23. Artikel Herbst 1959

 „Die biologische Bedeutung der Fruchtfolgen“

Fruchtfolge als Mittel gegen die Bodenmüdigkeit nach Monokulturen ist seit Großvaters Zeiten bekannt und hat sich aus der Erfahrung heraus entwickelt.
Jede Pflanzenart nimmt nicht nur Stoffe aus dem Boden auf, sondern scheidet auch aus wie jeder Organismus. Diese Ausscheidungsstoffe sind ihrerseits Wirkstoffe die das Bodenleben beeinflussen bzw andere Pflanzenarten. Diese Stoffe können wachstumshemmend oder auch wachstumsfördernd wirken. Im organisch biologischen Landbau konnte erarbeitet werden, dass alle Probleme die die Bodenmüdigkeit aufwirft allein damit praktisch lösbar sind, dass wir dem Boden sein natürliches Leben wiedergeben und so stark erhalten wie die Fruchtfolge erfordet.
Es hat sich sogar nachweisen lassen, dass zB Kartoffeln ohne Schaden und ohne Ertragsabfall mehrere Jahre hintereinander in Monokulturen angebaut werden konnten (siehe Alwin Seifert „Gärtnern Ackern ohne Gift – 16x Frühkartoffel als Vorfrucht von Rosenkohl hintereinander) Daraus ist der Schluss zu ziehen, dass ein genügend belebter Boden bei manchen, sogar anspruchsvollen Pflanzen meist nicht müde wird, wenn er eben stets lebendig erhalten wird.
Vier Faktoren sind es beim derzeitigen Wissenstand, die zur Erschöpfung des Bodens führen:
1. Die Verarmung an Spurenelementen
2. Die hungernde oder falsch gelenkte Bodenflora
3. Die Verarmung an verwertbarer organischer Substanz
4. Die Verarmung an Bodentieren

 

1.Die Spurenelemente sind mehr oder weniger seltene Exemplare in dem Elementengemisch der Erdoberfläche. Es gibt an die 80 Elemente, die das Lebendige braucht, soweit man weiß, einige davon in großen Mengen, die meisten nur in Spuren. Pflanzen haben je nach Art ganz bestimmte, untereinander verschiedene Bedürfnisse an Spurenelementen (zB Mg Cn Fe) Wird ein notwendiges Spurenelement von einer Pflanzenart bevorzugt aus dem Boden weggenommen, dann wird der Boden müde. Bei Fruchtfolge an dem die Pflanze alle 4-5 Jahre ungebart wird, wird die Erschöpfung =Bodenmüdigkeit hinausgezögert. Die Spurenelemente sind jedoch lebensnotwendig. Eine synthetische Spurenelementedüngung ist schwierig, da die richtige Dosierung der einzelnen Elemente nahezu ausgeschlossen ist.
Im organisch-biologischen Landbau wird daher Urgesteinsmehl verwendet, dabei gibt es keine Dosierungsfragen, wohl aber müssen die Böden genügend Leben haben, um die nur mikrobiell löslichen Elemente der Urgesteinsmehle aufzuschließen.

2.Die mikrobielle Bodenflora Die Wirkstoffe der Pflanzenausscheidungen können insbesondere bei Monokulturen den Boden sehr belasten bzw können die gleiche Pflanze oder die Nachfrucht schädigen oder fördern wie wissenschaftliche Arbeiten beweisen. Es wurde jedoch erarbeitet, dass mit der Aktivierung der Bodenflora und Erhöhung des Bodenlebens die Probleme der Monokultur verschwinden.

3.Die organische Bodensubstanz Sie entscheidet über die Auswahl und den Charakter der Bodenflora (Mikrobien -)es wächst in jedem Boden das an Mikrobien-Flora was eben dort leben kann. Es ist daher von größter Wichtigkeit dass eine quantitativ reichhaltige Bodenflora wachsen kann, und das kann nur mit der regelmäßigen Versorgung durch oragnische Abfallstoffe geschehen. Ist der Boden ausreichend belebt, so ist er imstande eine jede organische Substanz zu verdauen, auch dann, wenn sie bestimmte Hemmstoffe enthält.

4.Die Bodentiere An der Spitze der Regenwurm. Die Kleintiere sind die Hauptzerkleinerer und Verdauer der Abfallsubstanz in Pflanzennahrung. Die Monokultur schädigt in verschiedener Weise das Leben der Bodentiere, da sie Einheitsverhältnisse vorgibt, die den Bedürfnissen der Kleintiere nicht entsprechen.

Die biologische Bedeutung der Fruchtfolge liegt letzten Endes darin, dass bei wechselweisem Anbau verschiedenartiger Gewächse das Bodenleben eine Förderung erfährt während es bei der Monokultur die ohne Wechsel ständig fortgeführt wird, zu einer Schädigung, Ertragsminderung, Krankheitsbefall usw deshalb kommt weil die Lebensbedingungen für das Bodenleben nicht erfüllt werden oder nicht erfüllbar sind.

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