{"id":384,"date":"2017-10-11T19:18:50","date_gmt":"2017-10-11T17:18:50","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=384"},"modified":"2017-10-11T19:18:50","modified_gmt":"2017-10-11T17:18:50","slug":"62-artikel-sommer-1970","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/62-artikel-sommer-1970\/","title":{"rendered":"62. Artikel Sommer 1970"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwischen M\u00f6glichkeit und Wirklichkeit \u2013 Gro\u00dfproduktion und hungernde V\u00f6lker<\/strong><\/p>\n<p>Die neueste Geschichte der Menschheit ist dadurch gekennzeichnet, dass zwischen wissenschaftlichen und technischen M\u00f6glichkeiten einerseits und der nackten Wirklichkeit andererseits eine riesige L\u00fccke klafft. Technisch ist die M\u00f6glichkeit gegeben, Wohlstand f\u00fcr jedermann zu bringen, und doch gibt es weltweit Slums, Elend und Massenarmut. Es ist dem Menschen offenbar nicht m\u00f6glich die durch ihn gel\u00f6sten schwierigsten technischen und wirtschaftlichen Probleme zum Wohle der Menschheit in die Tat umzusetzen und damit die primitivsten Forderungen der Humanit\u00e4t zu erf\u00fcllen. Welche offensichtliche Fehlentwicklung der neuesten Menschheitsgeschichte hat sich hier eingeschlichen?<\/p>\n<p>Die schier unglaubliche Hochentwicklung von Wissenschaft und Technik nahm ihren Beginn im vorvorigen Jahrhundert, ist r\u00fccksichtslos weitergelaufen und hat sich selbst\u00e4ndig gemacht. Ein Beispiel aus vielen: die Erfindung und der Siegeszug des Autos, mit der ganzen Folge von Problemen, Stra\u00dfenbau, Naturvernichtung, Umstellung der ganzen Wirtschaft und des Privatlebens, die Beispiele lassen sich vermehren. Wie aber wirkte diese Entwicklung auf den Menschen selbst, auf sein Wesen, seine Seele, seinen Geist, seinen Charakter?<\/p>\n<p>Mit dem Auto, dem Fernseher, den sogenannten Massenkommunikationsmitteln, mit dem Einspannen der Menschen in diesen ganzen Zivilisations-Bereich, dem Zwang zum Geldverdienen, dem unbew\u00e4ltigten Bildungsangebot wird der Mensch von sich selbst weggef\u00fchrt. Er hat Zeit f\u00fcr alles M\u00f6gliche nur nicht f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr seine Familie, f\u00fcr die Entspannung, f\u00fcr das Nachdenken und die Besinnung auf sich selbst. \u201eUnd wenn der Mensch die ganze Welt gew\u00f6nne, was h\u00fclfe es ihm, wenn er seine Seele dabei verliert.\u201c<\/p>\n<p>Im Massenbetrieb der modernen \u00dcberzivilisation entsteht ein neuer Menschentyp, der wenig sympathisch ist: sein Denken ist egoistisch und materialistisch, sein Beruf ein \u201eJob\u201c, sein Ideal ist von dieser Welt und entspricht nicht mehr dem Ideal der Humanit\u00e4t, der N\u00e4chstenliebe, der Demut und G\u00fcte, der Ehrfurcht vor Alter und Tradition \u2013 nicht das Gute, sondern das B\u00f6se im Menschen macht ihn f\u00e4hig sein Leben in der Zwangsjacke der \u00dcberzivilisation zu fristen. Die Zivilisation w\u00e4chst und gedeiht, die Kultur des Menschen aber geht dabei zugrunde.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, was ist uns gegeben diesen Zust\u00e4nden entgegen zu wirken und dabei kommt man auf die Fehlentwicklung des Landbaues. Der Weg, der richtige Weg, h\u00e4tte f\u00fchren m\u00fcssen vor der Chemie zur Biologie, von Einzelerkenntnissen zur Erkenntnis des Ganzen, zur Erkenntnis des gro\u00dfen Zusammenhangs allen Lebendigens. Justus v. Liebig ist diesen Weg gegangen, wurde aber in seiner reifen Entwicklung total missverstanden und missdeutet. Seine fr\u00fchen Teilerkenntnisse, die Lehre von der mineralischen Pflanzenern\u00e4hrung wurden die Grundlage der Kunstd\u00fcngerwirtschaft, die in der Chemie steckenblieb und sich z\u00e4h eingenistet hat. Liebig musste ohnm\u00e4chtig mitansehen wie seine fr\u00fchen Erkenntnisse dazu benutzt wurden um die Natur zu vergewaltigen, eine Industrie ins Leben zu rufen, eine Lehre zu schaffen, die nichts anderes sein konnte als eine Irrlehre. Liebig hat diese ganze Fehlentwicklung vorausgesehen, sich entsetzliche Vorw\u00fcrfe gemacht und ist in tiefer Verbitterung aus dem Leben gegangen.<\/p>\n<p>Die Kunstd\u00fcngerwirtschaft und die mit ihr zwangsl\u00e4ufig verbundene Giftspritzerei ist l\u00e4ngst zur Gewohnheit geworden, hier regiert das Denken in Quantit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Wir haben der Lehre vom chemischen Stoffkreislauf und der sogenannten Minerallehre die Lehre vom Kreislauf der lebendigen Substanz und vom organischen Stoffwechsel gegen\u00fcbergestellt und wir haben der Forderung nach H\u00f6chstertr\u00e4gen die Forderung nach h\u00f6chster biologischer Qualit\u00e4t entgegengesetzt. Das war und ist die Leitlinie.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen nun mit dem alten und weise gewordenen Liebig die ganze riesige Fehlentwicklung zu \u00fcberholen versuchen, mit dem lebendigen tats\u00e4chlichen greifbaren Beispiel daf\u00fcr, dass es auch anders geht.<\/p>\n<p>Die Zeichen der Zeit weisen dahin, dass die Menschheit einem Abgrund zustrebt, ihre Entartung des geistigen, seelischen und k\u00f6rperlichen Verfalls ist un\u00fcbersehbar. Der Mensch muss umdenken und zwar jeder einzelne f\u00fcr sich und sich besinnen auf die einzig und ewig g\u00fcltigen Gesetze der nat\u00fcrlichen Ordnungen, der menschlichen Kultur und des menschlichen Zusammenlebens. Die alten menschlichen Tugenden werden am Leben bleiben, oder wir werden mit ihnen untergehen: Die Treue, die Ehrfurcht vor dem Geist, der \u00fcber uns waltet, die Beharrlichkeit im Streben nach dem Besseren und Edleren, das wache Gewissen der Verantwortlichkeit eines jeden von uns gegen\u00fcber der Menschheit. Der gegenw\u00e4rtige Zustand ist einfach des Menschen nicht mehr w\u00fcrdig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen M\u00f6glichkeit und Wirklichkeit \u2013 Gro\u00dfproduktion und hungernde V\u00f6lker Die neueste Geschichte der Menschheit ist dadurch gekennzeichnet, dass zwischen wissenschaftlichen und technischen M\u00f6glichkeiten einerseits und der nackten Wirklichkeit andererseits eine riesige L\u00fccke klafft. Technisch ist die M\u00f6glichkeit gegeben, Wohlstand f\u00fcr jedermann zu bringen, und doch gibt es weltweit Slums, Elend und Massenarmut. Es ist dem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/62-artikel-sommer-1970\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">62. 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