{"id":432,"date":"2017-10-11T19:34:07","date_gmt":"2017-10-11T17:34:07","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=432"},"modified":"2017-10-11T19:34:07","modified_gmt":"2017-10-11T17:34:07","slug":"86-artikel-sommer-1976","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/86-artikel-sommer-1976\/","title":{"rendered":"86. Artikel Sommer 1976"},"content":{"rendered":"<p><b>\u201eBiologisches Gleichgewicht im Boden\u201c<\/b><\/p>\n<p>Das Ma\u00df der Dauerfruchtbarkeit eines Mutterbodens bei nat\u00fcrlicher D\u00fcngung, dh. alle n\u00e4hrenden Substanzen stammen aus organischen Abf\u00e4llen, h\u00e4ngt von der F\u00e4higkeit des Bodens ab, einerseits fortlaufend Substanzen an die Pflanze abzugeben wenn sie w\u00e4chst, andererseits vom biologischen Substanzkreislauf soviel zu behalten, dass eine best\u00e4ndige Gare aufrechterhalten wird. Zwischen beiden besteht zweifellos ein biologisches Gleichgewicht, das nicht nur f\u00fcr jede Bodenart spezifisch ist, sondern auch im Laufe der Jahreszeiten differiert, weil das Mengenverh\u00e4ltnis zwischen Pflanzenwachstum (Nahrungsentnahme) und Humifizierung (Nahrungsbeschaffung) nicht konstant ist, sondern abh\u00e4ngig auch von den allgemeinen Wachstumsbedingungen vor allem von W\u00e4rme- und Wasserzufuhr. Je mehr der Boden im Stande ist freie Ionenschw\u00e4rme und das f\u00fcr die Bindungen n\u00f6tige Wasser zu speichern, desto gr\u00f6\u00dfer ist seine F\u00e4higkeit die gleitenden biologischen Flie\u00dfgewichte aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcttert man den Boden zus\u00e4tzlich mit verf\u00fcgbar gemachten Mineralien und mit synthetischen Stickstoffverbindungen, so wird das Gleichgewicht zwischen der Beschaffung von Bodennahrung zur Vorratshaltung und der Entnahme durch die Pflanze gewaltsam beseitigt, weil die Lebensvorg\u00e4nge durch die nicht vorgesehene Zufuhr stoffwechselaktiver Materie angefacht werden. Das geschieht besonders durch Stickstoffgaben zur Unzeit, vor allem im fr\u00fchen Fr\u00fchjahr, wenn die Bodenw\u00e4rme f\u00fcr eine nat\u00fcrliche Stickstoffbindung noch nicht ausreicht (erst ab 15\u00b0). Es wird zwar die Kunstd\u00fcngerwirkung hier sehr gepriesen, ist aber hier zweifellos am sch\u00e4dlichsten.<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Durch die Anfachung des Stoffumsatzes wird die Huminbildung und die Inkohlung organischen Materials enorm und zur Unzeit gef\u00f6rdert. Da Humine sauren Charakter haben, wird der Boden aus dem elektrolytischen Gleichgewicht gebracht und saurer gemacht. Der Kunstd\u00fcnger bringt au\u00dferdem anorganische S\u00e4ureradikale mit, wodurch die Festlegung des Kalzium und die Besetzung der Tonkristalle vermehrt und die Garebildung behindert wird, dadurch wird auch das Gleichgewicht beeintr\u00e4chtigt bis beseitigt.<\/li>\n<li>Es bildet sich eine krankhafte Variation der Mikroflora aus, weil die Mikrobien anders ern\u00e4hrt werden als vorgesehen, denn sie erhalten ja nun einige wenige Baustoffarten im \u00dcberfluss und nicht die wohl ausgew\u00e4hlte Nahrung, die ihnen der Abbau organischer Strukturen bietet. Die Variation der Flora bedeutet immer auch, dass die Nahrungsqualit\u00e4t krankhaft ver\u00e4ndert wird.<\/li>\n<li>Die Ionenschw\u00e4rme und freien Ionen werden so vermehrt, dass das Gleichgewicht zwischen makro- und mikromolekularen Nahrungssubstanzen beseitigt wird. Die Pflanze nimmt mehr stoffwechselaktives Material auf, als sie soll. Zwangsl\u00e4ufig f\u00fchrt die Anh\u00e4ufung von Ionen im Saftkreislauf der Pflanze sto\u00dfweise zu einem \u201eWachstumsfieber\u201c, das nicht nur den biologischen Charakter des Pflanzengewebebaues ver\u00e4ndert die quantitativen Ums\u00e4tze zu ungunsten der qualitativen gewaltsam erh\u00f6ht, sondern die Feinabstufungen der Substanzauswahlen nivelliert und uniformiert.