{"id":851,"date":"2018-10-07T21:09:51","date_gmt":"2018-10-07T19:09:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orbi.or.at\/?p=851"},"modified":"2018-10-07T21:10:59","modified_gmt":"2018-10-07T19:10:59","slug":"110-111-112-artikel-herbst-1984-3-herbst-1985-3-christmonat-1985-4-siegt-die-chemie-oder-der-schaedling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2018\/10\/07\/110-111-112-artikel-herbst-1984-3-herbst-1985-3-christmonat-1985-4-siegt-die-chemie-oder-der-schaedling\/","title":{"rendered":"110., 111., 112. Artikel Herbst 1984\/3 Herbst 1985\/3 Christmonat 1985\/4 \u2013 \u201eSiegt die Chemie oder der Sch\u00e4dling?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das chemisch-technische Zeitalter hat uns gelehrt, aus der Ordnung der Natur auszubrechen, ewige Gesetze durch menschliche zu ersetzen. Wir tun dies \u00fcberall! Nicht nur mit sch\u00e4dlichen Insekten, sondern auch mit Bakterien und Viren. Wir sind allm\u00e4hlich auf einen ganz verh\u00e4ngnisvollen Weg geraten und haben es kaum bemerkt. Man verbreitet heute in einem Ausma\u00df lebensfeindliche und lebenshemmende Stoffe in der Natur, dass sich der Nichteingeweihte kaum eine rechte Vorstellung davon machen kann. Ein kleiner Bruchteil der heute verwendeten Pflanzenschutz-Gifte w\u00fcrde gen\u00fcgen, um die ganze Menschheit auszurotten.<\/p>\n<p>Das ist ein sehr gef\u00e4hrliches Spiel mit nat\u00fcrlichen Dingen, dessen Folgen wir wahrscheinlich selbst nur zum Teil, desto mehr aber unsere Enkel und Urenkel zu tragen haben.<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6pfung l\u00e4sst nicht mit sich spa\u00dfen, wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten Instinkt und nat\u00fcrliche Gef\u00fchle f\u00fcr echte Gesundheit verk\u00fcmmern zu lassen, unser Gewissen mehr und mehr zu verlieren und uns einzubilden, wir k\u00f6nnten uns vor den Konsequenzen unnat\u00fcrlichen Handelns dr\u00fccken. Die Wahrheit ist doch eine ganz andere.<\/p>\n<p>Im Kampf gegen ihre nat\u00fcrlichen Feinde hat die Menschheit in den letzten Jahrzehnten unvergleichliche Erfolge errungen. Die Wissenschaft hat ihr Waffen in die Hand gegeben, die es gestattet ihre Widersacher und seien sie noch so zahlreich heimt\u00fcckisch oder unsichtbar bis in die geheimsten Schlupfwinkel zu verfolgen und mit dem Masseneinsatz chemisch-technischer Methoden zu vernichten.<\/p>\n<p>Wir stellen nur hier eine der dringendsten Menschheitsfragen: Ist der chemische Giftkampf ein taugliches Mittel am tauglichen Objekt?<\/p>\n<p>Ein jedes Lebewesen auf der Erde mus sich seiner Feinde erwehren. Wer das nicht kann tritt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter von der B\u00fchne des Lebens ab; so will es ein unerbittliches Naturgesetz. Es geht in der Natur um die Aufteilung der lebendigen Materie, denn sie ist eine gegebene Gr\u00f6\u00dfe. Jeder Organismus muss um seinen Anteil k\u00e4mpfen und eines lebt immer vom Tode des anderes. Die Art und Weise allerdings wie sich die Organismen des Lebens erwehren und die Nahrung erk\u00e4mpfen ist au\u00dferordentlich verschieden. Auch f\u00fcr uns Menschen, die wir uns seit 100 Jahren so rasch vermehren, gibt es scheinbar keine andere Wahl anderes Leben zu vernichten um selbst leben zu k\u00f6nnen. Die Art unserer Waffen hat jedoch eine etwas andere Art als die Waffen der Kreatur. Letztere geh\u00f6ren untrennbar zum Organismus, ihr Tr\u00e4ger haftet mit seinem Leben, diese einfache Tatsache zieht die Grenzen des Erlaubten, Grenzen die unser Giftkampf nicht hat. Unser Gift ist etwas Unpers\u00f6nliches ohne eigene Verantwortung. Ein einziger Mensch kann mehr Gift produzieren als alle anderen Organismen zusammen.