{"id":380,"date":"2017-10-11T19:16:32","date_gmt":"2017-10-11T17:16:32","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=380"},"modified":"2017-10-11T19:17:36","modified_gmt":"2017-10-11T17:17:36","slug":"60-artikel-winter-1969","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/60-artikel-winter-1969\/","title":{"rendered":"60. Artikel Winter 1969"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Gift im Landbau<\/strong><\/p>\n<p>Jeder von uns wei\u00df, wie prek\u00e4r die Frage der Anwendung riesiger Mengen von Giften zum Pflanzenschutz geworden ist. Die \u00d6ffentlichkeit ist kritischer geworden. Die Regierungen beginnen aufmerksam zu werden, teilweise sogar zu handeln. Die Landwirte, die Gem\u00fcsebauer, die Obstplantagenbesitzer sind allm\u00e4hlich selbst \u00fcberzeugt worden, dass es so nicht weitergeht. Die Gewissen beginnen sich zu regen.<\/p>\n<p>Aus drei Gr\u00fcnden ist es zu dieser ausweglosen Lage gekommen:<\/p>\n<ol>\n<li>Es hat sich die chemische Pr\u00fcfungs- und Produktionstechnik derma\u00dfen entwickelt, dass sie jeden beliebigen Wirkstoff zur Bek\u00e4mpfung von Sch\u00e4dlingen herstellen kann.<\/li>\n<li>Es hat die fortlaufend falsche Ern\u00e4hrung der Pflanzen durch Kunstd\u00fcngung dazu gef\u00fchrt, dass die biologischen Gleichgewichte zerst\u00f6rt werden und sich \u201eSch\u00e4dlinge\u201c seuchenhaft und ungehemmt vermehren, trotz der Giftanwendung. Das Resultat ist sowohl die Verminderung der nat\u00fcrlichen Abwehrkraft der Kulturpflanzen als auch die Verminderung ihres biologischen Wertes als Nahrung f\u00fcr Tier und Mensch.<\/li>\n<li>Die Betriebe wurden vergr\u00f6\u00dfert um immer gr\u00f6\u00dfere Anbaufl\u00e4chen zu schaffen; aus Marktgr\u00fcnden wurden Kulturen dort angebaut, wo ihre bestm\u00f6glichen nat\u00fcrlichen Wachstumsbedingungen nicht gegeben sind. Das Land wurde von Busch und Baum ausger\u00e4umt unter Verlust des Kleinklimas, das Wasser wurde ausgebeutet.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Landwirtschaft ist eine Industrie geworden, eine weltweit gelenkte Gro\u00dforganisation, die alles was mit der Nahrungsproduktion in Zusammenhang steht von der Bodenbearbeitung bis zum Absatz der Produkte dirigiert. Saatgut und D\u00fcngung ist vorgeschrieben, ebenso das Gift zum Pflanzenschutz. Die Umerziehung des Bauern samt ihrer Akademiker hat l\u00e4ngst bewirkt, dass das selbst\u00e4ndige Denken aufgeh\u00f6rt hat und aus der Masse der Bauern ein williges Werkzeug der Gro\u00dforganisation geworden ist. Ein Landbau ohne Kunstd\u00fcnger, Sch\u00e4dlingsgift und chemische Unkrautbek\u00e4mpfung gibt es nicht, auch nicht wenn man einen solchen herzeigt.<\/p>\n<p>Es gibt einen solchen Landbau sehr wohl, wenn man die Riesenkr\u00e4fte des Lebendigen f\u00fcr sich arbeiten l\u00e4sst, wenn man die biologischen Gleichgewichte nicht beseitigt, die Landschaft und den Wasserhaushalt nicht st\u00f6rt und sich nicht durch Kunstd\u00fcnger und Gift in den Stoffwechsel einmischt. Um welche Art von Giften handelt es sich, wie sie im Landbau zum Einsatz kommen? Man unterscheidet da zwei Hauptgruppen, die direkt und die indirekt wirkenden Gifte.<\/p>\n<p>Die direkt wirkenden Gifte sind direkt und schwer sch\u00e4digende Stoffe, also Gifte, die jeder auch als giftig kennt und die ihre Wirkung unmittelbar aus\u00fcben. Es handelt sich dabei um Stoffe, deren Giftigkeit bekannt ist und die bisher als einzige die allm\u00e4hlich ansteigende Furcht vor den Giften in der Landwirtschaft erzeugt haben wie zB DDT oder E 605.Die indirekt wirksamen Gifte sind noch viel zahlreicher aber am wenigsten erforscht. Es sind erst in den letzten Jahrzehnten Methoden entwickelt worden um sie zu pr\u00fcfen und ihre Schadenwirkung nachzuweisen. Solche Stoffe als Pflanzenschutzmittel, als Unkrautvernichtungsmittel zahlreich und verbreitet, werden Mutagene genannt.