{"id":286,"date":"2017-10-10T19:53:06","date_gmt":"2017-10-10T17:53:06","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=286"},"modified":"2017-10-10T19:53:06","modified_gmt":"2017-10-10T17:53:06","slug":"15-artikel-fruehjahr-1957","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/15-artikel-fruehjahr-1957\/","title":{"rendered":"15. Artikel, Fr\u00fchjahr 1957"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Stand der Humusforschung und ihre\u00a0<\/b><b>praktischen Konsequenzen&#8220;\u00a0<\/b><\/p>\n<p><i>Vortrag gehalten an den Volkshochschultagen 1957 auf dem M\u00f6schberg.<br \/>\n<\/i><br \/>\nNachdem der unversehrte Kreislauf der Stoffe als Voraussetzung gesunden Lebens erkannt\u00a0ist, ist die Humusforschung zu einer echten Ern\u00e4hrungsforschung geworden und nur im\u00a0Rahmen der Ern\u00e4hrung aller Organismen zu begreifen. Um die bisher erkannten Gesetze\u00a0der Humusbildung und \u00adverwertung kennenzulernen, muss man die Grunds\u00e4tze der\u00a0modernen Ern\u00e4hrungslehre \u00fcberhaupt betrachten.<\/p>\n<p>Man unterscheidet heute nach Mommsen drei wertm\u00e4\u00dfig verschiedene Stufen der<br \/>\nErn\u00e4hrung, die stofflich unterscheidbar sind:<\/p>\n<p>1. Stufe: Bau- und Betriebsstoffaufnahme<br \/>\n2. Stufe: Vitalstoffaufnahme einschlie\u00dflich Spurenstoffen<br \/>\n3. Stufe: Aufnahme spezifisch-lebendiger Substanz.<br \/>\nIm Laufe der jahrzehntelangen Ern\u00e4hrungsforschung sind diese drei Stufen nacheinander<br \/>\nwissenschaftlich erkannt worden; die Bau- und Betriebsstoffaufnahme ist am l\u00e4ngsten<br \/>\nbekannt und am gr\u00fcndlichsten erforscht, die Aufnahme lebender Substanz ist erst k\u00fcrzlich<br \/>\nerkannt und noch keineswegs anerkannt, geschweige denn gen\u00fcgend erforscht worden.<\/p>\n<p>1. Bau- und Betriebsstoffe sind die Elemente Ka Ca Na Mg P N und C Verbindungen,<br \/>\naber auch die organischen Verbindungen: Eiwei\u00df, Kohlehydrate und Fette. Alle diese<br \/>\nStoffe sind zwar meist aus Lebensvorg\u00e4ngen hervorgegangen, sind aber nicht<br \/>\nlebendig und k\u00f6nnen kein Leben produzieren. Sie werden im Ern\u00e4hrungskreislauf<br \/>\nausschlie\u00dflich von lebender Substanz bewegt, ausgetauscht, zerlegt, wieder<br \/>\naufgebaut wie sie gebraucht werden. Sie vermitteln Betriebsenergie, stehen aber im<br \/>\nRang unter der lebenden Substanz.<br \/>\n2. Vitalstoffe einschlie\u00dflich Spurenstoffen sind Wirkstoffe oder werden zur<br \/>\nWirkstoffbildung gebraucht wie die Spurenelemente. Die Wirkstoffe stehen in ihrer<br \/>\nbiologischen Bedeutung zwischen der leblosen und der lebenden Materie, sind<br \/>\nerheblich komplizierter gebaut und werden von den h\u00f6chstentwickelten Organismen<br \/>\nnicht selbst hergestellt sondern vielfach bezogen als Vitamine, Hormone, Enzyme. Zu<br \/>\nihrer Bildung geh\u00f6ren vielfach seltene Elemente wie Kobalt, Molybd\u00e4n und Kupfer.