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118. Artikel Herbst 1987 – „Stallmist oder Stallmistkompost?“

Im biologischen Landbau gilt es als ausgemacht, dass dem kompostierten, mehr oder weniger vollkommen verrotteten Mist unbedingt den Vorzug gebühre gegenüber dem sonst üblichen Verfahren, den Stallmist ungeachtet seines Zustandes auszubringen und möglichst auch unterzupflügen. Die Wüchsigkeit, Gesundheit, Keimfreudigkeit und Schädlingsfreiheit können bedeutend gesteigert werden, wenn der Mist vorbehandelt wurde und nicht stallfrisch aufs Feld kommt.
Zahlreiche Boden- und Komposttestierungen, Topf- und Freilandversuche haben überzeugt, dass der Unterschied zwischen dem frischen und dem vorbehandelten Stallmist nicht im unterschiedlichen Nährstoffgehalt, nicht im Verhalten des Stickstoffs, nicht in der Bindung neuer, zugeführter Energien, sondern ganz allein in dem Ablauf und der Entwicklung der mikrobiologischen Umsetzungsvorgänge liegt. Der bedeutungsvolle Unterschied besteht darin, dass die Phase der Fäulnis beim Frischmist noch nicht beendet ist, während sie beim guten, brauchbaren und für die Pflanze uneingeschränkt verträglichen Mistkompost abgeschlossen ist. Jede andere Veränderung, die sonst noch beobachtet wird, ist unwesentlich.
Der chemisch nachweisbare Nährstoffgehalt ist, mit Ausnahme des Stickstoffgehaltes, bei richtigem Verfahren vor und nach der Kompostierung praktisch gleich. Der Stickstoffgehalt sinkt, teilweise sehr bedeutend, während der Kompostierung ab, weshalb man in der Agrikulturchemie veranlasst war zu lehren, den Mist sobald wie möglich, dh. so frisch wie möglich, aufs Feld zu bringen, weil man sonst hohe Verluste an Stickstoff in Kauf nehme. Die chemische Analyse zeigt nicht, dass der Kompost auch bezüglich des Stickstoffs besser ist als der bedeutend stickstoff-haltigere Frischmist; erst durch das endgültige Resultat ergibt sich: Die Pflanze hat nach beendetem Wachstum aus dem kompostierten Stallmist tatsächlich mehr Stickstoff gewonnen als aus dem Frischmist. Diese Beobachtung weist darauf hin, dass es nicht auf den Stickstoffgehalt an sich ankommt, sondern auf den Ablauf der Vorgänge, die der Pflanze den Stickstoff vermitteln; sie laufen offenbar besser ab, wenn der Mist vorbehandelt ist.
Wir wollen in Erinnerung rufen, dass der biologische Landbau nicht denkbar ist ohne die richtige Behandlung der lebendigen Dünger. Es ist und bleibt eine unumstößliche Tatsache, dass der Unterschied zwischen Frischmist und Mistkompost einen ganz entscheidenden Raum einnimmt im Denken des biologischen Bauern. Der biologische Landbau will Leben erzeugen, Lebensvorgänge in Gang halten und Nahrung wachsen lassen nach den Gesetzen des Lebendigen. Das ist undenkbar ohne eine richtige Führung der entscheidenden Lebensvorgänge in den organischen Düngern.
In der Natur gehen die Abbauvorgänge in der Oberfläche vor sich, die Aufbau- und Humusbildungs-Vorgänge in der tieferen Schicht der lebendigen Krume, also streng getrennt. Beide, die Abbau- wie die Aufbauphase der Humusbildung gehen bei der üblichen Frischmist-Düngung durcheinander, während sich in der kompost-versorgten Erde nur die letzte Phase der Humusbildung vorfindet.
Der Wurzel-Organismus der Pflanze meidet streng alle Schichten, in denen Abbau und Fäulnis vor sich gehen. In der Natur ist das nur die oberste Schicht. Bei der Fäulnismistdüngung aber besteht keine Schichtbildung, hier laufen zwangsweise Abbauvorgänge, wenn auch bedeutend langsamer, in der Tiefe der lebendigen Schichten ab, wo sie nicht hingehören. Die Pflanzenwurzel findet keine Ordnung vor, an die sie sich halten kann, sondern ist gezwungen, sich mit den Fäulnisvorgängen abzufinden und schlecht und recht durchzuhalten, bis sie abgelaufen sind. Das erklärt die beobachtete Verzögerung im Wachstum und in der Keimung der Samen.
Das Pflanzenwachstum ist erst dann wirklich natürlich, wenn die Pflanze ihren Stickstoffbedarf aus der Lebenstätigkeit des Bodens vollkommen zu decken vermag.
Das praktische Vorgehen kann aus folgenden Formeln abgeleitet werden:
1. Die ideale Form der organischen Düngung ist diejenige, die eine natürliche Schichtbildung auf dem Feld bewirkt. Dazu gehört die natürliche Trennung von Abbauvorgängen in der obersten und Aufbauvorgängen in der darunterliegenden Bodenschicht.
2. Diese Trennung ist nur möglich, wenn organische Dünger, soweit sie nicht vollkommen vererdet sind, ausschließlich als Bodenbedeckung benutzt werden.
3. Die Düngewirkung organischer Dünger ist dann am größten, wenn die Oberflächendecke aus Material besteht, das sich in der Phase der Faulung/Gärung befindet.
4. Muss der organische Dünger aus praktischen Gründen untergearbeitet werden, so darf kein Material verwendet werden, das sich noch in der Faulphase befindet, insbesondere kein frisches.
Die Mistkompostierung behält also einstweilen ihre Berechtigung, sie ist vorläufig unentbehrlich. Es ist ein Grundgesetz des biologischen Landbaues, dass von der Wurzel der Kulturpflanzen alle Stoffe ferngehalten werden, die dort natürlicherweise nicht hingehören. Anders gibt es keinen natürlichen Pflanzenwuchs, keine echte Pflanzen-Gesundheit und keinen biologischen Vollwert. Mit dme Unterpflügen von frischem oder faulendem Mist verstößt man gegen dieses fundamentale Gesetz. Wer das nicht einsieht, sollte sich nicht wertig ansehen. Ein Boden, in dessen Tiefe sich Fäulnis- und Gärungsvorgänge abspielen müssen, weil wir ihn dazu zwingen, kann nicht als natürlich, gesund, mit anderen Worten: als biologisch angesehen werden. Daran ist nicht zu rütteln.
Es ist nicht umsonst, wenn man sich nach wie vor mit der Kunst der Kompostbereitung beschäftigt und sich darin soweit wie möglich vervollkommnet. Es wird nämlich immer Materialien im organischen Landbau geben, die man kompostieren muss, weil man sie anders nicht gut verwenden kann, und es wird auch immer Kulturpflanzen geben, denen man – mindestens zu Anfang ihres Wachstums – lieber Komposte geben soll als eine frische Oberflächendüngung. Außerdem wird der allererste Teil der Kompostierung, die Anfaulung des Materials, niemals ganz entbehrlich werden, einfach deshalb, weil das Material sonst praktisch schlecht verwertbar ist. Die Kunst des Kompostierens wird also, trotz neuer Erkenntnisse, immer ein Kernstück und Prüfstein für den organischen Landbau bleiben. Mögen sich das diejenigen zu Herzen nehmen, die immer wieder nach Gründen suchen, um sich die Mühe – mehr die Mühe des Nachdenkens als die Mühe der Arbeit! – zu sparen. Was nützt alle wissenschaftliche Arbeit, wenn sie keine praktischen Früchte trägt?

117. Artikel Sommer 1987 – „Biologischer Landbau-Gartenbau – Theorie und Praxis“

Eine Zeit, die den wissenschaftlichen Spezialisten hervorgebracht hat, hat uns das Denken abgewöhnt. Der Spezialist denkt für uns. Das geht, solange man es nicht mit Lebendigem zu tun hat. Land- und Gartenbau aber ist Umgang mit Lebendigem, und wenn die Lebensgesetze nicht Grundlage des Denkens und Handelns sind, so ist es nicht biologischer Landbau.

