94. Artikel Herbst 1978

Der Kreislauf des Lebens, seine Bedeutung für die menschliche Ernährung

Muttererde nennt man diese verhältnismäßig dünne Oberschicht der Erde, die alle Kontinente wie eine lebendige Haut bedeckt und ohne die es kein Leben auf der Erde geben könnte. Sie gebärt alles Lebende, diese humushaltige dünne Haut und man nennt sie zu Recht einen lebendigen Organismus.
Mit dem Mutterboden sind die Pflanzen untrennbar verwachsen; ihnen strömt das Leben des Humus zu, und sie wachsen dem Licht entgegen, um es in sich aufzunehmen und in neue Lebensenergie zu verwandeln; Lebenskraft, für das eigene Wachstum, aber mehr noch für alles andere Lebendige.
Das Leben der Pflanzen aber strömt den Organismen zu, die nicht mehr an den Boden gebunden sind, den Tieren und den Menschen; sie könnten ohne Pflanzen nicht leben, nur über die Pflanzen sind sie auch mit der Muttererde schicksalhaft verbunden.
Der Mutterboden seinerseits begnügt sich mit den Abfällen, die Pflanzen, Tiere und Menschen hinterlassen, er wandelt sie in Nahrung um. In wundersamer unnachahmlicher Weise, bildet er aus scheinbar unbrauchbarem Abfall des Lebendigen, wieder lebenspendende Nahrung für die Pflanzen und damit auch für uns.
Das ist der Krauflauf des Lebens.
Durch ihn wird alles Leben auf der Erde zu einer unlösbaren Gemeinschaft, zu einer Kette des Lebens, die nur so stark sein kann, wie ihr schwächstes Glied. Im Kreislauf des Lebens liegt auch unser Schicksal beschlossen, das Schicksal der Menschheit auf Gedeih und Verderb.
Leben kommt nur aus Leben und Leben ist Ordnung, ist vom Geist geordnete Materie. Ein lebender Organismus aber kann nur in Ordnung bleiben, wenn er „Ordnung“ in sich aufnimmt. Man kann es auch so ausdrücken: Bei „Gesundheit“ kann nur bleiben wer „Gesundheit“ in sich aufnimmt. Auch „Gesundheit“ ist nichts anderes als „Ordnung“.
Jeder Organismus lebt von anderen Organismen. Wir Menschen leben von Tieren und Pflanzen und die Pflanzen leben vom Organismus „Muttererde“ und diese wiederum lebt von allem, was die anderen Organismen an den Boden zurückgeben. Dieser immerwährende Kreislauf aber funktioniert nur, wenn alle Organismen sich auf Wege ihrer Nahrungen ständig „Ordnung“ bzw. Gesundheit vermitteln.
Jeder Organismus besteht aus Zellen, in denen Großmoleküle dessen, was man „lebendige Substanz“ nennt, wohnen, sie machen das Leben der Zelle aus. Dieses sollte in „Ordnung“ sein, Ordnung sollte aufgenommen, Unordnung abgegeben werden, ein geregelter Stoffwechsel sollte vorhanden sein, wenn der Organismus gesund ist. Die Pflanze vermag aus der geordneten Strahlung des Lichtes mit Hilfe ihres Chlorophylls geordnete Stoffe aufzubauen und damit die Sonnenenergien in Form von Nährstoffen zu speichern. Mensch und Tier vermögen das nicht, sie sind auf diese Spezialarbeit der Pflanzen angewiesen, um sich zu ernähren.
Ursprünglich war man der Meinung es genüge, wenn die Organismen Nährstoffe in sich aufnehmen, um am Leben zu bleiben, diese sind sicherlich zur Erhaltung von Leben und Gesundheit unentbehrlich, aber das ist nicht alles, denn die Nahrungen enthalten nicht nur tote Nährstoffe, sondern auch die lebendigen Großmoleküle der lebenden Sustanzen. Und das ist entscheidend wichtig!
Entscheidend wichtig ist aber auch, dass jeder Organismus, ja sogar jede Zelle, weiß welche lebende Substanz gesund ist und welche nicht mehr. Dieses wundersame Gesetz der lebendigen Natur bietet die Möglichkeit der Selbsterneuerung oder Regeneration, eben jenen Vorgang, den jedes Lebewesen nötig hat, um Zeit seines Lebens gesund zu bleiben. Das setzt aber voraus, dass dem Organismus nicht nur sein Nährstoffbedarf zur Verfügung steht, sondern auch eine genügende Auswahl von intakter gesunder lebendiger Substanz. Fehlt jedoch diese Auswahl, so verfällt der Organismus trotz allem Nährstoffüberfluss einer fortlaufenden Abwertung, der Entartung. Ein Blick auf die schleichende zunehmende Entartung der hochzivilisierten Völker, der langsame Verfall ihrer Kultur und ihrer Gesundheit genügt, um festzustellen, dass ihre industrialisierte Nahrung trotz der Nährstoff-, Kalorien-, und Vitaminkontrollen auf die Dauer nicht imstande ist, den Menschen bei voller geistiger, seelischer und körperlicher Gesundheit zu erhalten.
Wir leben von der Pflanze, direkt oder über das Tier. Unsere Nahrungs- und Futterpflanzen haben die Aufgabe uns Nährstoffe zu liefern, aber auch lebende großmolekulare Substanz und Erbsubstanz. Diese Substanz aber muss in „Ordnung“ sein, dh. sie muss gesund- und erbgesund sein, aber genau so gesund und erbgesund muss die Pflanze selbst sein als Träger dieser lebenden Nahrungssubstanz, wenn sie zur Erhaltung der Gesundheit von Tier und Mensch dienen soll. Nur so ist die Pflanze als Nahrung tauglich, sie ist es aber nicht, wenn die Pflanze krank, schädlings- und krankheitsanfällig und schutzbedürftig ist.

