{"id":404,"date":"2017-10-11T19:26:05","date_gmt":"2017-10-11T17:26:05","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=404"},"modified":"2017-10-11T19:26:05","modified_gmt":"2017-10-11T17:26:05","slug":"72-artikel-winter-1972","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/72-artikel-winter-1972\/","title":{"rendered":"72. Artikel Winter 1972"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eWir und unsere neuen Freunde!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Es ist Mode geworden, die Methoden der technischen Zivilisation in Zweifel zu ziehen und nach neuen Methoden zu suchen. Aber das, was man vor 30 oder 40 Jahren h\u00e4tte \u00fcberlegen sollen, ist inzwischen zur schier unl\u00f6sbaren Aufgabe geworden. Die Menschen haben sich an alles das gew\u00f6hnt, was ihnen schadet, ans Auto, an die \u00d6lheizungen, an die Fronarbeit der Industrie, an die Schlaf- und Weckmittel, an die Beruhigungspillen und die tr\u00fcgerische Wirkung der Antibiotika, an die industrialisierte Nahrung, an Kunstd\u00fcnger, Spritzmittel und Unkrauthormone \u2013 an die ganze, hoch organisierte und technisierte Welt, die das Leben zu erleichtern verspricht und die Menschheit doch offensichtlich ins Verderben f\u00fchrt.<br \/>\nJeder wei\u00df es, und keiner handelt danach. Da werden die Geh\u00e4lter und L\u00f6hne erh\u00f6ht, man gibt den Menschen mehr Geld als je zuvor, und was tun sie? Sie kaufen Autos und rasen damit herum. Sie kaufen Fernseher und stehlen sich die Zeit, die sie nicht mehr haben. Sie sind ohne Rast und Ruh\u2018 und nehmen Beruhigungspillen und Schlafmittel, und wenn sie eine Grippe bekommen, dann gehen sie um schnelle Kunsthilfe; denn sie haben alles, nur eins nicht: Zeit. F\u00fcr sie gibt es sonntags keinen besinnlichen Waldspaziergang mehr, keinen ruhigen Feierabend, kein stilles Gl\u00fcck, kein dankbares H\u00e4ndefalten, nichts, was das Leben erst lebenswert macht. Sie laufen vor sich selbst davon, statt gro\u00dfer und guter Liebe haben sie Erotik, Z\u00fcgellosigkeit, Rauschgift, und statt echter Menschheits-Ideale haben sie revolution\u00e4re Hetzparolen und steigende Kriminalit\u00e4t. Sie haben alles \u2013 aber sie haben sich selbst verloren. Wer die Welt verbessern will, der muss aber bei sich selbst anfangen.<br \/>\nWas h\u00fclfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gew\u00f6nne und n\u00e4hme doch Schaden an seiner Seele?\u201c So steht es im \u201eBuch der B\u00fccher\u201c. Und es steht darin: \u201eWen der Herr vernichten will, den schl\u00e4gt er mit Blindheit.\u201c Als die Menschen von weither zusammenkamen, um den Turm zu Babel zu bauen, da verwirrte der Herr ihre Sprache, sodass sie einander nicht mehr verstanden. \u201eAm Golde h\u00e4ngt, nach Golde dr\u00e4ngt doch alles \u2013 ach, wir Armen!\u201c sagte Goethe.<br \/>\nDer Mensch hat die Welt gewonnen, mit einer seelenlosen Technik. Das Leben der Menschen ist manipuliert, organisiert und materialisiert. Wenn wir leben wollen, so sagen die Manipulatoren, dann muss das Bruttosozialprodukt allj\u00e4hrlich ansteigen; also werden immer neue Fabriken gebaut, immer mehr Apparaturen erdachte; ihre gr\u00f6\u00dfte Sorge ist die Vermehrung materieller G\u00fcter. Zur Krankheitsbehandlung macht man die Diagnose in Mayo-Kliniken mit seelenlosen Apparaturen, die Therapie mit leblosen, synthetischen, chemischen Produkten einer Gro\u00dfindustrie. Die Landwirtschaft wird zur Fabrik, zum Gro\u00dfbetrieb, in dem am laufenden Band \u201eNahrungsproduktion\u201c gemacht wird, k\u00fcnstlich getrieben, mit Giften zur Ernte gebracht und mit Unkrautchemikalien ges\u00e4ubert.<br \/>\nEs ist alles wohlgeordnet, alles bestens organisiert; es ist alles manipuliert, was sich manipulieren l\u00e4sst, auch die Menschen. Sie f\u00fcgen sich, denn es bleibt ihnen ja nichts anderes \u00fcbrig. Menschen-Bildung ist heutzutage kaum noch etwas anderes als die Bem\u00fchung, ihnen beizubringen, wie man diese riesenhafte Apparatur der Zivilisation bedient, und dazu eignet sich ein geist- und seelenloses Wesen am besten. Wer nachdenkt, ist unbequem und st\u00f6rend, das Denken \u00fcberl\u00e4sst man am besten dem Computer. In dieser technischen Welt gibt es nur noch das \u201ereale, rationale Denken\u201c, etwas anderes kann man nicht brauchen. Der Mensch in seiner Ganzheit als geistiges und seelisches Wesen eignet sich nicht zur Bedienung einer seelenlosen Maschinerie. Folgerichtig sollen nun schon die Kleinkinder in ihrem Sinne zum rationalen \u201eDenken\u201c erzogen werden \u2013 im Kindergarten.