{"id":313,"date":"2017-10-10T20:11:54","date_gmt":"2017-10-10T18:11:54","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=313"},"modified":"2017-10-10T20:11:54","modified_gmt":"2017-10-10T18:11:54","slug":"28-artikel-winter-1960-fruehjahr-und-sommer-61","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/28-artikel-winter-1960-fruehjahr-und-sommer-61\/","title":{"rendered":"28. Artikel Winter 1960, Fr\u00fchjahr und Sommer 61"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eDer Stand unseres Wissens \u00fcber die Ern\u00e4hrung der Pflanze im Blick auf ihren gesundheitlichen Wert als Nahrung f\u00fcr Tier und Mensch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung der Wissenschaft in den letzten 100 Jahren Der menschliche Geist ist in den letzten hundert Jahren andere Wege gegangen als jemals fr\u00fcher in der Geschichte der Menschheit. Der Unterschied im wissenschaftlichen und praktischen Denken von einst und jetzt ist so entscheidend wichtig, dass man anders die gegenw\u00e4rtige Zeit in ihrem Ringen um die menschlichen Probleme nicht verstehen kann. Wer die Wahrheit sucht, muss denken k\u00f6nnen.<br \/>\nDenken aber hei\u00dft, sich \u00fcber die Vielfalt des allt\u00e4glichen erheben und nach dem Gemeinsamen der nat\u00fcrlichen Vielfalt suchen, nach dem, \u201ewas die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt\u201c (Goethe).<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich kann man zweierlei Wege gehen, um die Wahrheiten zu erforschen und Naturgesetze aufzudecken: Man kann die Dinge zerlegen in ihre Einzelteile, um sie einzeln zu erkennen, in Gedanken wieder zusammenzuf\u00fcgen und sich ein Bild vom Ganzen zu machen; man kann umgekehrt versuchen, in Gedanken das Ganze und seine Grundgesetze zu erkennen, um von hier aus, gewisserma\u00dfen von oben herab, das Geschehen im einzelnen zu erkl\u00e4ren und zu deuten.<br \/>\nDer Mensch und seine Wissenschaften sind seit jeher beide Wege gegangen. Man hat immer versucht, tiefer ins einzelne zu dringen, um das Ganze erkennen zu k\u00f6nnen, und man hat immer auch versucht, vom Ganzen aus dieses einzelne zu deuten und einzuordnen. Beides ist echte Wissenschaft, denn beides dient gleicherma\u00dfen der Naturerkenntnis, es erg\u00e4nzt sich; wo die eine Denkmethode versagt, da vermag die andere weiterzuhelfen. Und beides zusammen ist erst exakt, zuverl\u00e4ssig und wohlfundiert.<br \/>\nMan hat sich heute angew\u00f6hnt, die eine Methode, n\u00e4mlich die, welche zerlegt um zu forschen, die analytische (aufl\u00f6sende) Methode zu nennen, ihr Denken das kausal-analytische Denken. Und zur Zeit behaupten ihre typischen Vertreter, sie allein betrieben exakte Naturwissenschaft. Das Gegenteil, n\u00e4mlich das synthetische und biologische Denken, welches vom Ganzen ausgeht, um das einzelne zu deuten, wird in den Bereich der Philosophie verwiesen und gilt fast allgemein als unwissenschaftlich. Wie ist es dazu gekommen? Die Erfindungen des 19. Jahrhunderts haben etwas grunds\u00e4tzlich Neues gebracht: Der forschende Blick in das einzelne, in die Einzelteile ist pl\u00f6tzlich ungeheuer gesch\u00e4rft worden. Man hat das Mikroskop erfunden und es bis zum Elektronenmikroskop entwickelt, das Vergr\u00f6\u00dferungen bis zum 500 000-fachen und mehr erlaubt. Man hat die R\u00f6ntgenstrahlen entdeckt, die das Unsichtbare sichtbar machen k\u00f6nnen. Man hat die chemische Analyse entwickelt und damit der analytischen Forschung ein weiteres Feld er\u00f6ffnet, und die Physik begab sich erfolgreich ins Gebiet des Allerkleinsten, um die wirkenden Kr\u00e4fte zu erkennen.<br \/>\nDiese Fortschritte haben unser gegenw\u00e4rtiges Leben gestaltet. Man hat Einblicke in das einzelne bekommen, von denen man sich vor 200 Jahren noch nichts hat tr\u00e4umen lassen, und man hat dieses ganz neue, unerh\u00f6rt umfangreiche Wissen vom einzelnen gebrauchen k\u00f6nnen, um eine Zivilisation zu schaffen, wie sie vorher nicht denkbar war.