{"id":339,"date":"2017-10-10T20:25:55","date_gmt":"2017-10-10T18:25:55","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=339"},"modified":"2017-10-10T20:25:55","modified_gmt":"2017-10-10T18:25:55","slug":"41-artikel-winter-1964","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/41-artikel-winter-1964\/","title":{"rendered":"41. Artikel Winter 1964"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eEine Stunde der Besinnung\u201c<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In einem t\u00e4glichen Kampf um die Wahrheit muss man von Zeit zu Zeit in aller Stille seine Wege, sein Schaffen und seine Ziele \u00fcberdenken, auf dass man nicht m\u00fcde und wankend werde. Was ist es denn, um das wir uns M\u00fche geben, und was ist es, das uns zwingt, anders zu sein als die meisten, andere Wege zu suchen, von denen wir glauben, dass sie besser seien?<\/p>\n<p>Man kann es mit wenigen Worten sagen: Wir glauben, dass der Mensch der modernen, technischen Vollkommenheit begonnen hat, die Fundamente seiner selbst, seines Lebens, seines Gl\u00fcckes, seiner Gesundheit zu untergraben, und wir glauben, dass er damit begonnen hat, sich selbst ins Ungl\u00fcck zu st\u00fcrzen, vielleicht sogar sich selbst und die ganze, herrliche, lebendige Sch\u00f6pfung Gottes zu vernichten. Und weil wir das glauben, deshalb k\u00e4mpfen wir um eine bessere Erkenntnis der Natur; wer aber die \u00c4cker bebaut, damit die \u201eMutter Erde\u201c Nahrung spende, der steht mitten im Brennpunkt des Zwiespaltes zwischen Urnatur und menschlichem Wirken, er muss sich damit auseinandersetzen.<br \/>\nDas ist freilich nicht Sache von Schw\u00e4chlingen und Mitl\u00e4ufern, jener Zeiterscheinung der Ameisenmenschen, die die Gro\u00dfstadt und die Wohnmaschinen aus Eisenbeton geschaffen haben; sie begehren nicht mehr auf gegen Unwahrheit, Schein und Selbstbetrug, denn sie halten die Errungenschaften dieser Zeit, die kaum eine Sekunde der Weltgeschichte alt sind, f\u00fcr die vortrefflichsten Menschentaten, und man gibt ihnen, was sie brauchen \u2013 Brot und Zirkus nannten es die r\u00f6mischen Kaiser; heute hei\u00dft es Auto, Film, Fu\u00dfball, Illustrierte und \u2013 m\u00f6glichst viel und immer mehr Geld, um sich alles das kaufen zu k\u00f6nnen, was vom Menschsein wegf\u00fchrt zur geist- und seelenlosen Besch\u00e4ftigung, die das Denken erspart, das Verantwortungsgef\u00fchl ausl\u00f6scht und das Gewissen schweigen macht.<br \/>\nAuch des Bauern hat sich das Massenmensch-Denken bem\u00e4chtigt. Aus dem Herrn der Scholle, der Muttererde wurde ein gehorsamer, willenloser Hilfsarbeiter einer Pflanzenfabrik. Wie konnte das geschehen? Eine kleine Teilwahrheit, n\u00e4mlich die Minerallehre, erkl\u00e4rte man zur ganzen Wahrheit, damit war die Kunstd\u00fcngerwirtschaft geboren.<br \/>\nKunstd\u00fcngung zwingt zum Saatgutbezug und zur Chemotherapie des Ackers und der Pflanze mit lebensgef\u00e4hrlichen und teuren Giften. Ehe aber die Sch\u00e4den der Kunstd\u00fcngung auftraten hat man die Bauern l\u00e4ngst an die K\u00fcnstd\u00fcngung gew\u00f6hnt und sie hatten die Humuswirtschaft verlernt.<br \/>\nDeshalb kommt der Landwirt von heute gar nicht mehr auf den Gedanken, dass dieses ganz so raffiniert entwickelte industrielle System \u201eKunstd\u00fcngung\u201c eigentlich nur auf seine Kosten geht.<br \/>\nWir m\u00fcssen erkennen, dass die ganze Kunstd\u00fcngerwirtschaft eine Fehlentwicklung ist auf der Basis vor halben oder irrigen wissenschaftlichen Meinungen, die wir an ihren Platz stellen m\u00fcssen.<br \/>\nWas einstmals Justus v. Liebig fand, war und ist eine Wahrheit: die wachsenden Pflanzen bauen ihr Ger\u00fcst auf aus den mineralischen Bestandteilen des Bodens. Liebig hat geahnt, dass der Mineralstoffwechsel nicht die letzte Weisheit von Pflanzengedeihen sei, sondern dass irgendetwas ganz anderes diesen untergeordneten Stoffaustausch lenke und harmonisiere. Er hielt also selbst seine Entdeckungen f\u00fcr eine kleine Teilwahrheit und blieb dabei nur mit nat\u00fcrlichen Mineralien zu arbeiten, auf keinen Fall aber mit k\u00fcnstlichem Stickstoff, und er war zutiefst erschrocken, als er bemerkte, was seine Nachfolger aus seinem Lebenswerk zu machen begannen.<br \/>\nDie Kunstd\u00fcngung war der erste Schritt, weitere folgten: der landwirtschaftliche Gro\u00dfbetrieb, die Eier- und Schweinefabriken, die Rindergro\u00dfviehst\u00e4lle usw. Hier wird unser bester Freund das Haustier ohne jede Daseinsfreude, mithilfe raffinierter Industrienahrung aus N\u00e4hrstoffen, Hormonen und Antibiotika mitleidlos zur \u201eProduktion missbraucht.<br \/>\nDiese Fehlentwicklung ist die direkte Folge eines einzigen falschen Gedankens, des Gedankens der k\u00fcnstlichen Pflanzenern\u00e4hrung. Der biologische Landbau ist ein Geschenk der lebendigen Sch\u00f6pfung, das sie nur dem gibt, der sie verehrt und dem\u00fctig ihren Gesetzen gehorcht. Der biologische Landbau ist nicht Sache der Methode, sondern Sache des ganzen Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine Stunde der Besinnung\u201c\u00a0 In einem t\u00e4glichen Kampf um die Wahrheit muss man von Zeit zu Zeit in aller Stille seine Wege, sein Schaffen und seine Ziele \u00fcberdenken, auf dass man nicht m\u00fcde und wankend werde. Was ist es denn, um das wir uns M\u00fche geben, und was ist es, das uns zwingt, anders zu &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/10\/41-artikel-winter-1964\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">41. 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