{"id":713,"date":"2018-03-11T11:14:14","date_gmt":"2018-03-11T10:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orbi.or.at\/?p=713"},"modified":"2018-03-11T11:22:43","modified_gmt":"2018-03-11T10:22:43","slug":"102-artikel-herbst-1981-humus-die-grundlage-der-pflanzenernaehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2018\/03\/11\/102-artikel-herbst-1981-humus-die-grundlage-der-pflanzenernaehrung\/","title":{"rendered":"102. Artikel Herbst 1981: \u201eHumus &#8211; die Grundlage der Pflanzenern\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<p>Die Landwirtschaftswissenschaft hat ein Arzt begr\u00fcndet: Albrecht von THAER. Er wollte die Landwirtschaft rationeller gestalten und nahm mit Recht an, dass das nur m\u00f6glich sei, wenn er eine Landwirtschaftswissenschaft begr\u00fcnde. Die Grundlage seiner Lehre war die Auffassung, dass der Humus das wirkliche Geheimnis des gesunden Wachstums sei.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter gelang LIEBIG der Nachweis des Mineralbed\u00fcrfnisses der Pflanze, und ungl\u00fcckseligerweise fand er heraus, dass die Pflanzen Mineralien am leichtesten in Form l\u00f6slicher Salze aufnehmen und damit im Wachstum erheblich angetrieben werden k\u00f6nnen, besonders durch die Salze des Stickstoff. Daraus entwickelte sich das industriell leicht auswertbare Verfahren der Kunstd\u00fcngung. Es beruft sich bezeichnenderweise nicht auf die Arbeiten des \u00e4lteren Liebig, der eingesehen hat, welch verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung er in Gang gebracht hatte.<\/p>\n<p>Unter dem beherrschenden Einfluss der Chemie auf die Agrikultur kam die Humuslehre von THAER in Vergessenheit. Sie wurde erst dann wieder hervorgeholt, als die Zerst\u00f6rung des Humus auf unseren Kulturb\u00f6den nicht mehr zu verheimlichen war.<\/p>\n<p>Noch heute spricht der Agrikulturchemiker nicht, wie THAER, von einer \u201eErn\u00e4hrung\u201c des Bodens, sondern nur von einer F\u00fctterung der Pflanze. Er rechtfertigt sich mit dem Hinweis auf die enorm angestiegenen Ertr\u00e4ge, wobei ihm als Ma\u00df allerdings nur die Waage und die chemische Analyse dient. Humus ist, so sagen noch heute alle Lehrb\u00fccher der \u201ezust\u00e4ndigen\u201c &#8211; wie sie sich gerne nennt \u2013 Wissenschaft, Humus ist keine Pflanzennahrung, nur der Boden hat ihn n\u00f6tig als Erosionsschutz.<\/p>\n<p>Man demonstriert gerne Hydrokulturen, die ohne Humus pr\u00e4chtig gedeihen, da die Pflanzen nicht anderes aufnehmen k\u00f6nnen als zB. Salze. In Wirklichkeit sind diese Pflanzen nur f\u00e4hig augenblickliche Wachstumsaufgaben zu erf\u00fcllen, sie sind jedoch v\u00f6llig der Resistenzverminderung unterworfen, das ist die nat\u00fcrliche Abwehrf\u00e4higkeit der Pflanze gegen\u00fcber krankmachenden Mikroben und Viren. Je k\u00fcnstlicher die Ern\u00e4hrung umso st\u00e4rker die Resistenzverminderung, sodass sich Kulturpflanzen heute des fortlaufenden Pflanzenschutzes mit teilweise sehr gef\u00e4hrlichen Giftstoffen bed\u00fcrfen. Die heutige Landwirtschaft ist ein Riesen-Experiment und als solches soll man es ansehen, um ihre Fehler zu finden.