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105. Artikel Christmonat 1983: Qualitätstestung von Nahrungspflanzen“

Für den Wert einer Pflanze als Lebensmittel ist entscheidend nicht ihr Gehalt an chemisch identifizierbaren Stoffen, sondern ihr Gehalt an spezifischer lebendiger Substanz und deren Gesamtwirkung auf den ernährten Organismus. Das geht aus der erst jetzt erforschten Tatsache hervor, dass alle Lebewesen sowohl die Pflanzen als auch die Tiere, ihre lebende Erbsubstanz nicht aus sich selbst heraus vermehren, sondern durch die Resorption lebendiger Partikel in etwa Virusgröße. Die Abhängigkeit eklärt sich daraus, dass die spezifischen Partikel und deren Wärmegrad abhängende Spezifität besitzen. Ist diese Spezifität im Sinne der biologischen Norm-Gesundheit beschaffen, so ist die Gesundheit des damit ernährten Lebewesens sicher.

Die Bildungsformen spezifischer lebender Substanz in Form von Vitaminen, Hormonen und Enzymen sind teilweise chemisch isolierbar und also messbar. Da uns aber bisher unbekannt ist, wie die organischen Träger dieser Substanzen beschaffen sein müssen, um biologisch der Norm zu entsprechen, und da uns außerdem die Komplexe aller solcher Wirkstoffe, die die biologische Gesamtwirkung ergeben, unbekannt sind, sind wir einstweilen, vielleicht auch immer, auf rein biologische Prüfmethoden angewiesen.

Nun besitzen wir in den sogenannten physiologischen Bakterien ein Lebewesen, dessen Lebensbedürfnisse weitgehend denjenigen gesunder Zellen und Gewebe entsprechen. Es handelt sich hier um die Masse der in der belebten Welt vorzufindenden Bakterien, die im Boden, auf und in Pflanzen und auf den Schleimhäuten tierischer Organismen leben und mit den von ihnen besiedelten Lebewesen eine Interessen-Gemeinschaft bilden. Was man zu den physiologischen Bakterien zu rechnen hat, ist in letzter Zeit mehr und mehr bekannt geworden, unter ihnen finden sich eine ganze Reihe solcher, die sich als Laboratorium-Stämme züchten lassen und deren biologische Eigenschaften relativ gut beobachtet werden können.

Diese Baktieren-Zellen bieten sich nun als Ersatz an, wenn man die Wirkung von Nahrungsmitteln auf unsere eigenen Körperzellen erforschen will. Was ihnen schadet, schadet auch uns. Man reicht ihnen gewissermaßen die zu untersuchende Materie als Nahrung und sieht zu, ob sie gedeihen oder nicht.

3 verschiedene Möglichkeiten werden erarbeitet, um sichere und zuverlässige Tests über die Qualität der Nahrungspflanzen zu erlangen. Mithilfe dieser Methoden hat sich erwiesen, dass die Nahrungspflanzen, die heute auf dem Markt sind, mit wenigen Ausnahmen, als nicht biologisch vollwertig bezeichnet werden können. Selbstverständlich steht diese bedauerliche Tatsache mit der Zunahme der sogenannten Abbauerscheinungen beim Menschen, beim Nutzvieh und bei den Kulturpflanzen in unmittelbarem, ursächlichen Zusammenhang. Sie ist deshalb für die Entwicklung einer zukünftigen besseren Landwirtschaft von ungeheurer, grundlegender Bedeutung. Es ist jetzt die Frage, welhe Wege bestritten werden müssen, um wieder zu einer lebensgesetzlich gesunden Nahrungspflanzen-Produktion zu gelangen, um die weitere Ausbreitung der Zivilisationskrankheiten der Menschen und des Nutzviehs zu verhindern und die Nahrung wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich sein kann: Erhalten der Gesundheit, Verhüter der Entartung und bester Helfer des Arztes.

Es hat sich nämlich gezeigt, dass der biologische Zustand des Bodens, auf dem die Pflanzen wachsen, stehts genau dem Zustand der Pflanzen entspricht. Ist er schlecht, so sind auch die darauf wachsenden Pflanzen schlecht, ganz gleich, ob sie oberflächlich gesehen als normal oder gesund imponieren oder nicht. Es genügt also vollständig, wenn wir in den Besitz biologischer Bodenprüfungen gelangen, die ein echtes Urteil über den Zustand des Humus gestatten. Der Humus ist nämlich die wesentlichste Nahrung der Pflanze, er bestimmt ihren biologischen Wert.

