{"id":418,"date":"2017-10-11T19:30:27","date_gmt":"2017-10-11T17:30:27","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=418"},"modified":"2017-10-11T19:30:27","modified_gmt":"2017-10-11T17:30:27","slug":"79-artikel-herbst-1974","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/79-artikel-herbst-1974\/","title":{"rendered":"79. Artikel Herbst 1974"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eUnser Gesundheitsfilter ist der Boden\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Um die Vorg\u00e4nge bei der Kompostierung zu studieren, wurden in den Jahren 1951-1953 Komposte aufgesetzt nach allen bekannten Vorschriften, es waren Stallmist-Erde-Komposte reine Pflanzenkomposte und gemischte. Die Zellzahlen des Anfangsmaterials waren sehr hoch bis zu 8000. Das Kompostmaterial wandelte sich im Lauf der Monate in eine wunderbare dunkle Erde um, die herrlich nach fruchtbarer Walderde duftete. Die Zellzahlen dieses Produktes jedoch waren auf weniger als den 10. Teil abgesunken (400-700) der D\u00fcngewert hatte sich auf einen kleinen Bruchteil verringert. Im gleichen Ma\u00dfe in dem die Zellzahlen absanken, verminderte sich der Zellulosegehalt des Materials, das von den Kompost-Mikroben als N\u00e4hrstoff benutzt wird, dabei wird W\u00e4rme freigesetzt (Erhitzung der Komposte). Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Energie des organischen Abfallmaterials wird im Komposthaufen verbraucht. Es steigt die Qualit\u00e4t der Komposterde bis auf hervorragende Wertigkeiten aber die mengenm\u00e4\u00dfige Leistung, die D\u00fcngeleistung geht zur gleichen Zeit bis auf einen kleinen Bruchteil verloren. Damit erkl\u00e4rt sich, dass man im bisher \u00fcblichen biologischen Landbau zwar gesunde Kulturen von hoher biologischer G\u00fcte bekam, aber keine ausreichenden Ertr\u00e4ge und damit keine gen\u00fcgende Rentabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Damit schied der biologische Landbau als ernsthafte Konkurrenz f\u00fcr die Kunstd\u00fcnger-Methode aus.<\/p>\n<p>Es stellte sich jetzt die Frage, was nun tun mit den Wirtschaftsd\u00fcngern und dem sonstigen organischen Material, nachdem man wusste, dass die Kulturpflanzen wohl die ausgereiften nicht aber die frischen D\u00fcnger vertragen.<\/p>\n<p>Die Natur wies den Weg: das organische Material wird dort einfach auf den Boden aufgelegt (herbstlicher Laubfall) durchl\u00e4uft die Arbeitsschichten des unversehrten Bodens (kein Einpfl\u00fcgen) und wandelt das pflanzlich vollkommen untaugliche Abfallmaterial in beste Pflanzennahrung um. Und dabei geht nichts verloren.<\/p>\n<p>Es war damals eine schwierige Sache die \u00c4nderung im Kompostierungssystem den Bauern zu erkl\u00e4ren und den Fl\u00e4chenkompost den Vorrang zu geben Zudem war bereits bekannt, dass der Haufenkompost auf Grund seiner hohen biologischen G\u00fcte ein biologischer Filter darstellt, das imstande ist, alles Krankhafte und Abwegige zu beseitigen und sogar Krankheitserreger abzut\u00f6ten. Das geschieht auf dem Weg der Humifizierung bei der Umbildung der lebenden Substanzen. Es stellte sich nun die Frage: Wenn man anstelle der Haufen die Fl\u00e4chenkompostierung praktiziert, so m\u00fcsste dieser Gesundheitsprozess ebenso gut und sicher ablaufen wie im Haufenkompost. Es wurden Versuchsreihen eingerichtet mit echten hochlebendigen Krankheitserregern auf lebendigen und nicht lebendigen B\u00f6den. Dabei stellte sich heraus, dass lebendige B\u00f6den als biologisches Filter ebensogut funktionieren wie Komposte nicht aber die kaum lebendigen B\u00f6den, wie sie durch die fortlaufende Treibd\u00fcngung mit synthetischem Stickstoff produziert werden.<\/p>\n<p>Die Fl\u00e4chenkompostierung auf biologisch lebendigen Boden erbringt dieselbe Filtert\u00e4tigkeit wie der Haufenkompost.