{"id":296,"date":"2017-10-10T20:04:18","date_gmt":"2017-10-10T18:04:18","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=296"},"modified":"2017-10-10T20:04:18","modified_gmt":"2017-10-10T18:04:18","slug":"20-artikel-winter-1958","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/20-artikel-winter-1958\/","title":{"rendered":"20. Artikel Winter 1958"},"content":{"rendered":"<p><b>,,Menge und G\u00fcte der lebenden Bodensubstanz als\u00a0<\/b><b>Test f\u00fcr die Bodenfruchtbarkeit&#8220;\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Wir nennen einen Boden fruchtbar, wenn er die Nahrung f\u00fcr ein reichliches und vollkommenes\u00a0Pflanzenwachstum bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das Wachstum darf reichlich genannt werden, wenn unsere Kulturpflanzen die f\u00fcr die Ern\u00e4hrung\u00a0erforderlichen Mengen an Ertrag liefern. Als Anhaltspunkt dienen die statistisch festgestellten\u00a0Ertrags- und H\u00f6chstertragsgrenzen.<br \/>\nDas Wachstum darf vollkommen genannt werden, wenn die Kulturpflanzen \u00e4u\u00dferlich gesund\u00a0erscheinen, keines nennenswerten Schutzes gegen Krankheiten und Sch\u00e4dlinge bed\u00fcrfen und als vollwertige, gesunde Nahrung f\u00fcr Mensch und Tier gelten k\u00f6nnen. Damit wird die Frage nach ihrer biologischen G\u00fcte gestellt.<br \/>\nBeides, die Menge und G\u00fcte des Ertrages, sind die Richter im biologischen Landbau. Sie sind es freilich auch im \u00fcbrigen Landbau, nur steht dort die Menge im Vordergrund, w\u00e4hrend die G\u00fcte, die echte biologische G\u00fcte, wenig R\u00fccksicht findet.<br \/>\nIm biologischen Landbau steht die G\u00fcte im Vordergrund, die Menge rangiert an zweiter Stelle, denn was nutzen H\u00f6chstertr\u00e4ge wenn es an gesundheitlichem Wert f\u00fcr Mensch und Tier mangelt und man Ausgaben f\u00fcr Pflanzenschutzmittel und Gesundheitsf\u00fcrsorge aufwenden muss.<\/p>\n<p>Bei der biologischen G\u00fcte handelt es sich stets um die Wirksamkeit von lebendigen Vorg\u00e4ngen, um die Wirksamkeit biologischer Kr\u00e4fte und Gleichgewichte, um ein stets in Bewegung befindliches, unbegreifliches &#8222;Etwas&#8220;, das uns nur in \u00e4u\u00dferen Erscheinungen sichtbar wird.<br \/>\nOb etwas biologisch hochwertig war, erkennen wir erst, wenn wir sehr viel sp\u00e4ter das Resultat sehen \u00ad die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen. Wir m\u00fcssen die Lebensvorg\u00e4nge als Ganzes nehmen, ihren Ablauf, ihren Zusammenhang, ihre Abh\u00e4ngigkeiten beobachten und vergleichen.<\/p>\n<p>Die Beobachtung lebendiger Abl\u00e4ufe ist etwas grunds\u00e4tzlich anderes als die stoffliche Zerlegung und darin liegt der eigentliche Unterschied zwischen der biologischen und der chemisch-physikalischen Forschung.<br \/>\nDer Biologe kann, wenn er neues vom Lebendigen erfahren will, nicht beliebige Experimente anstellen, er muss es in seinem Zusammenhang lassen und als Ganzes erforschen.<br \/>\nDie Gesetze des biologischen Landbaues k\u00f6nnen nicht in Einzelheiten erkannt werden, denn er ist ein Ganzes. Alle ihn ausmachenden, miteinander verkn\u00fcpften Lebensvorg\u00e4nge m\u00fcssen in Ordnung sein.<br \/>\nSonst ist es kein biologischer Landbau.<br \/>\nDie Funktion des Ganzen muss \u00fcber viele Jahre und Jahrzehnte hinweg gesehen werden, das ist der einzige ganz sichere Test, den es im biologischen Landbau gibt.