89. Artikel Frühjahr 1977

„Der Gareschwund und seine Folgen“

Diesem Artikel sandte Dr. Müller die Botschaft voraus, dass Dr. Rusch zu seiner Gesundung ein Sanatorium aufgesucht habe. Es war eine sehr ernste Botschaft!
Dass die Kunstdüngung wie jeder Raubbau an biologischen Funktionsqualitäten auch den Schwund der antomischen Struktur fruchtbaren Bodens bewirkt, muss hier nicht historisch belegt werden. Herausragende Werke zu diesem Thema sind jene des Forscher-Ehepaares Raoul Francé und Anni Francé-Harrar und die des allzu früh verstorbenen Dr. Franz Sekera.
Es wäre sinnlos, sich auf den seit Jahrzehnten anhaltenden, oft ganz unsachlichen und unwissenschaftlichen, Meinungsstreit einzulassen. Wir betrachten den Gareschwund als natürliche, unmittelbare, voraussehbare und selbstverständliche Konsequenz der künstlichen Treibdüngung. Es würde jeder biologischen Vernunft widersprechen, wenn es anders wäre.
Die Gare am Organismus Boden – Pflanze ist nicht nur eine quantitative, sie ist auch eine qualitative, beide Größen erfahren durch eine Treibdüngung Einbußen, die mit weiteren künstlichen Mitteln nicht wettzumachen sind. Die Einbuße ist dadurch gegeben, weil die Stoffwechsel beider Organismenarten künstlich und zur Unzeit beschleunigt werden. Dadurch werden beide Organismen zum Raubbau am Substanzkreislauf gezwungen, weil man ihnen ja keine vollwertige Nahrung bietet, sondern eine höchst einseitige. Man muss das eigentlich nicht besonders beweisen, man muss es vielmehr erwarten.
Der Eingriff in den Substanzkreislauf durch Treibdünger, der die Organismen Boden – Pflanze zu einer unphysiologischen Erhöhung ihres Stoffumsatzes zwingt, bringt den geregelten Ablauf der Lebensvorgänge, der für die Erhaltung der labilen biologischen Gleichgewichte verantwortlich ist, in Gefahr; man kann sicher sein, dass damit biologische Unordnung bewirkt wird, die im Schwund der Qualitätsmerkmale unmittelbar zum Ausdruck kommt, aber auch im Schwund der Erntemenge.
Man hat zu erwarten, dass diese Unordnung mit der Intensität der Treibdüngung zunimmt, jedoch bereits beim geringsten Eingriff in die feinstofflichen Umsätze beginnt.
Die Humuswirtschaft vermag heute zu beweisen, dass der Gareschwund auf den chemisch ernährten Äckern direkte Folge der Treibdüngung ist.

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