{"id":328,"date":"2017-10-10T20:20:30","date_gmt":"2017-10-10T18:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=328"},"modified":"2017-10-10T20:20:30","modified_gmt":"2017-10-10T18:20:30","slug":"36-artikel-herbst-1963","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/36-artikel-herbst-1963\/","title":{"rendered":"36. Artikel Herbst 1963"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201e10 Jahre biologische Bodenpr\u00fcfung\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>In seinen Anf\u00e4ngen hatte der biologische Landbau zur Kontrolle seiner Arbeit am Boden, an der Pflanze, seiner D\u00fcngung und seiner Erfolge kaum mehr zur Verf\u00fcgung als die innerste \u00dcberzeugung, dass die k\u00fcnstliche Pflanzenern\u00e4hrung falsch sei. Zwar hat sich diese \u00dcberzeugung in diesen und jenen Erfahrungen allm\u00e4hlich als richtig erwiesen, im Gro\u00dfen und Ganzen aber arbeitete man \u201eim Dunklen\u201c. Es gab nur sehr unzuverl\u00e4ssige Anzeichen daf\u00fcr, ob ein Boden, ein Kompost, eine Pflanze biologisch gut sei; die Folge war, dass beinahe jeder eigene Rezepte hatte, und es gab so viele verschiedene Vorschriften f\u00fcr den organischen Landbau, dass man sie unm\u00f6glich unter einen Hut bringen konnte.<br \/>\nZu gleicher Zeit gab es aber im \u201eoffiziellen\u201c, von der Agrikulturchemie bestimmten Landbau bereits erprobte, eingespielte Teste, die scheinbar den \u201eN\u00e4hrstoff\u201c-Gehalt von B\u00f6den und D\u00fcngern sehr exakt feststellten und zu genauen Angaben \u00fcber die angeblich \u201eharmonische\u201c Kunstd\u00fcngung benutzt wurden. Besonders einfache Gem\u00fcter f\u00fchlten sich hier absolut gesichert, und da man zu Anfang die Kehrseite der Minerald\u00fcngung auch noch nicht deutlich zu sehen bekam, ging damals die gro\u00dfe Mehrheit der Bauern mit fliegenden Fahnen zur Kunstd\u00fcngung \u00fcber.<br \/>\n<em>Das w\u00e4re wahrscheinlich nicht geschehen, wenn die Entwicklung der biologischen Wissenschaften genau so weit vorgeschritten gewesen w\u00e4re wie die der chemisch-physikalischen.<\/em>\u00a0Davon konnte aber keineswegs die Rede sein, im Gegenteil: Noch heute befindet sich die Lebensforschung in ihren Anf\u00e4ngen, zum mindesten dort, wo sie sich als \u201eanerkannte Wissenschaft\u201c bezeichnet. H\u00e4tte man damals, vor 30-40 Jahren nicht nur chemische und physikalische, sondern auch biologische Teste gehabt, die anhand von Boden- und D\u00fcngerproben Angaben \u00fcber Umfang und G\u00fcte der Fruchtbarkeit, \u00fcber das biologische Gleichgewicht und die Bodengare erlaubt h\u00e4tten, so w\u00e4re die Entwicklung der Landbauwissenschaft und des praktischen Landbaues vermutlich ganz anders verlaufen.<br \/>\nNun haben vor etwa 30 Jahren \u00c4rzte begonnen, sich genauer mit den Problemen zu befassen, und zwar \u00c4rzte, die sich mit den mikrobiologischen Zeichen von Gesundheit und Krankheit abgaben.<br \/>\nDamals zeichnete sich zum ersten Male in diesen niedersten Lebensbereichen der Bakterien eine biologische Ordnung ab; man bemerkte zum ersten Male, dass es auch hier Anzeichen von Ordnung und Unordnung, von krank und gesund, von richtig und falsch gibt, Anzeichen, die man dort, wo Mensch und Tier mit Bakterien zusammenleben, f\u00fcr ein Urteil \u00fcber deren Gesundheitszustand benutzen kann. Es ergab sich sogar damals schon, dass man mithilfe bestimmter Bakterien auf die Gesundheit f\u00f6rdernd einwirken kann.