{"id":414,"date":"2017-10-11T19:28:48","date_gmt":"2017-10-11T17:28:48","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=414"},"modified":"2017-10-11T19:28:48","modified_gmt":"2017-10-11T17:28:48","slug":"77-artikel-fruehjahr-1974","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/77-artikel-fruehjahr-1974\/","title":{"rendered":"77. Artikel Fr\u00fchjahr 1974"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eAlle Gesundheit kommt aus fruchtbarem Boden\u201c<\/strong><br \/>\nFr\u00fcher lebten von drei Menschen zwei auf dem Lande; weit mehr als die H\u00e4lfte aller Einwohner eines Landes in den heutigen Industrienationen war von Jugend auf mit der \u201eMutter Erde\u201c verbunden, der Bauer war das R\u00fcckgrat der V\u00f6lker, der Garant f\u00fcr die stete Erneuerung.<\/p>\n<p>Heute leben bis zu 90 % der Menschen in der Stadt, die meisten davon in Gro\u00dfst\u00e4dten. Man mag das beklagen, aber man kann es nicht \u00e4ndern. Die Verst\u00e4dterung, erzwungen durch das starke Wachstum der Menschheit und manches andere, ist Schicksal geworden, das wir hinnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Stadtmensch fristet sein Leben in einer k\u00fcnstlichen Welt, die von Menschenhand geschaffen ist, \u00a0losgel\u00f6st von allem, was wir Natur nennen. Ihm sind die Wurzeln genommen, aus denen uns die Kraft der Erneuerung zustr\u00f6mt. Er ist der schleichenden Entartung preisgegeben; denn er kennt die schicksalhaften Zusammenh\u00e4nge zwischen allem Lebendigen nicht mehr. Er kann nicht mehr biologisch denken.<\/p>\n<p>Wir sollten uns ganz klar machen, was das bedeutet: Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der Menschen in den hochzivilisierten V\u00f6lkern sind Stadtmenschen, und die Mehrheit bestimmt unser Schicksal. Diese Mehrheit aber kennt die fundamentalen Naturgesetze bestenfalls vom H\u00f6rensagen, nicht aus dem allein fruchtbaren, pers\u00f6nlichen Erleben heraus. Und so kommen alle die Irrwege zustande, die in der menschlichen Kultur und Zivilisation gegangen werden. Die kleine Minderheit, die sich das wahre, biologische Denken hat bewahren d\u00fcrfen, hat dabei nichts zu bestimmen.<\/p>\n<p>Es gibt daf\u00fcr kein besseres Beispiel als den sog. Umweltschutz, von dem pl\u00f6tzlich alle Welt redet. \u201eUmwelt\u201c ist da doch nur das, was den Stadtmenschen unmittelbar ber\u00fchrt: Die Luft, das Wasser, der L\u00e4rm. Das sind gewiss wichtige Dinge, wenn es um die Gesundheit geht, aber das allerwichtigste ist doch dabei vergessen: Die Nahrung. Kaum jemand hat begriffen, dass die Nahrung der breiteste Strom ist, mit dem wir Menschen tagt\u00e4glich mit der lebenden Umwelt in Beziehung stehen und fast niemals ist von der Gesundheit der Nutztiere, von der Gesundheit der Nahrungspflanzen und schon gar nicht von der Gesundheit des Bodens die Rede.<\/p>\n<p>Umso mehr haben wir selbst allen Grund, uns mit diesem biologischen Zusammenh\u00e4ngen zu besch\u00e4ftigen, immer und immer wieder; denn der Kampf um die Gesundheit der Nahrungspflanzen und Nutztiere ist das Kernst\u00fcck unserer Arbeit, das entscheidende im Kampf gegen die Entartung und das wichtigste Glied im Umweltschutz.<br \/>\nGesundheit ist ganz allgemein eine Frage der lebenden Substanz, d. h. jener organischen Bildungen, die man nur beim Lebendigen findet, von der Am\u00f6be bis zum Menschen. Von den lebenden Substanzen wird in den Organismen und Mikroben die Bewegung der leblosen Materie gelenkt und geleitet. Sie bauen damit die Zellen, die Gewebe und den ganzen Organismus auf, ganz gleich, ob es sich um einzellige Lebewesen wie z.B. Bakterien handelt oder um Gro\u00dforganismen. Das geschieht in grunds\u00e4tzlich gleicher Weise. Die lebende Substanz der Erde ist also gemeinsamer Besitz alles Lebendigen. Sie entscheidet aber gleichzeitig \u00fcber Gesundheit und Krankheit: Nur dann, wenn ein Organismus im Besitz der \u201erichtigen\u201c Lebenssubstanz ist, kann er gesund sein.<\/p>\n<p>Im Ablauf des Stoffwechsels ist es durchaus m\u00f6glich, dass lebende Substanzen verbraucht werden, ein Ersatz daf\u00fcr wird aus der Nahrung bezogen, also aus anderen Organismen. Es h\u00e4ngt von der G\u00fcte der lebenden Ersatz-Substanz, also von der Gesundheit der die Substanz liefernden Tiere oder Pflanzen ab, ob damit Gesundheit oder nicht eingebracht wurde. Die unbedingte Abh\u00e4ngigkeit aller Lebewesen voneinander kommt hier zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Wir Menschen beziehen unsere Nahrung von Tieren und Pflanzen, die Tiere leben von anderen Tieren oder von Pflanzen, die Pflanzen aber leben vom Boden, von der Muttererde. Daher kann jede Pflanze nur so gesund sein, wie der Boden, aus dem sie lebt, wie seine Bodengesundheit ist; denn auch der lebende Boden ist ein Organismus. Er kann gesund sein, oder auch krank. Zudem bekommt der Bodenorganismus von Natur aus die schlechteste Nahrung, er muss von den Abf\u00e4llen des Lebendigen leben, er muss nehmen was er bekommt und trotzdem ist er imstande daraus eine voll taugliche Pflanzennahrung herzustellen: auch das ist ein Zeichen f\u00fcr die Gesundheit oder Krankheit des Bodens.