Nun sind die Landbauprodukte der heutigen Massenerzeugung durch Kunstdünger, Pestizide und Herbizide untauglich bezüglich der Regeneration und der Erhaltung der Gesundheit. Vor allem die Düngung mit synthetischem Stickstoff, der die natürliche und geregelte Stickstoffverbindung aus der Luft lahmlegt und überflüssig macht, hat verheerende Auswirkungen auf die Eiweißbildungen in Boden und Pflanze und damit auf den Bestand der lebenden Substanzen, die u.a. die Aufgabe haben, diese Eiweiße zu bilden. Kunstgedüngte Pflanzen verlieren die Fähigkeit alle jene Aufgaben zu erfüllen, die der Pflanze als Glied der irdischen Lebensgemeinschaften gestellt sind. Das wird insbesondere sichtbar an der überhöhten Anfälligkeit für Krankheiten. Eine Nahrungspflanze, die nicht imstande ist, sich selbst zu helfen, vermag auch uns nicht zu helfen, sie ist als Nahrung untauglich.

Die entartenden Wirkungen von Kunstdüngern gelangen über den Blattstoffwechsel und das Bodenwasser in den inneren Stoffwechsel der Pflanze, deren lebende Substanzen das synthetische Gift aufnehmen und es aus dem Verkehr ziehen, selbst aber dabei zu Grunde gehen. Der Schaden, den die synthetischen Gifte, Pestizide und Herbizide am Bestand der lebenden Substanz unserer Nahrung anrichten, ist um ein Vielfaches größer und folgenschwerer, als das in den chemischen Analysen zum Ausdruck kommt.
Inzwischen hat die biologische Grundlagenforschung mannigfache Beweise erbracht dafür, dass die lebende Substanz, der mit Abstand wichtigste Nahrungsfaktor ist.
Wir müssen wieder lernen, dass die Muttererde ein Organismus ist, der lebt und mit seiner erstaunlichen Fähigkeit, aus organischem Abfall beste Pflanzennahrung bereitzustellen, uns ernährt in einer Weise, wie es kein Chemiker je zustandebringen kann.

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