{"id":317,"date":"2017-10-10T20:16:56","date_gmt":"2017-10-10T18:16:56","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=317"},"modified":"2017-10-10T20:16:56","modified_gmt":"2017-10-10T18:16:56","slug":"31-artikel-fruehjahr-1962","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/31-artikel-fruehjahr-1962\/","title":{"rendered":"31. Artikel Fr\u00fchjahr 1962"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eDer Stand unseres Wissens \u00fcber die Ern\u00e4hrung der Pflanzen (Ein Blick auf den gesundheitlichen Wert der Nahrung)\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Als ich vor langer Zeit mit Bodenstudien begann, war dies die einzige Frage, die mir gestellt war: was muss im Boden vorgehen, wenn er fruchtbar sein soll, und was muss in ihm vorgehen, wenn er gesunden Pflanzenwuchs produzieren soll?<\/p>\n<p>Welche Ma\u00dfnahmen sind imstande hier Aufschluss zu geben?<\/p>\n<p>1. Rusch-Test, der in der Lage ist sowohl die Fruchtbarkeit als auch die biologische G\u00fcte eines Bodens zu bestimmen (wurde sp\u00e4ter vielfach kritisiert und findet wenig mehr Verwendung)<\/p>\n<p>2. Der Regenwurmbesatz eines Bodens; der Regenwurm zeigt haupts\u00e4chlich an, wieviel organische Substanz herangebracht wurde und in noch unzersetzter Form vorhanden ist<\/p>\n<p>3. Die Beobachtung der \u201esch\u00f6nen Gare\u201c oder des \u201egaren Bodens\u201c, wenn ein schwerer Boden als gar imponiert oder ein h\u00e4ngiger Boden nicht abschwemmt<\/p>\n<p>4. Der zuverl\u00e4ssigste Test f\u00fcr den Boden ist die Pflanze: wenn an der Pflanzung etwas fehlt, so fehlt es am Boden. Eine Ausnahme ist das z\u00f6gerliche Einsetzen des Fr\u00fchjahrswachstums ehe die Bodenw\u00e4rme einsetzt; dieses aber ist nat\u00fcrlich und darf nicht gest\u00f6rt werden durch Treibd\u00fcnger.<\/p>\n<p>5. Ein sehr zuverl\u00e4ssiger Test ist die gesundheitliche Entwicklung der Nutztiere, insbesondere des Milchviehs. Wo Krankheit auftritt, stimmt im Allgemeinen am Boden noch etwas nicht; gesunder Boden garantiert einen gesunden Stall.<\/p>\n<p>Nun stellt sich die Frage, um die es hier geht: Was lehrt uns das biologische Denken, die biologischen Teste und die Erfahrung bez\u00fcglich der Ern\u00e4hrung der Pflanzen, wenn sie eine vollkommene Nahrung f\u00fcr Mensch und Tier sein sollen?<\/p>\n<p>1. Wer gesunde Nahrung produzieren will, muss auf jeden k\u00fcnstlichen Treibd\u00fcnger konsequent verzichten, da jede wirksame Kunstd\u00fcngung, das hei\u00dft, eine die sich lohnt vom ersten Tag ab, ihr Zerst\u00f6rungswerk am biologischen Gef\u00fcge der Organismen \u201ePflanze und Boden\u201c beginnt. Kunstd\u00fcnger sind der synthetische Stickstoff und die k\u00fcnstlichen D\u00fcngesalze; sie werden der wachsenden Pflanze \u2013 ohne die Mitwirkung des Bodens \u2013 aufgezwungen, indem sie die \u201eBarrieren\u201c der Boden- und Wurzelflora durchbrechen und mit dem st\u00e4ndig einstr\u00f6menden Wasser gel\u00f6st in die Pflanze hineingepumpt werden. Die Pflanze muss nun sehen, was sie mit diesen Salzen anf\u00e4ngt; sie muss