<br \/>\nDiese Fortschritte haben unser gegenw\u00e4rtiges Leben gestaltet. Man hat Einblicke in das einzelne bekommen, von denen man sich vor 200 Jahren noch nichts hat tr\u00e4umen lassen, und man hat dieses ganz neue, unerh\u00f6rt umfangreiche Wissen vom einzelnen gebrauchen k\u00f6nnen, um eine Zivilisation zu schaffen, wie sie vorher nicht denkbar war.<br \/>\nEs darf uns nicht wundern, wenn dar\u00fcber der Blick auf das Ganze verloren gegangen ist. Die Gefahr ist zu gro\u00df, als dass man ihr h\u00e4tte entgehen k\u00f6nnen. Die neuen Forschungsmethoden haben so viel Neues gebracht, dass man zun\u00e4chst alle H\u00e4nde voll zu tun hatte. Die einzelnen Wissensgebiete haben sich so erweitert, dass es unm\u00f6glich geworden ist, alles zu wissen: Der Spezialist wurde geboren und \u00fcbernahm die Herrschaft, der Universalist wurde verdr\u00e4ngt; es gibt heute niemanden mehr, der behaupten k\u00f6nnte, er wisse alles.<br \/>\nDas ist aber n\u00f6tig, wenn man die Natur im Ganzen deuten will.<br \/>\nDie biologischen Zusammenh\u00e4nge zwischen allem Lebendigen, vom Mutterboden bis zum Menschen hin, klarzumachen und alles menschliche Tun in diesen gro\u00dfen Rahmen zu stellen, dazu bedarf es der Ganzheitsschau und der Ganzheitsforschung.<br \/>\nDie Nahrungspflanze ist, was ihren gesundheitlichen Wert betrifft, nur vollkommen, wenn sie Gesundheit vermittelt und gesund erh\u00e4lt. Gesund ist nur das, was erbgesund ist und imstande anderen Lebewesen Gesundheit zu schenken. Daf\u00fcr aber gibt es keine analytischen Teste, sondern nur einen einzigen g\u00fcltigen Test, die reale Wirklichkeit.<br \/>\nDas heute in der Wissenschaft herrschende Spezialistentum steht einer echten Ganzheitsschau im Weg. Der Spezialist darf dabei nur Hilfsperson sein, der mit seiner Erkenntnis (er nennt das gesichertes Wissen) imstande ist, ein Steinchen in das Mosaik des Ganzen zu stellen, aber nicht verlangt, von seiner Erkenntnis Schl\u00fcsse \u00fcber das Ganze zu ziehen, dem falsche Ma\u00dfnahmen folgen m\u00fcssen. Er kann nicht mehr sein als Teil des Ganzen.<br \/>\nEs ist eine Kette: Mensch \u2013 Tier \u2013 Pflanze \u2013 Mikrobien \u2013 Mutterboden \u2013 Agrikultur. Alle ihre Glieder m\u00fcssen im Suchen nach der Wahrheit einbezogen werden, wenn wir \u00fcber die menschliche Ern\u00e4hrung forschen, die ja die menschliche Gesundheit gro\u00dfteils erbringen soll. Was ist menschliche Gesundheit: mit den eigenen geistig-seelischen, wie k\u00f6rperlichen Kr\u00e4ften, \u201eden Kampf ums Dasein\u201c bestehen, ohne wesentliche fremde Hilfe, ohne k\u00fcnstlichen Schutz.<br \/>\nEs gen\u00fcgt nicht, wenn, wie es der heutigen Meinung entspricht, die Nahrung aus gewissen Kern- und Erg\u00e4nzungsstoffen (Eiwei\u00df, Kohlehydraten, Fetten, Mineralien, Vitaminen, Enzymen, Hormonen und Spurenelemente) besteht, nachdem nachgewiesenerma\u00dfen insbesondere die Angeh\u00f6rigen der Industrienationen, denen all diese Nahrungsstoffe reichlich zur Verf\u00fcgung stehen, keineswegs gesund sind; im Gegenteil, immer mehr und h\u00e4ufiger mit Krankheiten aller Art behaftet sind.<br \/>\nDie neuesten Forschungen jedoch betreffen die lebendige Substanz, dh die lebende Zellsubstanz und die Erbsubstanz, die durch die Nahrung Eingang finden in die Zellen des Organismus. Diese Nachweise sind heute so viele, dass wir sie hier nicht mehr aufz\u00e4hlen k\u00f6nnen.<br \/>\nSie wandern aus dem D\u00fcnger auf den Mutterboden, aus dem Mutterboden in die Pflanze und aus den Pflanzen in die tierischen Organismen und \u00fcbertragen damit Gesundheit oder Krankheit. So haben wir erwiesen, dass man mit den schweren Problemen im Landbau erst fertig wird, wenn man sich von den N\u00e4hrstoff-Vorstellungen der Chemiker freimacht und alle seine Kultur-Handlungen unter die Direktion der lebendigen Substanz stellt.