{"id":847,"date":"2018-10-07T21:02:23","date_gmt":"2018-10-07T19:02:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orbi.or.at\/?p=847"},"modified":"2018-10-07T21:02:23","modified_gmt":"2018-10-07T19:02:23","slug":"106-107-108-artikel-fruehjahr-sommer-herbst-1984-ehrfurcht-vor-dem-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2018\/10\/07\/106-107-108-artikel-fruehjahr-sommer-herbst-1984-ehrfurcht-vor-dem-leben\/","title":{"rendered":"106., 107., 108. Artikel Fr\u00fchjahr Sommer Herbst 1984 \u2013 \u201eEhrfurcht vor dem Leben\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dass wir uns mit der einseitig technisch-materialistischen Entwicklung die Probleme selbst geschaffen haben, soll man nicht bezweifeln. Als die moderne Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Seuchenhygiene, Chirurgie und allgemeine F\u00fcrsorge geschaffen wurden, wuchs die Menschheit rapid an. Die nat\u00fcrliche Auslese, die nur die Besten zu Leben und Fortpflanzung zul\u00e4sst, wurde abgeschafft. Die Masse \u201eMensch\u201c, die entstand, fordert Nahrung, Wohnung und Organisation, Massenerzeugung von Nahrung und technisierte Anstrenung ungew\u00f6hnlichen, nie dagewesenen Ausma\u00dfes. Das sind die Probleme, und sie sind nicht wegzudiskutieren. Man muss mit ihnen rechnen, will man nicht die sch\u00f6nste und reinste Frucht menschlichen Geistes, die Humanit\u00e4t, \u00fcber Bord werfen.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage: sind alle die meist selbstgeschaffenen zum Teil unsagbaren Probleme heilbar? Ist es m\u00f6glich, die heutigen \u00dcbel nicht nur mit Korrekturen zu Fall zu bringen? Es w\u00e4re m\u00f6glich, wenn wir nicht mit Korrekturen allein zu Werk gingen, sondern in Harmonie mit allem Lebendigen. Unser Wissen ist Ganzheit gegen\u00fcber der leblosen Materie, unser Wissen ist St\u00fcckwerk gegen\u00fcber der lebendigen Materie, hier werden Fehler \u00fcber Fehler gemacht.<\/p>\n<p>Was wir heute erleben, ist ein \u00dcbergang in eine andere Zeit mit allen Geburtswehen, Wirrnissen und Unklarkeiten, wie sie stets eine solche Zeit kennzeichnen. Es wird ein Haus geflickt mit Rissen, das an sich ein neues Fundament br\u00e4uchte.<\/p>\n<p>Die Wissenschaft muss versagen, wenn sie die Regeln und Gesetze des Anorganischen, des Leblosen, auf das Lebendige anwendet. Die lebendigen Vorg\u00e4nge sind nicht mit den Forschungsmitteln zu durchschauen, mit denen man das Leblose durchschaut. Die Physiker sind also imstande mit physikalischen Methoden nachzuweisen, dass das physikalisch-chemisch-mathematische Denken in der Welt des Lebendigen nicht gilt, weil dieses Denken menschliche Konstruktion ist, eine Hilfswissenschaft, deren Geltung zu versagen beginnt, weil sie nichts als verg\u00e4ngliche, augenblickliche Vorteile sucht, w\u00e4hrend die eigentliche Wissenschaft seit eh und je nur die Wahrheit sucht.<\/p>\n<p>Und das ist nun der Aufzug eines neuen, eines anderen Zeitalters. Hier wird zum ersten Mal die chemische Bodenkontrolle unter die Direktive einer biologischen gestellt, einer Kontrolle der Lebensvorg\u00e4nge des Bodens.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, warum man denn \u00fcberhaupt kontrollieren muss, da das nat\u00fcrliche Wachstum jedem k\u00fcnstlichen ohnehin \u00fcberlegen ist? Dazu die Antwort: In einer Menschheit, die bald die 3000 Millionen Grenze \u00fcberschreiten wird, gibt es eine Lebensordnung ohne wissenschaftliche Lenkung nicht. Deshalb m\u00fcssen wir ja lernen, biologische Vorg\u00e4nge zu kontrollieren, um sie lenken zu k\u00f6nnen. Anders werden wir niemals die chemisch-technische Epoche \u00fcberwinden und darauf kommt es gegenw\u00e4rtig an.