21. Artikel Frühjahr 1959

„Der praktische Nutzen von Bodenprüfungen“
Einen rentablen Landbau ohne wissenschaftliche Kontrollen gibt es heute nicht mehr. Ein Betrieb, der sie entbehren zu können glaubt, kann nicht konkurrieren und versagt in Krisenzeiten.
Im biologischen Landbau stehen wir im Stadium der Entwicklung von wissenschaftlichen Kontrollmethoden weil es solche Methoden bisher nicht gab; sie wurden nicht entwickelt, weil man glaubte, dass die Kulturpflanzen ausschließlich mineralisch, nicht aber auch organisch ernährt werden müssen.
In diesem Stadium ist die wissenschaftliche Arbeit mehr auf die Mitarbeit der Praktiker, d.h. der Betriebe angewiesen als umgekehrt; im nächsten Stadium kehrt sich das Verhältnis um, d.h. der Wissenschafter vermag dem Praktiker mehr zu geben als umgekehrt.
Wir befinden uns heute in unserer Arbeit ungefähr in der zweiten Hälfte des ersten Stadiums. Je intensiver der Praktiker, der Bauer und sein Betrieb, mitarbeiten, desto schneller wird das Stadium erreicht, indem er den weitaus größeren Nutzen von der gemeinsamen Arbeit heimträgt. Das gilt es zu erreichen.
Wir alle wissen, dass sich bis jetzt nicht eine einzige landwirtschaftliche Versuchsanstalt mit der wissenschaftlichen Vorarbeit für die Lenkung des organischen Landbaues befasst. Aus welchen Gründen, ist hier nebensächlich. Das für uns Entscheidende ist, dass wir ganz auf uns selbst angewiesen sind. Auf uns selbst, das heißt: Auf jeden einzelnen von uns, auch auf den kleinsten Bauern von uns.
Zur Zeit muss Jeder mitarbeiten, den biologischen Landbau zu einer hieb- und stichfesten, krisenfesten, rentablen Methode zu machen, damit wir den immer schärferen Kampf um die Gesundheit und um den Markt gewinnen.
Das können wir nur, wenn wir besser sind als die anderen. Wir können aber nur besser sein als die anderen, wenn wir die besseren Methoden und die bessere wissenschaftliche Arbeitskontrolle besitzen. Wir sind im Begriff sie zu bekommen, nicht zuletzt dank der mikrobiologischen Bodenprüfungen. Wir werden deshalb diese Arbeit in den folgenden Jahren noch bedeutend intensiver vornehmen.
Von einer wissenschaftlichen der Betriebskontrolle ist erstens ein mittelbarer und zweitens ein unmittelbarer Nutzen zu erwarten.

 

1.Der mittelbare Nutzen

a) Die Betriebsleitung, der Bauer bekommt Einsicht über Betriebsmittel, Arbeitseinsatz,
Notwendigkeit von Schulung, Absatz und Betriebsrentabilität.
b) Beratung in der Düngeranwendung, Gründüngung, Fruchtfolge, vergleichende Erfahrung
mit anderen Betrieben. Verbindung zwischen Lenkungsarbeit und der Mitarbeit der
Praktiker herstellen.
c) Die wissenschaftliche Lenkung bekommt Unterlagen. Unterlagen für die bestmögliche
organische und anorganische Düngeweise und die bestmögliche Art der Behandlung
organischer Dünger; für die Ausarbeitung notwendige Richtlinien um den biologischen
Landbau instand zu setzen, alle seine Ziele zu erreichen (Gesundheit, Rentabilität,
Giftfreiheit)

2.Der unmittelbare Nutzen

a) Der Betrieb erhält Unterlagen für 1) das Bodenleben zu kontrollieren, 2) den
Humusvorrat (Rücklage im Boden) zu überprüfen, 3) die biologische Qualität des Bodens
zu kontrollieren, 4) den ph-Wert zu überprüfen.
b) Der Betrieb erhält Unterlagen für Sicherstellung des Betriebes vom Boden her und damit
die Beeinflussung der Ertragshöhe und der Produktqualität; die Gesundheit im Viehstall
und Familie.
c) Es ist für den einzelnen biologischen Landbauer die Möglichkeit gegeben „Das
Biologische Denken“ zu erlernen das unentbehrlich ist, wenn man die Früchte
organischen Landbaues und deren Fortschritt überhaupt ernten will.
Die Praxis des biologischen Landbaues vollinhaltlich zu erlernen.
Wer die Sachlage kennt, muss im Gegenteil erstaunt sein, dass es gelungen ist, in wenigen Jahren Methoden zu entwickeln, die zu bereits 4/5 ein zutreffendes Resultat erbringen. Haben wir doch anhand der ausgedehnten Bodenprüfungen schon in diesen ersten Entwicklungsjahren grundlegende Fortschritte erzielen können, die wir selbst vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten hätten!
Während wir vorher völlig im Dunkeln tappten, wenn man uns fragte, was denn mit der Lebendigkeit und der biologischen Qualität von Böden und Komposten los sei, können wir jetzt in den allermeisten Fällen darauf eine begründete Antwort geben.
Helfen wir deshalb alle wie bisher mit, unserem biologischen Landbau die Sicherheit und Stabilität zu geben, die er braucht, um seine großen Aufgaben an Ernährung und Gesundheit zu erfüllen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.