<br \/>\nInzwischen ist auf diesem Gebiet viel mehr bekannt geworden, und man wei\u00df heute, dass die mit Menschen und Tiere zusammenlebenden Bakterien (man nennt sie \u201eSymbionten\u201c) den Zustand der Grundgesundheit sehr genau anzeigen. Man wei\u00df, welche Arten man finden muss, wenn die Grundgesundheit gut ist, und man wei\u00df, welche Bakterien auftreten, wenn der von ihnen besiedelte Organismus nicht \u201ein der biologischen Ordnung\u201c ist. An solchen Forschungsaufgaben haben auch wir, die wir heute die mikrobiologische Untersuchung der Bodenproben vornehmen, teilgenommen, und ein Arbeitskreis von \u00c4rzten und Tier\u00e4rzten hat sich unsere Erfahrung praktisch zunutze gemacht.<br \/>\nEines Tages kamen wir dahinter, dass einer unserer Lehrer, der 1952 verstorbene Bakteriologe Arthur Becker in einer Tonne Kolibakterien z\u00fcchtete, die er auf seine Pflanzen im Garten goss. Von diesem schweigsamen Mann erfuhren wir nicht viel mehr, als dass er dies schon seit langer Zeit tue, und dass der Boden auf diese Weise herrlich fruchtbar wurde; da gab es so pr\u00e4chtiges Wachstum, wie man es sonst nie sieht, keine Sch\u00e4dlinge, keine Krankheiten und einen wundergar garen Boden. Aber wir hatten das Gef\u00fchl, dass dieser immer bescheidene Mann selbst nicht genau wusste, welchen hochwichtigen Dingen er da auf der Spur war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den folgenden Jahren haben wir nun mit Mittererden aus G\u00e4rten, Pflanzbeeten, Gew\u00e4chsh\u00e4usern und Komposten genau dasselbe gemacht, was wir in der medizinischen Bakteriologie gelernt hatten :<br \/>\nWir haben versucht, die Bakterienflora dieser lebendigen Materialien auf N\u00e4hrb\u00f6den darzustellen, um herauszubekommen, wie gro\u00df die Fruchtbarkeit der Proben ist und von welcher G\u00fcte. Und das f\u00fchrte zu einem vollen Erfolg.<br \/>\nMit der Zeit haben wir immer mehr Versuche angestellt und uns davon \u00fcberzeugt, dass wir eine Methode entdeckt hatten, die f\u00fcr den biologischen Landbau geradezu wie geschaffen war, eine Methode, die er bisher hatte entbehren m\u00fcssen, und wir nahmen denn auch um das Jahr 1950 herum alle diese Erfahrungen am lebendigen Boden in unsere medizinischen Vortr\u00e4ge auf. Einen solchen Vortrag hat auch Dr. M\u00fcller in Bern miterlebt und offenbar ganz klar die Chance erkannt, die sich hier f\u00fcr den biologischen Landbau bot. Es schien, man k\u00f6nnte hier den wissenschaftlichen Vorsprung des chemischen Landbaues nachholen und brauche in Zukunft nicht mehr \u201eim Dunklen\u201carbeiten wie bisher. Und diese Meinung hat sich in der weiteren Zukunft best\u00e4tigt.<br \/>\nzu Es folgt eine ausf\u00fchrliche Darstellung des von Dr. Rusch entwickelten Verfahrens wonach Bakterien, die am h\u00e4ufigsten Lebewesen eines fruchtbaren Bodens in ihrer Zusammensetzung ein unbestechliches Zeugnis der biologischen Bodenqualit\u00e4t abgeben. Es wird sowohl \u00fcber die Menge als auch \u00fcber die G\u00fcte des zu untersuchenden Bodens entscheidendes ausgesagt.<br \/>\nDer Test wird heute nur mehr in bescheidenen Mengen im Labor von Mag. Andree Gilhofer in 4170 Haslach, Rebenleiten 10, ausgef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e10 Jahre biologische Bodenpr\u00fcfung\u201c \u00a0In seinen Anf\u00e4ngen hatte der biologische Landbau zur Kontrolle seiner Arbeit am Boden, an der Pflanze, seiner D\u00fcngung und seiner Erfolge kaum mehr zur Verf\u00fcgung als die innerste \u00dcberzeugung, dass die k\u00fcnstliche Pflanzenern\u00e4hrung falsch sei. 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