Die Lebensgesetze haben sich bisher nicht annähernd so vollkommen erforschen lassen wie die der unbelebten Materie. Nicht wir können die materiellen Voraussetzungen für „Leben“ schaffen, wie wir etwa ein Haus oder eine Brücke vorausberechnen können. Wir sind darauf angewiesen, das Lebendige für uns arbeiten zu lassen und ihm schlecht und recht dabei zu helfen, soweit wir es verstehen. Dabei nützt es nichts, wenn wir einzelne Teile der Lebensvorgänge genauer kennen – entscheidend ist immer nur das Ganze, das biologische Resultat. Und das ist aufs höchste kompliziert.

Es gibt auf der Erde sicher nicht zwei Gärten, die einander biologisch vollkommen gleich wären. Sid sind all nicht nur selbst verschieden – ihr Boden, ihr Untergrund, ihre Wasserführung, ihre klimatische Lage usw., sie sind auch jeweils in eine andere Umgebung hineingestellt, von der sie abhängig sind – Dünger, Herkunft der Dünger, Menschen und Tiere, die davon leben usw. Wer sich zum Beispiel aufmerksam eine Gartenkolonie ansieht, in der auf relativ gleichem Boden mit gleichen Methoden gearbeitet wird, wird bemerken, dass es keine Parzellen gibt, die einander gleich sind – weil die Menschen verschieden sind, die sie bearbeiten.

Dazu kommt außerdem, dass wir die letzten Geheimnisse der natürlichen Nahrungsbereitung im Boden nicht kennen. Sie sind so ungeheuer kompliziert, dass wir auf ihren Ablauf wenig Einfluss nehmen können. An der Ernährung der Pflanze sind allein soviel verschiedenartige Lebewesen tätig – man darf ihre Zahl auf mehr als 100 000 schätzen -, dass überhaupt nicht die Rede davon sein kann, wir wüssten davon mehr als wenige Einzelheiten.

Das alles ist gesagt, um klar zu machen, es könne Rezepte und Vorschriften für den biologischen Landbau kaum geben. Nur der vermag biologischen Landbau zu betreiben, der biologisch denken kann. Das aber lehrt die Theorie, deshalb ist sie notwendig. Wer die Grundgedanken des biologischen Landbaues denken kann, vermag sich selbst zu helfen. Und das muss man können.

Die Agrikulturchemie hat gelehrt, dass die Pflanzen ausschließlich der mineralischen Ernährung bedürfen. Sie hat ferner den künstlichen Stickstoff als Ersatz für den vom lebendigen Boden gelieferten, natürlichen Stickstoff in die Düngung eingeführt. Sie hat damit Masse auf Kosten der Güte geschaffen. Es wächst dann zwar mehr Pflanzenmasse, aber die Pflanzen sind nicht vollwertig, sind anfällig, schützbedürftig, ohne Treib- und Salzdünger nicht mehr wuchsfähig und deshalb keine vollwertige Nahrung. Man braucht kein Spezialist zu sein, um zu begreifen, dass der Agrikulturchemiker den Landbau in eine Sackgasse führt, aus der es für den Bauern kein Zurück mehr gibt: Die unter der Treib- und Salzdüngung herausgezüchteten Kulturpflanzen-Sorten brauchen diese Ernährung; da sie dabei krank werden, brauchen sie den künstlichen Schutz gegen „Schädlinge“; und da das Saatgut alsbald „abbaut“, muss ständig neues beschafft werden. Die Dreierherrschaft „Kunstdünger – Schädlingsgift – Saatgutverkauf“ hat sich zu einer versteckten Diktatur entwickelt, aus der es nur ein Entrinnen gibt: Die kompromisslose Rückkehr zum biologischen Landbau. Was heißt das? Kunstdünger sind an sich ja keine Gifte, sondern enthalten das, was die Pflanze tatsächlich braucht. Der Unterschied ist nur der: Werden der Stickstoff und die Mineralstoffe in einer Form geliefert, die geeignet ist, den Boden als natürlichen Nahrungslieferanten auszuschalten, so ist die Dosierung auf jeden Fall falsch. Und da wir ohnehin von den 60 oder mehr Mineralstoffen, die die Pflanze nötig hat, nur einige wenige als Mineraldüngung geben, ist die Ernährung der Pflanze außerdem einseitig und unvollständig. Nur die Lebensvorgänge des Mutterbodens vermögen eine Nahrung herzustellen, die für die Pflanze vollkommen ist. Und nur dann bleibt sie gesund und erbgesund. Wird nach den für den biologischen Landbau dargestellten Grundsätzen gehandelt, so wachsen auf jedem Boden gesunde Pflanzen und hochwertige Nahrung. Der Aufwand wird nicht größer sondern kleiner, die Ernte nicht kleiner sondern größer. Es gibt kein Heilmittel, das so wirksam wäre wie die natürliche Nahrung. Arzt und Tierarzt werden zu dem, was sie eigentlich sein sollen: Hausarzt, der die Gesundheit überwacht.

Es gibt keinen Kompromiss irgendwelcher Art! Den biologischen Landbau muss man ganz tun oder seine Finger lieber davon lassen. Alle Pflanzennahrung muss aus dem Leben des Mutterbodens kommen, und da der Mutterboden nur eine Station im Kreislauf der lebendigen Substanz ist, kann auch er nur richtig ernährt werden, wenn man das Schicksal der lebenden Materie als Ganzes in sein Denken einbezieht. Nicht ein einziger Dünger kann ohne Nachdenken gegeben werden und nicht eine einzige Bodenarbeit darf ohne Rücksicht auf das Leben des Bodens stattfinden. Die Ehrfurcht vor dem Leben ist nirgends notwendiger als im Landbau, denn hier wächst unser gesundheitliches Schicksal. Die theoretischen Grundregeln, die man sich einprägen muss, sind in aller Kürze die folgenden:

Jede Teildüngung beseitigt das biologische Gleichgewicht zwischen Boden und Pflanze, vermindert die Humusbildung und die Wurzelmasse, macht Scheinwachstum und Scheingesundheit und gefährdet die Bildung zahlreicher Nähr- und Wirkstoffe, die sowohl für die Gesundheit des Bodens wie die der Pflanze und der damit ernährten Menschen und Tiere unentbehrlich sind.

  • Künstliche Stickstoffe in jeder Form und Menge sind für den biologischen Landbau nicht tragbar. Der erforderliche Stickstoff muss aus den Lebensprozessen des organisch ernährten Bodens hervorgehen, der im Stande ist, genug und übergenug Stickstoff aus der Atmosphäre zu binden. Der Vorgang setzt ein, sobald der Boden warm genug ist. Eine zu frühe Stickstoffgabe auf noch kalte Frühjahrsböden bringt keinen Vorsprung.
  • Von den Mineralien sind die wichtigsten die Spurenelemente. Sie sind in jüngeren Eruptivgesteinen – Basalt, Trachyt – am vollständigsten versammelt. Grundsätzlich werden nur natürliche Urgesteinsmehle verwendet; von ihnen löst das Bodenleben genau das, was es selbst braucht, und das ist zugleich die einzig richtige Dosierung für die Pflanze.
  • Von den Massenmineralien ist zu sagen: Die Abfallmassen bringen alle die zum Leben nötigen Mineralien in ausreichender Menge mit. Es kommt nur darauf an, für Reichhaltigkeit des Materials zu sorgen. Bei Mangel an Material pflegte Dr. Hans Müller zu sagen: „Hier fehlt es an Nachschub!“

Auch organische Dünger sind einseitig: Jauche bringt viel Kali und Harnsalz, rein tierischer Dünger zu wenig Kohlehydratnahrung für die Bodenmikrobien; reine Stallmistdüngung hemmt die Pilzarbeit. Gründüngung zB. Lupinen, Klee hat den Vorteil des Gegengewichtes gegen die tierischen Dünger, aber den Nachteil, dass sie selbst aus dem zu düngenden Boden kommt. Grundsätzlich sind alle organischen Dünger wertvoll und verwendbar, aber nur in einer dem Boden und anderen örtlichen Bedingungen angepassten Vielfalt.