<\/p>\n<p>Was es da in der Natur an Giften, an Fingerhut Giftpilzen und Tollkirschen gibt, ist ein reines Kinderspiel gegen die Produktionskapazit\u00e4t der chemischen Industrie. Um diesen bedeutsamen Unterschied geht es hier. Nicht einmal an Nahrung kann sich eine Pflanze unbeschr\u00e4nkt aneignen was sie will, so vermag sie auch nicht mehr Gift zu produzieren als sie selbst zu ihrem Schutz gebraucht.<\/p>\n<p>Aber aus diesem Paradies der Hamonie zwischen allem Lebenden wurde der Mensch ausgeschlossen. Nur eins konnte ihn im Kampf ums Dasein retten: Sein Gro\u00dfhirn, jenes Organ, mit dem er alles schuf was Menschen je geschaffen haben. So schuf er Waffen, die sie ihresgleichen in der Natur nicht haben. Mit Pfeil und Bogen begann es noch ganz harmlos und reicht heute zur wirksamsten Waffe: Das Gift. Gift in vielerlei Gestalt, in ungeheuren Mengen, in Hunderttausenden von Kilogramm j\u00e4hrlich. Auf jeden Fall genug um zu besch\u00fctzen, was zu besch\u00fctzen ist: Menschen Haustiere Nahrungspflanzen, genug um auszurotten, was uns gef\u00e4hrlich werden kann: Sch\u00e4dlinge und Krankheitserreger; einmal erkannt sind sie verloren.<\/p>\n<p>Noch nie war die Macht der Menschen \u00fcber die \u00fcbrige Kreatur so gro\u00df! Sie bestimmen was leben darf, was sterben muss. Die meisten Gifte stammen heute aus der Retorte, an Lebensvorg\u00e4nge ist diese Produktion \u00fcberhaupt nicht mehr gebunden, man kann davon soviel herstellen wie man will, aus leblosen Stoffen, die unersch\u00f6pflich sind. Zur Zeit ist unser Leben ohne diesen k\u00fcnstlichen Schutz undenkbar geworden. Wir k\u00f6nnen \u2013 so sagt man \u2013 nicht zu Unrecht nur leben, wenn die Chemie uns ern\u00e4hrt und besch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Das ist in der Tat eine Situation, die es fr\u00fcher noch nie gegeben hat in jeder Beziehung. Noch nie war es m\u00f6glich mit so t\u00f6dlicher Sicherheit feindliche Organismen bis in ihr tiefstes Inneres zu verfolgen und mit satanischer Genauigkeit umzubringen. Vollst\u00e4ndiger kann der Sieg der Chemie, so scheint es, \u00fcber die Feinde des Menschen eigentlich nicht sein. Diese unsere Kampfesweise gegen das nicht menschliche Leben auf der Erde wird als der gr\u00f6\u00dfte Fortschritt der modernen Wissenschaft gepriesen. Wenn heute die Menschheit ohne die Chemie nicht leben kann, so ist zu fragen, ob man die Mittel hat, die dahintersteckende ungeheure Verantwortung auch in Zukunft zu tragen.<\/p>\n<p>Die Gifte der Natur sind bedingte oder relative, die anorganisch-chemischen aber unbedingte oder absolute. Nun fehlt aber der dringend notwendige n\u00e4chste Schritt nach der Erforschung der Symbiosen (Erforschung des Einzelnen, Zergliederung des Lebendigen) die Suche nach dem einen allgemeinen Gesetz, das alles Lebende zusammenh\u00e4lt: Nach dem Erringen grenzenloser Macht mit naturwissenschaftlichen Mitteln fehlt die Erkenntnis der nat\u00fcrlichen Grenzen dieser Macht, es fehlt das Ma\u00df aller Dinge!<\/p>\n<p>Es fehlt die Direktive ohne die wir die Last der Verantwortung f\u00fcr unsere so komplizierte Lebensordnung nicht tragen k\u00f6nnen. Die Erforschung des Gemeinsamen alles Lebenden steckt noch in den Anf\u00e4ngen. Es ist jedoch fast kein Zweifel mehr daran dass die Geburtsstunde einer neuen Erkenntnis geschlagen hat, der Erkenntnis von der unbedingten Gemeinsamkeit alles Lebendigen, der Erkenntnis dass niemand auf der Erde auf die Dauer gesund sein kann ohne die Gesundheit der gesamten Kreatur ohne jede Ausnahme.