<br \/>\nVon diesen Elemente-Arten werden die meisten f\u00fcr die Lebensvorg\u00e4nge gebraucht,<br \/>\nwenn auch nur in Spuren. Mit diesen Elementen werden Wirkstoffe gebildet, mit<br \/>\nderen Hilfe die lebende Substanz den Transport, die Umformung und die<br \/>\nVerwendung der Bau- und Betriebsstoffe regelt mit deren Hilfe \u00fcberhaupt alle<br \/>\nstofflichen Notwendigkeiten der Lebensvorg\u00e4nge gelenkt werden. Sie wirken als Bio-<br \/>\nKatalysatoren, als Regler des Stoffwechsels, als W\u00e4chter \u00fcber die Energieumsetzung<br \/>\nund W\u00e4rmebildung, als Wuchsstoffs, als Lockstoffe in Form der Duft-, Aroma \u00ad und<br \/>\nFarbstoffe. Die Wirkstoffe sind bereits typisch f\u00fcr Lebensvorg\u00e4nge und den Stoffen<br \/>\nder ersten Stufe \u00fcbergeordnet, sind aber selbst nicht lebendig. Sie stehen zwischen<br \/>\nleblos und lebendig, sind Produkte der lebenden Substanz, sind diesen eindeutig<br \/>\nuntergeordnet, sie zerfallen aber beim Tod von Organismen nicht.<br \/>\n3. Stoffe der lebenden Substanz: Sie sind chemisch nur sehr wenig bekannt, sind<br \/>\njedoch so kompliziert aufgebaut, die Zahl ihrer Atome so gro\u00df, dass ihre Erforschung<br \/>\nvon f\u00fchrenden Biochemikern als \u00e4u\u00dferst schwierig bezeichnet wird. Die<br \/>\nLebenssubstanz ist aber gerade derjenige Stoff, der im Stoffkreislauf die h\u00f6chste<br \/>\nRangstufe einnimmt, von ihr werden die Lebensvorg\u00e4nge ma\u00dfgeblich gelenkt.<\/p>\n<p>Man wei\u00df, dass die Lebenssubstanz erheblich widerstandsf\u00e4higer ist, als man bisher<br \/>\nangenommen hat, aus diesem Grund bleibt sie beim nat\u00fcrlichen Tod von Zellen,<br \/>\nGeweben und Organismen erhalten und zerf\u00e4llt nicht, genauso wie die Vitalstoffe. Mit<br \/>\ndiesem \u00dcberleben ist der Kreislauf der lebenden Substanz gegeben. Dieser Kreislauf<br \/>\nf\u00fchrt vom Boden zu den Organismen und von den Organismen wieder zum Boden<br \/>\nzur\u00fcck, da alle Materie die lebt aus dem Boden kommt und in den Boden wieder<br \/>\nzur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Ern\u00e4hrung des Bodens kann nicht bewerkstelligt werden mit den Stoffen der\u00a0ersten Stufe, den Bau- und Betriebsstoffen chemisch bekannter Art, am wenigsten mit<br \/>\nMineralsalzen allein. Der Organismus Boden kann ohne Vitalstoffe und lebender Substanz<br \/>\nebenso wenig existieren wie die h\u00f6heren Organismen.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft kann aber Vitalstoffe und lebende Substanz f\u00fcr die Bodenern\u00e4hrung nur\u00a0aus einer einzigen Quelle beziehen: aus dem Material abgelaufener Lebensvorg\u00e4nge, aus\u00a0den Abf\u00e4llen von Menschen, Tieren und Pflanzen und Mikroben, aus sogenanntem<br \/>\norganischen Material. Dieses Material enth\u00e4lt zugleich alle lebensnotwendigen Stoffe aller<br \/>\nErn\u00e4hrungsstufen: Baustoffe, Betriebsstoffe, Vitalstoffe und lebende Substanz. Dieser<br \/>\nNahrung braucht nichts mehr hinzugef\u00fcgt zu werden. Jede Erg\u00e4nzung ist nicht nur<br \/>\n\u00fcberfl\u00fcssig sondern st\u00f6rt die biologische Einheit der Nahrung. Jedes Zuf\u00fcgen zum Beispiel<br \/>\nvon Mineralsalzen bedingt eine