51. Artikel Herbst 1967

„Warum wir den Boden mikrobiologisch untersuchen“

Der Test ist mühsam und sehr arbeitsaufwendig für alle Beteiligten, eine umfangreiche zusätzliche Arbeit. Was hat sie für einen Sinn?

  1. Durch den organisch biologischen Landbau soll den Mitmenschen eine gesunde Nahrung geschaffen werden, es soll besser gemacht werden als bisher. Wer solches unternimmt, braucht eine Kontrolle. Eine Kontrolle um der Aufgabe willen, um der Arbeit willen, eine Selbstkontrolle.
  1. Der biologische Landbau will gesunde, wertvolle Nahrung schaffen. Es wäre nun erheblich einfacher, wenn es brauchbare Methoden gäbe, an den Produkten selbst zu prüfen, ob sie den Anforderungen an eine solche „Heilnahrung“ entsprechen. Es gibt aber derzeit keine für solche Untersuchungen brauchbaren Methoden. Es ist erheblich einfacher, die biologische Qualität des Bodens fortlaufend zu kontrollieren: die Bodenqualität entspricht haargenau der Pflanzenqualität, denn ein kranker Boden bringt kranke Pflanzen hervor, nur ein gesunder bringt gesunde Pflanzen hervor. Hauptsächlich deshalb haben wir den Bodentest so eingerichtet, dass er uns ein zuverlässiges Urteil gibt über die biologische Bodenqualität. Wir benutzen dabei Bakterien, deren sich die gesunde Pflanze zur Nahrungsbeschaffung bedient, es handelt sich da sozusagen um die „Darmflora“ der Pflanze, die untersuchungsmäßig zum Einsatz kommt.
  1. Wieviel Mengenleistung können wir von dem geprüften Boden erwarten? Es wird festgestellt wie viel Zellen ein solcher Boden hervorbringen kann, indem man ihm das Wachstumsklima verschafft durch Wärme, Wasser und Nährstoffe bei der Untersuchung. Die Zellzahl sagt aus, wieviel Pflanzenmasse erwartet werden kann.
  1. Die Lebendigkeit des Bodens und der Gütewert der Kleinlebewesen (Bakterien) tritt zu Tage.
  2. Wichtige Erkenntnisse, die die mikrobiologische Bodenuntersuchung geschenkt hat:
    Fremdstoffe verwendet im Stall oder Haushalt, die das Bodenleben verderben. Die Gefährlichkeit der Obstspritzungen für alles Land ringsum. Die Gefährlichkeit nicht nur der Gifte gegen Schädling und Krankheit, sondern auch der Hormonstoffe und Wirkstoffe der Unkrautbekämpfung.
    Alles das verdirbt das Bodenleben, wie der Test zeigt.
  1. Von der mikrobiologischen Untersuchung haben wir auch gelernt, dass der Boden in Schichten (zwei verschiedenartige Gareschichten) arbeitet, die streng getrennt arbeiten müssen, die man nicht durcheinander bringen darf, wenn man der Pflanze nicht einen Schaden zufügen will. Erst seitdem wissen wir ganz genau, dass man den Pflug und den Spaten mit großer Vorsicht anwenden muss, dass man die Ordnung im Boden vernichtet, wenn man zu tief pflügt, dass man keine unzersetzten, frischen organischen Massen, wie die Gründüngung und den Stallmist unterpflügen darf, weil man damit schweren Schaden an der biologischen Bodenqualität anrichtet und die Pflanzen krank und schädlingsanfällig macht.
  1. Wir haben gelernt, dass der Haufenkompost in seiner Endreife wesentlich mehr Zellen verbraucht, als das flächig aufgebrachte Material (Herbstgeschehen der Natur) das den Bodenbakterien beste Nahrung bietet. (Flächenkompost)
  1. Durch den Test wurde es möglich, sämtliche Zukaufdünger auf Leistungsfähigkeit und Güte zu überprüfen.
  1. Es wurde mit den Bodenproben auch gleichzeitig eine exakte pH Messung möglich. Es entwickelte sich allmählich daraus eine ganz andere Landbautechnik, eine ganz andere Art der Bodenbearbeitung. Wir hätten ohne die fortlaufenden mahnenden Resultate der Bodenuntersuchungen niemals den Mut dazu gefunden, die gesamte Bearbeitungstechnik umzustellen und gar manchmal das Gegenteil dessen zu fordern, was vorher gefordert war. Das wäre sicher noch nicht, wenn uns der Test nicht die Wahrheit gezeigt hätte, nicht ein paar Einzelteile, sondern die vielen Tausende, die wir gemacht haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.