Archiv der Kategorie: Allgemein

Jahreshauptversammlung der Förderungsgemeinschaft

am 24. Februar 2018 um 9.00 Uhr im großen Saal der Landwirtschaftskammer,

Auf der Gugl 3, 4020 Linz

9.00 Uhr

  • Eröffnung, Jahresbericht, Kassabericht, Neuwahl des Obmannes und des Vorstandes

10.30 Uhr

  • Musikalische Einlage mit den Wechselbrassmusikanten

11.00 Uhr bis 16.00 Uhr

  • Vortrag von Georg Schramayr, Naturvermittler aus Wölbling in Niederösterreich.

„Das Verschwinden des Pflanzengebrauches“

Noch vor 100 Jahren bestanden fast 90 % des täglichen Bedarfes an Nicht-Lebensmitteln aus Pflanzen. Für Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände, Heilmittel, Devotionalien, Kosmetika und Pflanzenschutzmittel gab es familiäre Traditionen zur Herstellung und zum Gebrauch, die häufig nur mündlich weitergegeben wurden. Mit dem Verlust der Rezepturen verschwand nicht nur ein wichtiger Teil unseres immateriellen Kulturerbes, sondern auch unser aller Zugang zum Experimentieren, zum Wiederentdecken und zum Weiterentwickeln. Das Wissen um den schöpferischen Pflanzengebrauch ist aber (mit Mühe) noch zu retten. Gerade eine Generation trennt uns von dem Erfahrungsschatz unserer Vorfahren und durch Erfragen, Ausprobieren und Neuinterpretation alten Volkswissens.

Bio Pionierin Helga Wagner feiert ihren 90. Geburtstag in Ybbsitz

Die Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum – ORBI lud anläßlich des 90. Geburtstages von Frau Arch.Ing. Helga Wagner zu einer offiziellen Feier nach Ybbsitz ein.

Es war ihr ausdrücklicher Geburtstagswunsch, den Hof der Fam. Brauner in Ybbsitz, am Gut Neham in der Prolling, zu besuchen. Diesen Hof bewirtschaftet jetzt Ing. Wolfgang Brauner, der Sohn von DI Heinrich Brauner, mit seiner Gattin.

Der Bio Pionier DI Heinrich Brauner hat mit der Broschüre „Die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus“ ein heute noch gültiges Standardwerk für den Biolandbau verfaßt. (Diese Broschüre wurde 2010 von Orbi neu herausgegeben)

Zu einem guten Essen im Gasthaus Pichler lud der Vorstand von Orbi auch den Bundesobmann von Bio Austria, Rudi Vierbauch, die Landesobleute von Bio Austria OÖ und NÖ, den Leiter der Austria Bio Garantie DI. Hans Matzenberger, sowie Vertreter der BIO-Landwirtschaft Ennstal ein.

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Nach festlichen Ansprachen von Orbi-Obmann Josef Kühböck, Dr. Gebhard Rieger, BA-Obmann Vierbauch, sowie Obmann Martin Tragler und Ing. Wolfgang Brauner besuchte die Gesellschaft den Hof Neham, wo DI Heinrich Brauner gelebt und für den Biologischen Landbau schon in den 60er Jahren gewirkt hat.

Er war Gründungsmitglied und auch der erste Obmann der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum – des Orbi Verbandes.

In entspannter Atmosphäre bei einer Nachmittagsjause konnten Frau Helga Wagner, Herr Gebhard Rieger und Herr Wolfgang Brauner den anwesenden Besuchern viele Erinnerungen aus den Anfangsjahren des Biolandbaus schildern.

Wir gratulieren Frau Ing. Helga Wagner zu ihrem 90. Geburtstag

Ein Leben für den biologischen Landbau und ein Leben für die Gesundung des Bodens als Träger des Lebens auf unserer Erde

Eigentlich haben wir alle es nicht glauben können: Ende Mai dieses Jahres feierte Arch. Ing. Helga Wagner ihren 90iger! Natürlich wurde sie von vielen Seiten, von kompetenten Stellen, von Vereinigungen und Bioverbändern, Gartenrunden, Freunden und Bekannten herzlichst beglückwünscht und ihre Leistungen für den Biolandbau entsprechend gewürdigt. Dennoch möchten auch wir von der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum und seitens des ORBI-Bauernladens uns den Glückwünschen gerne anschließen und dies mit den folgenden Zeilen versuchen.