  • Als Ersatz für Phosphor ist Rohphosphat zulässig, wenn Kalkgestein – mit Zurückhaltung anwenden. Die beste Kalkdüngung geschieht mit kalkhaltigen Böden selbst – Kalkmergel – Düngekalk mit Zurückhaltung nur dort verwenden, wo er nötig ist und nur im Winter gestreut.

Sofern der Kali-Ersatz organisch (Jauche) nicht möglich ist, kann Patentkali verwendet werden.

Für alle einseitgen mineral-haltigen Zusatzdünger, die viel Kalk, Kali oder Phosphor enthalten, gilt gleichermaßen, dass sie dem Boden umso besser bekommen, je verteilter sie gegeben werden. „Nicht einmal viel, sondern öfter wenig“

  • Wichtiger als der Mineralersatz sind Bodenzusätze, die direkt aus dem Bereich des Lebendigen stammen und sehr wesentliche Wirkungen haben, dazu gehören die Heilkräuter. Indem man zusammen mit Heilkräutersubstanzen und Spurenelementträgern physiologische Bodenbakterien einimpft, wird man die Möglichkeit schaffen, unsere Gärten von der Qualität der Dünger unabhängiger zu machen.

 

 

 

 

116. Artikel Frühjahr 1987 – „Die wahren Wissenschafter und die wahren Bauern“

Der nachfolgende Text ist der Abschluss eines Vortrages, den Dr. H.P. Rusch im Jahr 1952 bereits in Bern gehalten hatte; offensichtlich vor einem Kreis von Interessenten, die bereits in ihren Gärten und Betrieben nach den Angaben von Dr. H.P. Rusch arbeiteten. Diese hatten sich schon zur Aufgabe gemacht in ihrem Lebenskreis zu den Gesetzen des Lebendigen zurückzukehren und sie zur Richtschnur ihres Handelns zu machen. Sie wussten bereits, dass sich der lebendige Bodenorganismus nicht nach Mineraldüngertabellen und Handelsdüngerrechnungen richtet. Sie haben gewusst, dass sich die Gesundheit der Böden nicht mit lebenszerstörenden, giftigen Substanzen aufrecht erhalten, geschweige denn wieder herstellen lässt. Sie haben auch gewusst, wie ein Boden oder Kompost aussehen und riechen muss, wenn er gesund ist, wie die Kulturpflanzen die sie ihren Mitmenschen als Nahrung schaffen, aussehen, schmecken, riechen und sich halten, wenn sie gesund sind.

Die Naturwissenschaft hat nur die Aufgabe, dass was mit gesundem Menschenverstand und natürlichem Empfinden aus der Erfahrung heraus gelernt wurde zu bestätigen. Es hat immer genügend Wissenschafter gegeben, die sich darüber im Klaren waren, dass wir von der ganzen Wahrheit noch sehr weit entfernt sind und sie vermutlich niemals ganz erforschen werden. Ganz ebenso hat es allzeit Bauern und Gärtner gegeben, die sich von den gültigen Lehren der Agrikulturchemie niemals haben beirren lassen. Das sind die wahren Wissenschafter und die wahren Bauern. Und wenn sie auch heute noch in der Minderheit sind, so sind sie doch Pioniere einer zukünftigen und besseren Zivilisation der Menschen und sie werden die Zukunft gestalten.

 

 

 

115. Artikel Frühjahr 1987 – „Zum Problem der Mikroflora Sanierung des Bodens“

Bei der Floraforschung am Boden müssen Verhältnisse zugrunde gelegt werden, die sich nur am kulturell unberührten Boden finden, der kulturell berührte Boden ist derzeit für diese Forschung ungeeignet. Entsprechende Untersuchungen haben bezüglich der Humusbildung eine Analogie und Parallelität zum Prinzp der tierischen Verdauung, eine Verdauung in „Schichten“ ergeben, wobei jeweils sehr verschiedenartige Mikrobien-Floren tätig sind. Der letzte wichtige Vorgang bei der Humusbildung, der Abbau lebender Gewebe bis zum „lebendigen“, sehr widerstandfähigen Makromolekül als einer „Ruheform der lebenden Substanz, wird durch Mikrobien bewirkt, deren Eigenschaften denen der menschlich-tierischen Bakterien entsprechen.

Es wird hier aufgezeigt, dass die Verwendung von Bakterien-Kulturen zur Sanierung der Humusflora ebenso möglich ist, wie zur Sanierung der menschlich-tierischen Schleimhautflora. In der Umbildung der Nahrungsstoffe für alle Organismen von den Pflanzen bis zu den Säugetieren und den Menschen spielen die bisher meist als „Schmarotzer“ betrachteten Bakterien eine entscheidende Rolle, sowohl in Bezug auf die Bildung nachweisbarer Nahrungs-Qualitäten-Vitamine Enzyme Antigene u.v.m. – wie in Bezug auf die größtenteils noch unbekannten plasmatischen Makromoleküle oder „lebende Substanz“.

Da die lebende Substanz unmittelbaren Einfluss nimmt sowohl auf die Gestaltung der überall existierenden Bakterien-Floren wie auf die erblichen, biologisch-funktionellen Eigenschaften der Zellgewebe von Organismen, hängt die biologisch-funktionelle Beschaffenheit jeglicher Nahrung für Organismen, also des Nahrungskreislaufes zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch von der durch Bakterien gebildeten Spezifität lebender Substanz ab.

Die erkennbare Ordnung in diesem natürlichen Gang der Nahrungs-Produktion zeichnet sich ab in der Existenz sogenannter physiolobischer Bakterien-Floren, die eine physiologische Ausrichtung der produzierten Nahrungsstoffe sicherstellen und beweisen. Ihr Fehlen beweist die nicht-physiologische Beschaffenheit der abgelieferten Nahrungsstoffe. Die Bakterien-Floren sind demnach im ganzen Bereich des Nahrungskreislaufs ein untrügliches Kriterium für deren biologische Beschaffenheit. Das ist auch im Kulturboden, in Acker und Garten der Fall.

Für die Ausbildung einer bestimmten Flora ist der Nährboden absolut entscheidend. Die Bodenflora lebt von den Abfällen des Tier- und Pflanzenlebens. Die Bakterienflora – als letzte Station  der Humusbildung – lebt außerdem von dem, was ihr die Sprosspilze hinterlassen. Nur der stufenweise Abbau der Abfallstoffe gewährleistet die Existenz einer physiologischen Bodenflora und damit eine physiologische Humusbildung. In der Kultur muss dieser Vorgang nachgeahmt werden.

In acht Jahren experimenteller Tätigkeit, sowohl im Laboratorium wie in der Praxis der Agrikultur, hat sich erwiesen, dass drei Voraussetzungen für die Bildung eines physiologischen Humusbestandes erforderlich sind.

  • Die regelmäßige Zufuhr fäulnis-fähiger oder in Fäulnis befindlicher organischer Abfälle,
  • die Existenz einer natürlichen Bodendecke als Voraussetzung für die Tätigkeit der Sprosspilze und die Existenz der natürlichen Bodenschichtung und
  • die Anwesenheit oder Anlieferung physiologischer Bakterien, die notfalls durch Boden-Impfung zugeführt werden können.

