{"id":315,"date":"2017-10-10T20:15:15","date_gmt":"2017-10-10T18:15:15","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=315"},"modified":"2017-10-10T20:15:15","modified_gmt":"2017-10-10T18:15:15","slug":"30-artikel-winter-1961","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/30-artikel-winter-1961\/","title":{"rendered":"30. Artikel Winter 1961"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0\u201eDie makromolekulare Stufe des Lebendigen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fcher betrachtete man als kleinste Einheit des Lebens die Zelle, hier begann f\u00fcr die naturwissenschaftlichen Vorstellungen das Leben, darunter gab es nur mineralisierte Substanz, das hei\u00dft die Elemente und ihre Verbindungen, zum Beispiel die Salze.<br \/>\nEs wurde eine totale Mineralisation der lebenden Organismen (Pflanze, Tier, Mensch) bei ihrem Absterben bez\u00fcglich aller ihrer Stoffe angenommen, verbunden mit der Annahme, dass jeder Organismus die lebendigen Substanzen, die er in sich tr\u00e4gt, wieder von vorne neu aufbauen muss.<br \/>\nDiese letztere Annahme trifft nun nicht zu, die Mineralisation geht zwar tats\u00e4chlich vor sich, betrifft aber nicht alle Stoffe.<br \/>\nDie Forschung ist in den letzten beiden Jahrzehnten auf verschiedenen Wegen tief in das Niemandsland zwischen lebendiger und lebloser Substanz eingedrungen und hat dabei \u00fcberraschende Feststellungen gemacht, die das naturwissenschaftliche Weltbild teilweise total zu ver\u00e4ndern beginnen. Daran ist die Makromolekularchemie und Biophysik ebenso beteiligt, wie die Erbforschung, die Virusforschung und die Biologie allgemein. Jeder dieser Wissenszweige hat, teilweise ganz unabh\u00e4ngig voneinander, nachgewiesen, dass es zwischen der lebendigen Zelle und den unlebendigen Kleinsubstanzen eine Riesenzahl von Gro\u00dfmolek\u00fclen, das hei\u00dft von lebenden Substanzen gibt, die in den verschiedensten Formen bei einer Aufl\u00f6sung lebender Zellen, also beim Tod der Zelle als Lebenseinheit nicht auseinanderfallen. Auch nicht bei den Verdauungsprozessen, sondern erhalten bleiben: Unser \u201eGesetz von der Erhaltung der lebendigen Substanz\u201c und der Kreislauf lebendiger Substanzen als wesentlichster Teil der Nahrungskreisl\u00e4ufe wird damit ganz allm\u00e4hlich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck bewiesen.<br \/>\nDie Zelle ist demnach als kleinste Lebenseinheit entthront, es gibt unterhalb der Zelle bereits alles das, was man \u201eLeben\u201c nennt. Zwischen den Kleinsubstanzen, zu denen nicht nur die Mineralsalze, sondern auch die Vitamine, Enzyme, Hormone, Kohlehydrate und Eiwei\u00dfbausteine zu rechnen sind und den \u201egro\u00dfen Zellen\u201c, gibt es einen ausgedehnten Lebensbereich, den wir die \u201emakromolekulare Stufe des Lebens\u201c nennen. Wie ist sie beschaffen, und welche Bedeutung hat sie f\u00fcr die Erhaltung und Fortpflanzung der lebendigen Organismen? Ein makromolekulares Gro\u00dfmolek\u00fcl ist aufgebaut aus Atomen, geordnet in besonderer Weise. Je weniger Atome in einem Molek\u00fcl vorhanden sind, desto fester ist die Aneinanderbindung. Je gr\u00f6\u00dfer die Anzahl der Atome ist, desto schwieriger wird das Problem der Bindung, desto wandelbarer und unbest\u00e4ndiger sind die Molek\u00fcle, sie sind labil, reagieren auf jede Ver\u00e4nderung und besitzen infolgedessen die besondere Eigenschaft der Lebendigkeit. Ohne diese Lebendigkeit, ohne die F\u00e4higkeit auf Umwelteinfl\u00fcsse zu reagieren, g\u00e4be es kein Leben. Aber gerade wegen dieser Labilit\u00e4t, wegen der Ver\u00e4nderlichkeit und Empfindlichkeit ist es \u00e4u\u00dferst schwierig sie zu untersuchen und ihr Verhalten zu studieren. Man kann sie nur indirekt studieren, indem man ihre Wirkungen in ungest\u00f6rten Lebensvorg\u00e4ngen studiert. Solche Studien werden in hunderten Laboratorien der ganzen Welt durchgef\u00fchrt, dabei wurden erstaunliche Neuigkeiten zu Tage gef\u00f6rdert.