 

 

104. Artikel Sommer 1983: Der lebendige Garten als Quell der Gesundheit“

Alles Leben kommt aus dem Boden. Nahrung aus gesundem Boden ist Heilmittel im besten Sinn des Wortes. Gesund aber ist nur der Boden, der lebt. Denn nur der Ablauf einer Kette von Lebensvorgängen im Boden schafft der Pflanze die natürliche Nahrung. Ohne solche Nahrung ist sie nicht vollkommen. Man weiß heute, dass es keine wirklich künstliche Nahrung gibt, auch für die Nahrungspflanzen nicht. Man weiß heute, dass sich die Forderung nach vollkommener Ernährung auf die Bemühung konzentriert, den Boden voll lebendig zu erhalten, oder wieder lebendig zu machen dort wo er ausgebeutet wurde bis zur Leblosigkeit.

Für die Forschung steht sogar schon viel mehr fest, als sich die Schulweisheit träumen lässt. Es steht fest, dass die Ernährung des Bodenlebens mit organischen Stoffen – dh. allen Abfällen aus der Lebenstätigkeit der Organismen – unerlässliche Voraussetzung für die höchstmögliche Bodenleistung ist. Wird diese Voraussetzung erfüllt, so ist Landwirtschaft und Gärtnerei auf lebendigem Boden jedem anderen Verfahren in jeder Beziehung eindeutig und haushoch überlegen. Die Natur kann es eben doch besser als wir, denn auf diese Weise schafft sie Nahrungspflanzen mit höchstem Ertrag, mehr als doppelter Haltbarkeit, reinem Geschmack, vorzüglichem Geruch und unverminderter Fruchtbarkeit; auf diese Weise vermag sie Stall- und Milchleistung und letztlich die Gesundheit von Nutztieren und – Menschen Jahr um Jahr auf einen höheren Stand zu bringen.

Dies sei zuvor gesagt, um zu zeigen, wie wichtig es ist, sich mit dem Bodenleben unseres Gartens zu beschäftigen. Wie hat das nun zu geschehen?

Versuch: Aufbringen einer Mulchschicht aus Grasschnitt oder gehäckselter Grünmasse zwischen den Saatreihen, der so bedeckte oden zeigt reges Leben, er ist krümelig und dunkel von den Abfällen der Lebenstätigkeit. Der Boden ist locker, besser als mit bisher bekannten Maßnahmen.

Die Lebenspflege des Bodens braucht dabei:

  • Niemals darf der Boden nackt bleiben, wie dies ehemals üblich war. Der Boden ist keine gute Stube. Nur unter einer Decke, wie sie von selbst in der Natur existiert, kann das Leben gedeihen.
  • Organische Abfälle, ganz gleiche welcher Art, können auf keine Art so vollkommen für das Bodenleben ausgenützt werden, wie es die Natur auch macht: durch direktes Auflegen von frischem Zustand.
  • Ein Boden, der durch ausreichende organische Ernährung lebendig geworden ist, braucht nicht mehr künstlich gelockert zu werden, er wird niemals fest, auch nicht im längsten Regen. Umgraben stört das schichtweise ablaufende, kettenartig sich ablösende Bodenleben. Man muss danach streben, alles lebendige Abfallmaterial so früh wie möglich auf den Boden zu bringen. Das Material darf aber frisch niemals in den Boden eingearbeitet werden, auch nicht oberflächlich. Es würden somit Lebensvorgänge in dichtere, tiefere Bodenschichten gelangen, die dort nichts zu suchen haben, die vor allem den Pflanzenwurzeln erheblich schaden. Die Lebensvorgänge der Verrottung müssen in natürlicher Schichtung ablaufen, die sich ganz von selbst bildet. Bei nasser Witterung darf die Bodendecke nicht so dicht sein, wie bei trockener, weil sie sonst unliebsam fault.

 

Das Unkraut wächst auf lebendigem Boden freilich ebenfalls erheblich besser, seiner Verwendung als Mulch steht jedoch nichts im Wege. Als Mineralersatz kommt nur in Frage, was der lebende Boden ohne Schaden verträgt: Urgesteinsmehl Kalk als Naturprodukt. Künstlicher Stickstoff darf nicth in einen lebendigen Boden. Sehr bewährt sich die Behandlung des Bodens mit Kräuterextrakten, Bakterien und Spurenstoffen.

