12. Artikel, Sommer 1956

„Vom Segen der Heilkräuter in der Landwirtschaft“ 

Das Leben auf unserer Erde nährt sich aus allen Elementen und allen Kräften, die zur
Verfügung stehen; es braucht die Strahlungsenergie der Sonne ebenso wie die Kraft der
Erde, es braucht den Wind, die Luft, das Wasser, das Licht, die Wärme. Und es braucht sie
so wie sie auf der Erde vorkommen. Daran ist grundsätzlich trotz aller menschlichen
Bestrebungen nichts zu ändern.

Das Leben braucht aber auch das „andere Leben“ auf der Erde, das sind die lebendigen
organischen Wirkstoffe, die die Lebewesen zu ihrem Schutz, Wachstum und Fortpflanzung
brauchen; feine, ungeheuer kompliziert zusammengesetzte Wirkstoffe in der notwendigen
Vollkommenheit und Menge, die brüderlich von einem zum anderen ausgetauscht werden.

Die Wirksamkeit der Heilkräuter, die zum größten Teil seit Jahrtausenden den Menschen
bekannt ist, beruht darauf, dass jedes von ihnen komplizierte Wirkstoffe besitzt, die für den Ablauf organischen Lebens irgendwie wichtig sind. Sie fördern auf eine uns noch meist unbekannte Weise natürliche Vorgänge des Wachstums, der Kohlehydratbildung, der Eiweißbildung, der Zellvermehrung, der Fruchtbarkeit und vieler anderer organischer
Vorgänge, die den Lebewesen eigen sind.

Die Zusammenarbeit der Lebewesen ist jedoch so organisiert, dass keiner seine Befugnisse überschreitet. Auf diese Weise werden die Lebensräume der Organismen gegeneinander abgegrenzt, ein jeder erhält den ihm zustehenden Platz an der Sonne, aber nicht mehr. Dem natürlichen Egoismus einer jeden „Spezies“ ist die Schranke gesetzt durch den Zwang zur Lebensgemeinschaft, das drückt sich auch in der Wirkung der Heilkräuter aus. Dort macht es nicht die Menge aus, sondern die heilenden Wirkstoffe gelangen nun in geringer Menge, ja meist nur in nicht nachweisbaren Spuren zu anderen Organismen und werden dort wirksam.

So gibt es zahlreiche Beziehungen von Pflanzen untereinander, Freundschaften und
Feindschaften bei Gemüse und Feldfrüchten, fördernde Wirkungen durch Beikräuter,
spezielle Baum- und Straucharten für verschiedene Böden (Bewaldung von Steppen). Es
gibt tausende von Beispielen auf wievielfältige, ja geheimnisvolle Art das Lebendige auf der Erde miteinander verwachsen und verwoben ist. Mit den Heilkräutern wird der Versuch gemacht, der natürlichen Wirkstoffe teilhaftig zu werden, in dem wir ihre Wirkungen auf Krankheiten unseres Körpers erproben.

Wohl am weitesten entwickelt ist diese Möglichkeit in den Lehren der Homöopathie: Heilen mit kleinsten Mengen von Wirkstoffen. Solche Heilkräuterwirksamkeiten wurden erprobt bei der Kompostbereitung, insbesondere durch die biologisch-dynamischen Präparate von Steiner: Kamille, Löwenzahn, Eichenrinde, Schafgarbe, Brennessel, Baldrian; aber auch andere Forscher, Lippert, Caspari, Bruce befassten sich mit diesem Thema mit vollem Erfolg. Auch hier genügen kleine Mengen, wenige Gramm Kräuter für Komposte üblicher Gartengröße.

Seit der begonnenen Erforschung der Spurenelementwirkung fangen wir an, etwas tiefer in die Geheimnisse der organisch-biologischen Substanzen zu blicken. Es darf uns daher nicht wundern, wenn winzige Mengen von Kräuterpulvern aus Wildpflanzen im lebendigen
Organismus „Komposthaufen“ enorme, ja entscheidende Wirkungen hervorbringen können. Für eine für den Menschen voll gültige Nahrung ist es nicht nur wichtig, dass die groben Nährstoffe vorhanden sind, die Eiweiße, Fette, Kohlehydrate, Vitamine, Minerale und Spurenstoffe, sondern auch die hochwichtigen organischen und lebendigen Substanzen, ohne die die Feinarbeit unserer Körpergewebe und -zellen allmählich zum Erliegen kommt.

Diese Stoffe aber vermittelt uns nur eine Pflanze, die selbst richtig ernährt wird, die selbst die Möglichkeit hat, ihren Zellen die vollkommene, die wirklich biologische Nahrung zu
verschaffen. Und dafür braucht sie unter anderem auch die Wirkstoffe aus dem
Pflanzenreich der Wildnis. Dies ist der Sinn der Anwendung von Heilpflanzenpräparaten in
der Landwirtschaft.

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