{"id":336,"date":"2017-10-10T20:23:49","date_gmt":"2017-10-10T18:23:49","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=336"},"modified":"2017-10-10T20:24:44","modified_gmt":"2017-10-10T18:24:44","slug":"40-artikel-herbst-1964","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/40-artikel-herbst-1964\/","title":{"rendered":"40. Artikel Herbst 1964"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eWas verleiht dem Boden die n\u00f6tige Triebkraft\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Das Wachstum von wilden oder kultivierten Pflanzen, so selbstverst\u00e4ndlich es auch ist, kommt nur zustande, wenn sehr viele und sehr verschiedene Faktoren zusammenkommen; es h\u00e4ngt ab von<\/p>\n<p>a) der Pflanze selbst, d.h. vom biologischen Wert des Samens, der Pflanze, der Knolle,<br \/>\nb) vom Boden, d.h. seiner Leistungsf\u00e4higkeit bzw. der Leistung seines lebenden Teiles und schlie\u00dflich<br \/>\nc) von den Umweltfaktoren, z.B. Licht, W\u00e4rme, Grundwasser, Unterboden, Konkurrenzpflanzen und anderen Faktoren.<\/p>\n<p>Wenn wir uns die Frage stellen, welchen Anteil daran der Boden hat, um eine nat\u00fcrliche Triebkraft zu haben, so schneiden wir damit ein Problem an, das f\u00fcr den Landbau praktisch wohl das wichtigste ist; denn auf den Boden kommt es am meisten an. Sehen wir uns die Sache genauer an, so stellen wir fest, dass sich die wichtigsten Voraussetzungen f\u00fcr eine nat\u00fcrliche Triebkraft des Bodens etwa folgenderma\u00dfen einteilen lassen :<br \/>\n1. Der Boden muss von Natur aus eine bestimmte Beschaffenheit haben, um fruchtbar werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2. Gewisse B\u00f6den eignen sich nur f\u00fcr gewisse Pflanzungen, z.B. gibt es gute und schlechte Kartoffel- oder Weizenb\u00f6den.<\/p>\n<p>3. Nicht alle Pflanzen gedeihen in allen Gegenden, Breitengraden oder H\u00f6henlagen.<\/p>\n<p>4. Die Triebkraft des Bodens h\u00e4ngt weitgehend davon ab, wie wir ihn behandeln.<\/p>\n<p>5. Die Triebkraft des Bodens h\u00e4ngt auch davon ab, wie wir ihn ern\u00e4hren.<br \/>\nSchauen wir uns zun\u00e4chst einmal die Punkte 1-3 an: Der Boden soll von Natur aus eine bestimmte Beschaffenheit haben, um nat\u00fcrliche Triebkraft zu entwickeln; man teilt deshalb ja auch die B\u00f6den in \u201eKlassen\u201c ein, um ihre \u201eBonit\u00e4t\u201c auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>1. Die Boden-Bonit\u00e4t (Tongehalt Grundwasserstand, Sandgehalt Unterboden) die vorherbestimmt ist, kann nur mit besonderen Ma\u00dfnahmen (Sandzufuhr, Lehmzufuhr, Drainage, Tongehalterh\u00f6hung durch Gebrauch von Urgesteinsmehl) ge\u00e4ndert werden.<br \/>\nSchwerver\u00e4nderbar ist die Dicke der Krume, hier anzuwenden das Verfahren der nat\u00fcrlichen Bodenaufschlie\u00dfung, g\u00fcltig f\u00fcr die meisten B\u00f6den; das Anbauen von tiefwurzelnden Schmetterlingsbl\u00fctlern wie Klee, Lupine, Luzerne. Diesen Tiefwurzlern ist, sollen sie voll wirksam werden, viel Zeit zu lassen, mindestens eine Vegetationsperiode.<br \/>\n2. und<\/p>\n<p>3.\u00a0 Wiederbelebung der alten b\u00e4uerlichen F\u00e4higkeit und Erfahrung dem Boden nur jene Kulturen anzuvertrauen, die dort gut gedeihen und ihm nicht bestimmte Kulturen aufzwingen, die dort keine Aussicht auf gutes Gedeihen haben.<br \/>\n4. Die Triebkraft des Bodens h\u00e4ngt weitgehend davon ab, wie man ihn behandelt.<br \/>\nJedes Bearbeiten, jede St\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Schichtenbildung, so n\u00f6tig sie auch sein mag, st\u00f6rt die nat\u00fcrliche Fruchtbarkeit. Die nat\u00fcrliche Fruchtbarkeit, ohne die es keinen biologischen Landbau geben kann, h\u00e4ngt nicht davon ab, dass der Boden mechanisch gekr\u00fcmelt wird, sondern nur davon, dass er biologisch strukturiert \u2013 lebendig aufgebaut \u2013 wird. Beides h\u00e4ngt voneinander ab. Wo es keine Lebenst\u00e4tigkeiten gibt, da gibt es auch keine nat\u00fcrliche biologische Kr\u00fcmelung, und wo es keine solche, selbstt\u00e4tige Kr\u00fcmelung gibt, da kam auch kein Leben gedeihen und das Leben des Bodens ist im biologischen Landbau der Spender alles dessen, was f\u00fcr das bestm\u00f6gliche Pflanzenwachstum, d.h. f\u00fcr die h\u00f6chste Boden-Triebigkeit n\u00f6tig ist.