 

  1. Es ist zu fordern, dass alles getan wird, dass die Landwirtschaft und Gärtnerei auf das absolute Primat der organischen Düngung umgestellt wird. Dabei soll berücksichtigt werden, dass von vielen Vereinigungen und Männern in der ganzen Welt sehr wertvolle und unentbehrliche Vorarbeit geleistet worden ist, so dass zu fordern ist, geeignete Persönlichkeiten und Verfahren in die Vorbereitung zu der Umstellung massgeblich einzuschalten.
  2. Es ist weiter zu fordern, dass im Sinne der Ganzheits-Betrachtung gesundheitlicher und wirtschaftlicher Fragen der Nahrungs-Produktion eine öffentliche Anstalt ins Leben gerufen wird, die die Fragen des Nahrungskreislaufes vom Boden bis zum Menschen anhand chemischer, physikalischer, mikrobiologischer, klinischer und anderer Untersuchungen zu klären in der Lage ist und die für die Realisierung notwendigen Angaben ausarbeiten kann. Dabei soll berücksichtigt werden, dass – insbesondere neben schulgemäßen Methoden und Persönlichkeiten – von außer-schulmäßigen Forschern wertvolle Vorarbeit geleistet worden ist und diese maßgeblich bei diesem Unternehmen eingesetzt werden müssen.
  3. Man wolle in geeigneter Form alles tun, um dem Bewusstsein zum Durchbruch zu verhelfen, dass die Physiologie und Pathologie der Lebensvorgänge auf der Erde niemals vollständig mit chemisch-physikalisch-technischen Verfahren erforscht und gelenkt werden können.

 

 

 

114. Artikel Sommer 1986 – „Über Erhaltung und Kreislauf der lebendigen Substanz“

Wir können behaupten, dass wir den Nachweis haben, dass hochspezifische lebende Substanzen durchaus sämtliche „Schranken“ eines jeden Organismus zu passieren vermögen, nicht nur die Schranke Verdauungskanal-Blut, sondern auch die Schranke Lymphe-Zelle. Es scheint dabei auch die These höchst wahrscheinlich, dass die normale intakte gesunde Oberfläche und Gewebszelle zwischen schädlicher und unschädlich-nützlicher Lebendsubstanz unterscheiden vermag.

Die Annahme eines Kreislaufes lebendiger Substanzen im Rahmen der Substanzkreisläufe überhaupt ist jetzt schon eindeutig mehr als eine Hypothese. Man darf annehmen, dass es neben zahlenmäßig verschwindend wenigen pathogenen Lebendsubstanzen in den Nahrungskreisläufen fast nur noch nicht pathogene gibt, wie es seit Jahrzehnten von verschiedenen Forschern schon vermutet wurde und durch diesbezügliche Arbeiten (Winter, Buchner, A. Koch) nachgewiesen wurde.

Erst damit würde sich das biologisch eigentlich selbstverständliche Postulat einer Verbindung zwischen allem Lebendigen ergeben, die für das individuelle Schicksal eines jeden Organismus, ob Pflanze Tier Mensch oder Mikrobie schlechthin schicksalsbestimmend ist. Es würde damit die eigentliche Grundlage der wissenschaftlichen Lenkung der menschlichen Lebensordnung geschaffen.

Denn wenn funktionell intakte, biologisch aktive, organisch zellwirksame und nicht nur lebloses mikromolekulares, herkunftsmäßig indifferentes Nährmaterial von Organismus zu Organismus übertragen wird, dann hängt die gesamte Lebensgemeinschaft der Organismen auf der Erde bezüglich ihres gesundheitlichen Schicksals auf die Dauer absolut voneinander ab.

Dann muss der, der sich als Nahrung Substanz von biologisch minderwertigen Nahrungsspendern, ganz gleich, ob von Pflanzen Tier oder Mikrobien – zuführt, selbst zwangsläufig biologisch minderwertig werden, weil der Einbau abwegiger Austauschsubstanz die einzelnen Zellen mehr und mehr biologisch-funktionell abwertet.

Wer sich mit dem Kreislauf der Substanzen in allen seinen Pflanzen vom Lebensvorgang „Mutterboden“ bis zum Menschen und zurück beschäftigt, bemerkt alsbald, dass normalerweise die Substanzen mitsamt den lebendigen Bestandteilen niemals direkt von Organismus zu Organismus gelangen, sondern auf dem Umweg über zahlreiche Arten von Mikrobien als „Zwischenstation“. Diese ein-zelligen Lebewesen haben also unsere höchste Aufmerksamkeit zu beanspruchen.

Wir müssen uns freilich grundsätzlich von der Einstellung freimachen, dass Mikrobien entbehrlich, überflüssig und höchstens schädlich oder gar gefährliche seien. Tatsächlich kommt schätzungsweise eine gefährliche Mikrobie auf eine Million ungefährlicher, sogar im Bereich des heutigen Menschen. Man darf sich nicht dadurch beirren lassen, dass der hochzivilisierte und damit leider meist abwehrschwache Mensch normale Bakterien schlecht verträgt. Physiologisch ist in der Natur allein der ständige Umgang mit Mikrobien, die sogar planmäßig zu ganz entscheiden den Aufgaben der Selbsterhaltung und Fortpflanzung heran gezogen werden. Die Fruchtbarkeit des Mutterbodens ist ohne Mikrobien ebenso undenkbar wie die Gesundheit der Organismen.

Der Mutterboden ist ein geradezu klassisches Studienobjekt für die Wanderung der lebendigen Substanz vom Abfall alles Lebendigen bis zur Pflanze, vom Herabsteigen des Lebendigen in die „Mutter Erde“, seiner vielfältigen Tätigkeit, Umformung und Lagerung bis zum Wiederaufstieg als Sicht in die Welt der oberirdischen Organismen. Die große Masse der Bodensubstanz wird uns zwar erst als nährstoffbildendes Chlorophyll wieder deutlich sichtbar, aber Chlorophyll wäre ohne die Arbeit der unzählig vielen Bodenorganismen undenkbar.

Was bei allen Symbionten Arbeiten ins Auge fiel, dass bei allen untersuchten Organismen, tierischer wie pflanzlicher als auch beim Mutterboden die gleichen Arten von bakteriellen Symbionten auftreten und zwar durchwegs sogenannte Milchsäurebildner. Die Übereinstimmung der mikrobiellen Ordnung bei Organismen und Mutterboden geht aber noch viel weiter. Die von unzähliger Arten von Kleintieren verarbeiteten Rückstände aus den oberirdischen Lebensvorgängen werden systematisch zunächst von Sproßpilzen (Myceten, Hefen, Schimmel) als Vorstufe verarbeitet und erst dann an die bakteriellen „Bodensymbionten“ weitergereicht. Diese hinterlassen nach ihrem Tod die Lebendsubstanz der Bodenbakterien und sind die Voraussetzung für die Entstehung der sogenannten „Boden-Gare“, das heißt der Ausbildung des durchlüfteten lockeren wasserspeichernden lebend-verbauten (Sekera) fruchtbaren Mutterbodens.

Die Klebrigkeit der Mikroben-Reste verkittet die leblose Mineralsubstanz der Bodenerosion zu Bodenkrümeln. Das alles verdient den alten Namen „Humus“ als eine Kongregation von lebender und lebloser Substanz. Die Humusbildung ist eine Art Vorverdauung für die Pflanze und der Humusboden eine Vorratskammer für die Zeiten der Vegetationsperiode in denen die Pflanze mangels Wärme Wasser und Sonne nicht wachsen kann.

Humus ist weder Mineralsubstanz noch lebende Substanz, weder organischer Abfall, noch Mikrobien, sondern nur eine Ehe zwischen dem Zerfallsprodukten ganz bestimmter Kleinlebewesen und erodiertem Mineral. Er ist eine neue biologische Gestalt und hat als solche auch seine eigenen Gesetze.

 

 

 

113. Artikel Frühjahr 1986 – „Über Erhaltung und Kreislauf der lebendigen Substanz“

Die überlieferte Zell- und Gewebslehre ging von der Hypothese aus, dass zwischen der Nahrung aller Organismen und ihrem Endverbraucher, der Gewebszelle, mehrere chemisch-physikalisch wirksame Schranken liegen, die nur von leicht löslichen, auf jeden Fall nur von mikro-molekularen Stoffen durchschritten werden können. Diese Hypothese, niemals direkt bewiesen, wurde durch die physiologisch-biochemische Forschung laufend bestätigt und schließlich stillschweigend als Tatsache angesehen. War es doch eindeutig, dass jeder Organismus, der Verdauungseinrichtungen besitzt, sämtliche angebotene Nährmaterialien vor allem die organischen, mechanisch und chemisch bis zu einfachen löslichen Verbindungen zu zerkleinern imstande ist. Seit Jahrzehnten hat sich die gesamte Ernährungslehre für Pflanze Tier und Mensch nach diesen Auffassungen ausgerichtet.