<\/p>\n<p>Der Vorgang der Nahrungsbildung im Mutterboden ist in der Natur ohne Beispiel, er ist eines der gr\u00f6\u00dften Wunder, die man erleben kann. Kein anderer Organismus ist imstande aus untauglichen Abf\u00e4llen gesunde Pflanzennahrung herzustellen. Wer gesunde Nahrungspflanzen erzeugen will, muss zuerst daf\u00fcr sorgen, dass der Boden gesund ist. Weder die Pflanzen noch die Tiere und Menschen k\u00f6nnen auf die Dauer gesund bleiben, wenn der Boden in dem die weitaus schwierigste Aufgabe der Nahrungsbereitung vor sich geht, krank ist.<\/p>\n<p>Umweltschutz ist also in erster Linie nicht die Luft und Wasserverschmutzung sondern die Sorge um die Gesundheit unserer B\u00f6den. Allerdings muss man dann Abschied nehmen von der k\u00fcnstlichen Ern\u00e4hrung der B\u00f6den (Kunstd\u00fcnger) mit der sich kein gesunder Bodenorganismus aufbauen l\u00e4sst und Abschied nehmen von der st\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung der Schichtenbildung im Boden, ohne die der Boden seine Aufgaben nicht erf\u00fcllen kann. Das Manipulieren am Lebendigen hat seine engen Grenzen.<br \/>\nNach den Gesetzen des Kreislaufes der lebenden Nahrungssubstanzen wird die Pflanzengesundheit durch die Bodengesundheit bestimmt. Wird eine Kulturpflanze von Krankheit oder durch den Sch\u00e4dling befallen, ist sie deshalb krank, weil der Boden nicht gesund ist und der Bodenorganismus nicht voll leistungsf\u00e4hig. Wird dieser \u00dcbelstand nicht behoben, wird zur Spritze gegriffen um die Symptome zum Verschwinden zu bringen. Die Symptome einer Krankheit beseitigen oder die Krankheit selber heilen ist zweierlei.<\/p>\n<p>Das Ringen um die Bodengesundheit ist eine harte Arbeit, dort wo sie verloren ging, da kann man studieren was biologischer Landbau wirklich ist. Da geht es darum, das rechte Ma\u00df zu finden, um den Organismus Mutterboden behutsam zum Leben zu erwecken: richtiger Furchtwechsel, richtige Kultur, kluge Gr\u00fcnd\u00fcngung, Gebrauch von Basaltmehl, die betriebseigenen D\u00fcnger pfleglich zu behandeln, das Verhalten der Regenw\u00fcrmer beachten, die Gare zu kontrollieren und den Wechsel der Unkrautflora zu beobachten.<\/p>\n<p>Es gibt keine zwei gleichen \u00c4cker, sie sind alle verschieden, man muss seine B\u00f6den studieren, sie beobachten und sein Handeln danach ausrichten. Es ist etwas Besonderes ein biologischer Bauer zu sein, es braucht nicht nur die Umsicht und Behutsamkeit eines Arztes und Krankenpflegers sondern auch die feste \u00dcberzeugung, dass es f\u00fcr die Zukunft der Menschheit keinen anderen Weg gibt, um gesunde giftfreie Nahrung zu erzeugen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"https:\/\/lh6.googleusercontent.com\/TDEj7L3MG6OfPqxm8pon3eTQUqhicuDY9TUMTQTNEEM2W6qUlz7uHEAzpYYaKpMJCYoyi-w1NgxNhiT7hcN2JVbfhSE5bc4xPziEyJIX4woMbbm7vlj9AdsbqWw2Gft-27S7NmuNcbLdgQ9YkQ\" width=\"216\" height=\"297\" \/><br \/>\n<em>Rusch hatte f\u00fcr die Forschungsarbeit am Boden eine G\u00e4rtnerei, Gew\u00e4chsh\u00e4user und Ackerland zur Verf\u00fcgung unmittelbar ans Laboratoriumsgeb\u00e4ude angrenzend. Hier wurde Forschungsarbeit geleistet und wurden Erkenntnisse erarbeitet. Seitdem hat der organisch-biologische Landbau sein Gesicht ganz entscheidend gewandelt. Er wurde zur echten fortschrittlichen Alternative des chemischen Landbaues und ihm in jeder Beziehung gleichzusetzen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAlle Gesundheit kommt aus fruchtbarem Boden\u201c Fr\u00fcher lebten von drei Menschen zwei auf dem Lande; weit mehr als die H\u00e4lfte aller Einwohner eines Landes in den heutigen Industrienationen war von Jugend auf mit der \u201eMutter Erde\u201c verbunden, der Bauer war das R\u00fcckgrat der V\u00f6lker, der Garant f\u00fcr die stete Erneuerung. Heute leben bis zu 90 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/77-artikel-fruehjahr-1974\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">77. 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