Selbst versuchen, es gibt noch keine Lehrbücher.

 

103. Artikel Herbst 1982: Übertragung der Erbsubstanzen“

Erbsubstanzen sind die wertvollsten lebendigen Substanzen aller Zellen und Gewebe aus denen Organismen bestehen.

Die Erbsubstanzen bestimmen was eine Zelle tun kann, wo sie hingehört, wie sie aussieht und aus Erbsubstanzen allein bauen sich ganze Organismen auf, auch der Mensch. Es sind die „Zentralen“, von denen aus alle Lebensvorgänge gelenkt werden. Die Erbsubstanzen oder „Erbmassen“ bewirken alles, was man „lebendig“ nennt, wie sind die wahren Träger des Lebens, die Verwirklung des Geistigen im Materiellen.

Für die „Erhaltung der lebendigen Substanz“ haben wir in wissenschaftlicher Arbeit viele Beweise gefunden. Für die Frage ob diese erhalten gebliebene Substanz auch wieder verwendet werden kann, dient als Beweis einstweilen die Tatsache, dass man mit lebender Substanz die Organismen gesund machen kann. Das hat sich in der Heilkunde bewiesen und ebenso im biologischen Landbau. Wenn die Grundgesundheit Schaden gelitten hat durch falsche Ernährung von Mensch, Tier, Pflanze und Boden, kann man durch die Pflege der lebenden Substanzen alle diese „Organismen“ auch den Mutterboden gesund machen. Wir erleben das ja täglich in der Praxis. Es kommt dahin, dass der Mutterboden wieder mehr Wasser aufnehmen kann, dass er unempfindlich wird gegen Trockenheiten, widerstandsfähiger gegen Verschlemmung und Frost, dass die Saat besser aufgeht und besser überwintert, dass die Schädlinge seltener werden und die Viruskrankheiten verschwinden, die Haltbarkeit größer wird und die Bekömmlichkeit besser. Und so kommt es letzten Endes, dass das Vieh gesünder wird, dass es mehr leistet, dass es fruchtbarer wird und dass viele schlimme Probleme, die der Viehstall bringt, besser und leichter zu lösen sind als vor dem. Prof. Andre Voisin, Paris, fordert: Es gibt nur einen einzigen wirklichen Beweis für die Güte eines Bodens: „Die Pflanzengesundheit“. Und es gibt nur einen einzigen wirklichen Beweis für die Güte einer Nahrungspflanze: „Tier und Mensch und ihr Wohlergehen“

Die Ernährungswissenschaft der Agrikulturchemie füttert die Pflanze mit Nährstoffen, möglichst mit Salzen. Dem gegenüber steht der Ernährungsweg über den lebendigen gesunden Boden, genau nach dem Vorbild der Natur. (Wenn die Natur im Widerspruch zu unserer Theorie steht, so hat stets die Natur recht und die Theorie ist falsch. Liebig!!) Hier werden der Pflanze lebende Substanzen, ja auch Erbsubstanzen geboten, weil nur das Leben des Mutterbodens eine gesunde Pflanze garantiert, so handelt die Natur.

Drei amerikanische Forscher Beadle, Tatum und Lederberg haben bewiesen, dass die Übertragung von Erbsubstanz von Zelle zu Zelle möglich ist und damit auch deren Gesundheit. Es sind ja die Erbsubstanzen von Zellen, die ihre Gesundheit ausmachen.

Je mehr die Zelle leisten kann, desot mehr ist sie biologisch wert; man wusste bislang nihct, dass sich in jeder Nahrung auch Erbsubstan befindet, die von lebenden Zellen aufgenommen werden kann und diese macht die Gesundheit der Empfänger aus. Für uns ist es von hoher Wichtigkeit unsere Geschöpfe auf dem Acker, im Stall und im Haus gesund zu machen und erbgesund zu erhalten. Der Kreislauf der lebenden Substanz, die Erbsubstanzen mit dabei, sind das Grundgerüst der Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanze und Boden und löst das dringendste Problem das auf der Menschheit lastet: Das Problem der Entartung des Menschengeschlechtes durch die Zivilisation, das Prolem der Grundgesundheit, die allenthalben Stück für Stück untergraben wird, weil wir von der „biologischen Wertigkeit“ bisher nichts, aber auch gar nichts verstanden haben.

