32. Artikel Sommer 1962

„Die Bedeutung des Ton im Boden“

Bakteriengare oder Zellgare (die Mikrobenzellen lassen sich im Labor auszählen) durch Lebendverbauung von Sekera zuerst beschrieben: die tote Mineralsubstanz der Oberschicht wird durch Bakterienkolonien lebend verbaut, dadurch Luftzutritt und Gasaustausch auch für die tieferen Bodenschichten. Diese Gare ist jedoch vergänglich, mangelt es dem Bodenleben an Nahrung, hört die Lebendverbauung auf und die Krümelbeständigkeit schwindet. Daher ist Sorge zu tragen, diese Bakteriengare, die wegen der Bodenbelüftung und der Aufnahme der Niederschläge unverzichtbar zu erhalten durch öfteres Füttern des Bodens (Bodenbedeckung und Flächenkompostierung).
Plasmagare: sie ist im Gegensatz zur Lebendverbauung beständig; hier beginnt der Ton seine Rolle zu spielen. Die Voraussetzungen für eine Fruchtbarkeit der Erdoberfläche waren die Verwitterung des Gesteins, seine Aufspaltung, Zerkleinerung bis zu einer körnig-mehligen Oberschicht durch Urstürme, Vulkanausbrüche, Wolkenbrüche, durch Frost und Wasser. Im Laufe dieser Verwitterungsvorgänge entsteht auch der Ton. Der Hauptbestandteil aller Gesteine ist die Kieselsäure in Form von Silikaten, aus ihnen entsteht der Ton als Verwitterungsprodukt, nicht durch einen chemischen, sondern einen physikalischen Abbau; er ist also eine physikalische Struktur mit den Silikaten als echte Kristalle, diese werden durch die Verwitterung zerkleinert bis zum Ton-Kristall, welches allein die Fähigkeit besitzt als Mineral in inniger Beziehung zur lebendigen Substanz zu treten und damit die allererste und wichtigste Voraussetzung zur Fruchtbarkeit zu bilden.
Der Kristall ist die mineralische Ordnungskraft der Mutter Erde, die Tonkristalle sind daher Ordnungsgefüge. Die lebenden Substanzen sind ebenfalls Ordnungsgefüge, diesmal lebendige. Sie sind aperiodische Kristalle (Leben), im Gegensatz zu den periodischen Mineralkristallen. Die Kräfte der Tonkristalle und die Kristalle der Lebendsubstanz begegnen sich im Boden, umarmen einander und gehen jene „Ehe“ zwischen mineralischer und lebendiger Substanz ein, die der wirkliche Urgrund der natürlichen und dauerhaften Fruchtbarkeit ist. Hier begegnen sich die Ordnungen aus dem lebendigen und dem toten Bereich der Stoffe.
Wir sprechen diese Wahrheit hier zum ersten Mal aus. (Sie wird hier erstmalig exakt definiert, Hennig) Sie ist in der landwirtschaftlichen Lehre noch nicht bekannt. Genauso hat man den ungeheuren, lebhaften Kreislauf der lebenden Substanzen im Boden bis jetzt ganz übersehen und nicht für möglich gehalten und doch ist er die Voraussetzung wahrer Fruchtbarkeit.
Der Ton ist also die mineralische Grundlage der Bodenfruchtbarkeit. Ohne ihn wäre der Kreislauf der lebendigen Substanz über den Boden gar nicht möglich, jedenfalls nicht in einer Form, die uns den Kulturanbau von Nahrungspflanzen erlauben würde. Das sicherste Mittel die Tonkristalle heil zu erhalten ist die organische Düngung, die Humuswirtschaft. Synthetische Düngesalze zerkleinern das Tonkristall und machen es wertlos. Der Tonkristall ist also das mineralische Gegenstück der Ordnungsgefüge lebender Substanzen. Es ist gut von diesem Geheimnis zu wissen.

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