<\/p>\n<p>Um die Wirkung von Mutagenen zu verstehen, muss die Zelle verstanden werden, aus denen jeder Organismus mit all seinen Geweben, bei Pflanze, Tier und Mensch gleicherma\u00dfen besteht. Jede Zelle ist jedoch eine haargenau geordnete Organisation f\u00fcr lebendige Substanzen einschlie\u00dflich der Erbsubstanzen deren jede eine ganz bestimmte Aufgabe erf\u00fcllt. Beim Tod der Zelle finden die lebendigen Substanzen Verwendung in anderen Zellen, dort wo sie gebraucht werden. Sie wirken im Kreislauf der lebenden Substanzen, dem allerwichtigsten Stoffkreislauf.<\/p>\n<p>Im Gegensatz jedoch zur gesunden Zelle, die die ihr zugedachten Zellfunktionen voll erf\u00fcllt, kann das die kranke Zelle nicht mehr, sie versagt in irgendeiner Weise und es entstehen dann Krankheiten. Kranke Zellen jedoch k\u00f6nnen bei der Teilung immer nur wieder kranke Zellen hervorbringen und es entstehen kranke Zellgewebe. Eine Zelle ist so gesund oder krank wie es ihre lebenden Substanzen sind. Werden diese lebenden Substanzen aber durch einen Fremdstoff ver\u00e4ndert, so werden sie letzten Endes krank und mit ihnen die Zelle und die Zellgewebe. Diesen Vorgang nennt man Mutation und die erw\u00e4hnten Mutagene sind grunds\u00e4tzlich Zellgifte. Eine solche Art der Vergiftung bleibt immer zun\u00e4chst unbemerkt, man kann sie nicht direkt nachweisen; man bemerkt sie meist erst, wenn schon ganze Gewebe vergiftet sind und eine echte Krankheit daraus entsteht; deshalb sind die Mutagene so unheimliche Gifte. Der Schaden, der durch die breite Anwendung von Mutagenen angerichtet wird, ist viel gr\u00f6\u00dfer als der, den die direkt wirksamen Gifte verursachen.<\/p>\n<p>Mutagene sind Stoffe, die die lebenden Substanzen all\u00fcberall zu erblichen \u00c4nderungen ihrer Eigenschaften zwingen und auf diese Weise den Kreislauf der lebenden Substanzen mitvergiften. Die Mutagene sind das gro\u00dfe Problem der ganzen Giftsache, man kann nicht behaupten sie seien lediglich f\u00fcr den einen Sch\u00e4dling oder den einen Krankheitserreger oder f\u00fcr eine bestimmte Pflanzenart sch\u00e4dlich, man muss im Gegenteil annehmen, dass sie f\u00fcr alles Lebende sch\u00e4dlich sind. Man wird daher gut daran tun, wenn man grunds\u00e4tzlich jede k\u00fcnstlich hergestellte oder k\u00fcnstlich gereinigte konzentrierte chemische Substanz; auch wenn betont wird, sie sei f\u00fcr den Menschen unsch\u00e4dlich, als Gift ansieht. Jede noch so geringste Giftmenge landet letzten Endes in den Kreisl\u00e4ufen, diese Kleinstmengen addieren sich und k\u00f6nnen von den Entgiftungseinrichtungen der Natur, zB vom Humus, nicht mehr bew\u00e4ltigt werden. Das Ende vom Lied ist eine durchwegs vergiftete Natur und zwangsl\u00e4ufig keine gesunden Tiere und Menschen mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gift im Landbau Jeder von uns wei\u00df, wie prek\u00e4r die Frage der Anwendung riesiger Mengen von Giften zum Pflanzenschutz geworden ist. Die \u00d6ffentlichkeit ist kritischer geworden. Die Regierungen beginnen aufmerksam zu werden, teilweise sogar zu handeln. Die Landwirte, die Gem\u00fcsebauer, die Obstplantagenbesitzer sind allm\u00e4hlich selbst \u00fcberzeugt worden, dass es so nicht weitergeht. Die Gewissen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/60-artikel-winter-1969\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">60. 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