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es ist offenbar unm\u00f6glich, k\u00fcnstlich zu d\u00fcngen, ohne die Gare zu gef\u00e4hrden, weil die Ausbildung einer nat\u00fcrlichen Gare mit einer h\u00f6chst vielf\u00e4ltigen Abstufung und Auswahl der biologischen Potenzen lebender Substanzen unm\u00f6glich gemacht wird.<\/p>\n<p>Es ist offenbar unm\u00f6glich, die nat\u00fcrliche Pflanzenern\u00e4hrung durch verf\u00fcgbar gemachte Mineral- und Stickstoffsubstanzen zu erg\u00e4nzen, weil es hier nichts zu erg\u00e4nzen gibt. Von Natur aus ist die Ern\u00e4hrung der Pflanze aus denjenigen Stoffen und biologischen Kapazit\u00e4ten vorgesehen, die aus den Abf\u00e4llen des Lebendigen stammen und im Organismus \u201eMutterboden\u201c vorgeordnet angeboten werden. Jede Einmischung in diese Vorg\u00e4nge ist zwangsweise mit der Beseitigung aller jener Gleichgewichte verbunden, die f\u00fcr das organismische Leben Voraussetzung sind. Es kann also nur erlaubt sein, die Bodenvorr\u00e4te durch nicht aufgeschlossene, nicht unmittelbar stoffwechselaktive Mineralien (Urgesteinsmehl) zu erg\u00e4nzen. Diese werden vom Bodenstoffwechsel nur mobilisiert, wenn sie gebraucht werden. Die Aufnahme von synthetischem Stickstoff in den biologischen Kreislauf ist nicht vorgesehen, er erscheint als Fremdstoff, der die normale N-Beschaffung (aus organischen R\u00fcckst\u00e4nden und Assimilation aus der Luft) irritiert.<\/p>\n<p>Schon der \u00e4ltere Liebig gab an: die Pflanze k\u00f6nne von der Natur \u201ehundert ja tausendmal mehr Stickstoff\u201c erhalten, als man ihr k\u00fcnstlich geben k\u00f6nne. Er warnte eindringlich davor, sich in den biologischen Substanzkreislauf durch Kunstd\u00fcnger einzumischen. Diese Angaben wurden bei ihrem Erscheinen nicht mehr geh\u00f6rt und auch die gegenw\u00e4rtige Neuausgabe unter dem Titel \u201eEs ist dies die Spitze meines Lebens\u201c 1973 durch Wolfgang v. Haller wurde mehr oder weniger vom Tisch gewischt.<\/p>\n<p>Normalerweise findet die Pflanze \u00fcberhaupt in den Stoffausr\u00fcstungen organischer Abf\u00e4lle aller das was sie braucht, denn das Material stammt aus Lebensprozessen und ist deshalb f\u00fcr Lebensprozesse geeignet.<\/p>\n<p>Generell aber l\u00e4sst sich sagen, dass alles das f\u00fcr die richtige Bodenern\u00e4hrung geeignet ist, was aus dem Substanzkreislauf selbst stammt, was pflanzliche, tierische und mikrobielle Systeme an Substanz besitzen. Organische D\u00fcnger werden umso wertvoller sein, je \u201elebendiger\u201c sie sind, dh. je unmittelbarer ein Lebensvorgang in den anderen \u00fcbergeht.<\/p>\n<p>Ein optimales Leben \u2013 ein Leben in Gesundheit und Fruchtbarkeit ist nur m\u00f6glich in der lebendigen Gemeinschaft der Organismen. Und zu dieser Gemeinschaft geh\u00f6rt auch der Organismus \u201eBoden Gare\u201c, dessen Leben mit der Verbindung zum oberirdischen Leben steht und f\u00e4llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBiologisches Gleichgewicht im Boden\u201c Das Ma\u00df der Dauerfruchtbarkeit eines Mutterbodens bei nat\u00fcrlicher D\u00fcngung, dh. alle n\u00e4hrenden Substanzen stammen aus organischen Abf\u00e4llen, h\u00e4ngt von der F\u00e4higkeit des Bodens ab, einerseits fortlaufend Substanzen an die Pflanze abzugeben wenn sie w\u00e4chst, andererseits vom biologischen Substanzkreislauf soviel zu behalten, dass eine best\u00e4ndige Gare aufrechterhalten wird. Zwischen beiden besteht zweifellos &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/86-artikel-sommer-1976\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">86. 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