 

Jahreshauptversammlung der Förderungsgemeinschaft

am 24. Februar 2018 um 9.00 Uhr im großen Saal der Landwirtschaftskammer,

Auf der Gugl 3, 4020 Linz

9.00 Uhr

  • Eröffnung, Jahresbericht, Kassabericht, Neuwahl des Obmannes und des Vorstandes

10.30 Uhr

  • Musikalische Einlage mit den Wechselbrassmusikanten

11.00 Uhr bis 16.00 Uhr

  • Vortrag von Georg Schramayr, Naturvermittler aus Wölbling in Niederösterreich.

„Das Verschwinden des Pflanzengebrauches“

Noch vor 100 Jahren bestanden fast 90 % des täglichen Bedarfes an Nicht-Lebensmitteln aus Pflanzen. Für Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände, Heilmittel, Devotionalien, Kosmetika und Pflanzenschutzmittel gab es familiäre Traditionen zur Herstellung und zum Gebrauch, die häufig nur mündlich weitergegeben wurden. Mit dem Verlust der Rezepturen verschwand nicht nur ein wichtiger Teil unseres immateriellen Kulturerbes, sondern auch unser aller Zugang zum Experimentieren, zum Wiederentdecken und zum Weiterentwickeln. Das Wissen um den schöpferischen Pflanzengebrauch ist aber (mit Mühe) noch zu retten. Gerade eine Generation trennt uns von dem Erfahrungsschatz unserer Vorfahren und durch Erfragen, Ausprobieren und Neuinterpretation alten Volkswissens.

Bio Pionierin Helga Wagner feiert ihren 90. Geburtstag in Ybbsitz

Die Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum – ORBI lud anläßlich des 90. Geburtstages von Frau Arch.Ing. Helga Wagner zu einer offiziellen Feier nach Ybbsitz ein.

Es war ihr ausdrücklicher Geburtstagswunsch, den Hof der Fam. Brauner in Ybbsitz, am Gut Neham in der Prolling, zu besuchen. Diesen Hof bewirtschaftet jetzt Ing. Wolfgang Brauner, der Sohn von DI Heinrich Brauner, mit seiner Gattin.

Der Bio Pionier DI Heinrich Brauner hat mit der Broschüre „Die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus“ ein heute noch gültiges Standardwerk für den Biolandbau verfaßt. (Diese Broschüre wurde 2010 von Orbi neu herausgegeben)

Zu einem guten Essen im Gasthaus Pichler lud der Vorstand von Orbi auch den Bundesobmann von Bio Austria, Rudi Vierbauch, die Landesobleute von Bio Austria OÖ und NÖ, den Leiter der Austria Bio Garantie DI. Hans Matzenberger, sowie Vertreter der BIO-Landwirtschaft Ennstal ein.

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Nach festlichen Ansprachen von Orbi-Obmann Josef Kühböck, Dr. Gebhard Rieger, BA-Obmann Vierbauch, sowie Obmann Martin Tragler und Ing. Wolfgang Brauner besuchte die Gesellschaft den Hof Neham, wo DI Heinrich Brauner gelebt und für den Biologischen Landbau schon in den 60er Jahren gewirkt hat.

Er war Gründungsmitglied und auch der erste Obmann der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum – des Orbi Verbandes.

In entspannter Atmosphäre bei einer Nachmittagsjause konnten Frau Helga Wagner, Herr Gebhard Rieger und Herr Wolfgang Brauner den anwesenden Besuchern viele Erinnerungen aus den Anfangsjahren des Biolandbaus schildern.

Wir gratulieren Frau Ing. Helga Wagner zu ihrem 90. Geburtstag

Ein Leben für den biologischen Landbau und ein Leben für die Gesundung des Bodens als Träger des Lebens auf unserer Erde

Eigentlich haben wir alle es nicht glauben können: Ende Mai dieses Jahres feierte Arch. Ing. Helga Wagner ihren 90iger! Natürlich wurde sie von vielen Seiten, von kompetenten Stellen, von Vereinigungen und Bioverbändern, Gartenrunden, Freunden und Bekannten herzlichst beglückwünscht und ihre Leistungen für den Biolandbau entsprechend gewürdigt. Dennoch möchten auch wir von der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum und seitens des ORBI-Bauernladens uns den Glückwünschen gerne anschließen und dies mit den folgenden Zeilen versuchen.