<\/p>\n<p>Es gilt die Prinzipien zu \u00fcberwinden, auf denen unsere ganze derzeitige Lebensordnung ruht. Das kann man nicht mit Korrekturen, nicht mit dem Denken der chemisch-technischen Epoche, man kann es nur mit biologischem Denken und das ist eine neue, sehr schwere Sache. Das chemisch-technische Denken ist nicht \u00fcber Bord zu werfen allein mit der Begeisterung f\u00fcr die gute Sache.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Entdecker des vorigen Jahrhunderts schufen die M\u00f6glichkeit die Masse der Menschen, die in fr\u00fcheren Zeiten Seuchen und Krankheiten unentwegt zum Opfer fielen, am Leben zu erhalten.<\/p>\n<p>Die Chemotherapeutika und Antibiotika verdanken diesem Prinzip ihr Dasein ebenso wie die chemische Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung. Beides wird als eine der h\u00f6chsten Errungenschaften der Menschheit gefeiert. Trotzdem ist das Prinzip falsch, es ist unbiologisch.<\/p>\n<p>Mit der Zeit bewirkt dieser allgemeine Giftkampf genau das Gegenteil dessen, was man erreichen will und beginnt es allm\u00e4hlich auch einzusehen. Um aber diese Ma\u00dfnahmen entbehren zu k\u00f6nnen, muss man es zuerst besser machen k\u00f6nnen, und das geht nicht von heute auf morgen.<\/p>\n<p>Man hat die spontane Abwehrfunktion der Organismen abgel\u00f6st, durch einen heute allenthalben wirksamen und k\u00fcnstlichen Schutz. Die Organismen werden besch\u00fctzt, statt sich selbst zu besch\u00fctzen. Man m\u00fcsste um den k\u00fcnstlichen Schutz entbehren zu k\u00f6nnen, lernen, den nat\u00fcrlichen Selbstschutz willk\u00fcrlich und unter lenkender Kontrolle herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Nun ist es in der Biologie bekannt, dass verloren gegangene Funktionen nur in Geschlechterfolgen wirksam wiederbelebt werden k\u00f6nnen, also in sehr langen Zeiten. Wir haben uns durch augenblickliche Erfolge blenden lassen und die Zukunft dar\u00fcber vergessen. F\u00fcr diese Zukunft aber sind wir verantwortlich, mehr als f\u00fcr uns selbst.<\/p>\n<p>Derzeit jedoch scheint die Menschheit wenig bereit, ihre Wege zu \u00e4ndern, noch immer scheint die technische Entwicklung des Menschen wichtiger zu sein, als die biologische. Sie tut das ohne R\u00fccksicht auf die Belange des Lebendigen, so absurd es auch klingt. Man versucht das Leben zu sch\u00fctzen mit Mitteln und Methoden, die gegen das Leben gerichtet sind.<\/p>\n<p>Sollte die Menschheit von ihren Irrwegen nicht abzubringen sein, setzt sich auf jeden Fall die Kraft durch, die die Welt zusammenh\u00e4lt und sie l\u00e4sst sich Zeit dazu, die sie ja auch hat, denn sie hat die Ewigkeit f\u00fcr sich. Wir betrachten das viel zu wenig.<\/p>\n<p>Alle jene aber, die sich auf die wahren biologischen Wege begeben, oder sich auf ihnen befinden, die dem Leben des Planeten dienen, m\u00f6gen nie vergessen, dass diese Wege f\u00fcr die Gemeinschaft der Menschen nur einen Sinn haben, wenn sie im richtigen Geist geschehen.