{"id":444,"date":"2017-10-11T19:38:09","date_gmt":"2017-10-11T17:38:09","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=444"},"modified":"2017-10-11T19:38:09","modified_gmt":"2017-10-11T17:38:09","slug":"92-artikel-winter-1977","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2017\/10\/11\/92-artikel-winter-1977\/","title":{"rendered":"92. Artikel Winter 1977"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eGare und Gareschwund\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Dass sich fruchtbarer Boden auff\u00e4llig von unfruchtbarem durch eine spontane, lockere Beschaffenheit unterscheidet, wei\u00df jeder Bauer, er wei\u00df aber auch, dass diese \u201eGare\u201c echt sein muss, wenn die Gare nicht von selbst ist, so f\u00e4llt sie beim n\u00e4chsten kr\u00e4ftigen Regenguss wieder in sich zusammen. Der Boden schlemmt, trocket leicht aus, wird hart oder vom Wind oder Wasser vertragen.<br \/>\nDer Mensch hat im Laufe seiner Geschichte gro\u00dfe Landfl\u00e4chen ihrer Fruchtbarkeit beraubt und tut es heute in bedrohlichem Ausma\u00df. Im Altertum die Waldabholzungen zum Schiffsbau der alten Reiche, die Versandung Nordafrikas durch die Gro\u00dflandwirtschaft der R\u00f6mer usw. Es war jedoch noch wenig im Vergleich zum Umfang der k\u00fcnstlichen Garevernichtung, die gegenw\u00e4rtig in aller Welt und auf fast allen Kulturfl\u00e4chen vor sich geht; so haben die USA bis jetzt mind. 40 % ihrer fruchtbaren Fl\u00e4chen verloren. Es dauert sch\u00e4tzungsweise 300 \u2013 1000 Jahre bis eine neue Verwitterungsschicht entsteht und zu Muttererde wird.<br \/>\nWas hat zu dieser Fehlentwicklung gef\u00fchrt? Durch die Kunstd\u00fcngungswirtschaft kam man zu der Auffassung, dass die Pflanze nichts anderes brauche, als die \u00fcblichen \u201eN\u00e4hrstoffe\u201c. Die Agrikulturchemie verbreitete die Meinung, die Pflanze bed\u00fcrfe des Bodens nicht, sie lebe aus Mineralien, die man ihr ebenso gut auch anders geben k\u00f6nne, die Muttererde sei entbehrlich. Man hat diese Ansicht etwas erweitert, dahingehend, dass man zu der Meinung kam, dass der Boden der Humuszufuhr bed\u00fcrfe, um als Standort erhalten zu bleiben. Man betrachtet die Lebenserscheinung \u201eBodengare\u201c menchanisch-physikalisch, das hei\u00dft als w\u00fcnschenswertes konstruktives Hohlraumsystem. Es kamen Bearbeitungsger\u00e4te, Zugmaschinen zum Einsatz, aber auch Kunst und klebf\u00e4hige Stoffe. Wenn Bodengare nicht mehr w\u00e4re als ein mechanisch wirksames Hohlraumsystem, so kann man es beliebig auf mechanischem Wege herstellen, wo der kranke Boden Sorgen macht.<br \/>\nDie echte Bodengare ist ein Organ des Bodenorganismus, das er sich alsbald selber schafft, sobald er t\u00e4tig ist, ein Gewebe das im Substanzkreislauf hochwichtige Aufgaben erf\u00fcllt. Die Gare besteht aus St\u00fctz- und F\u00fcllsubstanzen, in die alle mobilen Lebensvorg\u00e4nge eingebettet sind wie im pflanzlichen und tierischen Organismus und sie ist zugleich Lunge und Kieme des Bodens, die den Gasabtausch und Wasseraustausch zu regeln haben.<br \/>\nDie Bodengare ist demnach eine der wesentlichsten \u00c4u\u00dferungen nat\u00fcrlicher Bodenfruchtbarkeit und wir haben allen Grund sie imt allen biologischen und mikrobiologischen Mitteln zu erforschen um ihre Voraussetzungen ans Licht zu bringen und die Kulturb\u00f6den auszuheilen, solange noch Zeit dazu ist, ehe der Gareschwund unheilbar geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGare und Gareschwund\u201c Dass sich fruchtbarer Boden auff\u00e4llig von unfruchtbarem durch eine spontane, lockere Beschaffenheit unterscheidet, wei\u00df jeder Bauer, er wei\u00df aber auch, dass diese \u201eGare\u201c echt sein muss, wenn die Gare nicht von selbst ist, so f\u00e4llt sie beim n\u00e4chsten kr\u00e4ftigen Regenguss wieder in sich zusammen. 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