P6020045kleinHelga Wagner wuchs in Linz-Kleinmünchen auf, wo ihr Großvater einen Betrieb besaß, dem auch ein Feld- und Gartenland angeschlossen war, das von ihrer Mutter professionell betrieben wurde und zu dem Obstbäume, Gemüsebeete, Ackerflächen, Feldgemüse und allerlei Nutztiere gehörten.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums mit Maturaabschluss und dem Besuch der Landfrauenschule in Miesbach/Oberbayern folgte eine landwirtschaftliche/gärtnerische Lehrzeit zunächst im Badischen, dann im oberösterreichischen Salzkammergut und schließlich im Landwirtschafts- und Gärtnereibetrieb Loheland bei Fulda.

Dieser wurde nach Rudolf Steiners Empfehlungen bewirtschaftet, so dass es Helga möglich wurde, die für diese Bearbeitung des Bodens notwendige Herstellung der Präparate kennen zu lernen. Helga Wagner war es auch, die in der Folge die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach Österreich gebracht hat.

1946 begann sie eine Ausbildung an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg, Niederösterreich, eine dreijährige Anstellung in einer Baumschule und Gartengestaltungsfirma in der Schweiz folgte. Kontakte zum „Goetheaneum“ in Dornach mit der Vertiefung ihres biologisch-dynamischen Wissens waren möglich und wurden genützt. Sie baute damals ihre Verbindungen zu den in Fachkreisen hoch geschätzten Persönlichkeiten wie Ehrenfried Pfeiffer aus den USA, Erika Riese, Alwin Seifert, Nikolaus Reiner und Joseph Werr auf. Im Herbst 1951 kam sie an das Gartenamt der Stadt Linz, das für bis zu 350 Hektar Boden und rd. 260 Bedienstete verantwortlich war. Dort traf sie auf einen für ihre Ideen besonders aufgeschlossenen und verständnisvollen Chef: dieser stand früher ebenfalls mit Alwin Seifert in Verbindung.

So wurde es ihr ermöglicht, in Linz die Abfall- Kompostierung unter Verwendung des Steinmehls zu entwickeln, die später weltweites Interesse fand und Linz zu einem „Wallfahrtsort“ für biologische Kompostierung werden ließ. Obgleich Helga Wagner für diese großartige Entwicklung allein zuständig und verantwortlich war, gelang es ihr immer mehr auch amtliche Stellen für dieses einzigartige Verfahren zu interessieren.

Die Vermeidung jeglicher Kunstdüngeranwendung und des Einsatzes giftiger Spritzmittel sicherte dieser Kompostierungsmethode auch einen markanten wirtschaftlichen Erfolg. Helga Wagner fand damit Anerkennung und Wertschätzung auch in Form ehrender Auszeichnungen.

Zur Arbeitsgruppe der organisch-biologisch wirtschaftenden Bauern stieß Helga 1967 anlässlich eines Vortrages von Alwin Seifert in Linz. Sie erkannte die große Bedeutung des Modells der Bewirtschaftung des Bodens nach der Methode Dr. Müller/Schweiz und hielt als Vorstandsmitglied der Fördergemeinschaft auch dann die Treue, als ein Zerwürfnis zwischen Ing. Willi und Dr. Müller zu einem Bruch zwischen Förderungsgemeinschaft und der neuen Gemeinschaft biologisch wirtschaftender Bauern führte.

Dass die „Förderungsgemeinschaft“ in der Folge die überaus wichtige Vorreiterrolle für den biologischen Landbau in Österreich übernehmen konnte, war vor allem auf den großartigen Einsatz von Helga Wagner zurückzuführen!

So wurde erstmals in Österreich ein staatlich geschütztes Markenzeichen (ORBI) für die Bauern dieser Gemeinschaft geschaffen und als Gütesiegel eingeführt. Es gelang, die Richtlinien für die Bezeichnung von „Produkten aus biologischem Anbau“ für den staatlichen „Lebensmittelkodex“ Österreichs vorzugeben. Es wurde für die bäuerlichen Mitgliedsbetriebe Direktvermarktungsläden (ORBI-Läden) auf zwei Linzer Großmärkten geschaffen.