<br \/>\nDie nat\u00fcrliche biologische Bodenstruktur w\u00e4chst langsam und stetig fast genauso wie eine Pflanze w\u00e4chst, denn sie ist ein Lebensgebilde so \u00e4hnlich wie die Holzteile eines Baumes, der ja auch nur ganz allm\u00e4hlich heranw\u00e4chst. Im biologischen Landbau in seiner organisierten, kontrollierten und wissenschaftlich durchdachten Form, wie es einen solchen noch nie gegeben hat, lebt der Boden, ist also auch fruchtbar und triebig, da wird der traditionelle Pflug entbehrlich, das entbehrliche Umw\u00fchlen zum Mord am Organismus Muttererde.<br \/>\n5. Die Triebkraft des Bodens h\u00e4ngt davon ab, wie wir ihn ern\u00e4hren. Es handelt sich bei dieser Ern\u00e4hrung nicht allein um die organischen D\u00fcnger und D\u00fcngemittel sondern um die Gesamtheit der Humuswirtschaft. Die echte wirkliche Humuswirtschaft ist der gelungene Versuch die Muttererde wieder in den Kreislauf der biologischen Wirksamkeiten einzuschalten. Diese Wirksamkeiten samt den sie begleitenden Stoffen m\u00fcssen aus einem voll funktionierenden Kreislauf stammen, der in allen Gliedern auf Hochtouren l\u00e4uft.<br \/>\nZur D\u00fcngung brauchen wir also sowohl die Pflanze wie das Tier, sowohl die pflanzliche wie die tierische Komponente.<br \/>\nD\u00fcngermengen und D\u00fcngerverfahren k\u00f6nnen nicht vorgeschrieben werden, die Humuswirtschaft ist und bleibt f\u00fcr alle Zeiten Sache der Bauern, seines biologischen Blickes, seiner eigenen Erfahrungen und Erlebnisse seines Feingef\u00fchls f\u00fcr das Leben des Bodens.<br \/>\n<em><strong>Der biologische Landbau ist etwas ganz anderes als der konventionelle; hier kann man die h\u00f6chste Bodenleistung, die nat\u00fcrliche Triebigkeit nicht willk\u00fcrlich herbeizaubern, indem man dem Boden diesen oder jenen \u201eStoff\u201c zuf\u00fcgt, sondern hier muss man die Voraussetzungen zur Fruchtbarkeit von den zwei Grundgedanken aus erf\u00fcllen :<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>1. Der Boden ist mit allem, was er enth\u00e4lt, wie er gebaut ist und wie er lebt, ein lebendiger Organismus, der zu erstaunlichen Leistungen f\u00e4hig ist, wenn man mit ihm umzugehen versteht.<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>2. Das Bodenleben ist nur eine von allen Lebenserscheinungen und unmittelbar vom \u00fcbrigen Leben abh\u00e4ngig; es kann dem Boden nicht gut gehen, wenn es den Pflanzen und Tieren schlecht geht, und umgekehrt.<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Der lebende Bodenorganismus ist ein Glied in der Kette aller Lebensvorg\u00e4nge, wahrscheinlich das wichtigste. Eine Kette ist aber nur so stark wie ihr schw\u00e4chstes Glied. Wer dar\u00fcber nachdenkt, wird die Bodenfruchtbarkeit mit ganz anderen Augen anschauen wie bisher. Wer aber zum Humusbauern geworden ist, dem braucht man das alles nicht mehr zu sagen.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas verleiht dem Boden die n\u00f6tige Triebkraft\u201c Das Wachstum von wilden oder kultivierten Pflanzen, so selbstverst\u00e4ndlich es auch ist, kommt nur zustande, wenn sehr viele und sehr verschiedene Faktoren zusammenkommen; es h\u00e4ngt ab von a) der Pflanze selbst, d.h. vom biologischen Wert des Samens, der Pflanze, der Knolle, b) vom Boden, d.h. seiner Leistungsf\u00e4higkeit bzw. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/40-artikel-herbst-1964\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">40. 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