sie, da sie sie nicht wieder loswerden kann, \u201everbauen\u201c, das hei\u00dft in ihrem Gewebe so verteilen, dass sie nicht mehr als unnat\u00fcrliche \u201eStoffwechselfehler\u201c wirken und sie gef\u00e4hrden k\u00f6nnen \u2013 die Pflanze muss wachsen, ob sie will oder nicht. Also produziert sie pl\u00f6tzliches, unplanm\u00e4\u00dfiges Wachstum, rei\u00dft allen verf\u00fcgbaren Humus an sich, aktiviert \u00fcberst\u00fcrzt die Chlorophyllbildung (das hei\u00dft sie wird rasch dunkelgr\u00fcn), um genug N\u00e4hrstoffe zu \u00fcbereiltem Bau zur Verf\u00fcgung zu haben und bekommt einen stark k\u00fcnstlich \u00fcberh\u00f6hten Stoffwechsel (\u201efiebernde Pflanzen\u201c, Aaland). Damit ist die Harmonie der Wechselbeziehung zwischen Boden und Pflanze, die Grundlage f\u00fcr den gesunden, nat\u00fcrlichen Pflanzenwuchs, beseitigt; die Pflanze beginnt den Raubbau am Bodengef\u00fcge, am Humusvorrat, und nach k\u00fcrzerer oder l\u00e4ngerer Zeit ist nicht nur das Erbgut und das Abwehrsystem der Pflanze verdorben, sondern auch der \u201eOrganismus Mutterboden\u201c.<\/p>\n<p>2. Wer gesunde Nahrung produzieren will, muss auf chemische Gifte im Landbau vollkommen verzichten lernen, denn die Anwendung von giftigen Spritz- und St\u00e4ubemitteln (Pflanzenschutzmitteln) gegen Krankheit und Sch\u00e4dling beseitigt alsbald die biologische Qualit\u00e4t des Bodens.<\/p>\n<p>3. D\u00fcnger und D\u00fcngung m\u00fcssen so gelenkt werden, dass das h\u00f6chstm\u00f6gliche Ergebnis bez\u00fcglich der Lebenskraft der B\u00f6den und ihrer Qualit\u00e4t dabei herauskommt. Wirtschaftsd\u00fcnger, Gr\u00fcnkompost, G\u00fcllen und Jauchen m\u00fcssen durch eine Rotte mit Luftzutritt um nicht in der F\u00e4ulnis ohne Luftzutritt Gifte zu erzeugen. Neben der Haufenkompostierung, Entwicklung der Oberfl\u00e4chenkompostierung bei der die Humifizierung nachgeahmt wird wie sie in der Natur vor sich geht, und dieses Verfahren ist auf jeden Fall das Richtige.<\/p>\n<p>4. Au\u00dferordentlich wichtig f\u00fcr die Frage der biologischen Boden- und Pflanzenqualit\u00e4t ist die Bodenbearbeitung selbst. Die Humusbildung im Boden geht in Schichten vor, von denen jede ihre eigenen Spezial-Bakterien und \u2013kleintiere besitzt. Ein Umst\u00fcrzen des Mutterbodens bringt diese verschiedensten Lebensvorg\u00e4nge so durcheinander, dass die regelrechte Humusbildung sehr behindert wird.<\/p>\n<p>5. An der Humusbildung sind auch bestimmte Pflanzen vorz\u00fcglich beteiligt, wie Klee, Leguminosen und Gras, die in Form von Gr\u00fcnd\u00fcngung sehr viel zur Produktion gesunder Nahrung beitragen.<\/p>\n<p>6. Ein gro\u00dfer Fehler ist das Unterbringen unreifer und halbreifer organischer D\u00fcnger in den Boden. Jedes tiefere Einarbeiten (unterhalb 5cm), insbesondere das Unterpfl\u00fcgen auch des frischen und halbreifen Stallmistes oder der Gr\u00fcnd\u00fcngung ist ein Frefel am Boden und am D\u00fcnger zugleich. Die Humusbildung l\u00e4uft ganz falsch ab, es bilden sich Torfe und F\u00e4ulnisgifte.