115. Artikel Frühjahr 1987 – „Zum Problem der Mikroflora Sanierung des Bodens“

Bei der Floraforschung am Boden müssen Verhältnisse zugrunde gelegt werden, die sich nur am kulturell unberührten Boden finden, der kulturell berührte Boden ist derzeit für diese Forschung ungeeignet. Entsprechende Untersuchungen haben bezüglich der Humusbildung eine Analogie und Parallelität zum Prinzp der tierischen Verdauung, eine Verdauung in „Schichten“ ergeben, wobei jeweils sehr verschiedenartige Mikrobien-Floren tätig sind. Der letzte wichtige Vorgang bei der Humusbildung, der Abbau lebender Gewebe bis zum „lebendigen“, sehr widerstandfähigen Makromolekül als einer „Ruheform der lebenden Substanz, wird durch Mikrobien bewirkt, deren Eigenschaften denen der menschlich-tierischen Bakterien entsprechen.

Es wird hier aufgezeigt, dass die Verwendung von Bakterien-Kulturen zur Sanierung der Humusflora ebenso möglich ist, wie zur Sanierung der menschlich-tierischen Schleimhautflora. In der Umbildung der Nahrungsstoffe für alle Organismen von den Pflanzen bis zu den Säugetieren und den Menschen spielen die bisher meist als „Schmarotzer“ betrachteten Bakterien eine entscheidende Rolle, sowohl in Bezug auf die Bildung nachweisbarer Nahrungs-Qualitäten-Vitamine Enzyme Antigene u.v.m. – wie in Bezug auf die größtenteils noch unbekannten plasmatischen Makromoleküle oder „lebende Substanz“.

Da die lebende Substanz unmittelbaren Einfluss nimmt sowohl auf die Gestaltung der überall existierenden Bakterien-Floren wie auf die erblichen, biologisch-funktionellen Eigenschaften der Zellgewebe von Organismen, hängt die biologisch-funktionelle Beschaffenheit jeglicher Nahrung für Organismen, also des Nahrungskreislaufes zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch von der durch Bakterien gebildeten Spezifität lebender Substanz ab.

Die erkennbare Ordnung in diesem natürlichen Gang der Nahrungs-Produktion zeichnet sich ab in der Existenz sogenannter physiolobischer Bakterien-Floren, die eine physiologische Ausrichtung der produzierten Nahrungsstoffe sicherstellen und beweisen. Ihr Fehlen beweist die nicht-physiologische Beschaffenheit der abgelieferten Nahrungsstoffe. Die Bakterien-Floren sind demnach im ganzen Bereich des Nahrungskreislaufs ein untrügliches Kriterium für deren biologische Beschaffenheit. Das ist auch im Kulturboden, in Acker und Garten der Fall.

Für die Ausbildung einer bestimmten Flora ist der Nährboden absolut entscheidend. Die Bodenflora lebt von den Abfällen des Tier- und Pflanzenlebens. Die Bakterienflora – als letzte Station  der Humusbildung – lebt außerdem von dem, was ihr die Sprosspilze hinterlassen. Nur der stufenweise Abbau der Abfallstoffe gewährleistet die Existenz einer physiologischen Bodenflora und damit eine physiologische Humusbildung. In der Kultur muss dieser Vorgang nachgeahmt werden.

In acht Jahren experimenteller Tätigkeit, sowohl im Laboratorium wie in der Praxis der Agrikultur, hat sich erwiesen, dass drei Voraussetzungen für die Bildung eines physiologischen Humusbestandes erforderlich sind.

  • Die regelmäßige Zufuhr fäulnis-fähiger oder in Fäulnis befindlicher organischer Abfälle,
  • die Existenz einer natürlichen Bodendecke als Voraussetzung für die Tätigkeit der Sprosspilze und die Existenz der natürlichen Bodenschichtung und
  • die Anwesenheit oder Anlieferung physiologischer Bakterien, die notfalls durch Boden-Impfung zugeführt werden können.

 

  1. Es ist zu fordern, dass alles getan wird, dass die Landwirtschaft und Gärtnerei auf das absolute Primat der organischen Düngung umgestellt wird. Dabei soll berücksichtigt werden, dass von vielen Vereinigungen und Männern in der ganzen Welt sehr wertvolle und unentbehrliche Vorarbeit geleistet worden ist, so dass zu fordern ist, geeignete Persönlichkeiten und Verfahren in die Vorbereitung zu der Umstellung massgeblich einzuschalten.
  2. Es ist weiter zu fordern, dass im Sinne der Ganzheits-Betrachtung gesundheitlicher und wirtschaftlicher Fragen der Nahrungs-Produktion eine öffentliche Anstalt ins Leben gerufen wird, die die Fragen des Nahrungskreislaufes vom Boden bis zum Menschen anhand chemischer, physikalischer, mikrobiologischer, klinischer und anderer Untersuchungen zu klären in der Lage ist und die für die Realisierung notwendigen Angaben ausarbeiten kann. Dabei soll berücksichtigt werden, dass – insbesondere neben schulgemäßen Methoden und Persönlichkeiten – von außer-schulmäßigen Forschern wertvolle Vorarbeit geleistet worden ist und diese maßgeblich bei diesem Unternehmen eingesetzt werden müssen.
  3. Man wolle in geeigneter Form alles tun, um dem Bewusstsein zum Durchbruch zu verhelfen, dass die Physiologie und Pathologie der Lebensvorgänge auf der Erde niemals vollständig mit chemisch-physikalisch-technischen Verfahren erforscht und gelenkt werden können.

 

 

 

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