P6020045kleinHelga Wagner wuchs in Linz-Kleinmünchen auf, wo ihr Großvater einen Betrieb besaß, dem auch ein Feld- und Gartenland angeschlossen war, das von ihrer Mutter professionell betrieben wurde und zu dem Obstbäume, Gemüsebeete, Ackerflächen, Feldgemüse und allerlei Nutztiere gehörten.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums mit Maturaabschluss und dem Besuch der Landfrauenschule in Miesbach/Oberbayern folgte eine landwirtschaftliche/gärtnerische Lehrzeit zunächst im Badischen, dann im oberösterreichischen Salzkammergut und schließlich im Landwirtschafts- und Gärtnereibetrieb Loheland bei Fulda.

Dieser wurde nach Rudolf Steiners Empfehlungen bewirtschaftet, so dass es Helga möglich wurde, die für diese Bearbeitung des Bodens notwendige Herstellung der Präparate kennen zu lernen. Helga Wagner war es auch, die in der Folge die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach Österreich gebracht hat.

1946 begann sie eine Ausbildung an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg, Niederösterreich, eine dreijährige Anstellung in einer Baumschule und Gartengestaltungsfirma in der Schweiz folgte. Kontakte zum „Goetheaneum“ in Dornach mit der Vertiefung ihres biologisch-dynamischen Wissens waren möglich und wurden genützt. Sie baute damals ihre Verbindungen zu den in Fachkreisen hoch geschätzten Persönlichkeiten wie Ehrenfried Pfeiffer aus den USA, Erika Riese, Alwin Seifert, Nikolaus Reiner und Joseph Werr auf. Im Herbst 1951 kam sie an das Gartenamt der Stadt Linz, das für bis zu 350 Hektar Boden und rd. 260 Bedienstete verantwortlich war. Dort traf sie auf einen für ihre Ideen besonders aufgeschlossenen und verständnisvollen Chef: dieser stand früher ebenfalls mit Alwin Seifert in Verbindung.

So wurde es ihr ermöglicht, in Linz die Abfall- Kompostierung unter Verwendung des Steinmehls zu entwickeln, die später weltweites Interesse fand und Linz zu einem „Wallfahrtsort“ für biologische Kompostierung werden ließ. Obgleich Helga Wagner für diese großartige Entwicklung allein zuständig und verantwortlich war, gelang es ihr immer mehr auch amtliche Stellen für dieses einzigartige Verfahren zu interessieren.

Die Vermeidung jeglicher Kunstdüngeranwendung und des Einsatzes giftiger Spritzmittel sicherte dieser Kompostierungsmethode auch einen markanten wirtschaftlichen Erfolg. Helga Wagner fand damit Anerkennung und Wertschätzung auch in Form ehrender Auszeichnungen.

Zur Arbeitsgruppe der organisch-biologisch wirtschaftenden Bauern stieß Helga 1967 anlässlich eines Vortrages von Alwin Seifert in Linz. Sie erkannte die große Bedeutung des Modells der Bewirtschaftung des Bodens nach der Methode Dr. Müller/Schweiz und hielt als Vorstandsmitglied der Fördergemeinschaft auch dann die Treue, als ein Zerwürfnis zwischen Ing. Willi und Dr. Müller zu einem Bruch zwischen Förderungsgemeinschaft und der neuen Gemeinschaft biologisch wirtschaftender Bauern führte.

Dass die „Förderungsgemeinschaft“ in der Folge die überaus wichtige Vorreiterrolle für den biologischen Landbau in Österreich übernehmen konnte, war vor allem auf den großartigen Einsatz von Helga Wagner zurückzuführen!

So wurde erstmals in Österreich ein staatlich geschütztes Markenzeichen (ORBI) für die Bauern dieser Gemeinschaft geschaffen und als Gütesiegel eingeführt. Es gelang, die Richtlinien für die Bezeichnung von „Produkten aus biologischem Anbau“ für den staatlichen „Lebensmittelkodex“ Österreichs vorzugeben. Es wurde für die bäuerlichen Mitgliedsbetriebe Direktvermarktungsläden (ORBI-Läden) auf zwei Linzer Großmärkten geschaffen.