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>\u201eMineralisation\u201c der lebenden Substanz<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ansichten der Wissenschaft im Laufe der Zeit seit:<\/p>\n<p>Anfang des 20. Jahrhunderts: Jegliche organische Substanz muss im Boden \u201emineralisiert\u201c werden, ehe sie die Pflanzen aufnehmen k\u00f6nnen. Man war der Meinung, dass kein Organismus auch nicht Tier und Mensch imstande seien die gro\u00dfen Molek\u00fcle organischer Substanz in sich aufzunehmen. Die gegebene Schlussfolgerung war die einfache Formel von der Mineralisation, die dann folgerichtig auch der Einf\u00fchrung der Kunstd\u00fcngung in der Landwirtschaft ihre Berechtigung gab. Inzwischen ist viel geschehen: Die Auffassungen vom Stoffwechsel haben sich im Laufe der Jahrzehnte bis heute grundlegend gewandelt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst bewies bereits die vor 4-5 Jahrzehnten erfolgte Entdeckung der Vitamine und Enzyme, dass es im Nahrungskreislauf auch gr\u00f6\u00dfere Atomverbindungen gibt, die von Mensch, Tier und Pflanze aufgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute steht absolut fest, dass ein jeder Organismus imstande ist, aus dem Nahrungsangebot die Riesenmolek\u00fcle der lebendigen Substanzen, ja sogar ganze unversehrte Bakterien in sich aufzunehmen. Es gibt also praktisch nichts in der Nahrung, was der K\u00f6rper nicht auch aufnehmen kann, wenn er es will. Es gibt eine ganze Reihe von Kontrolleinrichtungen mit denen sich die Organismen normalerweise gegen die Aufnahme einer unerw\u00fcnschten lebenden Substanze wehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es sind viele Erkenntnisse \u00fcber den Stoffwechsel lebender Organismen durch die Forschung gewonnen worden, es wird jedoch die Aufkl\u00e4rung bis ins Letzte noch sehr viel Forscher-Arbeit verlangen.<\/p>\n<p>Im lebenden Mutterboden ist der Stoffwechsel jedoch ganz besonders r\u00e4tselhaft, weil dort die Stoffe, die man dem Boden als Nahrung (D\u00fcngung) anbietet, tats\u00e4chlich zum gr\u00f6\u00dften Teil (betrifft vor allem die Kohlehydrate) aufgespalten werden, also eine Mineralisation eintritt, jedoch mit Einschr\u00e4nkung:<\/p>\n<p>Abgebaut wird nur das, was sich im Stoffwechsel der Organismen, besonders der Pflanzen relativ leicht wieder aufbauen l\u00e4sst; nicht abgebaut aber wird das, was f\u00fcr das Leben der Pflanzen und letztlich auch der Tiere und Menschen wertvoll und lebenswichtig ist, und das sind in erster Linie die lebenden Substanzen. Sie werden lediglich von allen ihren Begleitstoffen befreit und damit einer biologischen \u201eReinigung\u201c zug\u00e4nglich gemacht. Das ist letzten Endes der tiefere Sinn der sog. Humusbildung, mit der aus unbrauchbarem, ja giftigem Abfall wertvollste Pflanzennahrung zubereitet wird, oder kurz gesagt: Was entbehrlich ist f\u00fcr die Pflanze, wird abgebaut \u2013 \u201emineralisiert\u201c \u2013 was unentbehrlich ist, bleibt erhalten.<\/p>\n<p>Auch der Abbau, die Aufspaltung zweitrangiger Stoff-Gebilde im Boden ist eine durchaus \u00f6konomische Sache und f\u00fcr das Bodenleben unentbehrlich: Die Energien, die beim Abbau gewonnen werden, werden unbedingt gebraucht, um der abbauenden Bodenflora in den obersten Bodenschichten das Leben zu gestatten. Sie leben von den Energien aller der Stoffe, die f\u00fcr die Pflanze \u00fcberfl\u00fcssig und sogar zum Teil unvertr\u00e4glich und giftig sind \u2013 es ist schon alles weise eingerichtet. Ein jeder bekommt das, was er braucht. Die Bodenflora hat genug zum Leben, was sie verbrauchen kann, und \u00fcbrig bleibt genau das, was die Pflanze zum Leben braucht: Humus.<\/p>\n<p>Die lebende Substanz hat dereinst aus dem Chaos der irdischen Mineralstoffe das wohlgeordnete System der lebendigen Organismen, der Mikroben, der Pflanzen, der Tiere und der Menschen geschaffen. Sie benutzt freilich dazu die Urminerialien \u2013 wie sie ja im Urgesteinsmehl vorhanden sind, &#8211; und sie bewegt dabei ungeheure Mengen dieser leblosen Stoffe.<\/p>\n<p><em>Das Entscheidende dabei aber ist und bleibt sie selbst, die lebende Substanz mit ihrem Ordnungsgef\u00fcge, in dem alle lebendigen Gestaltungen auf der Erde eingepr\u00e4gt sind. Ohne sie gibt es kein Leben auf der Erde, und das Leben kommt nur aus Leben und niemals aus der Mineralisation.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnser Gesundheitsfilter ist der Boden\u201c Um die Vorg\u00e4nge bei der Kompostierung zu studieren, wurden in den Jahren 1951-1953 Komposte aufgesetzt nach allen bekannten Vorschriften, es waren Stallmist-Erde-Komposte reine Pflanzenkomposte und gemischte. Die Zellzahlen des Anfangsmaterials waren sehr hoch bis zu 8000. Das Kompostmaterial wandelte sich im Lauf der Monate in eine wunderbare dunkle Erde um, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/79-artikel-herbst-1974\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">79. 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