in der Landwirtschaft ihre Schwierigkeiten: Arbeitsaufwand, Zeitaufwand,\u00a0Masseverlust, m\u00f6glicherweise Notwendigkeit von Frischmassezukauf.<\/p>\n<p>Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass halbreife, noch in der Abbauphase befindliche\u00a0organische D\u00fcnger ausgebracht werden k\u00f6nnen, wenn man darauf verzichtet sie\u00a0einzuackern, sie unterzuarbeiten. Der Abbau erfolgt bei Luftzutritt an der Oberfl\u00e4che und st\u00f6rt die Pflanzenwurzel nicht; die Aufbauphase vereinigt sich mit der Kr\u00fcmelstruktur zu\u00a0neuem Humus.<\/p>\n<p>Bei keinem anderen Verfahren l\u00e4sst sich eine so ideale Art der Humusbildung beobachten<br \/>\nund die Belebung des Bodens geht auf keine andere Weise so rasch von sich. Man kann<br \/>\nalso sagen, dass mikrobiologisch nichts dagegen und alles daf\u00fcr spricht, organische D\u00fcnger\u00a0noch in der Halbreife als Bodenoberschicht, also als Bodenbedeckung, zu verwenden.<\/p>\n<p>Die ideale Form der organischen D\u00fcngung ist diejenige, die eine nat\u00fcrliche Schichtbildung<br \/>\nauf dem Feld bewirkt. Dazu geh\u00f6rt die nat\u00fcrliche Trennung von Abbauvorg\u00e4ngen in der<br \/>\nobersten und Aufbauvorg\u00e4ngen in der darunter liegenden Bodenschicht. Halbreife, noch in\u00a0der Abbauphase stehende D\u00fcnger geh\u00f6ren ausschlie\u00dflich auf die Bodenoberfl\u00e4che,<br \/>\neingearbeitet darf nur vollst\u00e4ndig reifes, also vererdetes Material werden.<\/p>\n<p>Der organischen Oberfl\u00e4chend\u00fcngung geh\u00f6rt zweifellos die Zukunft!<br \/>\nBis jedoch dieses neue Verfahren zum Tragen kommt, hat die Mistkompostierung noch ihre\u00a0volle Berechtigung. Die Kunst des Kompostierens wird aber trotz neuer Erkenntnisse immer\u00a0ein Kernst\u00fcck und Pr\u00fcfstein f\u00fcr den organischen Landbau bleiben. Die Kunst des<br \/>\nKompostierens liegt im richtigen Gleichgewicht zwischen Durchl\u00fcftung und Durchfeuchtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Stallmist oder Stallmistkompost\u00a0(Wissenschaft und Praxis im biologischen\u00a0Landbau&#8220;\u00a0 Der biologische Landbau ist nicht denkbar ohne die richtige Behandlung der lebendigen D\u00fcnger. Es ist und bleibt eine unumst\u00f6\u00dfliche Tatsache, dass der Unterschied zwischen Frischmist und Mistkompost einen ganz entscheidenden Raum einnimmt im Denken des biologischen\u00a0Bauern, dass sich hier wirklich entscheidet ob man die Methode ernst nimmt oder &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/13-artikel-herbst-1956\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">13. 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