Fehlern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Wenn die k\u00fcnstliche Zufuhr von N Ca K und P trotzdem pflanzenwirksam unter<br \/>\nwuchssteigernd ist, so geht das nur auf Kosten der lebenden Bodensubstanz und nur<br \/>\ndeshalb weil mangels ausreichender organischer Nahrung ein Defizit in allen<br \/>\nErn\u00e4hrungsstoffen besteht. Nun wird derzeit die organische Abfallsubstanz weder richtig<br \/>\nbehandelt noch richtig angewendet. Man geht mit ihr verschwenderisch um, weil man mit ihr\u00a0\u00fcberhaupt nicht umgehen kann.<br \/>\nMan l\u00e4sst sie nicht nur auf Haufen verkommen, in Methant\u00fcrmen verfaulen, verbrennen und\u00a0in die Fl\u00fcsse, Seen und Meere verschwinden.<br \/>\nMan l\u00e4sst sie auch dort entwerten, wo man sie zur D\u00fcngung tats\u00e4chlich braucht. Man tut es\u00a0unwissend weil man keinen Ma\u00dfstab hat.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen heute grunds\u00e4tzlich folgendes behaupten:<br \/>\n1. Alle Lebewesen auf der Erde, auch die Menschen, sind mit Hilfe der von ihnen<br \/>\nhinterlassenen organischen Abfallsubstanz auf jeden Fall und unter allen Umst\u00e4nden<br \/>\nvollkommen zu ern\u00e4hren. Es kommt nur darauf an, diese Abfallsubstanz zu erfassen<br \/>\nund vollwertig an den Boden zu bringen.<br \/>\n2. Der volle Wert von Abfallstoffen kann nur erhalten werden, wenn die in ihnen<br \/>\nweiterlaufenden Lebensvorg\u00e4nge keine Unterbrechung erleiden, ehe sie an den<br \/>\nBoden kommen.<br \/>\n3. Der Boden vermag die Wertigkeit der Nahrungsstoffe, einschlie\u00dflich der Wertigkeit<br \/>\nder lebenden Substanz, \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume zu konservieren. Der Boden vermag<br \/>\ndas aber nur dann, wenn er in der nat\u00fcrlichen Schichtbildung, das hei\u00dft im<br \/>\nstufenweisen Umbau der Abfallsubstanz, nicht gest\u00f6rt wird.<br \/>\n4. Die Pflanze vermag diese konservierte Nahrung zu mobilisieren und aufzunehmen,<br \/>\nsobald sie durch die Photosynthese in die Lage versetzt ist, Betriebsstoffe zu liefern.<br \/>\n5. Jede Erg\u00e4nzung organischer D\u00fcnger und jede Verwendung von D\u00fcngern, die nicht<br \/>\nunmittelbar organischer Herkunft sind, stellt eine Fehlern\u00e4hrung des Bodens und<br \/>\ndamit der Pflanze dar. Die Boden- und Pflanzenern\u00e4hrung ist ein echter<br \/>\nLebensvorgang und niemals, auch nicht teilweise, k\u00fcnstlich ersetzbar.<br \/>\nIn diesen 5 Punkten haben wir die Grunds\u00e4tze des nat\u00fcrlichen Landbaues vor uns. Wenn wir\u00a0sie praktisch auswerten, ist die gr\u00f6bste Arbeit getan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Stand der Humusforschung und ihre\u00a0praktischen Konsequenzen&#8220;\u00a0 Vortrag gehalten an den Volkshochschultagen 1957 auf dem M\u00f6schberg. Nachdem der unversehrte Kreislauf der Stoffe als Voraussetzung gesunden Lebens erkannt\u00a0ist, ist die Humusforschung zu einer echten Ern\u00e4hrungsforschung geworden und nur im\u00a0Rahmen der Ern\u00e4hrung aller Organismen zu begreifen. 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