<\/p>\n<p>Dieses Experiment beweist nur einmal mehr, dass wir die stofflichen Voraussetzungen f\u00fcr das fortlaufende Gedeihen der lebendigen Organismen nicht vollst\u00e4ndig kennen.<\/p>\n<p>Es wir der chemischen Analyse nie m\u00f6glich sein, mehr zu entdecken, als die gr\u00f6bsten Strukturen lebender Substanzen. Die besten Biochemiker geben das heute auch unumwunden zu, wie ja auch Emil FISCHER, einer der gr\u00f6\u00dften, nach jahrzehntelangem M\u00fchen eingestand, er habe eingesehen, dass man das Chlorophyll weder analysieren noch synthetisieren k\u00f6nne. Auch dieser Stoff ist eine lebende Substanz und vollbringt die wunderbare Leistung, Sonnenenergie in energiegeladene Kohlenhydrate umzuwandeln. Er wird aus dem Humus bezogen und ist nicht k\u00fcnstlich nachzuahmen, so wenig wie die \u00fcbrigen Billionen und aber Billionen lebender Substanzen, die der Humus birgt.<\/p>\n<p>Wir haben also festzustellen: Es wird niemals m\u00f6glich sein, ein vollkommenes Nahrungsgemisch k\u00fcnstlich herzustellen. Es wird niemals eine vollkommene k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung geben. Wir k\u00f6nnen nur der Natur auf die Finger sehen, um herauszufinden, wie sie es anstellt, um den Pflanzen eine vollkommene Nahrung zu bieten. Dies und nichts anderes m\u00fcssen wir nachahmen, wenn wir eine vollkommene Nahrung ziehen wollen.<\/p>\n<p>In der Natur stammt jede Nahrung aus abgelaufenen Lebensvorg\u00e4ngen, eines lebt vom Tode des anderen, von den Abf\u00e4llen des anderen.<\/p>\n<p>Da die Pflanze nicht das ganze Jahr \u00fcber w\u00e4chst, muss die Natur eine Form finden, um die Nahrung f\u00fcr die Wachstumszeit aufzubewahren. Sie muss aber auch daf\u00fcr sorgen, dass die Nahrung aus den Zellger\u00fcsten der abgestorbenen Organismen befreit wird, und sie muss zugleich daf\u00fcr sorgen, dass der Boden eine Struktur erh\u00e4lt, die sowohl die abbauende Lebenst\u00e4tigkeit der \u201eAasfresser\u201c wie auch die \u201eaufbauende\u201c T\u00e4tigkeit der Pflanze und ihrer Mitarbeiter gleicherma\u00dfen gestattet. In wie vollkommener Weise die Natur diese Aufgabe gel\u00f6st hat, ist eines der gr\u00f6\u00dften Wunder, die uns offenbart werden.<\/p>\n<p>Die Humusbildung ist n\u00e4mlich streng an die nat\u00fcrliche Schichtbildung gebunden. Das hat einen ganz bestimmten Grund: zur Aufbereitung der Abf\u00e4lle braucht man Lebewesen, die sich nicht scheuen, auch die denaturierten Hartstoffe der Zellw\u00e4nde, Zellulose, Horn u.\u00e4., anzugreifen. Als Belohnung d\u00fcrfen sie von den noch \u00fcbriggebliebenen Energiestoffen leben, wobei sie unter anderem auch W\u00e4rme produzieren. Sie fressen die Kohlenhydrate, Eiwei\u00dfe, Fette u. v. a. auf und verbrauchen sie. Ist ihre Arbeit getan, so sterben sie. Mit ihrem Tod aber ern\u00e4hren sie eine zweite Garnitur von Lebewesen, die nicht mehr zur abbauenden Gilde geh\u00f6ren, sondern der Pflanze bei ihrem Aufbau helfen und ihr dienen. Sie bereiten auch den eigentlichen Humus. Daf\u00fcr werden sie von der Pflanze mit Energiestoffen versehen, sobald die Fotosynthese der Kohlehydrate im Gang ist. Sie sind als echte Mitbareiter, sogenannte Symbionten. Diese \u201eAufbauschicht\u201c befindet sich bereits im Wurzelgebiet der Pflanzen, w\u00e4hrend die Wurzeln die \u201eAbbauschicht\u201c fliehen. Sieht man sich diese Mikroben \u2013 um solche handelt es sich ausschlie\u00dflich in der \u201eAufbauschicht\u201c &#8211; genauer an, so entdeckt man etwas h\u00f6chst Interessantes: Es sind die gleichen Sorten, die wir Menschen selbst mit uns herumtragen, als Rachen-, Darm- und Hautflora. Es handelt sich um sogenannte Milchs\u00e4ure-Bakterien.