31. Artikel Frühjahr 1962

„Der Stand unseres Wissens über die Ernährung der Pflanzen (Ein Blick auf den gesundheitlichen Wert der Nahrung)“

Als ich vor langer Zeit mit Bodenstudien begann, war dies die einzige Frage, die mir gestellt war: was muss im Boden vorgehen, wenn er fruchtbar sein soll, und was muss in ihm vorgehen, wenn er gesunden Pflanzenwuchs produzieren soll?

Welche Maßnahmen sind imstande hier Aufschluss zu geben?

1. Rusch-Test, der in der Lage ist sowohl die Fruchtbarkeit als auch die biologische Güte eines Bodens zu bestimmen (wurde später vielfach kritisiert und findet wenig mehr Verwendung)

2. Der Regenwurmbesatz eines Bodens; der Regenwurm zeigt hauptsächlich an, wieviel organische Substanz herangebracht wurde und in noch unzersetzter Form vorhanden ist

3. Die Beobachtung der „schönen Gare“ oder des „garen Bodens“, wenn ein schwerer Boden als gar imponiert oder ein hängiger Boden nicht abschwemmt

4. Der zuverlässigste Test für den Boden ist die Pflanze: wenn an der Pflanzung etwas fehlt, so fehlt es am Boden. Eine Ausnahme ist das zögerliche Einsetzen des Frühjahrswachstums ehe die Bodenwärme einsetzt; dieses aber ist natürlich und darf nicht gestört werden durch Treibdünger.

5. Ein sehr zuverlässiger Test ist die gesundheitliche Entwicklung der Nutztiere, insbesondere des Milchviehs. Wo Krankheit auftritt, stimmt im Allgemeinen am Boden noch etwas nicht; gesunder Boden garantiert einen gesunden Stall.

Nun stellt sich die Frage, um die es hier geht: Was lehrt uns das biologische Denken, die biologischen Teste und die Erfahrung bezüglich der Ernährung der Pflanzen, wenn sie eine vollkommene Nahrung für Mensch und Tier sein sollen?

1. Wer gesunde Nahrung produzieren will, muss auf jeden künstlichen Treibdünger konsequent verzichten, da jede wirksame Kunstdüngung, das heißt, eine die sich lohnt vom ersten Tag ab, ihr Zerstörungswerk am biologischen Gefüge der Organismen „Pflanze und Boden“ beginnt. Kunstdünger sind der synthetische Stickstoff und die künstlichen Düngesalze; sie werden der wachsenden Pflanze – ohne die Mitwirkung des Bodens – aufgezwungen, indem sie die „Barrieren“ der Boden- und Wurzelflora durchbrechen und mit dem ständig einströmenden Wasser gelöst in die Pflanze hineingepumpt werden. Die Pflanze muss nun sehen, was sie mit diesen Salzen anfängt; sie muss sie, da sie sie nicht wieder loswerden kann, „verbauen“, das heißt in ihrem Gewebe so verteilen, dass sie nicht mehr als unnatürliche „Stoffwechselfehler“ wirken und sie gefährden können – die Pflanze muss wachsen, ob sie will oder nicht. Also produziert sie plötzliches, unplanmäßiges Wachstum, reißt allen verfügbaren Humus an sich, aktiviert überstürzt die Chlorophyllbildung (das heißt sie wird rasch dunkelgrün), um genug Nährstoffe zu übereiltem Bau zur Verfügung zu haben und bekommt einen stark künstlich überhöhten Stoffwechsel („fiebernde Pflanzen“, Aaland). Damit ist die Harmonie der Wechselbeziehung zwischen Boden und Pflanze, die Grundlage für den gesunden, natürlichen Pflanzenwuchs, beseitigt; die Pflanze beginnt den Raubbau am Bodengefüge, am Humusvorrat, und nach kürzerer oder längerer Zeit ist nicht nur das Erbgut und das Abwehrsystem der Pflanze verdorben, sondern auch der „Organismus Mutterboden“.

2. Wer gesunde Nahrung produzieren will, muss auf chemische Gifte im Landbau vollkommen verzichten lernen, denn die Anwendung von giftigen Spritz- und Stäubemitteln (Pflanzenschutzmitteln) gegen Krankheit und Schädling beseitigt alsbald die biologische Qualität des Bodens.