<br \/>\nEs kommt weiters auch viel weniger darauf an, wie eine Ern\u00e4hrung gehandhabt und zusammengestellt wird, es kommt vielmehr darauf an, wo die Nahrung gewachsen und geworden ist.<br \/>\nSie kann echte Gesundheit nur vermittelt, wenn sie aus gesunden Lebensvorg\u00e4ngen und gesunden Organismen kommt.<br \/>\nWenn wir dies erf\u00fcllen, k\u00f6nnen wir den hohen Forderungen gerecht werden, die die Menschheit an ihren Landbau stellen darf.<br \/>\n\u201eDu musst mir nicht nur N\u00e4hrstoffe liefern, sondern vollkommene Nahrung\u201c, in diesen Worten ist alles enthalten, was f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Landbau ma\u00dfgebend ist.<br \/>\nWir haben uns seit 12 Jahren konsequent bem\u00fcht, eine Heilkunde, eine Ern\u00e4hrungslehre und eine D\u00fcngelehre zu entwickeln, die sich ganz bewusst der lebenden Substanzen bedient und jede Handlung unter ihre Direktion stellt. Wenn die lebenden Substanzen mit zu einer vollkommenen Nahrung geh\u00f6ren, dann ist die vollkommene Nahrung nicht nur eine Summe von N\u00e4hrstoffen chemischer Natur, sondern eine lebendige Einheit, die sich bisher nur als Ganzes betrachten l\u00e4sst, weil die chemische Struktur lebender Substanzen noch ein Buch mit sieben Siegeln ist.<br \/>\nDie synthetischen D\u00fcnger, Mineralsalze N Ca K P Mg, Spurenstoffe stellen eine nicht organische Pflanzennahrung dar und verursachen den Abbau der Bodenstruktur, Verlust der Fortpflanzungsf\u00e4higkeit, und Verlust der Widerstandskraft gegen Krankheiten und Sch\u00e4dlinge. Die Dosierung dieser D\u00fcngesalze st\u00f6\u00dft auf Schwierigkeiten und verursacht Sch\u00e4digungen im Bodenleben, da jede Dosierung problematisch ist, weil nicht genau den Bed\u00fcrfnissen entsprechend errechenbar.<br \/>\nIm Reich des lebendigen gibt es \u00fcberhaupt nur Dinge, die alles miteinander zu tun haben, dieses Reich ist ein unteilbares Ganzes und wer den Boden verdirbt, der verdirbt die Pflanzen, die Tiere und sich selbst. Das ist keine Philosophie, sondern die einzig m\u00f6gliche Schlussfolgerung aus allen bisher bekannten biologischen Tatsachen.<br \/>\nDer Sch\u00f6pfer der Natur selbst hat daf\u00fcr gesorgt, dass sich kein Lebewesen auf der Erde zum Diktator des anderen machen kann. Auch der Mensch kann bei all seinem technischen K\u00f6nnen, nur leben und erbgesund bleiben, wenn die ganze \u00fcbrige Natur, die ihm das Leben immer wieder erneuert, lebt und gesund ist. Daf\u00fcr sorgt \u2013 und das ist das entscheidende \u2013 der Kreislauf der lebenden Substanzen.<br \/>\nWer den Mutterboden krank macht, bekommt auf die Dauer nur noch kranke Kulturpflanzen und wer von kranken Kulturpflanzen lebt, wird auf die Dauer genauso krank wie sie. Die ganze Zukunft der Menschheit h\u00e4ngt also \u2013 mehr als von allem anderen \u2013 von der Ern\u00e4hrung ab.<br \/>\nAuch der Pflanze wird Gesundheit \u00fcber ihre Nahrung vermittelt und letzten Endes ist also die Frage nach dem biologischen Wert einer Nahrung eine Frage nach der Ern\u00e4hrung der Pflanze und nichts anderes. Und damit konzentriert sich die Frage auf den Mutterboden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Stand unseres Wissens \u00fcber die Ern\u00e4hrung der Pflanze im Blick auf ihren gesundheitlichen Wert als Nahrung f\u00fcr Tier und Mensch\u201c Die Entwicklung der Wissenschaft in den letzten 100 Jahren Der menschliche Geist ist in den letzten hundert Jahren andere Wege gegangen als jemals fr\u00fcher in der Geschichte der Menschheit. Der Unterschied im wissenschaftlichen und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/28-artikel-winter-1960-fruehjahr-und-sommer-61\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">28. 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