Besteht diese These zu Recht, dass alle Organismen zwecks Stoffwechsel und Ernährung nur uniforme und chemisch mehr-minder leicht identifizierbare Moleküle in sich aufnehmen, so wird die ganze Ernährung letztlich zu einem rein chemischen Problem. Sie wird gewährleistet, wenn der Organismus ein bestimmtes Gemisch aus Aminosäuren, Monosacchariden, verseiften Fetten, Vitaminen, Enzymen und Spurenelementen bekommt. Die Herkunft dieser Nährstoffe ist dabei prinzipiell gleichgültig; falsch ernährt wird der Organismus indem dem Nahrungsgemisch wichtige Nährstoffe fehlen, wobei man den chemisch identifizierbaren Inhalt durch Analyse prüft.

Nun enthält eine jede natürliche Nahrung aber zwangsläufig organische Großmoleküle aus den Zellen, Geweben und Flüssigkeiten der Nahrungsspender, Zellkernbestandteile, Zerfallsprodukte der Blutkörperchen, das Chlorophyll der pflanzlichen und Algenzellen. Bei dieser Makromolekular- oder „lebendigen“ Substanz handelt es sich keineswegs um indifferente uniforme Substanz, sondern um Komplexe, die ihrer Herkunft entsprechend formiert und biologisch aktiv sind. Sie sind, wenn sie aus einer biologisch intakten „gesunden“ Zelle stammen, zweckentsprechend für die Leistungen ausgestattet, die sie intrazellulär zu vollbringen haben. Gesetzt dem Fall die Organismen wären imstande wahlweise Substanz dieser Art aus dem reichen Angebot jeder natürlichen Nahrung in sich und ihre Zellen aufzunehmen, so wäre die Herkunft der Nahrung ganz allgemein keineswegs gleichgültig, sondern von allerhöchster Bedeutung. Der Organismus würde dann nämlich imstande bzw. genötigt sein, lebendige Zellsubstanz andere Organismen als Zellbausteine in sich aufzunehmen. Wenn diese Substanz aus intakten Zellen, Geweben und Organismen stammt, so wird sie dem Ideal gesunder Zellen entsprechen und imstande sein, Zellen, Gewebe und Organismen physiologisch zu ernähren, ja sogar imstande sein, die biologische Wertigkeit jener Zellen aufzubessern, deren Substanz nicht mehr dem Ideal entspricht.

Ohne Zweifel war die Übertragung „lebendiger“ Substanz, ja schon die Übertragung spezifischer Nukleinsäure-Komplexe von Organimsus zu Organismus von ungeheurem Einfluss auf die Gestaltung der menschlichen Zivilisation. Es wäre dann nämlich nicht allein wichtig, dass diese lebende Substanz Organismen entstammt, deren biologische Existenz durch natürliche Angriffe nicht gefährdet werden, dh. die gesund sind.

Die Frage nach der Gesundheit eines Nahrungsmittels war mehr die Frage der Hygiene und der Rentabilität, aber nicht die Frage der biologischen Wertigkeit. Bei der meist in Großbetrieben gezogenen Pflanzennahrung ist der gewichtsmäßige Ertrag entscheidend, nicht aber die Gesundheit der Pflanze. Die Umwandlung der natürlichen Gesundheit in eine „künstliche“ bei Tieren und Kulturpflanzen verhindert jedes exakte Urteil über die wirkliche Gesundheit. Man weiß nicht mehr welche unserer Nahrungsspender imstande sind, uns brauchbare Zellsubstanz zu liefern.

Es steht entschieden außer Zweifel, dass dem Menschen von heute nur eine Nahrung zugeführt wird, die in jeder Beziehung biologisch minderwertig ist.

Beispiel: die Kartoffel, hat sie keine physiologische Makromolekular-Nahrung zur Verfügung, schwindet ihre Abwehrfähigkeit, sie wird virus-krank oder fällt dem Kartoffelkäfer zum Opfer. Sie wird das Opfer ihrer Zellgewebe-Entartung infolge einer falschen Düngung.

Zellgewebe-Entartungen sind zahlreiche infolge der biologische minderwertigen Ernährung auch beim Menschen festzustellen, möglicherweise bereits bei Kindern, bei denen man dann mit Mandel- und Blinddarmoperationen versucht das Übel zu heilen.

Im Kreislauf der Substanzen zur Ernährung der Organismen scheint demnach der biologisch wichtigste, ja entscheidende, der Kreislauf der spezifischen lebendigen Substanz zu sein. Es ist aber der zugleich am wenigsten erforschte.

 

 

 

110., 111., 112. Artikel Herbst 1984/3 Herbst 1985/3 Christmonat 1985/4 – „Siegt die Chemie oder der Schädling?“

Das chemisch-technische Zeitalter hat uns gelehrt, aus der Ordnung der Natur auszubrechen, ewige Gesetze durch menschliche zu ersetzen. Wir tun dies überall! Nicht nur mit schädlichen Insekten, sondern auch mit Bakterien und Viren. Wir sind allmählich auf einen ganz verhängnisvollen Weg geraten und haben es kaum bemerkt. Man verbreitet heute in einem Ausmaß lebensfeindliche und lebenshemmende Stoffe in der Natur, dass sich der Nichteingeweihte kaum eine rechte Vorstellung davon machen kann. Ein kleiner Bruchteil der heute verwendeten Pflanzenschutz-Gifte würde genügen, um die ganze Menschheit auszurotten.

Das ist ein sehr gefährliches Spiel mit natürlichen Dingen, dessen Folgen wir wahrscheinlich selbst nur zum Teil, desto mehr aber unsere Enkel und Urenkel zu tragen haben.

Die Schöpfung lässt nicht mit sich spaßen, wir können es uns nicht leisten Instinkt und natürliche Gefühle für echte Gesundheit verkümmern zu lassen, unser Gewissen mehr und mehr zu verlieren und uns einzubilden, wir könnten uns vor den Konsequenzen unnatürlichen Handelns drücken. Die Wahrheit ist doch eine ganz andere.

Im Kampf gegen ihre natürlichen Feinde hat die Menschheit in den letzten Jahrzehnten unvergleichliche Erfolge errungen. Die Wissenschaft hat ihr Waffen in die Hand gegeben, die es gestattet ihre Widersacher und seien sie noch so zahlreich heimtückisch oder unsichtbar bis in die geheimsten Schlupfwinkel zu verfolgen und mit dem Masseneinsatz chemisch-technischer Methoden zu vernichten.

Wir stellen nur hier eine der dringendsten Menschheitsfragen: Ist der chemische Giftkampf ein taugliches Mittel am tauglichen Objekt?

Ein jedes Lebewesen auf der Erde mus sich seiner Feinde erwehren. Wer das nicht kann tritt früher oder später von der Bühne des Lebens ab; so will es ein unerbittliches Naturgesetz. Es geht in der Natur um die Aufteilung der lebendigen Materie, denn sie ist eine gegebene Größe. Jeder Organismus muss um seinen Anteil kämpfen und eines lebt immer vom Tode des anderes. Die Art und Weise allerdings wie sich die Organismen des Lebens erwehren und die Nahrung erkämpfen ist außerordentlich verschieden. Auch für uns Menschen, die wir uns seit 100 Jahren so rasch vermehren, gibt es scheinbar keine andere Wahl anderes Leben zu vernichten um selbst leben zu können. Die Art unserer Waffen hat jedoch eine etwas andere Art als die Waffen der Kreatur. Letztere gehören untrennbar zum Organismus, ihr Träger haftet mit seinem Leben, diese einfache Tatsache zieht die Grenzen des Erlaubten, Grenzen die unser Giftkampf nicht hat. Unser Gift ist etwas Unpersönliches ohne eigene Verantwortung. Ein einziger Mensch kann mehr Gift produzieren als alle anderen Organismen zusammen.