<br \/>\nVon solchen \u201eIdeen\u201c sind die Manager des modernen Lebens besessen, alle anderen sind ihre Sklaven; sie merken es nur nicht mehr, sie haben sich daran gew\u00f6hnt, sie m\u00fcssen es, wenn sie das nackte Leben behalten wollen. Das Volk braucht \u201eBrot und Spiele\u201c, sagte ein r\u00f6mischer Kaiser, also gibt man sie ihm: Fu\u00dfball, Toto, Lotto, Fernsehen, Autofahren, Sport en gros: dann merkt es nicht mehr, dass es um das wahre Gl\u00fcck, um die ewige Seligkeit, um die edelsten G\u00fcter der menschlichen Kultur betrogen wird, dass es um sich selbst betrogen wird und zum seelen- und geistlosen Wesen herabsinkt. Die wirklichen Herren dieser Scheinwelt triumphieren, das System funktioniert.<br \/>\nDie menschliche Kultur aber, das Beste, was wir Menschen haben, siecht dahin. Die Werte verfallen, die die Welt zusammenhalten: Familie, Treue, Glauben, Ehrfurcht, Tradition. Wer \u201eFreiheit\u201c sagt, meint heute \u201eZ\u00fcgellosigkeit\u201c. Mit der unechten Autorit\u00e4t schwindet auch die echte. \u201eAnti-autorit\u00e4r\u201c muss man sein, sonst ist man r\u00fcckst\u00e4ndig. Die geistigen und seelischen Bindungen des Menschen an sich selbst, an seine Mitmenschen und seine Ahnen, an seine kulturelle Tradition \u2013 sie werden nicht mehr gebraucht und sie beginnen, sich aufzul\u00f6sen. Wo die Jugend danach sucht, findet sie nichts mehr als Leere, Hohlheit und L\u00fcge; wie sollte sie nicht zweifeln an allem, was heutzutage besteht?<br \/>\nDiese einseitige, materielle, technische Zivilisation tr\u00e4gt den Keim des Unterganges in sich. Sie ist von dieser Welt: \u201eGott ist tot!\u201c In Wahrheit sind die Manager am Ende, der Betrug am Menschen, an seinem Geist und seiner Seele wird allm\u00e4hlich offenbar. Es gab immer auch noch Menschen, die der einzig g\u00fcltigen Wahrheit gedient haben \u2013 nicht mit gro\u00dfen Worten und papiernen Programmen, sondern mit der rettenden Tat. Es gab immer viele, lebendige Beispiele daf\u00fcr, wie die Zukunft der Menschen gestaltet werden muss. Ihnen allen ist gemeinsam der Glaube an eine h\u00f6here Macht, an eine h\u00f6here Weisheit, an die Einheit des Lebendigen auf Erden, an das Gut im Menschen, der Glaube an die menschliche Kultur und ihre Verpflichtung. Diesen Menschen wird die Zukunft geh\u00f6ren, oder es wird keine Menschen mehr geben. Sie sind unsere einzige Hoffnung auf Zukunft. Ihre Werke m\u00fcssen bewahrt werden, bis die Menschen wieder zu sich selbst gefunden haben und sich abwenden von der Scheinwelt der technischen Zivilisation. Bis dahin bleibt noch viel zu tun.<br \/>\nRusch beschreibt hier in treffender Weise den Zustand der Welt, wie er ihn in seiner Zeit erlebte, wie er aber nach wie vor sich bis heute in den gleichen Zust\u00e4nden abspielt: darum hat sich nichts ge\u00e4ndert. Was sich aber ge\u00e4ndert hat, sind die Dimensionen des biologischen Landbaues, der immer st\u00e4rker werdende Ruf der Menschen nach naturbelassener Nahrung, erzeugt ohne Gift und Kunstd\u00fcnger. Es wird akzeptiert, dass der biologische Landbau heute kein L\u00fcckenf\u00fcller mehr ist, sondern ein gewichtiges Wort in der Nahrungsmittelversorgung mitzureden hat. Es wird akzeptiert, dass die Biobauern wieder echte Bauern geworden sind, mit der Sorge um einen lebendigen Boden als ihr h\u00f6chstes Gut. Die neuen Freunde vor denen Rusch warnte, waren Vertreter des konventionellen Landbaues in Versuchsanstalten und Hochschulen, sowie der Kunstd\u00fcngerindustrie, die dem biologischen Landbau die Zusammenarbeit angeboten hatten.<br \/>\nNachdem aber gewusst wurde, dass jede Verschmelzung der Methoden, jede noch so kleine Kunstd\u00fcngergabe im biologischen Landbau ein Unding ist, wurde dieses Angebot abgelehnt. Was aber in der heutigen Zeit (ab 2000) Platz greift, ist ein zunehmendes, ernsthaftes Interesse von konventionellen Bauern am Biolandbau, was in einem steigenden Besuch der Bodenpraktikerseminare des Biolandbaues zum Ausdruck kommt. Auf die Frage warum sie diese Kurse besuchen, lautet die Antwort fast immer: \u201eWir wollen vom Boden etwas erfahren, da wir davon sonst nichts erfahren.\u201c Solche Freunde sind willkommen und w\u00e4ren es auch von Rusch gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir und unsere neuen Freunde!\u201c Es ist Mode geworden, die Methoden der technischen Zivilisation in Zweifel zu ziehen und nach neuen Methoden zu suchen. Aber das, was man vor 30 oder 40 Jahren h\u00e4tte \u00fcberlegen sollen, ist inzwischen zur schier unl\u00f6sbaren Aufgabe geworden. Die Menschen haben sich an alles das gew\u00f6hnt, was ihnen schadet, ans &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/72-artikel-winter-1972\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">72. 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