42. Artikel Sommer 1965

„Humus und der Mensch“ 

Als der Mensch zu Milliarden angewachsen, die Schätze der Erde in seine Verwaltung nehmen musste, da wurde dieses Schicksal auch dem fruchtbaren Boden zuteil. Man tat es mit dem Wenigen, das man von ihm wusste, aber man tat es in weltweitem Umfang. Damit wurde der moderne, wissenschaftliche Mensch, nicht wissend und nicht wollend zum Zerstörer der Fruchtbarkeit, zum Verschwender der „Alten Kraft“ des Bodens zum größten Feind des Humus.
So kommt es, dass der Mensch nicht nur mit seinen Atombomben seinen chemischen Giften, sondern auch mit der Zerstörung der eigentlichen Fruchtbarkeit, also des Humus, an seiner eigenen Vernichtung arbeitet, und sie wird kommen, wenn er sich nicht anders besinnt.
Durch die Erschaubarkeit der Erde durch das Mikroskop wissen wir heute, dass die Vielgestaltigkeit des Lebens im Boden ihresgleichen nicht hat. Tatsächlich ist das Leben in der Erde viel mannigfaltiger als das Leben über der Erde.
Nicht ein einziger dieser Bodenorganismen ist überflüssig, jeder hat seine spezielle Aufgabe zu erfüllen. Niemals wird man dieses Spinnennetz von biologischen Vorgängen entwirren, erklären oder gar nachahmen können. Es ist als gegeben hinzunehmen, wir haben damit zu arbeiten, ohne es zu gefährden und haben ihm sein Dasein zu sichern. Dieses Riesenheer von Kleinlebewesen von einer Größenordnung von ca. 1/1000 mm, ist der Produzent des Humus, des ewigen Quells des Lebens in der Muttererde und durch nichts anderes ersetzbar.
Es gibt also im fruchtbaren Boden etwas das in millionen- und milliardenfacher Ausführung imstande ist, anderen Lebewesen als Nahrung zu dienen und ihnen diejenigen Wirksamkeiten zuzuführen, die wir Leben, lebendige Substanz, nennen.
Diese milliardenfache Vielfalt und Auswahl ist notwendig um die Kulturpflanzen mit allen ihren Nachkommen gesund zu halten und damit uns eine vollkommene Nahrung zu schaffen.
Was wir den Bodenlebewesen an Nahrung geben, wir nennen es Düngung, muss daher so vielfältig sein, wie es Bodenflora und nachfolgend der Humus verlangen.
Alle Handlungen des Landbaues müssen darauf abgestellt werden, den natürlichen Fluss der lebendigen Wirksamkeiten ungestört zu lassen und alles zu tun, was seinen Fluss fördern kann.
Die Kunstdüngung ist das Ergebnis chemisch-analytischer Forschung und was man hier an Nährstoffen für die Pflanze entdeckt hat verabreicht man als Kunstdünger, in Form von toten Salzen, die wasserlöslich sind und damit kann die Pflanze aufnehmen so oft sie Wasser braucht. Der Boden hat dabei kein Wort mehr mitzusprechen, seine ordnende Kraft ist ausgeschaltet.
Die Mikrobenflora, die ebenfalls von den Kunstdüngernährstoffen ihren Teil bezieht, muss aber auf die Zufuhr von den lebendigen Wirksamkeiten aus dem Lebenskreislauf verzichten. Der so gewonnene Humus ist halbherzig.
Der Humus geboren aus der Vielfalt der Bodenflora, entstanden ohne Störung des biologischen Gleichgewichts vermag allein zu vermitteln wessen wir im biologischen Landbau bedürfen: Biologische Ordnung.
Die lebendige Welt geht ohne biologische Ordnung zugrunde!

Die rücksichtslose Technisierung der Produktion von Lebendigem hat Boden, Pflanze, Tier und Mensch der biologischen Ordnung beraubt. Ein waghalsigeres Experiment kann man mit der Menschheit kaum noch machen. Die biologische Vernunft d.h. der gesunde Menschenverstand, der Gut und Böse zu unterscheiden weiß ist eine Funktion der biologischen Ordnung. Wer den Menschen also eine Nahrung anbietet die der biologischen Ordnung ermangelt, der muss wissen, dass dann die biologische Vernunft verloren geht und wir an den Rand der Selbstvernichtung gelangen.
Ohne den Humus so wie er von der Schöpfung gemacht war und gedacht ist, wird es keine Menschlichkeit mehr geben.

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