{"id":434,"date":"2017-10-11T19:34:43","date_gmt":"2017-10-11T17:34:43","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=434"},"modified":"2017-10-11T19:34:43","modified_gmt":"2017-10-11T17:34:43","slug":"87-artikel-herbst-1976","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/87-artikel-herbst-1976\/","title":{"rendered":"87. Artikel Herbst 1976"},"content":{"rendered":"<p><b>\u201eDie Bew\u00e4hrungsprobe\u201c<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Seit Justus v. Liebig im vorigen Jahrhundert entdeckte, dass die Pflanzen ihre mineralischen Baustoffe in Salzform aus dem Boden aufnehmen, ahnte er erst in seinem Alter, was er damit in Gang gebracht hatte und versuchte \u2013 vergeblich \u2013 den unheilvollen Irrweg der Kunstd\u00fcngung zu verhindern. Vor allem die Produktion des synthetischen Stickstoffs wurde vorangetrieben. Niemand hat wohl damals wirklich gewusst, was letzten Endes daraus entstehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Einbruch in die Landwirtschaft erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts. Bestechend wirkte das rasche \u00fcppige Wachstum, ganz besonders bestechend die Tatsache, dass sich mit Hilfe des Kunstd\u00fcngers schon im ersten kalten Fr\u00fchjahr Wachstum erzielen l\u00e4sst, obwohl die Voraussetzungen f\u00fcr ein nat\u00fcrliches Wachstum noch nicht gegeben sind.<\/p>\n<p>Der Pferdefu\u00df der Kunstd\u00fcngung war noch nicht offenbar geworden, weder der Sortenschwund, noch der Abbau der Widerstandskraft gegen Krankheit und Sch\u00e4dlinge und der Zwang zur Giftspritzerei. Ahnungslos \u00fcbernahmen die Bauern das so einfache Verfahren. Die Kunstd\u00fcngerindustrie-Ums\u00e4tze stiegen nach dem ersten Weltkrieg so stark an, dass sich eine neue Gro\u00dfindustrie entwickelte, die in alle Welt expandierte und Heeren von Arbeitern, Angestellten, Vertretern und wissenschaftlichen Fachkr\u00e4ften Arbeit und Brot verschaffte. Die Kunstd\u00fcnger-Industrie wurde zu einem der gr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt, einschlie\u00dflich der sp\u00e4ter hinzutretenden Spritzmittelproduktion und hatte die Macht des Geldes auf ihrer Seite.<\/p>\n<p>Man hat bei der Gro\u00dfindustrie den biologischen Landbau zun\u00e4chst nicht ernst genommen. Unabh\u00e4ngige Wissenschafter (an vorderster Stelle Dr. Hans Peter Rusch) machten sich alsbald an die Arbeit um dem biologischen Landbau den notwendigen wissenschaftlichen Unterbau zu schaffen und die Direktiven zu schaffen, nach denen nun seit einiger Zeit gearbeitet wird. Das hat man bei dem Managertum der Industrie wohl kaum f\u00fcr mg\u00f6lich gehalten. Nun ist aber au\u00dferdem eine ganz neue Sachlage dadurch entstanden, dass von unabh\u00e4ngigen Forschern der Begriff \u201eUmweltverschmutzung\u201c gepr\u00e4gt wurde, ein Begriff, der rasch Eingang ins allgemeine Bewusstsein der V\u00f6lker gefunden hat. Es wurde neben Wasser- und Luftverschmutzung die chemisierte technisierte Landwirtschaft als gr\u00f6\u00dfter Umweltverschmutzer erkannt.<\/p>\n<p>Weil aber der biologische Landbau die einzige M\u00f6glichkeit bietet der Verderbnis der Naturkr\u00e4fte zu begegnen und dem Lebendigen auf Erden seine Erbgesundheit zu bewahren, bleibt nun der Industrie nichts anderes \u00fcbrig, als den Abwehrkampf gegen jede Erneuerung der Landwirtschaft aufzunehmen. Es ist ja direkt bewundernswert, wie die Industrie es fertigbringt den Staat, die landwirtschaftlichen Forschungsst\u00e4tten und alle dienlichen Institutionen vor ihren Karren zu spannen, wie sie es fertigbringt, den Egoismus und die Existenzangst ihrer Leute auszun\u00fctzen. Ohne Kunstd\u00fcnger w\u00fcrden Millionen und Abermillionen von Menschen auf der Welt zus\u00e4tzlich verhungern, so wird es verlautbart. Der biologische Landbau wird als unwissenschaftlicher Bl\u00f6dsinn abgetan.<\/p>\n<p>Alledem zum Trotz: Der biologische Landbau w\u00e4chst und w\u00e4chst, sein Siegeszug ist nicht mehr aufzuhalten. Die Bildung von Gruppen von Landwirten, die ihre Betriebe auf organisch-biologischen Landbau umgestellt haben, w\u00e4chst.<\/p>\n<p>In USA und Kanada gibt es bereits einen ausgedehnten biologischen Landbau, es fehlt ihm aber an den wissenschaftlichen Direktionen, da sind wir ihnen um 20 Jahre voraus, wie sie selbst zugeben. Wir waren die ersten, die die entscheidenden wissenschaftlichen Wahrheiten erarbeitet haben. Wir d\u00fcrfen stolz sein, Pioniere zu sein. Wir haben inmitten einer feindlichen Umwelt ein Beispiel daf\u00fcr geschaffen, wie der Landbau der Zukunft aussehen muss.<\/p>\n<p>Im Zeitalter des Materialismus, der Technisierung, der Landflucht, der Gottlosigkeit ist die Verbindung zwischen Mensch und Natur abgerissen. Der Mensch bildet sich ein selber Gott zu sein. Seitdem verk\u00fcmmert das Bauerntum, die Nahrungsfabrik tritt an seine Stelle. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen helfen, dass der b\u00e4uerliche Familienbetrieb wieder zu Ehren kommt, in dem Moral und Sitte herrschen. Solchen Bauernfamilien zu helfen, zum Nat\u00fcrlichen zur\u00fcckzukehren, das ist die Aufgabe f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte.<\/p>\n<p>Dann wird auch einmal wieder alle Nahrung auf den M\u00e4rkten Gesundheit zu den Menschen bringen, dann wird der Kulturverfall, die Seelenlosigkeit, die mangelnde Liebe unter den Menschen und der Verfall der Gottgl\u00e4ubigkeit aufgehalten werden. Es gibt keinen anderen Weg als den unsrigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Bew\u00e4hrungsprobe\u201c \u00a0Seit Justus v. Liebig im vorigen Jahrhundert entdeckte, dass die Pflanzen ihre mineralischen Baustoffe in Salzform aus dem Boden aufnehmen, ahnte er erst in seinem Alter, was er damit in Gang gebracht hatte und versuchte \u2013 vergeblich \u2013 den unheilvollen Irrweg der Kunstd\u00fcngung zu verhindern. Vor allem die Produktion des synthetischen Stickstoffs wurde &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/87-artikel-herbst-1976\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">87. 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