43. Artikel Herbst 1965

„Der Stickstoff im biologischen Landbau“

Mit dem Stickstoff steht und fällt sowohl die Kunstdüngerwirtschaft wie der biologische Landbau, denn tatsächlich „ohne Stickstoff gibt es kein Wachstum“.

Wir kennen den künstlichen Stickstoff, den die Chemiker in ihren Großanlagen aus der Luft synthetisieren und den natürlichen Stickstoff, den organischen, der durch Lebensvorgänge erzeugt wird. Zwischen diesen beiden Stickstoff-Formen gibt es entscheidende Unterschiede. Sie sind chemischer, physikalischer und biologischer Art und sind für uns im biologischen Landbau der allerwichtigste Unterschied im Stoffwechsel zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch.

Das Lebendige auf Erden, das ja überwiegend aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff besteht, macht Gebrauch von den großen Vorratslagern der Natur an Stickstoff in Form der Luft. Eine der wichtigsten Bildungen, die das Lebendige aus den Elementen formt, ist das Eiweiß, das Protein in Form von über 20 Aminosäuren. Zu seinem Bau ist Stickstoff ein Grundbaustein. Eine weitere Tatsache ist maßgeblich, nämlich der Grundsatz, dass alle Stoffe, die einmal vom Lebendigen aufgenommen und zu den großen Molekülen verbaut wurden, deren sich das Leben bedient, möglichst vollständig wiederverwendet werden sollen zum biologischen Substanzkreislauf. Dieser ist der wichtigste Grundsatz aller Nahrung und aller Ernährung, dass diejenigen Stoffe, die für das Lebendige kennzeichnend sind, nicht immer wieder von neuem aus Grund- oder Rohstoffen gebildet, sondern aus dem „Kreislauf der Substanzen“ genommen werden.

Daher der Unterschied zwischen künstlichem und natürlichem Stickstoff. Der künstliche kommt unmittelbar aus dem Rohstofflager der Natur, aus der Luft, der natürliche hingegen ist seit kürzerer oder längerer Zeit, vielleicht bereit seit Jahrtausenden im biologischen Substanzkreislauf unterwegs.

Der Unterschied zwischen künstlichem und natürlichem Stickstoff:

  1. Der Chemische: Der künstliche Stickstoff besteht aus ganz einfachen Elementverbindungen, aus wenigen Atomen. Der natürliche Stickstoff kommt aus dem biologischen Substanzkreislauf und ist in Proteinen (Eiweiß) oder deren Bausteinen, den Aminosäuren enthalten. Es gibt deren mehr als 20, die Mischungsmöglichkeiten sind enorm.

  2. Der Physikalische: Stickstoff kommt außer in seiner normal bekannten Form auch in der physikalisch ganz anderen Form von Isotopen vor. Das Angebot an Stickstoff-Sortenwahl, das die Natur der Pflanze biete, ist ein ganz anderes als das Zwangsangebot, das man der Pflanze mit künstlichem Stickstoff macht.

  3. Der Biologische: Stickstoff aus der Retorte ist biologisch-funktionell unwirksam, er wird als Salz in den Stoffkreislauf der Pflanze eingeschleust und wird als elementarer Baustein verwandt. Anders die Stickstoffverbindungen aus dem biologischen Substanzkreislauf, sie haben „Charakter“, sind biologisch-funktionell wirksam und erleichtern den Organismen ihren Aufbau.

Der künstliche Stickstoff kann keinesfalls den natürlichen Stickstoff, der im Fluss des Nahrungskreislaufes aus dem Boden zur Pflanze gelangt im Entferntesten ersetzen.

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