87. Artikel Herbst 1976

„Die Bewährungsprobe“

 Seit Justus v. Liebig im vorigen Jahrhundert entdeckte, dass die Pflanzen ihre mineralischen Baustoffe in Salzform aus dem Boden aufnehmen, ahnte er erst in seinem Alter, was er damit in Gang gebracht hatte und versuchte – vergeblich – den unheilvollen Irrweg der Kunstdüngung zu verhindern. Vor allem die Produktion des synthetischen Stickstoffs wurde vorangetrieben. Niemand hat wohl damals wirklich gewusst, was letzten Endes daraus entstehen würde.

Der große Einbruch in die Landwirtschaft erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts. Bestechend wirkte das rasche üppige Wachstum, ganz besonders bestechend die Tatsache, dass sich mit Hilfe des Kunstdüngers schon im ersten kalten Frühjahr Wachstum erzielen lässt, obwohl die Voraussetzungen für ein natürliches Wachstum noch nicht gegeben sind.

Der Pferdefuß der Kunstdüngung war noch nicht offenbar geworden, weder der Sortenschwund, noch der Abbau der Widerstandskraft gegen Krankheit und Schädlinge und der Zwang zur Giftspritzerei. Ahnungslos übernahmen die Bauern das so einfache Verfahren. Die Kunstdüngerindustrie-Umsätze stiegen nach dem ersten Weltkrieg so stark an, dass sich eine neue Großindustrie entwickelte, die in alle Welt expandierte und Heeren von Arbeitern, Angestellten, Vertretern und wissenschaftlichen Fachkräften Arbeit und Brot verschaffte. Die Kunstdünger-Industrie wurde zu einem der größten Unternehmen der Welt, einschließlich der später hinzutretenden Spritzmittelproduktion und hatte die Macht des Geldes auf ihrer Seite.

Man hat bei der Großindustrie den biologischen Landbau zunächst nicht ernst genommen. Unabhängige Wissenschafter (an vorderster Stelle Dr. Hans Peter Rusch) machten sich alsbald an die Arbeit um dem biologischen Landbau den notwendigen wissenschaftlichen Unterbau zu schaffen und die Direktiven zu schaffen, nach denen nun seit einiger Zeit gearbeitet wird. Das hat man bei dem Managertum der Industrie wohl kaum für mgölich gehalten. Nun ist aber außerdem eine ganz neue Sachlage dadurch entstanden, dass von unabhängigen Forschern der Begriff „Umweltverschmutzung“ geprägt wurde, ein Begriff, der rasch Eingang ins allgemeine Bewusstsein der Völker gefunden hat. Es wurde neben Wasser- und Luftverschmutzung die chemisierte technisierte Landwirtschaft als größter Umweltverschmutzer erkannt.

Weil aber der biologische Landbau die einzige Möglichkeit bietet der Verderbnis der Naturkräfte zu begegnen und dem Lebendigen auf Erden seine Erbgesundheit zu bewahren, bleibt nun der Industrie nichts anderes übrig, als den Abwehrkampf gegen jede Erneuerung der Landwirtschaft aufzunehmen. Es ist ja direkt bewundernswert, wie die Industrie es fertigbringt den Staat, die landwirtschaftlichen Forschungsstätten und alle dienlichen Institutionen vor ihren Karren zu spannen, wie sie es fertigbringt, den Egoismus und die Existenzangst ihrer Leute auszunützen. Ohne Kunstdünger würden Millionen und Abermillionen von Menschen auf der Welt zusätzlich verhungern, so wird es verlautbart. Der biologische Landbau wird als unwissenschaftlicher Blödsinn abgetan.

Alledem zum Trotz: Der biologische Landbau wächst und wächst, sein Siegeszug ist nicht mehr aufzuhalten. Die Bildung von Gruppen von Landwirten, die ihre Betriebe auf organisch-biologischen Landbau umgestellt haben, wächst.

In USA und Kanada gibt es bereits einen ausgedehnten biologischen Landbau, es fehlt ihm aber an den wissenschaftlichen Direktionen, da sind wir ihnen um 20 Jahre voraus, wie sie selbst zugeben. Wir waren die ersten, die die entscheidenden wissenschaftlichen Wahrheiten erarbeitet haben. Wir dürfen stolz sein, Pioniere zu sein. Wir haben inmitten einer feindlichen Umwelt ein Beispiel dafür geschaffen, wie der Landbau der Zukunft aussehen muss.

Im Zeitalter des Materialismus, der Technisierung, der Landflucht, der Gottlosigkeit ist die Verbindung zwischen Mensch und Natur abgerissen. Der Mensch bildet sich ein selber Gott zu sein. Seitdem verkümmert das Bauerntum, die Nahrungsfabrik tritt an seine Stelle. Wir müssen dafür sorgen helfen, dass der bäuerliche Familienbetrieb wieder zu Ehren kommt, in dem Moral und Sitte herrschen. Solchen Bauernfamilien zu helfen, zum Natürlichen zurückzukehren, das ist die Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte.

Dann wird auch einmal wieder alle Nahrung auf den Märkten Gesundheit zu den Menschen bringen, dann wird der Kulturverfall, die Seelenlosigkeit, die mangelnde Liebe unter den Menschen und der Verfall der Gottgläubigkeit aufgehalten werden. Es gibt keinen anderen Weg als den unsrigen.

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