<\/p>\n<p>Wird die Zellsubstanz der Abf\u00e4lle nicht alsbald nach ihrem Umbau in den zwei Schichten von der Pflanze aufgenommen, weil sie im Augenblick nicht w\u00e4chst, so umgeben sich die organischen Teilchen der ehemaligen Zellsubstanzen mit einem besonderen Schutzmantel aus Protoplasma, sie werden dadurch klebrig. Deshalb verm\u00f6gen sie den Bodenstaub, das Produkt der nat\u00fcrlichen Gesteinserosion, zu den sogenannte Kr\u00fcmeln zu verkitten \u2013 Lebendverbauung nach SEKERA. Dieser Kittvorgang ist das Grundelement der Boden-Gare und die Voraussetzung f\u00fcr die Lebensvorg\u00e4nge, weil es die Luft- und zugleich die Wasserversorgung sicherstellt. Die Luft mit Stickstoff, Kohlens\u00e4ure und Sauerstoff, und das Wasser als Grundstoff des Lebens kann kein Lebensvorgang entbehren. Deshalb darf auch die Gare niemals ganz verschwinden, und das Aufl\u00f6severm\u00f6gen der Pflanze gegen\u00fcber dem Bodenkr\u00fcmel wird durch genaue Gesetze geregelt, indem die Pflanze dem Lebendgehalt des Bodens entsprechend in ihrem Chlorophyllgehalt begrenzt wird. Die D\u00fcngung mit Stickstoffsalz beseitigt dieses \u201eGleichgewicht zwischen Humusverbrauch und Fotosynthese!\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr die nat\u00fcrliche Agrikultur und G\u00e4rtnerei fehlt uns noch eine grunds\u00e4tzliche Feststellung: Lebensenergien \u2013 biologische Energie \u2013 l\u00e4sst sich nur dann in einem Material restlos in neue Lebensvorg\u00e4nge \u00fcberf\u00fchren, wenn die Lebensvorg\u00e4nge niemals abbrechen, mit anderen Worten: Die Energie organischer Abf\u00e4lle kann nur dann vollst\u00e4ndig in Pflanzenwachstum verwandelt werden, wenn \u2013 den Jahreszeiten entsprechend \u2013 der Ablauf von Abbau, Humusaufbau und Pflanzenwachstum nicht unterbrochen wird.<\/p>\n<p>Es ist von h\u00f6chster Notwendigkeit f\u00fcr den Praktiker das Bild eines nat\u00fcrlichen Bodens und den Vorgang der Humusbildung genau einzupr\u00e4gen. Unser aller Wohl und Wehe h\u00e4ngt von der Muttererde ab und damit also vom Humus.<\/p>\n<p>Eine hundertprozentige Ausn\u00fctzung ist nur m\u00f6glich, wenn der eben entstandene Abfall in wenigen Tagen als Bodendecke ausgebracht wird. In diesem Fall geht alle Energie sofort in neue Lebensvorg\u00e4nge \u00fcber und flie\u00dft restlos der Humusbildung zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Landwirtschaftswissenschaft hat ein Arzt begr\u00fcndet: Albrecht von THAER. Er wollte die Landwirtschaft rationeller gestalten und nahm mit Recht an, dass das nur m\u00f6glich sei, wenn er eine Landwirtschaftswissenschaft begr\u00fcnde. Die Grundlage seiner Lehre war die Auffassung, dass der Humus das wirkliche Geheimnis des gesunden Wachstums sei. 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