<\/p>\n<p>Das Wort \u201eGeist\u201c ist sehr in Misskredit gekommen, seit man den Geist, der die Welt schuf, mit unserem menschlichen Geist zu verwechseln begann. Uns ist nicht mehr gegeben, als ein kleiner Einblick in die Dinge des Geistes. Wir haben zur Erkenntnis nichts als unsere Sinnesorgane und wenn wir sie durch Mathematik, Fernrohr und Ultramikroskop noch so sehr verl\u00e4ngern, sie bleiben unvollkommen. Sie verm\u00f6gen das Geistige niemals exakt zu sehen und sie verm\u00f6gen nur immer einen Teil des Ganzen zu sehen. Es gilt echte Erkenntnisse der tieferen Zusammenh\u00e4nge im Reich des Lebendigen nicht mit Hilfe der sinnlichen Wahrnehmung allein, am wenigsten im lebendigen Experiment zu gewinnen. Wir k\u00f6nnen \u00dcberschallflugzeuge, Elektronengehirme und Raketen-Weltraumschiffe konstruieren, aber wir k\u00f6nnen nicht ein einziges F\u00fcnkchen Leben erwecken, nicht einmal eine Am\u00f6be erfinden. Es fehlt uns das Wichtigste daran, das Leben.<\/p>\n<p>Das ist eine nackte naturwissenschaftliche Tatsache und man hat sie als das oberste wichtigste Faktum zu nehmen. Bei den lebendigen Dingen k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt nichts tun mit dem Geist der bisherigen Naturwissenschaften, wir k\u00f6nnen nur zusehen, was das Lebendige tut und was es zum Leben braucht. Diese Wissenschaft nennt man Biologie, die uns doch die Mittel gibt, mit dem Unerkl\u00e4rlichsten umzugehen, das wir haben, mit dem Lebendigen! Das Lebendige ist uns nicht zug\u00e4nglich, ist unserem Willen nicht untertan, ist f\u00fcr unseren kleinen Geist nicht durchschaubar, ist unserem Verstand nicht begreifbar.<\/p>\n<p>Ehrfurcht vor dem Leben: ist wohl die schwerste Aufgabe, die man Menschen stellen kann. Sie kann nur in tiefstem Ernst und mit eiserner Arbeit, ohne Hoffnung auf rasche Erfolge und ohne jeden Ansprch auf baldige Ernte erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Der Welt des Lebendigen kommt man n\u00e4her, wenn man Goethe liest, als wenn man die Erfolgsberichte unserer Industrielaboratorien studiert; man kommt ihr n\u00e4her, wenn man alle die ehrf\u00fcrchtigen Schriften aus der ganzen langen Menschheitsgeschichte studiert, die sich mit den Fragen des wahrhaft ewigen Lebens befassen. Wem das heute noch unbegreiflich ist, der taugt nicht zum biologischen Denken, weil er sich im technisch-chemischen-physikalischen Denken ersch\u00f6pft hat.<\/p>\n<p>Biologische Wahrheit findet man in Wirklichkeit nur dann, wenn der Geist, der \u00fcber uns wohnt dabei mitwirkt.<\/p>\n<p>Erfurcht vor dem Leben: die heutige Menschheit verdankt ihr Leben zum gr\u00f6\u00dferen Teil dem Mord am anderen Leben. Wir haben es uns einzugestehen! Die Ma\u00dflosigkeit zur zweiten Natur geworden, folgt dem technischen Wunder auf den F\u00fc\u00dfen, weil es auf den Leichen anderen Lebens entstanden ist.<\/p>\n<p>Das Leben auf der Erde bildet eine unendliche Kette. Kein einziges Lebewesen ist in der Ordnung der lebendigen Sch\u00f6pfung entbehrlich.<\/p>\n<p>Machen wir uns dies zu Diensten, und wir werden eine bessere und gl\u00fccklichere Menschheit haben als die gegenw\u00e4rtige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass wir uns mit der einseitig technisch-materialistischen Entwicklung die Probleme selbst geschaffen haben, soll man nicht bezweifeln. Als die moderne Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Seuchenhygiene, Chirurgie und allgemeine F\u00fcrsorge geschaffen wurden, wuchs die Menschheit rapid an. Die nat\u00fcrliche Auslese, die nur die Besten zu Leben und Fortpflanzung zul\u00e4sst, wurde abgeschafft. 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