<br \/>\nSo sind gewisse Gro\u00dfmolek\u00fcle nicht so empfindlich wie die Masse und diese sind die allerwichtigsten lebenden Substanzen, n\u00e4mlich die Erbsubstanzen.<br \/>\nEine der wichtigsten Eigenschaft der lebendigen Gro\u00dfmolek\u00fcle ist die F\u00e4higkeit, sich selbst zu verdoppeln, das hei\u00dft, sie k\u00f6nnen sich selbst vermehren, was innerhalb von Zellen, also im Schutz einer bereits h\u00f6heren Form des Lebendigen, vor sich geht. Bei der F\u00e4higkeit der Selbstvermehrung von Gro\u00dfmolek\u00fclen handelt es sich um eine \u201eUrfunktion\u201c ohne die es Fruchtbarkeit und Fortpflanzung nicht gibt.<br \/>\nBei der Teilung von Erbsubstanzen in kleinste Scheibchen durch einzelne R\u00f6ntgenstrahlen konnte festgestellt werden, dass man sie weder abt\u00f6ten konnte, noch ihnen ihre Erbeigenschaften nehmen.<br \/>\nBei diesen so gewonnenen Erkenntnissen ist naheliegend, dass diese Grundformen der lebenden Substanzen erstens sehr widerstandsf\u00e4hig sein m\u00fcssen, zB bei K\u00e4lte und Hitze in der freien Natur zu \u00fcberleben verstehen, zweitens dass es Organismen besonders Pflanzen keine Schwierigkeiten macht, diese relativ kleinen Lebendsubstanzen aufzunehmen. Und drittens, dass bei der Umformung organischer Substanz, wie tierische Verdauung oder Humusbildung, das massenm\u00e4\u00dfig Meiste der lebenden Substanz mineralisiert werden kann, ohne dass die selbe restlos zerst\u00f6rt werden m\u00fcsste.<br \/>\nEin kleiner Teil gen\u00fcgt, um immer noch die lebendigen Eigenschaften zu retten.<br \/>\nDie wichtigste Frage, die uns auf der makromolekularen Stufe des Lebens begegnet: Bauen sich die Lebewesen bei der Pflanze beginnend, wie die heutige Lehrmeinung behauptet, nur und ausschlie\u00dflich aus Nahrung in mineralischer Kleinform auf und es gibt keinen Kreislauf der lebenden Substanzen. Dagegen sprechen zahlreiche Beispiele, dass lebende Gro\u00dfmolek\u00fcle wie die Mikrosomen und die Erbsubstanzen sehr wohl von den Zellen bereitwillig aufgenommen werden, zu denen sie passen.<br \/>\nDie Forschung auf der makromolekularen Stufe des Lebens kommt unseren wissenschaftlichen und landbaulichen Grunds\u00e4tzen, die wir in der Praxis und im Laboratorium seit langer Zeit bet\u00e4tigen, heute Schritt f\u00fcr Schritt n\u00e4her. Was an unseren \u00dcberzeugungen bisher nicht schl\u00fcssig bewiesen war, wird zur Zeit und in n\u00e4chster Zukunft bis ins Letzte bewiesen sein. Dann wird es nicht mehr so schwer sein, die Folgerungen zu ziehen.<br \/>\nImmerhin aber ist es notwendig, dass es Menschen gibt, die sich nicht scheuen, schwankenden Boden eines Niemandslandes zu betreten, wenn es um die wichtigste Frage geht, die uns Menschen gestellt ist, die Frage n\u00e4mlich, wie wir es anstellen m\u00fcssen, damit die Menschheit gesund und gl\u00fccklich wird. Mit dem Landbau f\u00e4ngt es an, der Mutterboden schafft unser Schicksal, das war und bleibt unser oberster Grundsatz. Wenn uns nun die Wissenschaft in das Niemandsland nachfolgt, das wir mutig betreten haben, so wollen wir auch ihr daf\u00fcr dankbar sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201eDie makromolekulare Stufe des Lebendigen\u201c Fr\u00fcher betrachtete man als kleinste Einheit des Lebens die Zelle, hier begann f\u00fcr die naturwissenschaftlichen Vorstellungen das Leben, darunter gab es nur mineralisierte Substanz, das hei\u00dft die Elemente und ihre Verbindungen, zum Beispiel die Salze. Es wurde eine totale Mineralisation der lebenden Organismen (Pflanze, Tier, Mensch) bei ihrem Absterben bez\u00fcglich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/30-artikel-winter-1961\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">30. 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