{"id":294,"date":"2017-10-10T20:02:37","date_gmt":"2017-10-10T18:02:37","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=294"},"modified":"2017-10-10T20:02:37","modified_gmt":"2017-10-10T18:02:37","slug":"19-artikel-herbst-1958","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/19-artikel-herbst-1958\/","title":{"rendered":"19. Artikel, Herbst 1958"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Was ist Humus&#8220;\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Humus ist die Fruchtbarkeit der Erde, Humus ist Nahrung der Pflanzen, und er ist also auch\u00a0Nahrung der Tiere und Menschen. Er ist zugleich das bindende, verbindende Element des\u00a0Bodens, denn ohne ihn w\u00e4re die Erdoberfl\u00e4che eine Staubw\u00fcste. Und nicht zuletzt ist er\u00a0Grundlage alles Lebendigen, der bestimmt \u00fcber Gesundheit und Krankheit. Von ihm geht\u00a0alles aus, was wir lebendig nennen, und in ihn kehrt es nach seiner Zeit wieder zur\u00fcck, zu\u00a0neuem Wandel bereit.<\/p>\n<p>Die Agrikulturchemie hat in analytischer Denkungsweise allerlei Bestandteile des Humus wie\u00a0Huminstoffe usw. dargestellt, ohne den Kern zu treffen.<\/p>\n<p>Die alten Forscher der voranalytischen Zeit mit ihrer Auffassung &#8222;Die alte Kraft&#8220; des Bodens\u00a0sei der Humus, waren der Wahrheit viel n\u00e4her. Albrecht von Thaer, ein Arzt, der seinen Beruf\u00a0aufgab, um eine Landwirtschaftswissenschaft zu begr\u00fcnden, hat die Pflege des hofeigenen\u00a0D\u00fcngers und die Kleewirtschaft als Humusquellen gefordert. Nachdem erkannt wurde, dass\u00a0durch die Entnahme der Ernten ohne R\u00fcckbringung der organischen Masse als D\u00fcnger auf\u00a0dem Boden, mit der Zeit ein Defizit entstehen m\u00fcsse, unternahm die Agrikulturchemie den\u00a0grandiosen Versuch, das Defizit durch Mineralsalze und durch k\u00fcnstliche Stickstoffsynthese\u00a0zu beseitigen. Das Defizit auszugleichen ist richtig und n\u00f6tig, muss jedoch in einer Form\u00a0erfolgen, die die Mitwirkung des Bodenlebens nicht ausschaltet, was jedoch sowohl durch\u00a0die leichtl\u00f6slichen Mineralsalze der k\u00fcnstlichen D\u00fcngung geschieht, als auch durch den\u00a0synthetischen Stickstoff. Letzterer macht das Bodenleben \u00fcberfl\u00fcssig, inaktiv und f\u00fchrt zum\u00a0Ausfall wichtigster Wirkstoffbildungen, auf die Boden und Pflanze angewiesen sind und die\u00a0mit der nat\u00fcrlichen Stickstoffentnahme aus dem Humus Hand in Hand gehen.<\/p>\n<p>Es ist also auf die Dauer nicht m\u00f6glich, die nat\u00fcrliche Stickstoffversorgung der Pflanze<br \/>\nk\u00fcnstlich zu ersetzen, man ist auf das Bodenleben aus anderen Gr\u00fcnden angewiesen. Das<br \/>\noberste Gesetz des D\u00fcngens bleibt also die Erhaltung des Bodenlebens. Auf nat\u00fcrlichste<br \/>\nWeise ist das Bodenleben aber nur zu erhalten, wenn praktisch alle dem Boden<br \/>\nentnommene Substanz (Lebenssubstanz und mitgef\u00fchrte Mineralien), in den Boden<br \/>\nzur\u00fcckkehrt, wenn sie ihren Kreislauf durch Pflanzen, Tiere und Menschen hindurch<br \/>\nvollendet hat. Es wird vielleicht niemals m\u00f6glich sein, diesen Kreislauf wirklich vollst\u00e4ndig zu\u00a0schlie\u00dfen und wiederherzustellen, auch nicht bei gr\u00f6\u00dfter technischer Bem\u00fchung, die derzeit\u00a0noch in keinster Weise in Gang ist. Die Natur aber bietet uns f\u00fcr diese M\u00e4ngel einen<br \/>\nAusgleich, durch die wandernde Lebenssubstanz (Samensporen), die durch Luft und Wasser\u00a0auf der Erde herumgef\u00fchrt wird (zum Beispiel L\u00f6wenzahnkugeln, Birkensamen).<\/p>\n<p>Die Lebenssubstanz ist das Kernst\u00fcck des Humus. Es gibt lebende Substanz, deren<br \/>\nTeilchen bei etwa tausendfacher Vergr\u00f6\u00dferung im Mikroskop sichtbar sind und gez\u00e4hlt<br \/>\nwerden k\u00f6nnen. Es gibt auch Lebenssubstanz, die im Lichtmikroskop nicht mehr sichtbar ist.<\/p>\n<p>Im Kubikmillimeter eines voll-lebendigen Bodens finden sich rund 30000 Teilchen<br \/>\nLebenssubstanz, im Kubikmillimeter eines hochwertigen organischen D\u00fcngers etwa 1 Million\u00a0Teilchen (1qmm ist etwa der tausendste Teil eines Grammes Erde).