Auf die so wichtige Ausbildung der Bauern in Kursen, Seminaren, Vorträgen, Beratungen und Hofbegehungen legte Helga besonderen Wert, aber auch auf die nicht weniger wichtige Vermittlung geistiger Grundhaltungen und Werte wie Nachhaltigkeit, Ganzheitlichkeit, Verantwortung gegenüber der Schöpfung, Denken in größeren Zusammenhängen und Zeiträumen, in geschlossenen Kreisläufen und vor allem des Wertes, Anwalt des Lebendigen zu sein, also in und mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie!

Als Mittler und Träger für diese Grundhaltungen hat Helga Wagner die Zeitschrift „Der bäuerliche Pionier“ ins Leben gerufen, eine Zeitschrift, der alle, Bauern, Konsumenten, Gärtner oder auch einfach nur Freunde der Förderungsgemeinschaft größte Anerkennung entgegenbringen.

Wenn heuer „Der Bäuerliche Pionier“ im 34.(!) Jahrgang erscheinen kann, so ist dies alleiniger Verdienst Helga Wagners wofür wir ihr allergrößten Dank und Bewunderung schulden.

Nach und nach fand so der Biolandbau in Österreich durch das unermüdliche Wirken Helga Wagners die entsprechende Anerkennung auch öffentlicher Stellen. Ihre fachliche Kompetenz wurde gerade in den wichtigen Arbeitskreisen und Gremien besonders hoch geschätzt: z.B. in der ARGE Biolandbau aber auch bei den Kontakten mit dem Ministerium. Den Vermittlungsgesprächen zwischen den verschiedenen Bioverbänden mit deren oftmals divergierenden Vorstellungen und Anschauungen hat Helga Wagner besonderen Wert beigemessen. Das von ihr erstrebte Zusammenführen der Verbände in ein „BIO-HAUS Österreich“ ermöglichte so eine zukunftsweisende Weiterentwicklung des Bio-Landbaus in Österreich.

Besondere Bedeutung für den Biolandbau in Österreich sehe ich in Helga Wagners Forderung nach einer Rückbesinnung auf die Wurzeln des Biolandbaus. Ihre Fachbeiträge über die grundsätzliche Bedeutung der Bodengesundheit – als Grundlage der Gesundheit von Pflanze – Tier – Mensch, ist heute von allergrößter Wichtigkeit und für die Zukunft des Biolandbaus richtungsweisend. Diese Rückkehr zu den Wurzeln der Biolandbaumethode nach Dr. Müller/Dr. Rusch ist dabei Helgas besonderes Anliegen.

Dass Helga Wagner jahrzehntelang gewissermaßen als „Generalsekretärin“ die Geschicke der „Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum“ geprägt hat, muss hier noch angefügt werden. Sie hat die Hauptlast der Arbeit in unserer Gemeinschaft getragen und tut dies noch heute!

Dass es ihr gelungen ist, über Jahre hin den „Rusch-Arbeitskreis“ so erfolgreich zu leiten und damit u.a. den Bio-Landbau wieder an seine Wurzeln herzanzuführen, hat Helga Wagner in den letzten Jahren besonders viel Freude gemacht. Sie ist wie früher eine sehr gesuchte und beliebte Vortragende und Beraterin in den bäuerlichen Arbeitskreisen wobei, sie auf ihre große Erfahrung zurückgreifen kann, mit der sie bei ihren „Auftritten“ die Zuhörer – praktisch in ganz Österreich und darüber hinaus – immer wieder – und dies bis heute, zu begeistern und zu fesseln vermag.

Selbst ein schwerer Unfall und eine jahrelange Rekonvaleszenz konnte ihre Arbeit und ihren Einsatz für die „Gesundung“ unser „Mutter Erde“ nur geringfügig vermindern.

Als Mitbegründerin der „Schlägler Bio-Gespräche“ spielt Helga Wagner bei der Ausgestaltung dieser fachlich herausragenden Treffen stets eine wichtige Rolle. Fragen der Anwendung des Urgesteinsmehls, der Bedeutung des Rusch-Tests für die Bodengüte und der Bestimmung des Redox-Potentials für die Qualitätsbestimmung unserer Lebensmittel sind für Helga ebenso bedeutungsvoll, wie überhaupt die Schaffung und der Aufbau eines aktiven, gesunden, lebendigen Bodens als Grundlage gesunder Pflanzen, gesunder Tiere und gesunder Menschen!