<\/p>\n<p>Es ist sehr zu bedenken, dass es nicht gleichg\u00fcltig ist, ob die lebende Materie unserer Nahrungsspender durch den Giftschutz vielleicht irgendeinen Schaden erlitten hat, der sich k\u00fcnftig bemerkbar macht. Solche Nachweise sind bereits erbracht worden, daher k\u00f6nnen wir nicht f\u00fcr einen einzigen Giftstoff garantieren, den wir in unserem Lebensbereich anwenden.<\/p>\n<p>Wir haben uns vorzustellen, dass der weltumsapnnende Giftkapf zwar nicht von heute auf morgen, in langen Zeitr\u00e4umen aber umso sicherer eine Werteverschiebung im organischen Bestand der Erde herbeif\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auch daf\u00fcr gibt es bereits gewisse Anzeichen. Der \u00fcbertriebene Gebrauch von Antibiotika hat, aus zahlreichen Mitteilungen der Weltliteratur zu schlie\u00dfen, mancherorts schon eine Umschichtung des Bakterien-Bestandes bewirkt. Unter diesen Umst\u00e4nden bleibt uns die Feststellung, dass dieser \u201eRetter in der Not\u201c das Antibiotikum f\u00fcr einen ausgedehnten Gebrauch ungeeignet ist; es ist immer noch besser, wenn man es nicht n\u00f6tig hat.<\/p>\n<p>Das Beste w\u00e4re es, sich nach Wegen umzusehen und das geschieht hie und da, zB. das Einsetzen der roten Waldameisen gegen Waldsch\u00e4dlinge, die Z\u00fcchtung resistenter Obst- und Kartoffelsorten um den Giftschutz entbehren zu k\u00f6nnen, Heilkunden die sich bem\u00fchen ohne Gift auszukommen, reine Humuswirtschaft die den Kulturpflanzen ihre nat\u00fcrliche Widerstandskraft zur\u00fcckgibt; alles Pionierarbeiten von Einzelnen Mutigen.<\/p>\n<p>Noch ist der umfassende Giftkampf das Mittel der Wahl, noch ist die \u00dcberzeugung nicht Allgemeingut, dass die gerufenen Geister gef\u00e4hrlich sind, dass das Mittel der Wahl untauglich und gef\u00e4hrlich ist. Nicht nur das Mittel ist untauglich, auch das Objekt ist es. Eine Pflanze oder ein Nutztier zu erhalten, das ohne k\u00fcnstlichen Schutz sterben w\u00fcrde, ist f\u00fcr uns kein echter Gewinn. Die Substanz eines Gesch\u00f6pfes, das nicht einmal die primitivste Kraft zur Selbsterhaltung hat, kann nicht vollwertige Nahrung sein. Wenn wir die Kartoffeln vor dem K\u00e4ferfra\u00df und uns selbst vor dem Bakterientod bewahren, so sind weder wir noch die Kartoffeln besser, ges\u00fcnder, widerstandsf\u00e4higer geworden, im Gegenteil. An uns ist es, uns und unsere Sch\u00fctzlinge stark und widerstandsf\u00e4hig zu machen, bis sie des k\u00fcnstlichen Schutzes nicht mehr bed\u00fcrfen, indem wir sie in die Gemeinschaft des Lebendigen zur\u00fcckf\u00fchren. Mit Halbheiten ist da nicht zu helfen!<\/p>\n<p>Die Situation ist eindeutig, sie muss ihre Meister finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das chemisch-technische Zeitalter hat uns gelehrt, aus der Ordnung der Natur auszubrechen, ewige Gesetze durch menschliche zu ersetzen. Wir tun dies \u00fcberall! Nicht nur mit sch\u00e4dlichen Insekten, sondern auch mit Bakterien und Viren. Wir sind allm\u00e4hlich auf einen ganz verh\u00e4ngnisvollen Weg geraten und haben es kaum bemerkt. Man verbreitet heute in einem Ausma\u00df lebensfeindliche und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orbi.or.at\/index.php\/2018\/10\/07\/110-111-112-artikel-herbst-1984-3-herbst-1985-3-christmonat-1985-4-siegt-die-chemie-oder-der-schaedling\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">110., 111., 112. 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