<\/p>\n<p>Diese Teilchen besitzen eine Art Klebrigkeit und kitten so den Staub der Erdoberfl\u00e4che zu<br \/>\ndem zusammen, was wir mit Albrecht von Thaer &#8222;Humus&#8220; nennen. Humus ist demnach die\u00a0primitivste Form lebenden Zellgewebes wie es alle Organismen besitzen.<\/p>\n<p>Alle lebenden Zellen von Organismen enthalten lebendige Substanz, die sie durch die<br \/>\nNahrung aufnehmen und andere abgeben; die Summe dessen, was davon in den Boden<br \/>\ngelangt, wandert durch eine sinnvolle Kette von Mikrobien und besonders Bakterien, die<\/p>\n<p>diese Substanzen dann freigeben (ein St\u00e4bchen Bakterium ca. 100 Teilchen), sodass sie als<br \/>\nErdstaub im Humus liegen bleiben.<\/p>\n<p>Die Pflanze vermag mit Hilfe ihrer Symbionten (Wurzelbakterienflora) die Lebenssubstanzen\u00a0aufzunehmen. Das geschieht in genau geregelter Form: Es besteht eine Abh\u00e4ngigkeit\u00a0zwischen der Menge des Chlorophyls, das eine Pflanze besitzt und der Menge an Humus,\u00a0den sie entnehmen darf. Dadurch verhindert die Natur eben den Raubbau, den man mit der\u00a0Einf\u00fchrung der Stickstoffd\u00fcngung angefangen hat.<\/p>\n<p>Die synthetische Stickstoffd\u00fcngung bringt das Verh\u00e4ltnis zwischen Chlorophyl \u00ad N\u00e4hrstoff\u00ad<br \/>\nBildung \u00ad Humusentnahme \u00ad Stickstoff-Bindung und Bodenmikrobienzahl aus dem<br \/>\nGleichgewicht und f\u00fchrt zu einer unzutr\u00e4glichen, unkontrollieren Humus-Entnahme. Massige\u00a0synthetische Stickstoffanwendung vermag sogar in einer einzigen Wachstumsperiode den\u00a0gr\u00f6\u00dften Teil der lebenden Bodensubstanz abzubauen.<\/p>\n<p><b>F\u00f6rderung der Humusbildung<br \/>\n<\/b>Die Humusbildung ist abh\u00e4ngig vom Bodenleben, denn Humus ist ein Produkt der<br \/>\nLebensvorg\u00e4nge im Boden.<\/p>\n<p>Feuchtigkeit, Luft, Dunkelheit, Mindestw\u00e4rme sind notwendig.<br \/>\nBodenbedeckung dadurch Ausschluss des Lichtes, Verhinderung von Austrockung,<br \/>\nF\u00f6rderung der W\u00e4rmebildung.<br \/>\nBeachtung der Bodenschichtung: Abbau-Vorg\u00e4nge in den oberen Schichten, Aufbau-<br \/>\nVorg\u00e4nge in den unteren Schichten, daher Vermeidung von St\u00f6rungen der Schichten durch\u00a0Pfl\u00fcgen, Wenden, Graben.<\/p>\n<p>Die Lebensvorg\u00e4nge des Bodens bed\u00fcrfen der vollkommenen Ern\u00e4hrung, daher beste<br \/>\nAuswahl an mineralischen und organischen Materialien. Organische D\u00fcnger im weitesten<br \/>\nSinn, Bodendecken in frisch lebendigem Zustand, Komposte aus bestem Verfahren<br \/>\n(Trockenheit und N\u00e4sse vermeiden, luftig und locker aufsetzen).<\/p>\n<p>Humus ist das Ende und der Anfang allen Lebens, in ihm ruhen die Geheimnisse von Leben<br \/>\nund Gesundheit aller h\u00f6herer Organismen und nur von hieraus kann man Mensch, Tier und\u00a0Pflanze gesund erhalten und gesund machen \u00ad alles andere sind Notma\u00dfnahmen von kurzer\u00a0Dauerwirkung.<\/p>\n<p>Nur aus einem voll lebendigen Boden verm\u00f6gen wir die h\u00f6heren Lebewesen wirklich<br \/>\nvollkommen zu ern\u00e4hren und das ist gleichbedeutend mit der Erhaltung ihrer Gesundheit.<br \/>\nDeshalb m\u00fcssen wir unsere B\u00f6den allm\u00e4hlich wieder lebendig machen. Die Meister der toten\u00a0Materie (Agrikulturchemiker) k\u00f6nnen uns nicht ein einziges F\u00fcnkchen Leben produzieren \u00ad\u00a0das Lebendige ist gegeben und kann von uns nur gepflegt werden: Es ist und bleibt das\u00a0Geheimnis eines Geistes, der \u00fcber uns ist und dem wir dienen, zuvorderst durch die Pflege\u00a0jener unz\u00e4hligen Lebensf\u00fcnkchen der Mutter Erde, die wir Humus nennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was ist Humus&#8220;\u00a0 Humus ist die Fruchtbarkeit der Erde, Humus ist Nahrung der Pflanzen, und er ist also auch\u00a0Nahrung der Tiere und Menschen. Er ist zugleich das bindende, verbindende Element des\u00a0Bodens, denn ohne ihn w\u00e4re die Erdoberfl\u00e4che eine Staubw\u00fcste. Und nicht zuletzt ist er\u00a0Grundlage alles Lebendigen, der bestimmt \u00fcber Gesundheit und Krankheit. 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