Auf die so wichtige Ausbildung der Bauern in Kursen, Seminaren, Vorträgen, Beratungen und Hofbegehungen legte Helga besonderen Wert, aber auch auf die nicht weniger wichtige Vermittlung geistiger Grundhaltungen und Werte wie Nachhaltigkeit, Ganzheitlichkeit, Verantwortung gegenüber der Schöpfung, Denken in größeren Zusammenhängen und Zeiträumen, in geschlossenen Kreisläufen und vor allem des Wertes, Anwalt des Lebendigen zu sein, also in und mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie!

Als Mittler und Träger für diese Grundhaltungen hat Helga Wagner die Zeitschrift „Der bäuerliche Pionier“ ins Leben gerufen, eine Zeitschrift, der alle, Bauern, Konsumenten, Gärtner oder auch einfach nur Freunde der Förderungsgemeinschaft größte Anerkennung entgegenbringen.

Wenn heuer „Der Bäuerliche Pionier“ im 34.(!) Jahrgang erscheinen kann, so ist dies alleiniger Verdienst Helga Wagners wofür wir ihr allergrößten Dank und Bewunderung schulden.

Nach und nach fand so der Biolandbau in Österreich durch das unermüdliche Wirken Helga Wagners die entsprechende Anerkennung auch öffentlicher Stellen. Ihre fachliche Kompetenz wurde gerade in den wichtigen Arbeitskreisen und Gremien besonders hoch geschätzt: z.B. in der ARGE Biolandbau aber auch bei den Kontakten mit dem Ministerium. Den Vermittlungsgesprächen zwischen den verschiedenen Bioverbänden mit deren oftmals divergierenden Vorstellungen und Anschauungen hat Helga Wagner besonderen Wert beigemessen. Das von ihr erstrebte Zusammenführen der Verbände in ein „BIO-HAUS Österreich“ ermöglichte so eine zukunftsweisende Weiterentwicklung des Bio-Landbaus in Österreich.

Besondere Bedeutung für den Biolandbau in Österreich sehe ich in Helga Wagners Forderung nach einer Rückbesinnung auf die Wurzeln des Biolandbaus. Ihre Fachbeiträge über die grundsätzliche Bedeutung der Bodengesundheit – als Grundlage der Gesundheit von Pflanze – Tier – Mensch, ist heute von allergrößter Wichtigkeit und für die Zukunft des Biolandbaus richtungsweisend. Diese Rückkehr zu den Wurzeln der Biolandbaumethode nach Dr. Müller/Dr. Rusch ist dabei Helgas besonderes Anliegen.

Dass Helga Wagner jahrzehntelang gewissermaßen als „Generalsekretärin“ die Geschicke der „Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum“ geprägt hat, muss hier noch angefügt werden. Sie hat die Hauptlast der Arbeit in unserer Gemeinschaft getragen und tut dies noch heute!

Dass es ihr gelungen ist, über Jahre hin den „Rusch-Arbeitskreis“ so erfolgreich zu leiten und damit u.a. den Bio-Landbau wieder an seine Wurzeln herzanzuführen, hat Helga Wagner in den letzten Jahren besonders viel Freude gemacht. Sie ist wie früher eine sehr gesuchte und beliebte Vortragende und Beraterin in den bäuerlichen Arbeitskreisen wobei, sie auf ihre große Erfahrung zurückgreifen kann, mit der sie bei ihren „Auftritten“ die Zuhörer – praktisch in ganz Österreich und darüber hinaus – immer wieder – und dies bis heute, zu begeistern und zu fesseln vermag.

Selbst ein schwerer Unfall und eine jahrelange Rekonvaleszenz konnte ihre Arbeit und ihren Einsatz für die „Gesundung“ unser „Mutter Erde“ nur geringfügig vermindern.

Als Mitbegründerin der „Schlägler Bio-Gespräche“ spielt Helga Wagner bei der Ausgestaltung dieser fachlich herausragenden Treffen stets eine wichtige Rolle. Fragen der Anwendung des Urgesteinsmehls, der Bedeutung des Rusch-Tests für die Bodengüte und der Bestimmung des Redox-Potentials für die Qualitätsbestimmung unserer Lebensmittel sind für Helga ebenso bedeutungsvoll, wie überhaupt die Schaffung und der Aufbau eines aktiven, gesunden, lebendigen Bodens als Grundlage gesunder Pflanzen, gesunder Tiere und gesunder Menschen!