<\/p>\n<p>7. Bodendecken als Schutz gegen Licht, gegen Austrocknung, gegen zu starke Abk\u00fchlung oder Erw\u00e4rmung, Schutz f\u00fcr die Bodentiere sind von gro\u00dfer Bedeutung und geh\u00f6ren zur Humuswirtschaft wie die Fl\u00e4chenkompostierung und die Gr\u00fcnd\u00fcngung, auch das macht uns die Natur vor. Die Bodendecken sind d\u00fcnn aufzutragen, Mitschleier!! Das ihre Rotte durch Luftzutritt nicht gehindert wird.<\/p>\n<p>8. Die Mineralfrage: ein stets lebendig gehaltener Boden braucht nur sehr geringe Mengen an Mineralsalz. Der Pflanzenwuchs und die Pflanzengesundheit sind nur dann vollkommen und biologisch, wenn die Pflanze ihre Mineralstoffe aus den Lebensvorg\u00e4ngen des Bodens, das hei\u00dft in Form organischer Molek\u00fcle und Molek\u00fclteile in sich aufnehmen kann und nicht in Form anorganischer Mineralien. Es kommen daher nur Minerald\u00fcnger in Frage, die vom Bodenleben zun\u00e4chst aufgeschlossen werden m\u00fcssen, so dass sie ganz genau den Bed\u00fcrfnissen der lebenden Pflanzengewebe entsprechen, wie Urgesteinsmehl mit seinen zahlreichen Spurenstoff-Vorr\u00e4ten, Rohphosphat, Kalkmergel, andere Kalksteinmehle, sowie siliziumhaltige Lehme und Tone (Bentonit).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gedanken \u00fcber die D\u00fcngung im biologischen Landbau: Man muss sich radikal von den chemischen Vorstellungen frei, dass eine D\u00fcngung gut sei, wenn man ihre Wirkung alsbald zu sehen bekommt, das eine D\u00fcngung nur gut ist, wenn sie unmittelbar die Ertr\u00e4ge steigert.<\/p>\n<p>Die wahre biologische D\u00fcngung wirkt niemals direkt! Ein Boden, dem auch eine stark-zerrende Hackfrucht nichts anhaben kann, weil er einen hohen Humusvorrat hat, entsteht in 3 Jahren, nicht in Monaten oder gar Wochen, die echte Humuswirtschaft will erreichen, dass der Boden immer und zu aller Zeit hohe Testwerte hat, ganz gleich, ob darauf Gr\u00fcnd\u00fcngung, Getreide, Futter oder Hackfrucht w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Der beste biologische Bauer ist der, welcher allj\u00e4hrlich das Bodenleben gleichm\u00e4\u00dfig organisch ern\u00e4hrt.<\/p>\n<p>So haben wir jetzt schon ein fest umrissenes Programm im biologischen Landbau praktisch erprobt, wissenschaftlich untermauert und immer nur auf das hohe Ziel gerichtet: Gesundheit zu schaffen f\u00fcr die Mitmenschen, die von unseren Fr\u00fcchten leben. Denn sehr viel mehr, als man bisher gewusst hat, h\u00e4ngt das gesundheitliche Schicksal der Menschen vom Landbau ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Stand unseres Wissens \u00fcber die Ern\u00e4hrung der Pflanzen (Ein Blick auf den gesundheitlichen Wert der Nahrung)\u201c Als ich vor langer Zeit mit Bodenstudien begann, war dies die einzige Frage, die mir gestellt war: was muss im Boden vorgehen, wenn er fruchtbar sein soll, und was muss in ihm vorgehen, wenn er gesunden Pflanzenwuchs produzieren &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/31-artikel-fruehjahr-1962\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">31. 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