<br \/>\nAlle im Biolandbau get\u00e4tigten Bodenteste sind nur imstande einen kleinen Ausschnitt aus ungeheuer verzweigten, niemals ganz durchschaubaren Lebensvorg\u00e4ngen im Boden zu zeigen. Ein solcher Test ist immer nur im Vergleich zu werten, entweder im Vergleich zu fr\u00fcheren Proben, oder im Vergleich mit anderen.<br \/>\nDer Test muss uns sagen, ob der Boden imstande ist, an unseren gro\u00dfen Aufgaben mitzuhelfen, ob er mit Recht ein lebendiges Glied in dem lebendigen Ganzen ist, ob man mit Recht von ihm sagen kann, dass er dem Menschen dient, seiner Ern\u00e4hrung, seinem Wohlbefinden, seiner Gesundheit, seiner Zukunft.<br \/>\nGro\u00dfe Fragen sind das, die uns da gestellt werden! Und wir sollen sie beantworten, indem wir mit List und T\u00fccke versuchen, die ewig wechselnde Lebendigkeit des Bodens in das Mikroskop und in die Z\u00e4hlkammer, in die bakteriologische N\u00e4hrl\u00f6sung und Zahlenkolonne zu bannen \u00ad f\u00fcr wahr eine schwere Aufgabe!<br \/>\nMit diesen grundlegenden Erkenntnissen ging Rusch an die Aufgabe heran, einen Test zu entwickeln, der Aussagekraft besa\u00df f\u00fcr die Menge und G\u00fcte der lebenden Bodensubstanz.<br \/>\nWeitere Erkenntnisse in dieser Forschung:<br \/>\nJe mehr Symbionten eine Bodenprobe zu ern\u00e4hren imstande ist, das hei\u00dft, je mehr hochwertige Bakterien als Begleiter von Pflanze, Tier und Mensch er hervorbringt, umso h\u00f6her ist seine biologische G\u00fcte.<\/p>\n<p>Zur Frage der Menge:<br \/>\nEin biologisches Wachstum von Kulturpflanzen ist nur m\u00f6glich, wenn eine dem Wachstum<br \/>\nentsprechende Menge an organischer Substanz zur Verf\u00fcgung steht. Au\u00dferdem sind die physikalisch- chemischen Eigenschaften, die eine fruchtbare Erde haben muss nur vorhanden, wenn der Boden mit bestimmten Mindestmengen von organischer Substanz durchsetzt ist, das hei\u00dft, lebend verbaut ist (Sekera).<br \/>\nWir verlangen, das ein Boden nicht deshalb fruchtbar genannt werden darf, weil er genug verf\u00fcgbare Kernn\u00e4hrstoffe enth\u00e4lt, wir verlangen vielmehr das die Lebensvorg\u00e4nge des Bodens selbst durch die D\u00fcngung so in Ordnung gebracht werden, dass sie von sich selbst aus imstande sind, die Pflanze ohne k\u00fcnstliche Nachhilfe zu ern\u00e4hren. Das ist f\u00fcr uns erst Fruchtbarkeit.<br \/>\nUnser Begriff Fruchtbarkeit ist also etwas grunds\u00e4tzlich anderes als die agrikulturchemische Fruchtbarkeit und das ist eines der wichtigsten Kernst\u00fccke im biologischen Landbau. Unsere Bodenfruchtbarkeit l\u00e4sst sich nur anhand von Lebensvorg\u00e4ngen pr\u00fcfen, nicht in chemischer Analyse.<br \/>\nDas ist zwar viel schwieriger aber f\u00fcr uns unentbehrlich.<br \/>\nDer Test soll aussagen, ob das Bodenleben ausreicht, um ein biologisch vollkommenes Wachstum hervorzubringen, nicht weniger aber auch nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>,,Menge und G\u00fcte der lebenden Bodensubstanz als\u00a0Test f\u00fcr die Bodenfruchtbarkeit&#8220;\u00a0 Wir nennen einen Boden fruchtbar, wenn er die Nahrung f\u00fcr ein reichliches und vollkommenes\u00a0Pflanzenwachstum bereith\u00e4lt. Das Wachstum darf reichlich genannt werden, wenn unsere Kulturpflanzen die f\u00fcr die Ern\u00e4hrung\u00a0erforderlichen Mengen an Ertrag liefern. Als Anhaltspunkt dienen die statistisch festgestellten\u00a0Ertrags- und H\u00f6chstertragsgrenzen. 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