Was es da in der Natur an Giften, an Fingerhut Giftpilzen und Tollkirschen gibt, ist ein reines Kinderspiel gegen die Produktionskapazität der chemischen Industrie. Um diesen bedeutsamen Unterschied geht es hier. Nicht einmal an Nahrung kann sich eine Pflanze unbeschränkt aneignen was sie will, so vermag sie auch nicht mehr Gift zu produzieren als sie selbst zu ihrem Schutz gebraucht.

Aber aus diesem Paradies der Hamonie zwischen allem Lebenden wurde der Mensch ausgeschlossen. Nur eins konnte ihn im Kampf ums Dasein retten: Sein Großhirn, jenes Organ, mit dem er alles schuf was Menschen je geschaffen haben. So schuf er Waffen, die sie ihresgleichen in der Natur nicht haben. Mit Pfeil und Bogen begann es noch ganz harmlos und reicht heute zur wirksamsten Waffe: Das Gift. Gift in vielerlei Gestalt, in ungeheuren Mengen, in Hunderttausenden von Kilogramm jährlich. Auf jeden Fall genug um zu beschützen, was zu beschützen ist: Menschen Haustiere Nahrungspflanzen, genug um auszurotten, was uns gefährlich werden kann: Schädlinge und Krankheitserreger; einmal erkannt sind sie verloren.

Noch nie war die Macht der Menschen über die übrige Kreatur so groß! Sie bestimmen was leben darf, was sterben muss. Die meisten Gifte stammen heute aus der Retorte, an Lebensvorgänge ist diese Produktion überhaupt nicht mehr gebunden, man kann davon soviel herstellen wie man will, aus leblosen Stoffen, die unerschöpflich sind. Zur Zeit ist unser Leben ohne diesen künstlichen Schutz undenkbar geworden. Wir können – so sagt man – nicht zu Unrecht nur leben, wenn die Chemie uns ernährt und beschützt.

Das ist in der Tat eine Situation, die es früher noch nie gegeben hat in jeder Beziehung. Noch nie war es möglich mit so tödlicher Sicherheit feindliche Organismen bis in ihr tiefstes Inneres zu verfolgen und mit satanischer Genauigkeit umzubringen. Vollständiger kann der Sieg der Chemie, so scheint es, über die Feinde des Menschen eigentlich nicht sein. Diese unsere Kampfesweise gegen das nicht menschliche Leben auf der Erde wird als der größte Fortschritt der modernen Wissenschaft gepriesen. Wenn heute die Menschheit ohne die Chemie nicht leben kann, so ist zu fragen, ob man die Mittel hat, die dahintersteckende ungeheure Verantwortung auch in Zukunft zu tragen.

Die Gifte der Natur sind bedingte oder relative, die anorganisch-chemischen aber unbedingte oder absolute. Nun fehlt aber der dringend notwendige nächste Schritt nach der Erforschung der Symbiosen (Erforschung des Einzelnen, Zergliederung des Lebendigen) die Suche nach dem einen allgemeinen Gesetz, das alles Lebende zusammenhält: Nach dem Erringen grenzenloser Macht mit naturwissenschaftlichen Mitteln fehlt die Erkenntnis der natürlichen Grenzen dieser Macht, es fehlt das Maß aller Dinge!

Es fehlt die Direktive ohne die wir die Last der Verantwortung für unsere so komplizierte Lebensordnung nicht tragen können. Die Erforschung des Gemeinsamen alles Lebenden steckt noch in den Anfängen. Es ist jedoch fast kein Zweifel mehr daran dass die Geburtsstunde einer neuen Erkenntnis geschlagen hat, der Erkenntnis von der unbedingten Gemeinsamkeit alles Lebendigen, der Erkenntnis dass niemand auf der Erde auf die Dauer gesund sein kann ohne die Gesundheit der gesamten Kreatur ohne jede Ausnahme.

Es ist sehr zu bedenken, dass es nicht gleichgültig ist, ob die lebende Materie unserer Nahrungsspender durch den Giftschutz vielleicht irgendeinen Schaden erlitten hat, der sich künftig bemerkbar macht. Solche Nachweise sind bereits erbracht worden, daher können wir nicht für einen einzigen Giftstoff garantieren, den wir in unserem Lebensbereich anwenden.

Wir haben uns vorzustellen, dass der weltumsapnnende Giftkapf zwar nicht von heute auf morgen, in langen Zeiträumen aber umso sicherer eine Werteverschiebung im organischen Bestand der Erde herbeiführt.

Auch dafür gibt es bereits gewisse Anzeichen. Der übertriebene Gebrauch von Antibiotika hat, aus zahlreichen Mitteilungen der Weltliteratur zu schließen, mancherorts schon eine Umschichtung des Bakterien-Bestandes bewirkt. Unter diesen Umständen bleibt uns die Feststellung, dass dieser „Retter in der Not“ das Antibiotikum für einen ausgedehnten Gebrauch ungeeignet ist; es ist immer noch besser, wenn man es nicht nötig hat.

Das Beste wäre es, sich nach Wegen umzusehen und das geschieht hie und da, zB. das Einsetzen der roten Waldameisen gegen Waldschädlinge, die Züchtung resistenter Obst- und Kartoffelsorten um den Giftschutz entbehren zu können, Heilkunden die sich bemühen ohne Gift auszukommen, reine Humuswirtschaft die den Kulturpflanzen ihre natürliche Widerstandskraft zurückgibt; alles Pionierarbeiten von Einzelnen Mutigen.

Noch ist der umfassende Giftkampf das Mittel der Wahl, noch ist die Überzeugung nicht Allgemeingut, dass die gerufenen Geister gefährlich sind, dass das Mittel der Wahl untauglich und gefährlich ist. Nicht nur das Mittel ist untauglich, auch das Objekt ist es. Eine Pflanze oder ein Nutztier zu erhalten, das ohne künstlichen Schutz sterben würde, ist für uns kein echter Gewinn. Die Substanz eines Geschöpfes, das nicht einmal die primitivste Kraft zur Selbsterhaltung hat, kann nicht vollwertige Nahrung sein. Wenn wir die Kartoffeln vor dem Käferfraß und uns selbst vor dem Bakterientod bewahren, so sind weder wir noch die Kartoffeln besser, gesünder, widerstandsfähiger geworden, im Gegenteil. An uns ist es, uns und unsere Schützlinge stark und widerstandsfähig zu machen, bis sie des künstlichen Schutzes nicht mehr bedürfen, indem wir sie in die Gemeinschaft des Lebendigen zurückführen. Mit Halbheiten ist da nicht zu helfen!

Die Situation ist eindeutig, sie muss ihre Meister finden.

 

 

 

109. Artikel Sommer 1985 – „Weshalb ergibt Stallmist und Laub zusammen keinen wertvollen Kompost?“

Die biologische Boden- und Kompostuntersuchung deckt manchen Fehler auf, der bislang bei der Kompostbehandlung gemacht wird. Sie hat zum Beispiel auch erwiesen, dass die Beimischung von Laub zu Komposten eine höchst ungünstige Wirkung auf die lebendigen Vorgänge bei der Kompostierung hat.

Beim Kompostieren soll die in dem Ausgangsmaterial enthaltene Lebendsubstanz möglichlist vollkommen und hochwertig erhalten bleiben. Wenn man das erreichen will, dann muss man dafür sorgen, dass die Lebensvorgänge im Kompost keinen Augenblick abreißen. Sie dürfen niemals unterbrochen werden. Die für die Umsetzung zuständigen Geschöpfe, Pilze, Bakterien, Würmer (zB. der Regenwurm) formen die Lebendsubstanzen des Ausgangsmaterials so um, dass eine Lebendsubstanz entsteht, die echte Humussubstanz zu bilden imstande ist.

