65. Artikel Frühjahr 1971

Über den Unterschied zwischen organischem und chemischen Stoffwechsel

Der chemische Stoffwechsel ist der Abtausch von relativ einfachen chemischen Verbindungen mit Salzcharakter (Ionenabtausch) von Bausteinen der Eiweißstoffe (Aminosäuren) Kohlehydratmolekülen (Energiestoffwechsel) von verseiften Fetten (Fettstoffwechsel) und schließlich von größeren Verbindungen wie Hormonen, Enzymen und Vitaminen. Alle diese Stoffe sind tote Substanzen.

Der organische Stoffwechsel ist der Abtausch von lebendigen Großmolekülen zwischen Organismus und Umwelt Aufnahme passender neuer lebender Substanz gegen Abgabe abgebrauchter und unerwünscht gewordener lebender Substanz.

Der chemische Stoffwechsel geht nach chemisch-physikalischen Gesetzen vor sich und wird auch nach solchen Gesetzen vom lebendigen Organismus gesteuert. Der organische Stoffwechsel geht nach organisch-biologischen Gesetzmäßigkeiten vor sich und ist als organischer Wachstumsvorgang aufzufassen, gesteuert durch den Gesamtplan eines lebenden Organismus nach biologischen Gesichtspunkten, wobei chemische Gesetze nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Der chemische Stoffwechsel der toten Stoffe geht auf einen grundsätzlich anderen Wege vor sich wie der organische. Die toten Stoffe gelangen in einer sozusagen löslichen Form mit Hilfe von Wasser unmittelbar in den Organismus, nämlich in seine Saftströme; die Kontrolle und Dosierung geschieht dadurch, dass im Darm selbst nur eine bestimmte Menge verdauungsreif gemacht wird – gesteuert durch Verdauungsfermente, Basen und Säuren -, und dadurch, dass nach dem Übertritt in den Organismus bestimmte Organe, vor allem die Leber den Strom der toten Stoffe (Nährstoffe) kontrollieren und steuern, wobei die Stoffe teilweise chemisch verändert werden.

Der Stoffwechsel lebender Substanz wird ganz anders gehandhabt. Zunächst werden lebende Substanzen durch die Verdauung nicht oder nur unwesentlich angegriffen. Sie werden dann, ganz im Gegensatz zu den toten Substanzen, von lebenden Zellen der Darmwände geprüft und entweder in die Zelle selbst aufgenommen oder abgelehnt. Bei diesen Zellen handelt es sich um Zellen des sogenannten lymphatischen Systems. Das sind die Zellen, die auch in den Rachenmandeln, den Lymphknoten und vor allem als freibewegliche Zellen in Form der sogenannten Lymphozyten, einer Blutkörperchen-Sorte vorkommen und die es in Teilen der Darmwand in Massen gibt. Von diesen Zellen aus gelangen die lebenden Substanzen dann in die Lymphozyten, die sie freischwimmend weitertransportieren und dorthin bringen wo sie hingehören. Wollen die Lymphozyten allerdings wissen, wohin sie die lebende Substanz bringen müssen – ganz bestimmte lebende Substanzen passen nur zu ganz bestimmten Körperzellen – das wird wohl für immer das Geheimnis der Natur bleiben – sie wissen es jedenfalls.

Dadurch wird ein weiterer Unterschied zwischen chemischem und organischem Stoffwechsel sichtbar: Während die toten Substanzen praktisch mehr oder weniger vor jeder beliebigen Körperzelle gebraucht werden, kann eine lebende Substanz von denen es unzählige Milliarden von Arten gibt, nur an einer ganz bestimmten Stelle des Organismus und von ganz bestimmten Zellgeweben gebraucht werden. Deshalb wird der chemische Stoffwechsel durch Säfte nach chemisch-physikalischen Gesetzen im ganzen Organismus einheitlich bewirkt, der organische Stoffwechsel wird dagegen ausschließlich von lebenden Körperzellen bewirkt, die „wissen“ um welche Substanz es sich handelt und wohin sie gehört. So gibt es viele hilfreiche Beobachtungen, die darauf hindeuten, dass sich in jeder einzelnen Zelle des Organismus das Bild des gesamten Organismus befinden, muss ein Bewusstsein von der Gesamtorganisation, ein kompletter Plan, eine umfassende Information. Anders wird man wohl auch die Fähigkeit von Zellen nicht erklären können, die wissen um welche lebende Substanz es sich handelt und in welche besonderen Körperzellen sie gehören.