3. Dünger und Düngung müssen so gelenkt werden, dass das höchstmögliche Ergebnis bezüglich der Lebenskraft der Böden und ihrer Qualität dabei herauskommt. Wirtschaftsdünger, Grünkompost, Güllen und Jauchen müssen durch eine Rotte mit Luftzutritt um nicht in der Fäulnis ohne Luftzutritt Gifte zu erzeugen. Neben der Haufenkompostierung, Entwicklung der Oberflächenkompostierung bei der die Humifizierung nachgeahmt wird wie sie in der Natur vor sich geht, und dieses Verfahren ist auf jeden Fall das Richtige.

4. Außerordentlich wichtig für die Frage der biologischen Boden- und Pflanzenqualität ist die Bodenbearbeitung selbst. Die Humusbildung im Boden geht in Schichten vor, von denen jede ihre eigenen Spezial-Bakterien und –kleintiere besitzt. Ein Umstürzen des Mutterbodens bringt diese verschiedensten Lebensvorgänge so durcheinander, dass die regelrechte Humusbildung sehr behindert wird.

5. An der Humusbildung sind auch bestimmte Pflanzen vorzüglich beteiligt, wie Klee, Leguminosen und Gras, die in Form von Gründüngung sehr viel zur Produktion gesunder Nahrung beitragen.

6. Ein großer Fehler ist das Unterbringen unreifer und halbreifer organischer Dünger in den Boden. Jedes tiefere Einarbeiten (unterhalb 5cm), insbesondere das Unterpflügen auch des frischen und halbreifen Stallmistes oder der Gründüngung ist ein Frefel am Boden und am Dünger zugleich. Die Humusbildung läuft ganz falsch ab, es bilden sich Torfe und Fäulnisgifte.

7. Bodendecken als Schutz gegen Licht, gegen Austrocknung, gegen zu starke Abkühlung oder Erwärmung, Schutz für die Bodentiere sind von großer Bedeutung und gehören zur Humuswirtschaft wie die Flächenkompostierung und die Gründüngung, auch das macht uns die Natur vor. Die Bodendecken sind dünn aufzutragen, Mitschleier!! Das ihre Rotte durch Luftzutritt nicht gehindert wird.

8. Die Mineralfrage: ein stets lebendig gehaltener Boden braucht nur sehr geringe Mengen an Mineralsalz. Der Pflanzenwuchs und die Pflanzengesundheit sind nur dann vollkommen und biologisch, wenn die Pflanze ihre Mineralstoffe aus den Lebensvorgängen des Bodens, das heißt in Form organischer Moleküle und Molekülteile in sich aufnehmen kann und nicht in Form anorganischer Mineralien. Es kommen daher nur Mineraldünger in Frage, die vom Bodenleben zunächst aufgeschlossen werden müssen, so dass sie ganz genau den Bedürfnissen der lebenden Pflanzengewebe entsprechen, wie Urgesteinsmehl mit seinen zahlreichen Spurenstoff-Vorräten, Rohphosphat, Kalkmergel, andere Kalksteinmehle, sowie siliziumhaltige Lehme und Tone (Bentonit).

 

Gedanken über die Düngung im biologischen Landbau: Man muss sich radikal von den chemischen Vorstellungen frei, dass eine Düngung gut sei, wenn man ihre Wirkung alsbald zu sehen bekommt, das eine Düngung nur gut ist, wenn sie unmittelbar die Erträge steigert.

Die wahre biologische Düngung wirkt niemals direkt! Ein Boden, dem auch eine stark-zerrende Hackfrucht nichts anhaben kann, weil er einen hohen Humusvorrat hat, entsteht in 3 Jahren, nicht in Monaten oder gar Wochen, die echte Humuswirtschaft will erreichen, dass der Boden immer und zu aller Zeit hohe Testwerte hat, ganz gleich, ob darauf Gründüngung, Getreide, Futter oder Hackfrucht wächst.

Der beste biologische Bauer ist der, welcher alljährlich das Bodenleben gleichmäßig organisch ernährt.

So haben wir jetzt schon ein fest umrissenes Programm im biologischen Landbau praktisch erprobt, wissenschaftlich untermauert und immer nur auf das hohe Ziel gerichtet: Gesundheit zu schaffen für die Mitmenschen, die von unseren Früchten leben. Denn sehr viel mehr, als man bisher gewusst hat, hängt das gesundheitliche Schicksal der Menschen vom Landbau ab.

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