Nun wünschen wir Helga Wagner für die Zukunft vor allem Gesundheit und auch weiterhin noch viel Freude an ihrer Arbeit für den biologischen Landbau in Österreich.

Gebhard Rieger

Möschberg Erklärung

Zur Landwirtschaft von Morgen

  1. Hinter diesem Aufruf stehen verantwortungsbewusste Bauern und Bäuerinnen, Fachleute aus dem landwirtschaftlichen Umfeld sowie besorgte Konsumentinnen und Konsumenten. In Achtsamkeit gegenüber dem Boden und der darauf gedeihenden Vielfalt wollen wir neue und zukunftsweisende Bewirtschaftungsformen verwirklichen, die das natürliche Prinzip des Werdens und Vergehens respektieren.
  2. Wir gehen davon aus, dass die Ernährung mit weitgehend eigenproduzierten Lebensmitteln ein Grundbedürfnis und das sinnvolle landwirtschaftliche Ziel jeder lokalen Gemeinschaft, Region oder Nation ist.
  3. Bauern und Bäuerinnen, aber auch viele andere Mitglieder der Gesellschaft tragen zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe bei. Überschaubare und persönlich gestaltbare Verhältnisse sind die Grundlage für eine lebendige Landwirtschaft.
  4. Weltweit ist die kleinräumige bäuerliche Landwirtschaft ein unverzichtbares Landschaftselement. Sie beherbergt eine ökologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren und trägt ein biologisches, soziales und kulturelles Erbe. Dieser sorgsam bearbeitete Boden ist und bleibt die Lebensgrundlage für alle Menschen.
  5. Der Weltagrarbericht hält in eindrücklicher Weise fest, dass die heute dominierende Landwirtschaft in Strukturen gefangen ist, die der Biodiversität schaden und soziale Ungerechtigkeit verursachen. Die Hungerproblematik verschärft sich anstatt gemildert zu werden. Um Böden, Luft, Gewässer und Menschen wieder gesunden zu lassen, müssen radikal andere Wege beschritten werden.
  6. Vieles dreht sich um den Schlüsselfaktor Erdöl. Die Industrialisierung der Nahrungsproduktion bewirkte, dass unsere Landwirtschaft die nachhaltige Nutzungsweise der natürlichen Grundlagen aus den Händen gegeben hat und von nicht erneuerbarer Energie abhängig geworden ist. Die Begrenztheit der fossilen Energiereserven und die mit ihrem Verbrauch einhergehende Klimaveränderung zwingen die Landwirtschaft der Industrieländer, rasch aus der Energie verschleißenden Produktionsweise herauszufinden.
  7. Die Schweiz ist durch Import­und Exportverbindungen in die weltweite Agrarproblematik eingeflochten. Wir haben einen statistischen Selbstversorgungsgrad von etwa 50%. Energetisch betrachtet ist unser

Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln jedoch Null. Jede Kalorie, die uns ernährt, wird erst durch den „Einkauf“ von nicht erneuerbaren Kalorien verfügbar. Diese verdrängte Tatsache steht in auffallendem Widerspruch zum Verfassungsauftrag über die Ernährung der Schweizer Bevölkerung.

  1. Aufgrund des Gesagten ergeben sich vier offensichtliche Forderungen zur Sicherung der landwirtschaftlichen Flächen als nachhaltige Lebensgrundlage: ­Eher kleinere Betriebseinheiten und nicht größere, ­Mehr Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und nicht weniger, ­Größere natürliche Vielfalt auf den Betrieben, ­Neue Formen der nachbarschaftlichen und sozialen Zusammenarbeit.
  2. Diese Zielvorstellungen verlangen nach völlig neuen Handlungsgrundsätzen für Bauern und Bäuerinnen. Dass der bisherige Fortschrittspfad der industriellen Landwirtschaft in eine Sackgasse führt, muss auch von der übrigen Bevölkerung erkannt und in den Konsequenzen mitgetragen werden. Selbst der biologische Landbau erweist sich unter der herrschenden wachstumsorientierten Denkweise als nicht nachhaltig. Politik, landwirtschaftliche Ausbildungsstätten, die Agrarwissenschaft und wir alle sind aufgefordert, umzudenken und anders zu handeln.

Online Diskussion auf http://www.bioaktuell.ch/ (Möschberg Erklärung)