34. Artikel Winter 1962

„Das Schicksal der lebenden Substanzen im Humus“ 

Das grundsätzlich neue und andere an der biologischen Auffassung von der Bodenfruchtbarkeit ist das Eingeständnis, dass es uns Menschen nicht möglich ist, den natürlichen Ablauf des Stoffwechsels zwischen Lebewesen, sei es bei Mensch, Tier, Pflanze oder Boden irgendwie künstlich nachzuahmen.

Eine willkürlich abgeänderte Zusammensetzung der Pflanzennahrung bekommt den Pflanzen nicht gut, sie werden anfällig und krank und diese Anfälligkeit geht nachher auch auf Menschen und Tiere über, die von solchen Pflanzen leben. Der bestmögliche Ablauf von Lebensvorgängen erfordert nicht einige Mineralstoffe oder Elemente sondern viele Dutzende, die man nicht willkürlich auswählen kann und bei denen zuweilen winzige Spurenstoffe wichtiger sind, als die sogenannten Kernnährstoffe.
Die Lebewesen des Bodens sind die ältesten auf der Erde, sie haben zuerst das Lebendige organisiert und damit das höhere Leben erst möglich gemacht. Sie sind auch heute noch die wahren Schöpfer des Lebens, weil sie genauso wie früher an der Schwelle zwischen mineralischer und lebender Substanz stehen. Es ist also wohlbegründet, wenn wir verlangen, der Bauer müsse die Bildung der Fruchtbarkeit seines Bodens den Lebensvorgängen überlassen und dürfe sich nicht mithilfe „pflanzenverfügbarer Dünger“ in diese Vorgänge einmischen.
Einer der wichtigsten Vorgänge ist die Handhabung der organischen Dünger als Förderer der Lebensabläufe im Boden.
So ist die Bildung der Lebendverbauung erstmals von Sekera beschrieben, die alljährlich neu entstehende mikrobielle Gare = Zellgare, nur mit frischem, organischem Abfallsmaterial möglich, oben draufgelegt als Flächenkompost.
Die von der Lebendverbauung zurückbleibende lebende Substanz wird im Boden gespeichert, indem sich die Großmoleküle mittels bestimmter Ionen (Ca, K, Mg) an die Huminstoffe und Tonkristalle anlagern und so einen Humusvorrat bilden. (Plasmagare oder makromolekulare Gare)

Von großer Bedeutung für die Pflanzennahrung ist die Qualität des organischen Düngers, je abwechslungsreicher dieser ist, umso wertvoller das Bodenprodukt; Stallmist, Gründüngung, Urgesteinsmehl, Horn- und Knochenmehl. Die Ernährung des Bodens soll mäßig, aber vielseitig sein, dies ist eines der Geheimnisse der echten Humuswirtschaft.
Die Lebensprozesse ausgelöst durch die Garebildung sollen ungestört ablaufen dürfen, daher Einschränkung der Bodenbearbeitung auf das notwendigste. Die Güte der Nahrung für Mensch und Tier hängt ganz allein vom Schicksal der lebenden Substanzen ab und was darin der Boden leistet entscheidet über unser Schicksal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.