Wird nun dieser Umsetzungsprozess in irgend einer Weise unterbrochen, stirbt die Lebendsubstanz teilweise ab und verliert mehr und mehr an Wert und der Kompost wirkt nur noch zu einem geringen Teil fruchtbar.

Demgemäß ist das wichtigste Problem bei der Verwertung von Abfallmaterial die richtige Lagerung und Behandlung. Und ganz genau so ist es mit den Komposten, die aus betriebseigenem Material landwirtschaftlicher Betriebe aufgesetzt werden, schon geringe Fehler können das Material so entwerten, dass sich das Aufsetzen nicht mehr lohnt.

Es kann aber keinen Zweifel daran geben, dass die richtige Kompostierung das weitaus beste Verfahren für die Verwertung von Humusstoffen ist, ganz besonders im Hinblick auf die Gesundheit der Erzeugnisse, die Garebildung im Boden, die Schädlingsfreiheit und die Stabilität der Wachstumsvorgänge. Wir müssen deshalb nach den Gründen suchen, wenn wir Entwertungen von Komposten bemerken.

Eine solche entsteht bei der Beimischung von Laub zu Stallmist. Das Laub legt sich flächenhaft zusammen, verklebt miteinander, bildet ganze Teller, die absolut luft- und wasserdicht sind. Auf diese Weise wird Lebensvorgängen im Kompost, die ja niemals aufhören dürfen, die Luft und das Wasser abgestellt; sie ersticken buchstäblich. Ohne Luft und Wasser gibt es kein Leben. Laub ist als Beimischung zu Komposten nicht geeignet, besonders nicht in bedeutenden Mengen.

Laub wird in Gärtnereien einzeln verkompostiert zu Lauberde, die über vorzügliche Lockerungseigenschaften verfügt.

 

 

106., 107., 108. Artikel Frühjahr Sommer Herbst 1984 – „Ehrfurcht vor dem Leben“

Dass wir uns mit der einseitig technisch-materialistischen Entwicklung die Probleme selbst geschaffen haben, soll man nicht bezweifeln. Als die moderne Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Seuchenhygiene, Chirurgie und allgemeine Fürsorge geschaffen wurden, wuchs die Menschheit rapid an. Die natürliche Auslese, die nur die Besten zu Leben und Fortpflanzung zulässt, wurde abgeschafft. Die Masse „Mensch“, die entstand, fordert Nahrung, Wohnung und Organisation, Massenerzeugung von Nahrung und technisierte Anstrenung ungewöhnlichen, nie dagewesenen Ausmaßes. Das sind die Probleme, und sie sind nicht wegzudiskutieren. Man muss mit ihnen rechnen, will man nicht die schönste und reinste Frucht menschlichen Geistes, die Humanität, über Bord werfen.

Es stellt sich die Frage: sind alle die meist selbstgeschaffenen zum Teil unsagbaren Probleme heilbar? Ist es möglich, die heutigen Übel nicht nur mit Korrekturen zu Fall zu bringen? Es wäre möglich, wenn wir nicht mit Korrekturen allein zu Werk gingen, sondern in Harmonie mit allem Lebendigen. Unser Wissen ist Ganzheit gegenüber der leblosen Materie, unser Wissen ist Stückwerk gegenüber der lebendigen Materie, hier werden Fehler über Fehler gemacht.

Was wir heute erleben, ist ein Übergang in eine andere Zeit mit allen Geburtswehen, Wirrnissen und Unklarkeiten, wie sie stets eine solche Zeit kennzeichnen. Es wird ein Haus geflickt mit Rissen, das an sich ein neues Fundament bräuchte.

Die Wissenschaft muss versagen, wenn sie die Regeln und Gesetze des Anorganischen, des Leblosen, auf das Lebendige anwendet. Die lebendigen Vorgänge sind nicht mit den Forschungsmitteln zu durchschauen, mit denen man das Leblose durchschaut. Die Physiker sind also imstande mit physikalischen Methoden nachzuweisen, dass das physikalisch-chemisch-mathematische Denken in der Welt des Lebendigen nicht gilt, weil dieses Denken menschliche Konstruktion ist, eine Hilfswissenschaft, deren Geltung zu versagen beginnt, weil sie nichts als vergängliche, augenblickliche Vorteile sucht, während die eigentliche Wissenschaft seit eh und je nur die Wahrheit sucht.

Und das ist nun der Aufzug eines neuen, eines anderen Zeitalters. Hier wird zum ersten Mal die chemische Bodenkontrolle unter die Direktive einer biologischen gestellt, einer Kontrolle der Lebensvorgänge des Bodens.

Es stellt sich die Frage, warum man denn überhaupt kontrollieren muss, da das natürliche Wachstum jedem künstlichen ohnehin überlegen ist? Dazu die Antwort: In einer Menschheit, die bald die 3000 Millionen Grenze überschreiten wird, gibt es eine Lebensordnung ohne wissenschaftliche Lenkung nicht. Deshalb müssen wir ja lernen, biologische Vorgänge zu kontrollieren, um sie lenken zu können. Anders werden wir niemals die chemisch-technische Epoche überwinden und darauf kommt es gegenwärtig an.

Es gilt die Prinzipien zu überwinden, auf denen unsere ganze derzeitige Lebensordnung ruht. Das kann man nicht mit Korrekturen, nicht mit dem Denken der chemisch-technischen Epoche, man kann es nur mit biologischem Denken und das ist eine neue, sehr schwere Sache. Das chemisch-technische Denken ist nicht über Bord zu werfen allein mit der Begeisterung für die gute Sache.

Die großen Entdecker des vorigen Jahrhunderts schufen die Möglichkeit die Masse der Menschen, die in früheren Zeiten Seuchen und Krankheiten unentwegt zum Opfer fielen, am Leben zu erhalten.

Die Chemotherapeutika und Antibiotika verdanken diesem Prinzip ihr Dasein ebenso wie die chemische Schädlingsbekämpfung. Beides wird als eine der höchsten Errungenschaften der Menschheit gefeiert. Trotzdem ist das Prinzip falsch, es ist unbiologisch.

Mit der Zeit bewirkt dieser allgemeine Giftkampf genau das Gegenteil dessen, was man erreichen will und beginnt es allmählich auch einzusehen. Um aber diese Maßnahmen entbehren zu können, muss man es zuerst besser machen können, und das geht nicht von heute auf morgen.

Man hat die spontane Abwehrfunktion der Organismen abgelöst, durch einen heute allenthalben wirksamen und künstlichen Schutz. Die Organismen werden beschützt, statt sich selbst zu beschützen. Man müsste um den künstlichen Schutz entbehren zu können, lernen, den natürlichen Selbstschutz willkürlich und unter lenkender Kontrolle herbeizuführen.

Nun ist es in der Biologie bekannt, dass verloren gegangene Funktionen nur in Geschlechterfolgen wirksam wiederbelebt werden können, also in sehr langen Zeiten. Wir haben uns durch augenblickliche Erfolge blenden lassen und die Zukunft darüber vergessen. Für diese Zukunft aber sind wir verantwortlich, mehr als für uns selbst.

Derzeit jedoch scheint die Menschheit wenig bereit, ihre Wege zu ändern, noch immer scheint die technische Entwicklung des Menschen wichtiger zu sein, als die biologische. Sie tut das ohne Rücksicht auf die Belange des Lebendigen, so absurd es auch klingt. Man versucht das Leben zu schützen mit Mitteln und Methoden, die gegen das Leben gerichtet sind.

Sollte die Menschheit von ihren Irrwegen nicht abzubringen sein, setzt sich auf jeden Fall die Kraft durch, die die Welt zusammenhält und sie lässt sich Zeit dazu, die sie ja auch hat, denn sie hat die Ewigkeit für sich. Wir betrachten das viel zu wenig.

Alle jene aber, die sich auf die wahren biologischen Wege begeben, oder sich auf ihnen befinden, die dem Leben des Planeten dienen, mögen nie vergessen, dass diese Wege für die Gemeinschaft der Menschen nur einen Sinn haben, wenn sie im richtigen Geist geschehen.