Nun wünschen wir Helga Wagner für die Zukunft vor allem Gesundheit und auch weiterhin noch viel Freude an ihrer Arbeit für den biologischen Landbau in Österreich.

Gebhard Rieger

Möschberg Erklärung

Zur Landwirtschaft von Morgen

  1. Hinter diesem Aufruf stehen verantwortungsbewusste Bauern und Bäuerinnen, Fachleute aus dem landwirtschaftlichen Umfeld sowie besorgte Konsumentinnen und Konsumenten. In Achtsamkeit gegenüber dem Boden und der darauf gedeihenden Vielfalt wollen wir neue und zukunftsweisende Bewirtschaftungsformen verwirklichen, die das natürliche Prinzip des Werdens und Vergehens respektieren.
  2. Wir gehen davon aus, dass die Ernährung mit weitgehend eigenproduzierten Lebensmitteln ein Grundbedürfnis und das sinnvolle landwirtschaftliche Ziel jeder lokalen Gemeinschaft, Region oder Nation ist.
  3. Bauern und Bäuerinnen, aber auch viele andere Mitglieder der Gesellschaft tragen zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe bei. Überschaubare und persönlich gestaltbare Verhältnisse sind die Grundlage für eine lebendige Landwirtschaft.
  4. Weltweit ist die kleinräumige bäuerliche Landwirtschaft ein unverzichtbares Landschaftselement. Sie beherbergt eine ökologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren und trägt ein biologisches, soziales und kulturelles Erbe. Dieser sorgsam bearbeitete Boden ist und bleibt die Lebensgrundlage für alle Menschen.
  5. Der Weltagrarbericht hält in eindrücklicher Weise fest, dass die heute dominierende Landwirtschaft in Strukturen gefangen ist, die der Biodiversität schaden und soziale Ungerechtigkeit verursachen. Die Hungerproblematik verschärft sich anstatt gemildert zu werden. Um Böden, Luft, Gewässer und Menschen wieder gesunden zu lassen, müssen radikal andere Wege beschritten werden.
  6. Vieles dreht sich um den Schlüsselfaktor Erdöl. Die Industrialisierung der Nahrungsproduktion bewirkte, dass unsere Landwirtschaft die nachhaltige Nutzungsweise der natürlichen Grundlagen aus den Händen gegeben hat und von nicht erneuerbarer Energie abhängig geworden ist. Die Begrenztheit der fossilen Energiereserven und die mit ihrem Verbrauch einhergehende Klimaveränderung zwingen die Landwirtschaft der Industrieländer, rasch aus der Energie verschleißenden Produktionsweise herauszufinden.
  7. Die Schweiz ist durch Import­und Exportverbindungen in die weltweite Agrarproblematik eingeflochten. Wir haben einen statistischen Selbstversorgungsgrad von etwa 50%. Energetisch betrachtet ist unser

Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln jedoch Null. Jede Kalorie, die uns ernährt, wird erst durch den „Einkauf“ von nicht erneuerbaren Kalorien verfügbar. Diese verdrängte Tatsache steht in auffallendem Widerspruch zum Verfassungsauftrag über die Ernährung der Schweizer Bevölkerung.

  1. Aufgrund des Gesagten ergeben sich vier offensichtliche Forderungen zur Sicherung der landwirtschaftlichen Flächen als nachhaltige Lebensgrundlage: ­Eher kleinere Betriebseinheiten und nicht größere, ­Mehr Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und nicht weniger, ­Größere natürliche Vielfalt auf den Betrieben, ­Neue Formen der nachbarschaftlichen und sozialen Zusammenarbeit.
  2. Diese Zielvorstellungen verlangen nach völlig neuen Handlungsgrundsätzen für Bauern und Bäuerinnen. Dass der bisherige Fortschrittspfad der industriellen Landwirtschaft in eine Sackgasse führt, muss auch von der übrigen Bevölkerung erkannt und in den Konsequenzen mitgetragen werden. Selbst der biologische Landbau erweist sich unter der herrschenden wachstumsorientierten Denkweise als nicht nachhaltig. Politik, landwirtschaftliche Ausbildungsstätten, die Agrarwissenschaft und wir alle sind aufgefordert, umzudenken und anders zu handeln.

Online Diskussion auf http://www.bioaktuell.ch/ (Möschberg Erklärung)