95. Artikel Sommer 1979

„Nur Leben erzeugt Leben“

Jedes Zeitalter hat auf seine Weise und mit seinen Mitteln versucht das Naturwunder „Leben“ zu begreifen. Es ist eine Frage, die alle Menschen angeht, vor allem aber uns, die wir als Hüter des Lebens angetreten sind.

Die Naturwissenschaft hat die Geheimnisse der Materie, des Stofflichen bis beinahe ins letzte entschleiert und damit auch den stofflichen Bestand der Lebewesen. Materiell gesehen ist die Erscheinung „Leben“ für die Naturwissenschaft kaum noch ein Geheimnis. Was aber völlig übersehen wurde, war, dass die Erscheinung „Leben“ und die Grundgesetze des „Lebens“ an der Materie allein nicht gedeutet und nicht erkannt werden können, denn das Stoffliche ist nicht mehr als ein Diener des Lebens, der dazu dient, die Gestaltung des Lebendigen zu formen.

Das Leben war vorher vor allem Stofflichen und es ist nachher, sobald das Leben die irdisch-stoffliche Gestalt verlassen hat. Das Leben ist ewig, es ist Geistiges, das der Materie nur bedarf, wenn es sich für uns sichtbar darstellen soll. Das Geheimnis „Leben“ ist also in Wirklichkeit hinter der Erscheinung „Lebewesen“ zu suchen, es kann nur gedacht, aber niemals stofflich bewiesen werden.

Leben kann nur vom Leben selbst geschaffen werden. Wir Menschen können nicht Leben schaffen. Wir können es allenfalls manipulieren in irgendeiner gewollten Richtung, zB. sind unsere Kulturpflanzen solche Manipulationen. Sobald aber unsere Manipulationen zu weit gehen, ruft uns der Wächter über das Leben in seiner höheren Weisheit zur Ordnung und sorgt dafür, dass diese Geschöpfe des Menschen zugrunde gehen. Kunstgedüngte Kulturen werden vom Schädling befallen und so ausgetilgt, außer man besprüht sie mit Gift. Auch der Kulturpflanzenzüchter geht von Wildgewächsen aus, also vom Lebendigen, wenn Kunstzüchtung Abbauerscheinungen zeigt, muss auf Wildlinge zurückgegriffen werden, also auf die Vorräte des Lebendigen.

Alle Lebewesen bestehen aus Zellen, bis hinab zum einzelligen Lebewesen, der Mikrobe. Diese Zellen sind samt und sonders nichts anderes als winzige Gehäuse für lebende Substanzen, die in ihrer Gesamtheit die Art, die Gestalt und die Funktionen einer jeden Zelle bestimmen. Das Lebendigsein eines Organismus baut sich also auf aus dem Leben aller seiner Zellen und das Lebendigsein einer jeden Zelle baut sich auf aus dem Leben aller ihrer lebenden Substanzen. Letzten Endes ist es also die lebende Substanz, die Leben vermittelt und Leben weiterträgt.

Die frühere Annahme, die bis in die Gegenwart verkündet wurde, dass die Zelle als kleinste Einheit des Lebendigen bei ihrem Tod mineralisiert werde, dh. zu ihren leblosen Mineralbestandteilen abgebaut werde, wurde durch unzählige Experimente widerlegt dahingehend, dass die lebenden Substanzen den Tod der Zelle unter natürlichen Umständen ohne Ausnahme überleben. Seitdem gilt die lebende Substanz als kleinste Lebenseinheit. Man nennt es heute DNS, ausgeschrieben Desoxyribonukleinsäure, der Bezeichnung der Biochemiker folgend.

Diese kleinste Einheit des Lebendigen ist so unendlich klein, dass sämtliche lebende Substanz auf der Erde, dh. die Substanz von Menshcen, Tieren, Pflanzen und Mikroben, würde wie Biochemiker ausgerechnet haben, einen guten Liter ausmachen.

Man darf annehmen, dass die Menge aller lebender Substanz auf der Erde begrenzt ist und nicht wesentlich vermehrt werden kann, da sich die Lebensräume der einzelnen Arten von Lebewesen gegenseitig begrenzen. Wenn sich zB. der mensch unverhältnismäßig stark vermehrt, wie es ja geschieht, so geht dies auf Kosten anderer Lebewesen, der Tiere und Menschen.

Man darf aber auch annehmen, dass die Natur diese kostbare Substanz, die das Leben trägt, nicht verschwendet, sondern weiterreicht von Lebewesen zu Lebewesen: „Kreislauf der lebendigen Substanz“. Und dieser neue Leitgedanke, der uns durch die letzten Jahrzehnte unserer Arbeit geführt hat und unserem Bild vom biologischen Landbau zugrundeliegt, hat inzwischen zahlreiche exakt-wissenschaftliche Beweise gefunden.

Letzten Endes ist also in unseren Nahrungen das wichtigste die lebende Substanz, denn sie ist die einzig feststellbare Substanz in der Nahrung, die imstande ist, Leben zu spenden, Leben zu vermitteln und zu erhalten. Im lebendigen Boden, den man zurecht „Muttererde“ nennt, findet sie sich in ihrer „nacktesten“ Form und wird einer biologischen Reinigung unterzogen, von allen Begleitstoffen entkleidet. In dieser Form wird sie von den Bodenbakterien, soweit sie als „Wurzelflora“ mit Pflanzen in Beziehung steht, aufgenommen und in die Pflanze weitergereicht. So kommt sie dann letzten Endes im ewigen Kreislauf auch wieder zu uns Menschen.

 

 

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