Das Wort „Geist“ ist sehr in Misskredit gekommen, seit man den Geist, der die Welt schuf, mit unserem menschlichen Geist zu verwechseln begann. Uns ist nicht mehr gegeben, als ein kleiner Einblick in die Dinge des Geistes. Wir haben zur Erkenntnis nichts als unsere Sinnesorgane und wenn wir sie durch Mathematik, Fernrohr und Ultramikroskop noch so sehr verlängern, sie bleiben unvollkommen. Sie vermögen das Geistige niemals exakt zu sehen und sie vermögen nur immer einen Teil des Ganzen zu sehen. Es gilt echte Erkenntnisse der tieferen Zusammenhänge im Reich des Lebendigen nicht mit Hilfe der sinnlichen Wahrnehmung allein, am wenigsten im lebendigen Experiment zu gewinnen. Wir können Überschallflugzeuge, Elektronengehirme und Raketen-Weltraumschiffe konstruieren, aber wir können nicht ein einziges Fünkchen Leben erwecken, nicht einmal eine Amöbe erfinden. Es fehlt uns das Wichtigste daran, das Leben.

Das ist eine nackte naturwissenschaftliche Tatsache und man hat sie als das oberste wichtigste Faktum zu nehmen. Bei den lebendigen Dingen können wir überhaupt nichts tun mit dem Geist der bisherigen Naturwissenschaften, wir können nur zusehen, was das Lebendige tut und was es zum Leben braucht. Diese Wissenschaft nennt man Biologie, die uns doch die Mittel gibt, mit dem Unerklärlichsten umzugehen, das wir haben, mit dem Lebendigen! Das Lebendige ist uns nicht zugänglich, ist unserem Willen nicht untertan, ist für unseren kleinen Geist nicht durchschaubar, ist unserem Verstand nicht begreifbar.

Ehrfurcht vor dem Leben: ist wohl die schwerste Aufgabe, die man Menschen stellen kann. Sie kann nur in tiefstem Ernst und mit eiserner Arbeit, ohne Hoffnung auf rasche Erfolge und ohne jeden Ansprch auf baldige Ernte erfüllt werden.

Der Welt des Lebendigen kommt man näher, wenn man Goethe liest, als wenn man die Erfolgsberichte unserer Industrielaboratorien studiert; man kommt ihr näher, wenn man alle die ehrfürchtigen Schriften aus der ganzen langen Menschheitsgeschichte studiert, die sich mit den Fragen des wahrhaft ewigen Lebens befassen. Wem das heute noch unbegreiflich ist, der taugt nicht zum biologischen Denken, weil er sich im technisch-chemischen-physikalischen Denken erschöpft hat.

Biologische Wahrheit findet man in Wirklichkeit nur dann, wenn der Geist, der über uns wohnt dabei mitwirkt.

Erfurcht vor dem Leben: die heutige Menschheit verdankt ihr Leben zum größeren Teil dem Mord am anderen Leben. Wir haben es uns einzugestehen! Die Maßlosigkeit zur zweiten Natur geworden, folgt dem technischen Wunder auf den Füßen, weil es auf den Leichen anderen Lebens entstanden ist.

Das Leben auf der Erde bildet eine unendliche Kette. Kein einziges Lebewesen ist in der Ordnung der lebendigen Schöpfung entbehrlich.

Machen wir uns dies zu Diensten, und wir werden eine bessere und glücklichere Menschheit haben als die gegenwärtige.

 

 

 

105. Artikel Christmonat 1983: Qualitätstestung von Nahrungspflanzen“

Für den Wert einer Pflanze als Lebensmittel ist entscheidend nicht ihr Gehalt an chemisch identifizierbaren Stoffen, sondern ihr Gehalt an spezifischer lebendiger Substanz und deren Gesamtwirkung auf den ernährten Organismus. Das geht aus der erst jetzt erforschten Tatsache hervor, dass alle Lebewesen sowohl die Pflanzen als auch die Tiere, ihre lebende Erbsubstanz nicht aus sich selbst heraus vermehren, sondern durch die Resorption lebendiger Partikel in etwa Virusgröße. Die Abhängigkeit eklärt sich daraus, dass die spezifischen Partikel und deren Wärmegrad abhängende Spezifität besitzen. Ist diese Spezifität im Sinne der biologischen Norm-Gesundheit beschaffen, so ist die Gesundheit des damit ernährten Lebewesens sicher.

Die Bildungsformen spezifischer lebender Substanz in Form von Vitaminen, Hormonen und Enzymen sind teilweise chemisch isolierbar und also messbar. Da uns aber bisher unbekannt ist, wie die organischen Träger dieser Substanzen beschaffen sein müssen, um biologisch der Norm zu entsprechen, und da uns außerdem die Komplexe aller solcher Wirkstoffe, die die biologische Gesamtwirkung ergeben, unbekannt sind, sind wir einstweilen, vielleicht auch immer, auf rein biologische Prüfmethoden angewiesen.

Nun besitzen wir in den sogenannten physiologischen Bakterien ein Lebewesen, dessen Lebensbedürfnisse weitgehend denjenigen gesunder Zellen und Gewebe entsprechen. Es handelt sich hier um die Masse der in der belebten Welt vorzufindenden Bakterien, die im Boden, auf und in Pflanzen und auf den Schleimhäuten tierischer Organismen leben und mit den von ihnen besiedelten Lebewesen eine Interessen-Gemeinschaft bilden. Was man zu den physiologischen Bakterien zu rechnen hat, ist in letzter Zeit mehr und mehr bekannt geworden, unter ihnen finden sich eine ganze Reihe solcher, die sich als Laboratorium-Stämme züchten lassen und deren biologische Eigenschaften relativ gut beobachtet werden können.

Diese Baktieren-Zellen bieten sich nun als Ersatz an, wenn man die Wirkung von Nahrungsmitteln auf unsere eigenen Körperzellen erforschen will. Was ihnen schadet, schadet auch uns. Man reicht ihnen gewissermaßen die zu untersuchende Materie als Nahrung und sieht zu, ob sie gedeihen oder nicht.

3 verschiedene Möglichkeiten werden erarbeitet, um sichere und zuverlässige Tests über die Qualität der Nahrungspflanzen zu erlangen. Mithilfe dieser Methoden hat sich erwiesen, dass die Nahrungspflanzen, die heute auf dem Markt sind, mit wenigen Ausnahmen, als nicht biologisch vollwertig bezeichnet werden können. Selbstverständlich steht diese bedauerliche Tatsache mit der Zunahme der sogenannten Abbauerscheinungen beim Menschen, beim Nutzvieh und bei den Kulturpflanzen in unmittelbarem, ursächlichen Zusammenhang. Sie ist deshalb für die Entwicklung einer zukünftigen besseren Landwirtschaft von ungeheurer, grundlegender Bedeutung. Es ist jetzt die Frage, welhe Wege bestritten werden müssen, um wieder zu einer lebensgesetzlich gesunden Nahrungspflanzen-Produktion zu gelangen, um die weitere Ausbreitung der Zivilisationskrankheiten der Menschen und des Nutzviehs zu verhindern und die Nahrung wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich sein kann: Erhalten der Gesundheit, Verhüter der Entartung und bester Helfer des Arztes.

Es hat sich nämlich gezeigt, dass der biologische Zustand des Bodens, auf dem die Pflanzen wachsen, stehts genau dem Zustand der Pflanzen entspricht. Ist er schlecht, so sind auch die darauf wachsenden Pflanzen schlecht, ganz gleich, ob sie oberflächlich gesehen als normal oder gesund imponieren oder nicht. Es genügt also vollständig, wenn wir in den Besitz biologischer Bodenprüfungen gelangen, die ein echtes Urteil über den Zustand des Humus gestatten. Der Humus ist nämlich die wesentlichste Nahrung der Pflanze, er bestimmt ihren biologischen Wert.