36. Artikel Herbst 1963

„10 Jahre biologische Bodenprüfung“

 In seinen Anfängen hatte der biologische Landbau zur Kontrolle seiner Arbeit am Boden, an der Pflanze, seiner Düngung und seiner Erfolge kaum mehr zur Verfügung als die innerste Überzeugung, dass die künstliche Pflanzenernährung falsch sei. Zwar hat sich diese Überzeugung in diesen und jenen Erfahrungen allmählich als richtig erwiesen, im Großen und Ganzen aber arbeitete man „im Dunklen“. Es gab nur sehr unzuverlässige Anzeichen dafür, ob ein Boden, ein Kompost, eine Pflanze biologisch gut sei; die Folge war, dass beinahe jeder eigene Rezepte hatte, und es gab so viele verschiedene Vorschriften für den organischen Landbau, dass man sie unmöglich unter einen Hut bringen konnte.
Zu gleicher Zeit gab es aber im „offiziellen“, von der Agrikulturchemie bestimmten Landbau bereits erprobte, eingespielte Teste, die scheinbar den „Nährstoff“-Gehalt von Böden und Düngern sehr exakt feststellten und zu genauen Angaben über die angeblich „harmonische“ Kunstdüngung benutzt wurden. Besonders einfache Gemüter fühlten sich hier absolut gesichert, und da man zu Anfang die Kehrseite der Mineraldüngung auch noch nicht deutlich zu sehen bekam, ging damals die große Mehrheit der Bauern mit fliegenden Fahnen zur Kunstdüngung über.
Das wäre wahrscheinlich nicht geschehen, wenn die Entwicklung der biologischen Wissenschaften genau so weit vorgeschritten gewesen wäre wie die der chemisch-physikalischen. Davon konnte aber keineswegs die Rede sein, im Gegenteil: Noch heute befindet sich die Lebensforschung in ihren Anfängen, zum mindesten dort, wo sie sich als „anerkannte Wissenschaft“ bezeichnet. Hätte man damals, vor 30-40 Jahren nicht nur chemische und physikalische, sondern auch biologische Teste gehabt, die anhand von Boden- und Düngerproben Angaben über Umfang und Güte der Fruchtbarkeit, über das biologische Gleichgewicht und die Bodengare erlaubt hätten, so wäre die Entwicklung der Landbauwissenschaft und des praktischen Landbaues vermutlich ganz anders verlaufen.
Nun haben vor etwa 30 Jahren Ärzte begonnen, sich genauer mit den Problemen zu befassen, und zwar Ärzte, die sich mit den mikrobiologischen Zeichen von Gesundheit und Krankheit abgaben.
Damals zeichnete sich zum ersten Male in diesen niedersten Lebensbereichen der Bakterien eine biologische Ordnung ab; man bemerkte zum ersten Male, dass es auch hier Anzeichen von Ordnung und Unordnung, von krank und gesund, von richtig und falsch gibt, Anzeichen, die man dort, wo Mensch und Tier mit Bakterien zusammenleben, für ein Urteil über deren Gesundheitszustand benutzen kann. Es ergab sich sogar damals schon, dass man mithilfe bestimmter Bakterien auf die Gesundheit fördernd einwirken kann.
Inzwischen ist auf diesem Gebiet viel mehr bekannt geworden, und man weiß heute, dass die mit Menschen und Tiere zusammenlebenden Bakterien (man nennt sie „Symbionten“) den Zustand der Grundgesundheit sehr genau anzeigen. Man weiß, welche Arten man finden muss, wenn die Grundgesundheit gut ist, und man weiß, welche Bakterien auftreten, wenn der von ihnen besiedelte Organismus nicht „in der biologischen Ordnung“ ist. An solchen Forschungsaufgaben haben auch wir, die wir heute die mikrobiologische Untersuchung der Bodenproben vornehmen, teilgenommen, und ein Arbeitskreis von Ärzten und Tierärzten hat sich unsere Erfahrung praktisch zunutze gemacht.
Eines Tages kamen wir dahinter, dass einer unserer Lehrer, der 1952 verstorbene Bakteriologe Arthur Becker in einer Tonne Kolibakterien züchtete, die er auf seine Pflanzen im Garten goss. Von diesem schweigsamen Mann erfuhren wir nicht viel mehr, als dass er dies schon seit langer Zeit tue, und dass der Boden auf diese Weise herrlich fruchtbar wurde; da gab es so prächtiges Wachstum, wie man es sonst nie sieht, keine Schädlinge, keine Krankheiten und einen wundergar garen Boden. Aber wir hatten das Gefühl, dass dieser immer bescheidene Mann selbst nicht genau wusste, welchen hochwichtigen Dingen er da auf der Spur war.

 

In den folgenden Jahren haben wir nun mit Mittererden aus Gärten, Pflanzbeeten, Gewächshäusern und Komposten genau dasselbe gemacht, was wir in der medizinischen Bakteriologie gelernt hatten :
Wir haben versucht, die Bakterienflora dieser lebendigen Materialien auf Nährböden darzustellen, um herauszubekommen, wie groß die Fruchtbarkeit der Proben ist und von welcher Güte. Und das führte zu einem vollen Erfolg.
Mit der Zeit haben wir immer mehr Versuche angestellt und uns davon überzeugt, dass wir eine Methode entdeckt hatten, die für den biologischen Landbau geradezu wie geschaffen war, eine Methode, die er bisher hatte entbehren müssen, und wir nahmen denn auch um das Jahr 1950 herum alle diese Erfahrungen am lebendigen Boden in unsere medizinischen Vorträge auf. Einen solchen Vortrag hat auch Dr. Müller in Bern miterlebt und offenbar ganz klar die Chance erkannt, die sich hier für den biologischen Landbau bot. Es schien, man könnte hier den wissenschaftlichen Vorsprung des chemischen Landbaues nachholen und brauche in Zukunft nicht mehr „im Dunklen“arbeiten wie bisher. Und diese Meinung hat sich in der weiteren Zukunft bestätigt.
zu Es folgt eine ausführliche Darstellung des von Dr. Rusch entwickelten Verfahrens wonach Bakterien, die am häufigsten Lebewesen eines fruchtbaren Bodens in ihrer Zusammensetzung ein unbestechliches Zeugnis der biologischen Bodenqualität abgeben. Es wird sowohl über die Menge als auch über die Güte des zu untersuchenden Bodens entscheidendes ausgesagt.
Der Test wird heute nur mehr in bescheidenen Mengen im Labor von Mag. Andree Gilhofer in 4170 Haslach, Rebenleiten 10, ausgeführt.

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