Und schließlich besteht der Unterschied zwischen chemischem und organischem Stoffwechsel praktisch einfach darin, dass sich chemische Vorgänge relativ leicht erforschen lassen, während sich organische Vorgänge nirgends leicht, oft nur auf Umwegen und indirekt oder überhaupt nicht erforschen lassen. Man weiß deshalb über den chemischen Stoffwechsel schon recht gut Bescheid; unsere ganzen Ernährungslehren sind auf ihm aufgebaut, wenn man von „Ernährung“ spricht, so sind damit immer nur die toten Nährstoffe gemeint, mitsamt den Vitaminen, den Mineralstoffen, den Spurenstoffen.

Die biologische Grundlagenforschung hat den organischen Stoffwechsel existent gemacht, der offenbar für den Bestand der Menschheit, für ihre Degeneration und Regeneration allein entscheidend ist und um ein vielfaches wichtiger ist, als der chemische Stoffwechsel.

Zur Erklärung: Bei den lebenden Substanzen handelt es sich um lebende organische Riesenkomplexe in billionenfacher Verschiedenheit, die sowohl Bestandteil von lebenden Zellen sein können, sog. Mikrosomen, wie Bestandteile eines unorganisierten, oder scheinbar unorganisierten organischen Masse, zB Bestandteil eines Kompostes, einer Muttererde, eines Pflanzensaftes, eines Nahrungsbreies. Man muss also unterscheiden zwischen einem zell-gebundenen Zustand der lebenden Substanzen oder einer frei in einem organischen Milieu umherschwimmenden.

Das Gesetz von der Erhaltung der lebenden Substanz“ und die Wege des „Kreislaufs der lebenden Substanz“ wird man schrittweise und mit viel Mühe und Kosten forschend aufklären können.

Den organischen Stoffwechsel hat man früher nicht gekannt und nicht kennen können. Allerdings wäre es für die Entwicklung der ganzen Menschheit besser gewesen, wenn man ihn wenigstens geahnt hätte, wie ihn Justus v. Liebig geahnt hat, den man ja oft aus rein merkantilen Interessen heraus gewaltsam und gründlich missverstanden hat. Es wäre dann nicht zu so umfangreichen Verwirklichungen des rein chemischen Denkens gekommen, mit allen Folgeerscheinungen insbesondere die der Degeneration. Die notwendige Regeneration kann nur mit Hilfe des organischen Stoffwechsels vollzogen werden und wird zur wichtigsten und schwersten Aufgabe der Zukunft werden.

Frische, unversehrte lebende Substanzen liefert nur eine Nahrungspflanze, die selbst vollgesund ist. Die Pflanze ist abhängig von den Lebensvorgängen des Bodens und der Boden selbst ist wiederum von seiner organischen Nahrung und ihrem biologischen Wert abhängig, der Wert der Bodennahrung schließlich wieder vom Wert der Organismen, die durch Tod und Ausscheidungen zur organischen Bodennahrung beitragen. So schließt sich der Kreis. Die auf der Erde vorkommenden lebenden Substanzen sind gemeinsames Eigentum alles Lebendigen und das Lebendige ist absolut-abhängig vom Wert der kreisenden lebenden Substanzen.

Die Regeneration hat also am Mutterboden zu beginnen, hier wird Gesundheit oder Krankheit geboren, erst dann wird es möglich die Nahrung der Menschen allmählich zu regenerieren und damit ihn selbst. Der organische Kreislauf ist schicksalbestimmend.

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